Wempe-Luxusuhren: "In China hat mich mein Gefühl getrogen"
Kim-Eva Wempe und Luxusuhren aus eigener Herstellung.
Foto: WempeFrau Wempe, die Exporte der Schweizer Uhrenindustrie sind kräftig zurückgegangen. Macht sie das nervös?
Es ist andersrum: Dass wir in den vergangenen fünf Jahren den Umsatz verdoppelt haben, habe ich mir – auch wenn es seltsam klingt – so nicht gewünscht. Es ist zwar schön, aber hat auch Probleme und Herausforderungen mit sich gebracht. Wir haben damit auch nicht gerechnet, es ist über uns gekommen. Wir können aber mit dem Rückgang umgehen, wir können das Lager anpassen. Wir achten darauf, dass wir mit dem Geschäft die lokale Kundschaft bedienen und nicht nur auf Touristen setzen. Das ist unser Markt, dann sind wir nicht so abhängig von Dingen wie der Luxussteuer in China.
Das Antikorruptionsgesetz, das die Umsätze aller Luxuswarenhersteller beeinträchtigte, war auch für Sie ein Problem?
Ja, es ist nicht leicht für uns, aber das Gesetz ist sinnvoll und richtig für das Land. Aber der Markt in China ist zusätzlich schwierig. Wir haben in Peking unsere Niederlassung geschlossen, da waren wir vielleicht zu früh am Markt. Da hat mich meine Erwartung getrogen. Wir glaubten an die Leute, denen Beratung und Service etwas mehr wert ist als der beste Preis. Und damit sind wir sogar in New York seit 35 Jahren erfolgreich, ein damals hart umkämpfter Rabattmarkt. Ich dachte, dass nicht jeder Chinese, der Geld hat, um solche hochwertigen Uhren zu kaufen, 20 oder gar 30 Prozent sparen will. Ich habe an diese Menschen geglaubt, die einen Smalltalk im Geschäft führen wollen, die Betreuung und Service schätzen. Nein, da habe ich mich definitiv geirrt.
Ein herber Rückschlag für Ihr Unternehmen?
Unser Umsatz wird 2016 deutlich zurückgehen – aber wir haben damit gerechnet und haben uns darauf eingestellt. Es waren sehr gute Jahre in der Vergangenheit, allein zwischen 2009 und 2015 haben wir von 30.085 verkauften Uhren auf 57.486 erhöhen können. Wenn das so nicht ganz zu halten ist, sind wir jedoch gut gewappnet. Aber dieses Rauf und Runter im Markt stellt alle vor große Herausforderungen.
Was bedeutet das für ein Unternehmen wie Ihres?
Wir spüren in unseren Boutiquen die Entwicklung in der Politik und vor allem der Wechselkurse. Nach den Anschlägen in Paris ist dort der Tourismus zurückgegangen. Als das Pfund nach dem Brexit fiel, zogen unsere Geschäfte in London an. Menschen, die an hochwertigen Uhren der Weltmarken interessiert sind, reisen dann auch dort hin. Zeitweise gab es erhebliche Preisunterschiede, nachdem die Schweiz den Franken vom Euro entkoppelt hatte. Damit hatte keiner gerechnet. Das haben die Hersteller inzwischen ausgeglichen. Aber selbst der Verlauf des Dax schlägt sich bei uns nieder. Das ist eine psychologische Sache. Als der Dax bei 12.000 lag, liefen unsere Geschäfte gut. Wenn Kunden aber an der Börse viel verlieren, dann haben sie keine Lust, eine teure Uhr zu kaufen.
Der Hersteller Okletey nennt die Uhr "Merry go round" und das steht auch groß im Zifferblatt. Natürlich, weil ein Tourbillon zu sehen ist, jenes Bauteil, das sich zum Ausgleich der Schwerkraft um die eigenen Achse dreht. Entwickelt wurden Tourbillons für Taschenuhren, die die ganze Zeit in einer Position aufrecht in der Tasche verbrachten.
