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Werner knallhartDer Gender-* diskriminiert alle Gender

Neben den „Damen und Herren“ soll nach Wunsch der Freunde des Genderings der * in Texten die weiteren 58 anerkannten Gender mit einbeziehen. Und viele deutsche Politiker ziehen mit. Aber es gibt was Pragmatischeres.Marcus Werner 04.01.2017 - 06:00 Uhr

Der Gender-* diskriminiert alle Gender.

Foto: dpa

Deutschland gehört zu den wenigen Ländern in der Welt, die neben den biologischen Geschlechtern Mann und Frau auch noch das „dritte Geschlecht“ anerkennen. Dänemark, Malta, Pakistan, Kolumbien und Bangladesh handhaben es zum Beispiel auch so. Im Ausweis steht dann nicht m oder w, sondern x. Das macht ohne Zweifel Sinn, da es ohne Zweifel Menschen gibt, deren biologisches Geschlecht sind nicht in männlich oder weiblich einsortieren lässt, etwa intersexuelle Leute.

Neben dem biologischen Geschlecht, dem Sex, gibt es auch das soziale Geschlecht, Gender, also das, in dem man sich als sich selbst fühlt, unabhängig von seinen biologischen Geschlechtsmerkmalen. Üblich und anerkannt sind hier ganze 60: Androgyner Mensch, Androgyn, Bigender, Weiblich, Frau zu Mann, Gender variabel, Genderqueer, Intersexuell (oder auch inter*), Männlich, Mann zu Frau, Weder-noch, Geschlechtslos, Nicht-binär, Weitere, Pangender, Trans, Transweiblich, Transmännlich, Transmann, Transmensch, Transfrau, Trans*, Trans* weiblich, Trans* männlich, Trans* Mann, Trans* Mensch, Trans* Frau; Transfeminin, Transgender, Transgender weiblich, Transgender männlich, Transgender Mann, Transgender Mensch, Transgender Frau, Transmaskulin, Transsexuell, Weiblich-transsexuell, Männlich-transsexuell, Transsexueller Mann, Transsexuelle Person, Transsexuelle Frau, Inter*, Inter* weiblich, Inter* männlich, Inter* Mann, Inter* Frau, Inter* Mensch, Intergender, Intergeschlechtlich, Zweigeschlechtlich, Zwitter, Hermaphrodit, Two-Spirit (Drittes Geschlecht), Viertes Geschlecht, XY-Frau, Butch, Femme, Drag, Transvestit, Cross-Gender.

Da kann man als klar definierter Mann oder als eindeutige Frau große Augen machen, den Kopf schütteln darf man aber nicht. Es gibt bekanntlich mehr auf der Welt, als vor den eigenen Horizont passt. Die Frage ist nur: Sollen wir diese 58 zusätzlichen Gender in unsere Sprache einbeziehen und wenn ja, wie? An dieser Frage verzweifeln sogar führende Politiker. Die grün-schwarze Koalition in Baden-Württemberg hat drüber gestritten, die rot-rot-grüne in Berlin hat das * offiziell vereinbart.

