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KonzernbilanzBayer lebt vom Pharma-Geschäft

Seit der geplanten Übernahme des US-Unternehmens Monsanto steht vor allem das Bayer-Agrargeschäft im Fokus. Doch das Geld verdient der Konzern anderswo.Jürgen Salz 26.10.2016 - 11:52 Uhr

Das Logo von Bayer leuchtet in Leverkusen auf dem Gelände des Chemieparks.

Foto: dpa

Gut, dass es Pharma gibt. In den vergangenen Wochen – nach all dem Trubel um die Monsanto-Übernahme – konnte man ja fast schon den Eindruck gewinnen, der Bayer-Konzern verkaufe bloß noch Saatgut und Pflanzenschutzmittel. Viele Pharma-Mitarbeiter sorgten sich daher bereits, dass die Bedeutung ihrer Sparte merklich schwindet.

Zumindest den Zahlen nach kann davon keine Rede sein, wie sich bei der Bekanntgabe des Quartalsergebnisses herausstellte. Zwischen Juli und September konnte Bayer seinen Umsatz (plus zwei Prozent) und sein Ergebnis vor Sondereinflüssen (plus sechs Prozent) gegenüber Vorjahr steigern – vor allem dank eines florierenden Pharmageschäfts. Wesentlich schwächer schnitten hingegen die Agrarsparte und das Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten ab. Insgesamt erzielte Bayer im dritten Quartal einen Umsatz von elf Milliarden Euro – mehr als ein Drittel davon entfällt auf Pharma.

Vor allem die neuen Bayer-Medikamente gegen Krebs, Augenleiden Schlaganfall und Lungenhochdruck überzeugten am Markt. Der Medikamenten-Umsatz legte im Quartal um über sieben Prozent zu, das bereinigte Ergebnis um über 13 Prozent. Besonders der Gerinnungshemmer Xarelto gegen Schlaganfall konnte hohe Umsatzzuwächse erzielen.

Stationen des Bayer-Konzerns
Bayer übernimmt vom Schweizer Pharmakonzern Roche das Geschäft mit rezeptfreien Arzneimitteln. Trennung von der Chemie, Teil eins: Die Leverkusener spalten das Kautschukgeschäft und weitere Teile ab und bringen das Unternehmen als Lanxess an die Börse.
Bayer kauft das Berliner Pharmaunternehmen Schering für 17 Milliarden Euro.
Übernahme des deutschen Medikamentenherstellers Steigerwald, bekannt für das Magenmittel Iberogast.
Bayer zahlt umgerechnet 10 Milliarden Euro für das Geschäft mit rezeptfreien Arzneimitteln des US-Pharmakonzerns Merck & Co. Zwei Milliarden Euro ist Bayer das norwegische Pharmaunternehmen Algeta wert, ein Spezialist für Krebserkrankungen.Trennung von der Chemie, Teil zwei: Bayer gibt die Abspaltung der Kunststoffsparte (Bayer Material Science) bekannt.
Der Börsengang von Covestro, ehemals Bayer Material Science, im Oktober 2015 war einer der größten in Deutschland seit dem Boomjahr 2000.

Allerdings kann das Mittel Bayer noch teuer zu stehen kommen: Laut Finanzvorstand Johannes Dietsch sind in den USA derzeit 14.000 Klagen gegen Xarelto anhängig, ein erster Gerichtstermin steht im Frühjahr 2017 an. Die Kläger machen vor allem geltend, dass Xarelto zu gefährlichen Blutungen führen kann; Bayer weist die Vorwürfe zurück.

Mit den guten Zahlen der Pharmasparte kann das Agrargeschäft nicht mithalten. Im Quartal ging der Umsatz leicht zurück, das bereinigte Ergebnis stagnierte. Vor allem die Krise im wichtigen Agrarmarkt Brasilien macht Bayer zu schaffen – der Umsatzrückgang dort liegt bei zwölf Prozent.

Doch auch allgemein läuft es in der Landwirtschaft nicht rund. Die Einkommen der Bauern sinken, entsprechend wenig Geld können sie für Saatgut und Pflanzenschutzmittel ausgeben. Bayer geht davon aus, dass die Nachfrage ab Mitte 2017, Anfang 2018 wieder anzieht.

Genau dann hofft Bayer, den Segen der Wettbewerbsbehörden für die Übernahme von Monsanto zu erhalten. Das vereinte Unternehmen könnte dann mit Rückenwind durchstarten. Doch das ist derzeit nicht viel mehr als eine schöne Hoffnung. Wie sich künftige Ernten entwickeln, lässt sich nicht seriös voraussagen. Die OECD, eine Organisation der Industrieländer, geht sogar davon aus, dass sich die Wachstumsraten in der Landwirtschaft weiter rückläufig entwickeln.