Foto: PRDer Schweizer Hersteller Angelus zeigt in einem eigenen kleinen Schaufenster das Tourbillon, das sich um seine eigene Achse dreht. Limitiert auf 25 Stück.
Foto: PR150 Stück werden gebaut von Panerais Lo Scienziato Luminor 1950 Tourbillon GMT. Das Modell zeigt eine zweite Zeitzone, wenn man ein wenig sucht. Links oben bei 11 Uhr befindet sich das Tourbillon - gut sichtbar.
Foto: WirtschaftsWocheBei 16 Uhr ist auf dem Zifferblatt die Feder zu erkennen, die sonst meist gut versteckt ihre Dienste tut. Bei 9 Uhr ist der Tourbillon versteckt der Armin Strom Tourbillon Skeleton Earth zu sehen.
Foto: PRAus eins mach zwei: Die Epos Skeleton ist nicht nur großzügig befreit von überflüssigen Bauteilen, sondern kann sowohl am Arm als auch als Taschenuhr getragen werden.
Foto: PRAuch die Constant Force Tourbillon der Marke Arnold & Son zeigt das rotierende Bauteil ebenso wie zwei Federhäuser, die der Uhr eine sehr lange Gangdauer von 90 Stunden bringen.
Foto: PRCabestan Axis Tourbillon. Auch hier steht das Tourbillon im Mittelpunkt der Uhr. Dieses dreht sich um seine eigenen Achsen in jeder Dimension, so dass dem Betrachter fast schwindlig werden könnte.
Foto: WirtschaftsWocheDie 1966 Skeleton von Girard-Perregaux kommt ohne Tourbillon aus und ist auch noch gut abzulesen - was sie von den anderen Skelett-Uhren unterscheidet. Dafür wurden die Werk-Teile so bearbeitet, dass sie einen grauen Ton bekommen.
Foto: PRDie TNT Chrono 43 von Pierre Deroche sieht massiv aus und ist es mit 43 Millimetern Durchmesser auch. Ihre Stoppuhr zählt volle 60 Minuten, eine Besonderheit, da viele Chronographen lediglich eine Skala bis 30 Minuten besitzen.
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Nun sind sie seit zehn Jahren in Glashütte nicht nur Kunde als Juwelier, sondern produzieren dort selbst Uhren. Was haben Sie denn gelernt in der Zeit?
Vor allem, dass die Intuition und der Bauch recht haben. Denn das war nicht alleine eine rationale Entscheidung, diesen Schritt zu gehen. Wir haben das aus einem Gefühl heraus begonnen. Wir wissen, dass andere Unternehmen anders arbeiten. Da wird erst Marktforschung betrieben, eine Prognose erstellt und erst dann wird die Investition getätigt. Wir müssen als Familienunternehmen niemandem was erklären, wir können Dinge anders tun. Wir wissen heute, dass es damals richtig war, was wir gespürt haben.
Die Marke Tudor, die zu Rolex gehört und ihre Verwandtschaft optisch auch nicht verhehlt, setzt auf ein Textilarmband an einem Gehäuse aus Bronze und Aluminium. Die "Black Bay Bronze" lehnt sich an frühe Taucheruhren der Marke an.
Foto: PRIn den Achtzigern hatte Swatch mit der Jellyfish ein durchsichtiges Gehäuse auf den Markt gebracht. Die Marke Hublot macht nun mit der Bing Band Unico Sapphire fast das gleiche. Nur ist das Gehäuse aus Saphirglas. Und die Uhr mit rund 53000 Euro etwas teurer als damals die Swatch.
Foto: PRDie Genfer Manufaktur Patek Philippe fügt das hauseigene Chronographen-Uhrwerk zusammen mit der Funktion Weltzeituhr, auf der 24 Ort der Welt angezeigt werden.
