Lanxess: Die Krise ist endgültig beendet
Platz 10 - PPG Industries (USA):
Die Amerikaner produzieren unter anderem bruchsicheres Glas für die Auto- und Raumfahrtindustrie, aber auch Farben, Lacke und Chemikalien. 15,33 Milliarden Dollar setzte Pittsburgh Plate Glass damit im Jahr 2016 um.
Platz 9: Linde
Die Münchener sind weltweit einer führenden Anbieter für Gase. Ein Umsatz von umgerechnet 17,83 Milliarden Dollar im Jahr 2016 reicht für einen Platz in der Top Ten.
Platz 8: Air Liquide (Frankreich)
Die Erfindung von flüssiger Luft legte den Grundstein für einen Weltkonzern. Im vergangenen Jahr kam der französische Chemieriese auf einen Umsatz von 19,08 Milliarden Dollar.
Foto: CLARK/obsPlatz 7: Henkel (Deutschland)
Weltweit ist der Düsseldorfer Konzern bekannt für seine Marken Persil, Pril oder Pritt. Mit einem Umsatz von 19,69 Milliarden Dollar spielt der Dax-Konzern auch unter den internationalen Chemieriesen vorne mit.
Foto: dpaPlatz 6: Dupont (USA)
Der komplette Name des amerikanischen Chemieriesens lautet „E I Du Pont de Nemours“. Das geht zurück auf die französischen Gründer, die in die USA emigriert waren und dort 1802 begannen, Sprengstoffe zu produzieren. Heute macht das Unternehmen in über 80 Ländern weltweit einen Umsatz von insgesamt 24,6 Milliarden Dollar. 2017 erfolgte die Fusion mit dem Rivalen Dow Chemical zum größten Chemiekonzern der Welt.
Foto: dpaPlatz 5: LyondellBasell Industries (Niederlande)
Über die Jahre ist das internationale Konglomerat durch Zukäufe immer weiter gewachsen. Aus steuerlichen Gründen ist der Konzern mittlerweile in den Niederlanden beheimatet, auch wenn die Aktien in New York gehandelt werden. Der globale Umsatz ist mit 29,18 Milliarden Euro in der internationalen Spitzenklasse.
Platz 4: Saudi Basic Industries (Saudi-Arabien)
Die Weiterverarbeitung von Öl und Gas macht den arabischen Staatskonzern zu einem der größten Chemiekonzerne weltweit. Der Umsatz von 39,5 Milliarden Dollar spricht für sich.
Platz 3: Dow Chemical (USA)
Kunststoffe, synthetischer Kautschuk und Chlor gehören zu den meistverkauften Produkten der Amerikaner. Der Umsatz von 48,16 Milliarden Dollar wird nur von zwei deutschen Konzernen übertroffen.
Platz 2: Bayer (Deutschland)
Nicht nur unter den Pharmakonzernen gehören die Leverkusen zu den globalen Riesen, auch in der Chemie kann kaum einer Bayer das Wasser reichen. Ein Umsatz von 49,2 Milliarden Dollar ist weltweit der zweithöchste der Branche.
Platz 1: BASF (Deutschland)
Die „Badische Anilin- und Soda-Fabrik“ ist mittlerweile schon seit Jahren unangefochtener Marktführer der Chemieindustrie. Die Ludwigshafener haben allein 2016 einen Umsatz von 69,54 Milliarden Dollar erwirtschaftet. 2017 dürfte allerdings die Allianz von Dow und DuPont an die Spitze rücken.
Das Geld ist billig, die Kaufobjekte mehr oder weniger attraktiv. In den vergangenen Monaten machten deutsche Chemiekonzerne durch zahlreiche Akquisitionen in den USA Schlagzeilen: Der Darmstädter Merck-Konzern übernahm den Laborzulieferer Sigma-Aldrich, die Essener Evonik den Chemie-Spezialisten Air Products und Bayer will sich den umstrittenen Saatgut-Konzern Monsanto einverleiben.
Der letzte Deal überzeugt die Aktionäre bislang allerdings noch nicht: Die Aktien von Bayer und Monsanto kommen kaum vom Fleck. Ganz anders bei Lanxess, dem einst ausgegliederten Chemiegeschäft von Bayer. An diesem Montag verkündete Lanxess-Vorstandschef Matthias Zachert die Übernahme des US-Unternehmens Chemtura, eines Spezialisten für Zusatzstoffe in Schmierstoffen und Flammschutzmitteln. Am Montagvormittag stieg die Lanxess-Aktie daraufhin um zehn Prozent.
Warum der Lanxess-Deal bei den Anlegern gut ankommt
Der Preis von 2,4 Milliarden Euro inklusive Schulden ist nicht überteuert. Er entspricht dem etwa Zehnfachen des Betriebsgewinns (Ebitda) – bei anderen Übernahmen lag die Bewertung deutlich höher. Lanxess kauft ein hochmargiges Geschäft, die Gewinnmarge von Chemtura liegt bei zwanzig Prozent. Die Finanzierung steht, die Zahl der Wettbewerber ist überschaubar. Zachert rechnet im Geschäft mit den Zusatzstoffen mit einer jährlichen Wachstumsrate von drei bis vier Prozent. Es sei ein „großer Tag“ für Lanxess, frohlockte der Chef. Fünf Monate hat er intensiv mit Chemtura verhandelt.
Vor allem macht sich Lanxess durch die Übernahme noch unabhängiger vom Kautschukgeschäft, das wegen weltweiter Überkapazitäten und entsprechend niedriger Preise seit Jahren die Bilanz belastet. Zacherts Vorgänger Axel Heitmann musste vor drei Jahren gehen, nachdem Lanxess aufgrund des maladen Kautschukgeschäfts rote Zahlen schrieb. Zachert baute Stellen ab, schloss Produktionsanlagen und fand schließlich mit der saudi-arabischen Saudi Aramco einen Partner für das Kautschukgeschäft. Der Kölner Chemiekonzern ist inzwischen wieder in den schwarzen Zahlen angekommen. 2015 lag der Betriebsgewinn bei über 800 Millionen Euro – bei einem Umsatz von acht Milliarden Euro.
Mit der Übernahme von Chemtura katapultiert sich Lanxess nun aus dem Krisenmodus heraus - nun will der Konzern nicht mehr nur sparen und optimieren, sondern wieder angreifen. „Lanxess ist zurück auf Wachstumskurs, schneller als geplant“, sagte Zachert Mitte September. Mit der Übernahme von Chemtours, einem Anbieter von Desinfektionsmitteln für Schweineställe, hatten die Kölner kürzlich bereits eine kleinere Übernahme gestemmt.
Noch ist freilich die aktuelle Übernahme von Chemtura nicht in trockenen Tüchern. Die Aktionäre des US-Unternehmen müssen noch zustimmen, in zwei bis drei Monaten soll eine Hauptversammlung stattfinden. Unter den Aktionären von Chemtura finden sich aktivistische Investoren, die noch für Ärger sorgen könnten. Nicht völlig auszuschließen ist auch, dass ein Konkurrent noch ein Gegenangebot abgibt.
Zachert gibt sich da jedoch optimistisch: „Wir haben Synergien, die andere nicht haben.“ Deswegen, so die unausgesprochene Schlussfolgerung, dürfte sich ein Gegenangebot für Wettbewerber kaum lohnen. Ebenso prüfen die Kartellbehörden noch; nach Angaben von Lanxess soll die Übernahme bis Mitte 2017 besiegelt sein.