Gender-Gap-Report 2016 Gesamtranking
Island Gesamtscore: 0,874Einzelwertungen:Wirtschaftliche Chancen: Rang 9, Score: 0,806Bildungsweg: Rang 1, Score: 1,000Gesundheit und Überlebenschancen: Rang 104, Score 0,970Politische Teilhabe: Rang 1, Score: 0,719
FinnlandGesamtscore: 0,845Einzelwertungen:Wirtschaftliche Chancen: Rang 16, Score: 0,794Bildungsweg: Rang 1, Score: 1,000Gesundheit und Überlebenschancen: Rang 1, Score 0,980Politische Teilhabe: Rang 2, Score: 0,607
NorwegenGesamtscore: 0,842Einzelwertungen:Wirtschaftliche Chancen: Rang 7, Score: 0,818Bildungsweg: Rang 28, Score: 1,000Gesundheit und Überlebenschancen: Rang 68, Score 0,974Politische Teilhabe: Rang 3, Score: 0,576
SchwedenGesamtscore: 0,815Einzelwertungen:Wirtschaftliche Chancen: Rang 11, Score: 0,802Bildungsweg: Rang 36, Score: 0,999Gesundheit und Überlebenschancen: Rang 69, Score 0,974Politische Teilhabe: Rang 6, Score: 0,486
RuandaGesamtscore: 0,800Einzelwertungen:Wirtschaftliche Chancen: Rang 8, Score: 0,817Bildungsweg: Rang 110, Score: 0,958Gesundheit und Überlebenschancen: Rang 89, Score 0,972Politische Teilhabe: Rang 8, Score: 0,452
IrlandGesamtscore: 0,797Einzelwertungen:Wirtschaftliche Chancen: Rang 49, Score: 0,709Bildungsweg: Rang 1, Score: 1,000Gesundheit und Überlebenschancen: Rang 54, Score 0,979Politische Teilhabe: Rang 5, Score: 0,502
PhilippinenGesamtscore: 0,786Einzelwertungen:Wirtschaftliche Chancen: Rang 21, Score: 0,780Bildungsweg: Rang 1, Score: 1,000Gesundheit und Überlebenschancen: Rang 1, Score 0,980Politische Teilhabe: Rang 17, Score: 0,386
SlowenienGesamtscore: 0,786Einzelwertungen:Wirtschaftliche Chancen: Rang 19, Score: 0,784Bildungsweg: Rang 25, Score: 1,000Gesundheit und Überlebenschancen: Rang 76, Score 0,973Politische Teilhabe: Rang 18, Score: 0,385
NeuseelandGesamtscore: 0,781Einzelwertungen:Wirtschaftliche Chancen: Rang 24, Score: 0,765Bildungsweg: Rang 40, Score: 0,999Gesundheit und Überlebenschancen: Rang 104, Score 0,970Politische Teilhabe: Rang 16, Score: 0,390
NicaraguaGesamtscore: 0,780Einzelwertungen:Wirtschaftliche Chancen: Rang 92, Score: 0,632Bildungsweg: Rang 1, Score: 1,000Gesundheit und Überlebenschancen: Rang 1, Score 0,980Politische Teilhabe: Rang 4, Score: 0,506
SchweizGesamtscore: 0,776Einzelwertungen:Wirtschaftliche Chancen: Rang 30, Score: 0,745Bildungsweg: Rang 61, Score: 0,993Gesundheit und Überlebenschancen: Rang 72, Score 0,974Politische Teilhabe: Rang 15, Score: 0,391
BurundiGesamtscore: 0,768Einzelwertungen:Wirtschaftliche Chancen: Rang 1, Score: 0,865Bildungsweg: Rang 124, Score: 0,917Gesundheit und Überlebenschancen: Rang 66, Score 0,974Politische Teilhabe: Rang 28, Score: 0,314
DeutschlandGesamtscore: 0,766Einzelwertungen:Wirtschaftliche Chancen: Rang 57, Score: 0,691Bildungsweg: Rang 100, Score: 0,966Gesundheit und Überlebenschancen: Rang 54, Score 0,979Politische Teilhabe: Rang 10, Score: 0,428
NamibiaGesamtscore: 0,765Einzelwertungen:Wirtschaftliche Chancen: Rang 20, Score: 0,781Bildungsweg: Rang 35, Score: 0,999Gesundheit und Überlebenschancen: Rang 1, Score 0,980Politische Teilhabe: Rang 31, Score: 0,299
SüdafrikaGesamtscore: 0,764Einzelwertungen:Wirtschaftliche Chancen: Rang 63, Score: 0,677Bildungsweg: Rang 55, Score: 0,995Gesundheit und Überlebenschancen: Rang 1, Score 0,980Politische Teilhabe: Rang 13, Score: 0,404

1. Sollen wir immer alle Gender einbeziehen?

Zunächst einmal müssen wir uns fragen: Wollen wir alle ausdrücklich ansprechen, die uns zuhören?

Diese Frage stellte ich mir jüngst, als ich im ICE die Durchsage hörte: „Guten Tag, meine Damen und Herren, liebe Kinder.“ Sind Kinder bei „Guten Tag, meine Damen und Herren“ ausdrücklich nicht gemeint? Mein Bauch sagt mir: Man erwähnt Kinder meist nicht, weil es ihnen ohnehin egal ist, ob sie begrüßt werden. Der Kinder-Gruß ist eher ein netter Hinweis an die Eltern: Wir sind eine Familien-Bahn. Hieße es im ICE aber: „Guten Tag, meine Herren“, die Damen würden blöde gucken.

Und genauso wenig sollte man Erwachsene anderer Gender aus der Begrüßung ausklammern. Erwachsene, die sozial weder Mann noch Frau sind, stehen eben nicht auf der Stufe unreifer Kinder. Dass die westliche Welt - anders als etwa das Volk der Bugis in Indonesien mit fünf kulturell anerkannten Geschlechtern - die vielen Gender bislang hat unter den Tisch fallen lassen, heißt nicht, dass wir nicht umdenken können.