Foto: PR"Neomatik" steht in Rot auf dem Zifferblatt und ist der Hinweis auf das von Nomos in Glashütte entwickelte Automatikwerk, das eine eigene Spiralfeder, dem Herzstück einer Uhr, enthält. Ein Bauteil, das nur sehr wenige Marken selber herstellen können.
Foto: PRDie Avenger Hurricane von Breitling hat einen Durchmesser von fünf Zentimetern. Damit das Tragen ob der Größe nicht zur Belastung wird, ist das Gehäuse aus dem "Breitleight" genannten Material, das Breitling hier verwendet. Leichter als Titan, härter als Stahl. Zerkratzt nicht, rostet nicht, soll unkaputtbar sein.
Foto: PRDas Unternehmen Bell & Ross setzt seit jeher auf eine unverkennbare Optik, die an Fluginstrumente gemahnen soll. Dieses Jahr stellt das Unternehmen mit Desert Type eine schlichte Farbvariante vor.
Foto: PRKlassisch, schlicht in dunkelblau: Senator von Glashütte. Die obere kleine Anzeige informiert über die Gangreserve. Der unsichtbare Mehrwert der Uhr: Als zertifizierter Chronometer geht sie besonders genau.
Foto: PRRolex zeigt mit der Oyster Air King ein Unisex-Modell. Vergangenes Jahr wurde der Schriftzug noch auf den Modellen entfernt, nun ist Air King wieder zu lesen.
Foto: PRSchmuckspezialist Tiffany zeigt ein Modell mit Quarzwerk und um 90 Grad verdrehtem Zifferblatt. Die Variante der East West Mini Collection kann beim raschen Ablesen der Uhrzeit zu Problemen führen.
Foto: PRAuf den ersten Blick: Nichts spektakuläres, nur ein hübsches Blau. Aber dieser Ring hat eine Funktion. Die Ziffern gehen bis 31. und ist deswegen die Datumsanzeige. Dort wo der Zeiger mit dem kleinen Halbmond steht, ist die Tageszahl auf der Mühle von Glashütte.
Foto: PRDer Mond ist der Hingucker und der Clou der Uhr. Seine Darstellung in der Omega Seamaster Planet Ocean 600M Master Chronometer ist so genau wie auf einem hochauflösenden Foto.
Foto: PRSie wollen ein abnehmbares Tattoo? Romaine Jerome liefert mit dem Modell Tattoo-DNA by Xoil das Armband, das eines grob antäuscht. Die Unruh wurde freigelegt durch einen mutigen Schnitt durchs Zifferblatt.
Foto: PresseTitan und Carbon sind die Materialien, die TAG Heuer für diesen Chronographen verwendet. Er enthält zudem einen "Fliegenden Tourbillon" (bei 6 Uhr), der die Genauigkeit verbessern soll, vor allem aber auch hübsch aussieht.
Foto: PRVor 60 Jahren stellte Blancpain die erste Ladybird vor. Das Geburtstagmodell mit Baguette-Diamanten in der Lünette und guillochiertem Zifferblatt.
Foto: PresseReduce to the max - das ist das Motto der Serie "Sistem 51" von Swatch. Das mechanische Automatikwerk kommt mit 51 Bauteilen aus und wird von Maschinen zusammengebaut.
Foto: PR
Was haben Sie denn gespürt?
Unsere Kunden haben sehr unterschiedliche Ansprüche, der eine möchte nur eine Uhr kaufen, der andere hat eine Sammlung. Der nächste sammelt nur eine Marke. Und so weiter. Ich möchte dem Kunden, der Interesse an Uhren hat und bereit ist, mehr Geld auszugeben, als nötig ist, um die Zeit abzulesen, ein Angebot machen. Das geht bei 500 Euro los und endet bei sechsstelligen Summen. Und da haben wir ein Feld entdeckt, das die Marken so nicht bestellt haben. Es gab den Wunsch nach einer ganz klassischen Uhr und wir konnten das nicht mehr anbieten, weil wir das im Markt so nicht gefunden haben.