Bayer kauft Monsanto

Der Chemiekonzern Bayer übernimmt im September 2016 nach monatelangen Verhandlungen den US-Saatguthersteller Monsanto. Dabei wurde das US-Unternehmen mit 66 Milliarden Dollar bewertet. Es wäre die größte Übernahme durch einen deutschen Konzern. Doch es gab in der Wirtschaftsgeschichte noch größere Übernahmen.

Foto: REUTERS

Platz 10: Royal Dutch kauft Shell Transport & Trading

Die Unternehmen Shell Transport & Trading und Royal Dutch Petroleum waren schon seit fast 100 Jahren miteinander verflochten. Im Juli 2005 wurden aber beide Teile endgültig miteinander zur Royal Dutch Shell vereinigt. Wert des Deals damals: 80,10 Milliarden US-Dollar.

Quelle: Bloomberg

Foto: dpa

Platz 9: Exxon kauft Mobil

Exxon und Mobil waren im Jahr 1882 Teile eines einzigen Unternehmens, der Standard Oil Company von John D. Rockefeller. 1911 ordnete der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten die Auflösung von Standard Oil an, die Unternehmen Exxon und Mobil entstanden.

Foto: AP

Platz 9: Exxon kauft Mobil

Erst am 30. November 1999 konnten die beiden bis dahin immens gewachsenen Konzerne dank geänderter gesetzlicher Bestimmungen wieder vereinigt werden. Exxon kaufte Mobil damals für die Summe von 80,3 Milliarden Dollar.

Foto: REUTERS

Platz 8: AT&T kauft Bell South

Die Geschichte von AT&T und Bell South steht für das Hickhack auf dem amerikanischen Telekommunikationsmarkt. Bell South war eine von sieben sogenannten Regional Bell Operating Companies, die aus einem Kartellverfahren des US-Justizministeriums gegen AT&T im Jahre 1984 hervorgegangen waren. AT&T wurde in diesem Verfahren gezwungen, seine Beteiligungen an sämtlichen regionalen Telefongesellschaften aufzugeben. Ende des Jahres 2006 wurde die Gesellschaft wiederum erneut von AT&T erworben und wieder mit dieser verschmolzen. Kaufpreis: 83,1 Milliarden Dollar.

Foto: REUTERS

Platz 7: Pfizer kauft Warner-Lambert

Pfizer war schon einmal für eine große Übernahme gut: In den späten 90ern kooperierte der Pharmahersteller Warner-Lambert mit Pfizer, um sein Medikament Lipitor auf den Markt zu bringen. Das Mittel wurde zur Regulierung des Cholesterinspiegels eingesetzt.

Foto: AP

Platz 7: Pfizer kauft Warner-Lambert

Die Einführung im Januar 1997 des Mittels war ein großer Erfolg, allein in den ersten zwölf Monaten wurde in den USA eine Milliarde Dollar eingenommen. Pfizer fand daraufhin wohl so viel Gefallen an Warner-Lambert, dass die Firma im Jahr 2000 für die Summe von 87,3 Milliarden Dollar übernommen wurde.

Foto: AP

Platz 6: Fortis, Banco Santander und RBS kaufen ABN Amro

Mit der größten Übernahme in der Bankgeschichte begann für ABN Amro 2007 eine Zeit der Unselbstständigkeit. Ein Konsortium aus der britischen Royal Bank of Scotland (RBS), der spanischen Santander und der niederländisch-belgischen Fortis übernahm die ABN Amro. Der Kaufpreis damals: 100 Milliarden Dollar. Gut drei Jahre danach wurde aus der inzwischen staatlich gestützten ABN Amro und der verstaatlichten Fortis Bank Niederlande ein neues Institut geschaffen – ABN Amro war wieder selbstständig.

Foto: dpa

Platz 5: Altria Group spaltet Philip Morris ab

Philip Morris ist der weltweit größte private Hersteller von Tabakprodukten. Das Unternehmen wurde Ende März 2008 durch eine Ausgründung vom bisherigen Mutterkonzern Altria Group herausgelöst. Der Wert damals: 107,6 Milliarden Dollar.

Foto: REUTERS

Platz 5: Altria Group spaltet Philip Morris ab

Größer als Philip Morris ist nur China National Tobacco. Flaggschiff ist die Marke Marlboro, die meistverkaufte Zigarettenmarke der Welt.

Foto: Reuters

Platz 4: Anheuser-Busch Inbev kauft SAB Miller

Im Oktober 2015 kündigte sich in der Brauereiwelt eine Mega-Übernahme an: Anheuser-Busch Inbev aus Belgien, die größte Brauereigruppe der Welt, schnappte sich SAB Miller schnappen, die Nummer zwei der Branche.

