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BrandIndexKunden ist es egal, wer die Tengelmann-Filialen kauft

Wer kauft die Kaiser’s-Tengelmann-Filialen? Die Kunden finden sowohl Edeka als auch Rewe gut und haben keine eindeutige Präferenz. Trotzdem machen aus ihrer Sicht beide Marken zurzeit nicht gut von sich Reden.Markus Braun 24.10.2016 - 07:16 Uhr

Logo von Kaiser´s Tengelmann.

Foto: dpa

Obwohl die Supermarktkette Kaiser’s-Tengelmann ziemlich angeschlagen ist, haben vor allem Edeka und Rewe Interesse daran, einige Filialen oder sogar alle zu übernehmen. Die Erlaubnis des Ministers Sigmar Gabriel würde Edeka erlauben, alles zu kaufen. Rewe, vor allem in Person des Vorstandsvorsitzenden Alain Caparros, argumentiert dagegen – Edeka würde dann zu groß werden. Rewe will auch Filialen übernehmen dürfen.

Hinter den Verhandlungen stehen Taktik, persönliche Zu- und Abneigung, Gerichtsentscheide, eine Ministererlaubnis und hoffentlich nicht zuletzt die Zukunft der Mitarbeiter. Was die Kunden wollen, spielt wohl eher keine Rolle – schließlich dürfte jeder Konzernmanager davon überzeugt sein, dass es genau sein eigenes Angebot ist, das die Kunden am meisten schätzen.

Das stimmt freilich nicht ganz, zeigt auch unser YouGov-Markenmonitor BrandIndex. Mit ihm können wir die Vorlieben der Kunden abfragen – und die zeigen: Es ist ihnen so ziemlich egal, ob die Filialen von Kaiser‘s und Tengelmann demnächst mit einem Rewe- oder einem Edeka-Schild versehen werden.

Edeka und Rewe ziehen gleich viele Kunden an

Für den BrandIndex haben wir Verbraucher, die im letzten halben Jahr angeben bei Kaiser‘s eingekauft zu haben, gefragt, welche Lebensmittelhändler für sie generell in Betracht kommen. Rewe liegt hier mit drei Prozentpunkten Abstand vor Edeka. Wenn man sich allerdings anschaut, für welche Marke die Kunden von Kaiser’s sich konkret entscheiden würden, was also ihre erste Wahl wäre, liegt hier Edeka deutlich vor Rewe.

Anders fällt das Ergebnis aus bei der Befragung von aktuellen Tengelmann-Kunden. Hier liegen sowohl Rewe als auch Edeka aktuell gleichauf, wenn es um die Frage geht, welcher Lebensmitteleinzelhändler die erste Wahl für den nächsten Einkauf ist. Kurzum: Die meisten Kunden wären also wohl ganz zufrieden, wenn manche Filialen zu Edeka, andere zu Rewe würden – allerdings kann Edeka einen Vorteil, gerade unter Kaiser’s Kunden ausspielen.