Aber muss man es denn gleich selber herstellen?
Zunächst mal: Wir sind Händler. Irgendwann mal wollte ich ein Collier nicht verkaufen, das wir im Atelier selber hergestellt hatten, und das einen Preis gewonnen hatte. Als ich das meinem Vater sagte, guckte der mich an und sagte: „Bist du verrückt? Was bist du von Beruf?“ Ich antwortete: „Kaufmann“. Darauf sagte er „Einzelhandelskaufmann und Handeln kommt nicht von behalten.“ Hersteller zu werden, war also nicht unser Wunsch. Aber bei unserer eigenen Schmucklinie war es ähnlich. Als Händler sind wir kritisch. Wir haben bei den Herstellern immer gesagt, was man besser machen könne, was anders besser funktionieren würde. Wir waren damals anstrengend für unsere Partner. Und wer so viel kritisiert, der muss es halt selber machen. So ist das Schmuckatelier vor 13 Jahren entstanden, so sind die Uhren entstanden. Bei Uhren wussten wir, dass wir die Uhren verkaufen können und wir haben gemutmaßt, dass wir ausreichende Stückzahlen bekommen, denn wir vertreiben die Uhren schließlich nur in unseren eigenen 32 Geschäften weltweit.
Hat das irgendeinen Vorteil, nicht flächendeckend verkaufen zu können?
Wempe-Uhren ist keine Weltmarke. Wir betreiben Büros rund um die Welt, wir müssen kein Marketing rund um die Welt betreiben, wie das die internationalen Marken tun. Das ermöglicht einen guten Preis.
Wirkt so eine Uhr mit dem Namen des Händlers drin nicht wie eine Werbeuhr?
Die Geschichte steckt mir auch in den Knochen. Und wir haben früher schon mal gekauft, und Wempe aufs Zifferblatt gedruckt. Aber wir haben ja eine eigene Geschichte als Hersteller, denn wir fertigen nach wie vor in Hamburg Schiffschronometer. Mein Vater sagte erst „Wir machen das wie früher.“ Also Schweizer Uhren kaufen und Wempe draufschreiben. Und da habe ich gestreikt und gesagt, das machen wir nicht mehr. Da kommen dann irgendwann die Verkäufer und fragen, was sie dem Kunden erzählen soll. Der Rest war geradezu zwingend: Wenn Wempe eine Uhr baut, muss sie aus Deutschland kommen. Dann muss sie Glashütte sein.
Nein, für den Preis von 2.424.074 Euro (UVP) bekommt der Kunde nicht zwei Uhren. Aber eine, deren Rückseite aussieht wie eine normale Uhr. Patek Philippes Grandmaster Chime ist das aktuell teuerste Modell der Manufaktur aus Genf, die als eine der wenigen Luxusuhrenmarken noch in privater Hand ist und nun von Thierry Stern geführt wird.
Die Grandmaster Chime ist eine Minutenrepetition. Das bedeutet, dass nach dem Betätigen eines Schiebeschalters, mehrere Gongtöne die Uhrzeit mitteilen. Diese technische Ausstattung gehört zu den sogenannten "Grand Complications", die besonders aufwändig sind und nur von Uhrmachern mit langer Erfahrung montiert werden können.
Was kann die Uhr noch? Mondphase, ewiger Kalender, Alarm mit Zeitschlag, Anzeige der noch zur Verfügung stehenden Gangreserve, zweite Zeitzone, vierstellige Jahresanzeige - sogar die Position, in der sich die Krone gerade befindet, ist abzulesen. So weiß der Nutzer, ob er beim Drehen der Krone das Uhrwerk oder die Feder für das Schlagwerk aufzieht, die Zeiger oder den Alarm einstellt.