Gender Gap Report

Noch 170 Jahre bis zur Gleichstellung

2. Wie begrüßt man 60 Gender?

Stets 60 Gender zu nennen, ist weder für den Redner noch für den Zuhörer zumutbar („die Fahrerinnen und Fahrer, die fahrenden Transmenschen, die transmännlichen Fahrer, die Hermaphroditen on Tour…“ - nein.)
Allen war stets klar: Dafür braucht es eine andere Sprachregelung. Und damit ging das Chaos los.

Als es anfänglich nur um die sprachliche Gleichberechtigung der Frauen ging, hieß es: Fahrerinnen und Fahrer. Geschrieben aber wurde Fahrer(-innen) und Fahrer/-innen und FahrerInnen. Jetzt mit den 60 Gendern schreibt man Fahrer_innen, denn die Lücke über dem Unterstrich symbolisiert den Platz, den die 58 weiteren Gender einnehmen. Mittlerweile wird allerdings oft Fahrer*innen geschrieben. Der * steht für das Gleiche wie _.
Da beneidet man die Engländer um ihre geschlechtsneutralen Driver. Denn so gut gemeint es ist, die ganze Welt mit einem * umarmen zu wollen, „*innen“ versaut die Lesbarkeit der Texte. Und ist doch nur ein übriggebliebenes Sonderzeichen auf der Computertastatur.

Die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern
Die Berechnung stützt sich allein auf den durchschnittlichen Stundenlohn. Aus den 21 Prozent lässt sich also nicht ableiten, dass alle Frauen in Deutschland 21 Prozent weniger als Männer verdienen. Die Qualifikation der Beschäftigten und ob sie Voll- oder Teilzeit arbeiten, wird nicht berücksichtigt. Daran stören sich Kritiker. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall wendet zum Beispiel ein, die Berechnung sei „kein Indikator für mögliche Diskriminierung, denn er vergleicht eben gerade nicht vergleichbare Tätigkeiten miteinander“.
Die Statistiker führen rund zwei Drittel der Differenz darauf zurück, dass Frauen in eher schlechter bezahlten Berufen tätig sind - zum Beispiel als Reinigungskraft (Frauenanteil 85 Prozent) oder Verkäuferin (73 Prozent). Deutlich mehr Frauen als Männer arbeiten in Teilzeit, deutlich weniger in höheren Führungsebenen.Das letzte Drittel der Lohnlücke zwischen den Geschlechtern lässt sich daraus aber nicht erklären: Dem Statistischen Bundesamt zufolge verdienen Frauen auch bei ähnlicher Tätigkeit und Qualifikation im Schnitt sieben Prozent weniger pro Stunde als ihre männlichen Kollegen. Das wird unter anderem damit erklärt, dass Frauen häufiger eine Auszeit vom Beruf nehmen - um sich um Kinder zu kümmern oder Angehörige zu pflegen. Und sie treten bei Gehaltsverhandlungen anders auf.
Denkbar schlecht. EU-weit betrug der Rückstand 2013 lediglich 16 Prozent. In Slowenien zum Beispiel verdienten Frauen im Schnitt 3,2 Prozent weniger als Männer, in Italien 7,3 Prozent. Nur in Estland (30 Prozent), Österreich (23 Prozent) und Tschechien (22 Prozent) war die Lücke noch größer als hierzulande.
Davon gehen Experten zumindest aus. „Wenn der Mindestlohn eingehalten wird, werden Frauen davon profitieren, weil eben der größere Teil derjenigen, die unter 8,50 Euro verdient haben, Frauen waren“, sagt Christina Klenner vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Auch Hermann Gartner vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) erwartet einen solchen Effekt. Erhebungen gibt es aber noch nicht.
Union und SPD haben sich in ihrem Koalitionsvertrag darauf festgelegt, die Entwicklung zumindest abzumildern. Ein Ziel ist demnach, dass Unternehmen ab 500 Beschäftigte künftig transparenter machen sollen, was Frauen und Männer verdienen. Einen Gesetzesentwurf gibt es allerdings noch nicht.

Nun ist es aber so, dass Schrift nur ein Vehikel ist, um gesprochene Sprache zu konservieren. Die gesprochene Sprache ist das Original. Textelemente, die man nicht sprechen kann, sind codierte Informationen, aber keine Sprache. Lesen Sie mal Texte in Anführungsstrichen und Klammern vor, ohne beschreibend mit den Händen zu wedeln. Und nun sollen 58 Geschlechtsidentitäten als codierte Info per * reingepresst werden? Ich finde das unbeabsichtigt diskriminierend, oder zumindest fürchterlich unbeholfen.