Die Hängepartie bei Kaiser's Tengelmann
Der Handelskonzern Tengelmann teilt mit, seine Supermärkte an Edeka verkaufen zu wollen. Die verbliebenen rund 450 Kaiser's-Tengelmann-Filialen, die seit Jahren rote Zahlen schreiben, sollen bis Mitte 2015 komplett an den deutschen Marktführer gehen.
Das Bundeskartellamt untersagt Edeka die Übernahme. Die Behörde befürchtet Preiserhöhungen und weniger Wettbewerb.
Tengelmann und Edeka wollen das Veto des Kartellamts nicht hinnehmen. Sie beantragen eine sogenannte Ministererlaubnis für den Zusammenschluss.
Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) gibt grünes Licht für die Übernahme - unter harten Auflagen. So muss Edeka den Erhalt von über 15 000 Jobs bei Kaiser's Tengelmann für mindestens sieben Jahre garantieren.
Edeka-Konkurrent Rewe legt beim Oberlandesgericht Düsseldorf Beschwerde gegen die Ministererlaubnis ein, wie auch Markant und Norma.
Das Oberlandesgericht stoppt die Ministererlaubnis vorläufig. Die Ausnahmegenehmigung Gabriels sei rechtswidrig. Er habe sich in dem Verfahren befangen und nicht neutral verhalten.
Gabriel wirft dem Gericht schwere Versäumnisse vor. Das Urteil enthalte falsche Behauptungen.
Edeka geht juristisch gegen den Stopp der Fusion durch das Oberlandesgericht vor. Das Unternehmen reicht eine Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesgerichtshof (BGH) ein. Der BGH will darüber am 15. November entscheiden.
Auch Gabriel legt Rechtsmittel gegen die Entscheidung des Gerichts ein. Darüber soll ebenfalls Mitte November entschieden werden. Kaiser's Tengelmann läuft unterdessen die Zeit davon.
Die Chefs von Tengelmann, Edeka und Rewe sowie Vertreter von Verdi wollen sich zu einem Rettungsgespräch treffen.
Der Aufsichtsrat von Kaiser's Tengelmann soll angesichts hoher Verluste über die Schließung von Filialen und den Abbau Tausender Arbeitsplätze beraten. Damit würde der Deal mit Edeka platzen und die Kette wohl zerschlagen.
Bei einem zweiten Spitzentreffen vereinbaren die Supermarktchefs überraschend, dass die Edeka-Konkurrenten ihre Klage zurückziehen und damit den Weg frei machen für die Übernahme. Sie geben sich Zeit bis zum 17. Oktober.
Die Verhandlungen zwischen den Chefs von Tengelmann, Edeka, Rewe und Verdi sind gescheitert. Die Supermarktkette wird nun zerschlagen. Noch am Abend bereitet Tengelmann-Eigentümer Karl-Erivan Haub die Mitarbeiter auf den Verlust vieler Arbeitsplätze vor.

Auffällig ist eine Entwicklung, die bei den Kunden von Kaiser’s besonders deutlich ist: Bei der Angabe, für welche Marke sie sich konkret entscheiden würden, gab es im Sommer eine Trendwende. Anfang des Jahres lag hier Rewe noch ganz klar vor Edeka. Ab Frühjahr erkennt man jedoch eine deutliche Tendenz zu Gunsten Edekas, so dass seit Juni mehr Menschen angeben, konkret bei Edeka einkaufen zu wollen, als dies bei Rewe der Fall ist.

Übernahme durch Edeka wird als positive Nachricht wahrgenommen

Ähnliches zeigt der Buzz, der darstellt, wie negativ oder positiv Nachrichten über eine Marke wahrgenommen werden. Edeka hat hier deutlich verloren, nachdem Anfang Juli ein Gericht die Übernahme Kaiser’s-Tengelmanns durch Edeka gestoppt hat. Dass Edeka die angeschlagene Supermarkt-Kette übernehmen wollte, hatten die Verbraucher als positive Nachricht gewertet, vermutlich auch, weil damit eine Arbeitsplatzgarantie für die Mitarbeiter von Kaiser’s-Tengelmann verbunden gewesen wäre.

Zerschlagung von Kaiser’s Tengelmann

Der große Schlussverkauf startet

von Henryk Hielscher

Nun dominieren das Thema Nachrichten über ein Hin und Her, Streit zwischen dem Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub und Rewe-Vorstand Alain Caparros, Edekas Wunsch der Übernahme, Rewes Blockade, Gerichten, die in dieser Sache entscheiden, und tausenden Arbeitsplätzen, die womöglich gefährdet sind.

Alle Beteiligten sorgen dabei für keine sonderlich positiven Schlagzeilen: Der Buzz von Tengelmann und Kaiser‘s ist mit -33 Punkten abgestürzt. Und Edeka und Rewe machen mit jeweils 9 Buzz-Punkten zurzeit so schlecht von sich Reden wie seit Mitte August nicht mehr. Damit die – im harten Wettbewerb mittlerweile so wichtigen – Imagewerte der Einzelhändler nicht längerfristig beschädigt werden, sollten alle Beteiligten das Thema schnellstmöglich vom Tisch bekommen.

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