Foto: PRDie Breguet Taschenuhr Classique Grande Complication besitzt - hier gut zu erkennen in der Öffnung - ein Tourbillon, das zu den komplizierteren Mechanismen im Uhrenbau zählt. Früher beherrschten nur wenige Manufakturen diese Technik, inzwischen einige mehr. Das Tourbillon ist jedoch eigentlich eine Erfindung für die Taschenuhr, nicht die Armbanduhr. Die Unruh, die den Takt der Uhr vorgibt, wird von der Schwerkraft beeinflusst. Umso mehr, wenn sie wie bei einer Taschenuhr, die meiste Zeit in einer Position verweilt. Um diesen Einfluss auszugleichen wurde das Tourbillon entwickelt. Es dreht den ganzen Unruh-Teil einmal pro Minute um die eigene Achse. Die Breguet für 843.200 Euro besitzt zudem ein Läutwerk, die sogenannte Minutenrepetition, die mittels Klangfedern die Uhrzeit anzeigt, wenn ein Schieberegler betätigt wird.
Foto: PRBei dieser Uhr gestaltet der Käufer den Preis ein wenig mit. Gut - unter einer Million wird er nicht liegen. Das ist der Basispreis. Und es ist sicher die außergewöhnlichste Weise, eine Uhr zu veredeln, die mit der Funktion nichts zu tun hat. Das kleine Schiff im Foto ist ein Skulptur von Willard Wigan. Der erarbeitet in Wochen kleine Kunstwerke, die so winzig sind, dass sie nicht nur in ein Nadelöhr passen - dort baut er sie normalerweise auch ein. In Zusammenarbeit mit Greubel & Forsey gibt es die Chance, so eine Skulptur in die Uhr zu bekommen. Betrachtet wird sie durch eine Lupe an der Seite des Gehäuses. Natürlich kann die Uhr noch mehr: Gangreserve von 72 Stunden und ein Tourbillon sind verbaut.
Foto: PRDoch, auch unter einer halben Million Euro gibt es unerschwingliche Uhren. Die All-in-One von Chopard wurde dieses Jahr vorgestellt und kostet 369.310 Euro - mit Diamanten: 395.690 Euro. Dafür bekommt der Besitzer allein 3,01 Karat an Diamanten - 60 Stück.
Die Differenz von 26.380 Euro zeigt aber: Der Preis kommt von der Mechanik. Das Uhrwerk mit Tourbillon ist ein Chronometer. Das heißt, das Uhrwerk musste sich einer Genauigkeitsprüfung unterziehen. Sieben Tage hält die Feder das Uhrwerk in Gang. Auf der Rückseite sind unter anderem abzulesen: Gangreserve und Sonnenauf- und Untergangszeiten von Genf.
Foto: PRSicher sind folgende Fakten: Die Uhr ist 50,55 Millimeter tief und von der Metallschlaufe bis zum Boden 131,7 Millimeter hoch. Sie trägt den Namen 57260 - 57 für die Zahl der verbauten Komplikationen, 260 für das Alter des Herstellers, die Marke Vacheron Constantin.
Die Uhr besitzt aber auch Neuheiten, von denen es schwer zu begreifen ist, was sie tun. Der retrograde Schleppzeiger-Chronograph, zum Beispiel. Retrograde ist ein Zeiger, der sich nicht im Kreis dreht, sondern eher wie eine Tachonadel funktioniert. Der Schleppzeiger ist dafür da, Zwischenzeiten zu messen. Und es geht weiter: Neun astronomische Kalenderfunktionen, die Sonnenwenden, Tierkreiszeichen oder Stunde und Minute der Sternzeit anzeigen. Die Sonnenaufgangszeit für den Besitzer oder die Dauer des Tages werden ebenfalls dargestellt. Acht hebräische Kalenderfunktionen sind enthalten, darunter das Alter des hebräischen Jahres. Und und und.
Ein Superlativ. Auch beim Preis - nur der ist nebulös. "Ein vielfaches der Tour de L'ill", heißt es bei Vacheron Constantin. Die kostet eine Million. Wenn man gegenüber der Manufaktur die acht Millionen Dollar erwähnt, die das amerikanische Magazin Forbes als Kaufpreis wissen will, dann wird nicht gedroht, eine Gegendarstellung zu erwirken. Sie ist teuer. Das ist Fakt.