Foto: AP

Platz 4: Anheuser-Busch Inbev kauft SAB Miller

Das Gesamtvolumen des Deals wird auf 120,5 Milliarden Dollar taxiert. Ein Bier des neuen Portfolios: Budweiser von Anheuser-Busch Inbev.

Foto: ap

Platz 4: Verizon kauft Cellco

Verizon Wireless, das als Joint Venture zwischen Verizon und Vodafone entstand, ist mittlerweile der größte Mobilfunk-Anbieter in den USA. Verizon Wireless gehört seit 2014 komplett zu Verizon Communications. Die Übernahme von Cellco Partnership hatte ein Volumen von 130 Milliarden Dollar.

Foto: ap

Platz 2: Vodafone kauft Mannesmann

Die größte Übernahme der deutschen Geschichte – und die vielleicht bitterste. Im Jahr 2000 wurde die Mannesmann AG, eines der größten deutschen Industrieunternehmen mit Sitz in Düsseldorf, vom britischen Mobilfunkunternehmen Vodafone übernommen.

Foto: AP

Platz 2: Vodafone kauft Mannesmann

Der Kaufpreis im Jahr 2000: 185,1 Milliarden Dollar. Anschließend wurde der Konzern zerschlagen. Die Aktivitäten im Bereich Telekommunikation wurden in die Vodafone Group eingegliedert. Die traditionellen Sparten des Mannesmann-Konzerns wie die Stahlrohrproduktion wurden durch Vodafone verkauft. Der Verkauf der unterschiedlichen Geschäftsbereiche brachte Vodafone viele Milliarden wieder rein.

Foto: AP

Platz 1: AOL übernimmt Time Warner

Die größte Übernahme der Geschichte auf dem Höhepunkt des Dotcom-Fiebers: Zu Jahresbeginn 2000 kündigte AOL an, Time Warner übernehmen zu wollen. Die Fusion wurde 2001 vollzogen, der neu entstandene Konzern aus dem Internetdienstleister und dem Medienkonzern hieß fortan AOL Time Warner. Der Kaufpreis betrug 186,2 Milliarden Dollar. Die platzende Dotcom-Blase machte dem Konzern schwer zu schaffen: Die Börse war bei Unternehmen mit Dotcom-Bezug skeptisch.

Foto: dpa

Platz 1: AOL übernimmt Time Warner
Wenig später gab es Verlust: Nach Abschreibungen und Wertberichtigungen bei AOL machte der neue Konzern für 2002 einen Verlust von knapp 100 Milliarden Dollar. 2003 wurde AOL wieder aus dem Firmennamen gestrichen. Nach nur acht Jahren wurde die „Konzern-Ehe“ wieder geschieden: Time Warner spaltete sich von AOL ab. 2015 fand AOL einen neuen Besitzer: Verizon übernahm den einstigen Internet-Star für gerade noch gut vier Milliarden Dollar.

Foto: Reuters, REUTERS

Ernüchterung gibt es auch im Geschäft mit rezeptfreien Gesundheitsprodukten, wozu etwa Aspirin gehört. Dort stagnierte der Umsatz im Quartal, das bereinigte Ergebnis ging um 3,5 Prozent zurück. Hierbei spielen allerdings Währungseffekte eine große Rolle: Währungs- und preisbereinigt stieg der Umsatz immerhin um 3,6 Prozent. Doch die Enttäuschung bleibt.

Bayer-Chef Werner Baumann räumte in einer Telefonkonferenz ein, dass sich der Konzern zu Beginn des Jahres mehr von dem Geschäft versprochen hatte. Vor allem haben sich die Bayer-Manager vom Kauf der rezeptfreien Präparate des US-Konzerns Merck wohl zu viel versprochen. So schwächeln vor allem die früheren Merck-Marken Claritin (Allergien) und Coppertone (Sonnenschutz). Ebenso gingen die Umsätze des Bayer-Hautpflegemittels Bepanthen zurück; Aspirin stagnierte auf Vorjahresniveau.

Ganz ordentlich lief es für Bayer noch im Chemiegeschäft. Mit 64 Prozent ist der Konzern noch an Covestro beteiligt, will sich aber mittelfristig davon trennen. Für 2016 erwartet Baumann für den gesamten Bayer-Konzern – inklusive Covestro – einen Umsatz zwischen 46 und 47 Milliarden Euro. Exklusive Covestro wären es dann 35 Milliarden Euro. Das bereinigte Ergebnis (Ebitda) vor Sondereinflüssen soll im mittleren bis oberen einstelligen Prozentbereich zulegen.

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