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Die Manufaktur Parmigiani gehört zu den etwas unbekannteren Marken im Reigen der Luxusuhrenhersteller. Ihr Namensgeber ist Uhrmacher und restaurierte historische Uhren, bevor er seine eigene Marke gründete mit der Unterstützung der Stiftung Sandoz Family Foundation. Aktuell ist das Modell Tecnica Ombre Blanche für 716.000 Euro. Die Uhr hat eine Minutenrepetition und ihre Klangfedern mit dem Zusatz "Kathedral" sollen einen besonders beeindruckenden Ton erzeugen. Dazu besitzt sie einen Tourbillon, der ursprünglich für Taschenuhren entwickelt wurde und die Auswirkungen der Schwerkraft auf die Unruhe ausgleichen soll. Ebenfalls dabei: ein ewiger Kalender.
Foto: PRAuf Anhieb ist nur zu erahnen, was Audemars Piguet alles in die Royal Oak Offshore Grande Complication Squelette verbaut hat, um den Preis von "etwa 800.000" Euro zu errechnen. Sie besitzt ein Automatikwerk, muss also nicht aufgezogen werden. Die Minutenrepetition lässt via Klangfedern die Zeit erschallen. Der ewige Kalender heißt, dass die Datumsanzeige auch nach Schaltjahren noch exakt läuft. Sie zeigt auch die Kalenderwoche an. Der Chronograph, also die Stoppuhr, nimmt auch Zwischenzeiten - die Funktion heißt auch Schleppzeiger oder - noch schöner - Rattrapante. Und natürlich zeigt sie auch Stunde, Minute und Sekunde an. Und die Bauteile des hoch komplexen Uhrwerks wurden dann auch noch an den Stellen ausgespart, wo das technisch keine Einschränkung der Funktion oder Stabilität bedeutet - die Skelettierung. Auflage: drei Stück.
Foto: PRDie harten Fakten: Gehäuse aus Weißgold, 44mm Durchmesser, Wasserdicht bis 5 atm, Jaeger-LeCoultre Kaliber 182, mechanischer Handaufzug, 1406 Einzelteile, 50 Stunden Gangreserve
Funktionen: Stunde, Minute, Tag, Monat, Schaltjahr, Ewiger Kalender, Minute Repeater, Tourbillon. Der Preis: 1.310.000 Euro. Der poetisch klingende Name: Duomètre à Grande Sonnerie aus der Hybris Artistica Kollektion von 2014. Das Uhrglas besteht nicht aus Saphirglas, das in der gehobenen Preisklasse üblich ist. Es wird aus einem Bergkristall geschliffen, der das Licht anders bricht. Der Hersteller empfiehlt die Uhr mit folgenden Worten: "Diese volumenreich konzipierte Uhr katapultiert ihren Träger in eine Welt der weisen und energiegeladenen Uhrmacherkunst."
Foto: PRAusnahmsweise mal die Rückseite. Die der Portugieser Sidérale Scafusia von IWC zeigt das Sternenbild über einem Ort an, den der künftige Besitzer auswählt. Bei einem Preis von 650.000 Schweizer Franken ist das nicht zu viel verlangt. Den Europreis verrät der Hersteller nur auf Anfrage. Damit soll gewährleistet werden, dass die Uhr weltweit das gleiche kostet. Dieses 2011 vorgestellte Modell bietet dem Käufer noch mehr Chancen, es individuell zu gestalten. Das ist eher die Ausnahme in der Welt der High-End-Uhren.
Zehn Jahre habe man für die Uhr gearbeitet, heißt es bei IWC. Herausgekommen sind unter anderem eine Gangreserve von 96 Stunden und ein ewiger Kalender. Die rotierende Himmelsscheibe zeigt mehr als fünfhundert Sterne und Sternbilder. Auf der Rückseite ebenfalls abzulesen: die Zeiten von Aufgang und Untergang der Sonne - natürlich unter Berücksichtigung der Sommer- und Winterzeit. Die Vorderseite ist dagegen fast ein wenig unspektakulär, da sie sich - neben dem Tourbillon und der Gangreserve - auf die Zeitanzeige beschränkt. So sieht sie aus der Ferne fast bescheiden aus.
Foto: PRWarum nur eine, wenn man vier verbauen kann? Die Excalibur-Quatuor-Silicium von Roger Dubuis besitzt gleich vier Unruhespiralen - der Effekt soll ebenso wie ein Tourbillon den Effekt des Schwerkraft auch mechanische Uhrwerke ausgleichen. Ihren Namen trägt sie auch, weil Silizium statt Metall verarbeitet wurde. Vorgestellt wurde sie bereits 2013 - bis heute ist sie mit einem Preis von 1.044.000 Euro die teuerste Uhr der Manufaktur.
Foto: PRDie Grand Complication ist das derzeit teuerste Modell der Glashütter Manufaktur Lange & Söhne. Auch wenn Sie bereits 2013 vorgestellt wurde: Von den sechs Exemplaren, die gebaut werden, sind erst zwei fertiggestellt. Das ist nicht unüblich in der Welt der extrem komplizierten Uhren, da meist ein ausgewählter Uhrmacher sie zusammenbaut.
876 Teile sind das in diesem Falle allein im Uhrwerk, für die Produktion der Einzelteile, Montage, Kontrolle und Endabnahme vergeht ein Jahr. Knapp zwei Millionen Euro war der Kaufpreis, denn es haben sich laut Lange & Söhne mehr ernsthafte Sammler gemeldet, als Stücke produziert werden.
Was bekommen die nun? Die Uhr besitzt eine Grande Sonnerie, einen ewigen Kalender und eine Chronograph-Rattrapante-Funktion mit blitzender Sekunde. Das Watchwiki definiert "blitzende Sekunde" so: "Eine kleine Sekundenanzeige, bei welcher der Sekundenzeiger eine volle Umdrehung pro Sekunde absolviert. Dieser Weg ist in vier oder fünf Sprünge (Teilabschnitte) unterteilt und ermöglicht damit die Ablesbarkeit von 1/4 bzw. 1/5 Sekunden."
Foto: WirtschaftsWocheJe teurer die mechanische Uhr, desto wahrscheinlicher, dass sie viele verschiedene Anzeigen hat - und das Auge schnell verwirrt ist. Richard Mille ist eine kleine Manufaktur mit sehr außergewöhnlichen Uhren - die für das Auge wie ein Wimmelbild sind. Die RM 56 ist in Zusammenarbeit mit dem Formel-1-Fahrer Felipe Massa entstanden. Und da es die zehnjährige Kooperation des Fahrers und des Uhrmachers besiegelt - gibt es eine für die Luxusuhrenindustrie übliche Limitierung: Zehn Stück. Das Gehäuse ist transparent, darunter verbergen sich Tourbillon und Schleppzeiger-Chronograph. Wichtig für alle Interessenten: Der Hersteller entwickelt die Uhren so, dass sie den Sport, mit dem sie verknüpft sind, schadlos überstehen. Von Golf bis Tennis. Das hat seinen Preis: 2.062.500 Euro.
Foto: PR
Ausgerechnet Glashütte, wo all die Uhren von Nomos über Glashütte Original bis Lange & Söhne gebaut werden, die sie in ihren Geschäften verkaufen?
Ja, mein Großvater war schon in Glashütte in der Sternwarte und ich wusste, dass es die noch geben muss. Dann haben wir sie gefunden, ich meine, dass wir sie wirklich suchen mussten. Ich bin aus Hamburg, da kennt man das Planetarium und ich dachte, irgendwo müsse ja wohl diese Sternwarte zu sehen sein oben auf dem Berg. Wir mussten uns vom Nomos-Chef Uwe Ahrendt einen Defender leihen, weil wir mit dem Mietwagen die unausgebaute Straße gar nicht hochkamen. Ich wusste nicht, dass das damals eine Ruine war und die Bäume höher als die Ruine selbst waren. Dann haben wir die gekauft. Das war schon ein wenig verrückt und das können sie auch nur machen, wenn sie keiner fragt, was sie mit ihrem eigenen Geld machen. Aber mein Großvater war da schon oben, da wollte ich auch hin. Das Gebäude wieder aufbauen und ein Planetarium musste auch hin, das war mit der Stadt so besprochen. Heute bieten wir da freitags Sterngucken an.
Sie haben sich also auch einen eigenen Wunsch erfüllt?
Ja, auch den, Chronometer zu fertigen, also Uhren, deren Genauigkeit von einer Messstelle überprüft werden. Mein Uhrenchef, der gelernter Uhrmacher ist im Gegensatz zu mir, sagte, ich spinne. Aber wir haben die Schiffschronometerwerke Hamburg, also mussten es auch Armband-Chronometer in Sachsen sein. Und so ist es gekommen und heute ist in unserer Produktion auch eine Außenstelle des Sächsischen Landesamtes für Mess- und Eichwesen. Und jeder Hersteller kann hier seine Werke als Chronometer zertifizieren lassen.
Als sie dort vor Ort waren, war Ihnen das alles nicht neu. Schließlich handeln Sie mit den Uhren, die in Glashütte gebaut werden…
…um ehrlich zu sein, wir waren an dem Tage auch gerade bei Lange & Söhne und hatten ungeplant zwei Stunden Zeit. Dann sind wir da hoch…
…aber waren die Hersteller denn beglückt, dass einer ihrer wichtigsten Vertriebspartner ihnen Konkurrenz macht?
Alle haben positiv reagiert.
Weil die es sich nicht mit Ihnen verscherzen wollten?
Nein, alle sind froh, wenn in Glashütte investiert wird. Wenn viel über Glashütte gesprochen wird, dann ist das gut für alle. Dann hilft auch ein Juwelier mit 32 Geschäften dabei. Zudem haben wir in Glashütte eine Werkstatt gebaut, das sparen sich inzwischen viele Juweliere. Wir hatten im Geschäftsjahr 2015 aber allein 57.244 Serviceaufträge bei den Uhren vom Batteriewechsel eine Quarzwerkes bis zur Revision sehr komplizierter mechanischer Uhren. Eine neue Uhr zu bauen ist dagegen fast leicht. Eine alte Uhr auseinanderzunehmen und die gebrauchten Teile zu warten und so wieder zusammenzubauen, dass sie so gut läuft wie als sie neu war, ist auch eine Herausforderung für einen Uhrmacher.
Und niemand argwöhnte, dass sie lieber die Wempe-Uhr empfehlen statt des eigenen Modells?
Sie brauchen als Hersteller auch jemanden, der die Menschen an die hochpreisigen Modelle heranführt, das machen wir mit unseren klassischen Drei-Zeiger-Uhren. Wir führen Menschen an das Thema ran, deswegen war das von Beginn alles von den Herstellern gut gelitten. Und Uhren in der gleichen Preisklasse sehen ja nicht automatisch gleich aus. Und der Kunde nähert sich der Uhr zunächst mal über das Design.
Sie stellen nun noch eine neue Linie vor mit eigenen Werken, die dann eben doch direkter Wettbewerb zu den bekannten Weltmarken bedeutet. Wohin geht die Reise?
Wir werden mit unserer Linie fortfahren. Die runden klassischen Modelle verlieren nicht ihren Reiz. Die brauche ich nicht neu zu machen, auch wenn die Verkäufer immer gerne Neuigkeiten haben. Aber zusätzlich braucht man immer ein Talking Piece. Und die machen wir mit limitierten Auflagen von Uhren mit unserem eigenen Werk.