Führung

Warum Frauen meist nicht mit Chefinnen können - und Männer schon

von Daniel Rettig

Das merkt man daran, wenn man versucht, den *-Text vorzulesen. Wenn ein * für 58 Gender steht, was soll man dann sagen?

Es gibt wahrhaftig Aussprache-Vorschläge von Wissenschaftlern, wie man das Sternchen sprechen soll. Per „Glottisschlag“, bei dem sich die Stimmlippen im Kehlkopf stimmlos und leise knackend öffnen, wie beim E bei Spiegel-Ei (anders als bei Spiegelei). Dazu soll man dann eine streichende Handbewegung machen. Also „Fahrer (kurzes Innehalten des Kehlkopfes und Handbewegung) Innen“. Ich wage eine Prognose: Durchsetzungswahrscheinlichkeit 0%. Und was sollen Blinde und Radiohörer davon halten?

Das Dilemma ist: Neue gesellschaftliche Offenheit trifft auf über Jahrhunderte gewachsene Sprache. Letztere lässt sich nicht mit geschlossenen Stimmlippen umpusten. Wie schwer es ist, den Muttersprachler neue Sprachregelungen beizubringen, zeigt die Rechtschreibreform Ende der 90er-Jahre und die Diskussion um den Negerkuss. Das Anliegen ist gut, doch die Akzeptanz scheitert am alten Trott.

Mit dem X gegen Klischees

Lann Hornscheidt, Professorin an der Berliner Humboldt-Universität, möchte mit einer kleinen Wortänderung traditionelle Geschlechterrollen in der Sprache aufbrechen. Häufig fühlten sich Studierende diskriminiert, weil sie als „Herr“ oder „Frau“ angesprochen würden, sagte Hornscheidt. Die Wissenschaftlerin am Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien schlägt vor, etwa von „Professx“ statt von „Professor“ oder „Professorin“ zu sprechen. Die neutralen Endungen entfernten den Zwang, sich einem Geschlecht zuordnen zu müssen. „Die x-Form soll deutlich machen: Es gibt auch noch mehr als Frauen und Männer.“

Foto: Fotolia

Schön dem Herrn Professorin zuhören

Gleichberechtigung schön und gut. Eine Radikalkur in Sachen Feminismus gibt es an der Uni Leipzig: Dort sind Männer jetzt auch Frauen - zumindest sprachlich. Denn die neue Verfassung der Universität sieht nur noch weibliche Bezeichnungen vor. Schrägstrichbezeichnungen wie "Professor/in" entfallen und werden durch die weibliche Form ersetzt. So ist mit "Professorin" künftig auch ein Mann gemeint, worauf dann eine Fußnote verweisen soll. Die neue Grundordnung ist zwar noch nicht in Kraft getreten - doch mit einem Widerspruch rechne man nicht.

Foto: dpa

Frauenquote für Straßennamen

Für Schlagzeilen sorgt die Gender-Debatte immer wieder. Derzeit steht die Namensgebung für Straßenschilder in Berlin-Kreuzberg im Blickpunkt: Das Jüdische Museum (Foto) möchte seinen Vorplatz nach dem jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn benennen. Doch die Verwaltung sperrt sich dagegen, denn in dem Stadtteil gibt es seit 2005 eine Frauenquote für Straßennamen. Demnach muss die Hälfte  der Straßen und Plätze nach Frauen benannt werden. Bis die Quote erreicht ist, dürfen nur noch weibliche Namen vergeben werden.

Foto: REUTERS

Änderung der österreichischen Nationalhymne

Nach langem Rechtsstreit hat Österreich seine Nationalhymne geändert, und ehrt nun nicht mehr nur die „Heimat großer Söhne“ sondern auch der „Töchter“. Aus "Heimat bist du großer Söhne, Volk, begnadet für das Schöne" wurde nach jahrzehntelangen Debatten ab Januar 2012 in der ersten Strophe: "Heimat großer Töchter und Söhne, Volk, begnadet für das Schöne". Geändert wurde auch die dritte Strophe der von Paula Preradovic gedichteten Bundeshymne: Statt „Einig lass in Bruderchören, Vaterland dir Treue schwören" werden nun „Jubelchöre" besungen. Das von manchen bevorzugte "Heimatland" statt "Vaterland" konnte sich hingegen nicht durchsetzen.

Foto: Blumenbüro Holland/dpa/gms

Mädchen mit Pistolen in Schweden

Schweden gilt nicht ohne Grund als Vorreiter in Sachen Gleichstellung. Weihnachten 2012 nahm das neue Ausmaße an: Nach massiven Beschwerden über Rollenklischees in einem Spielzeug-Katalog wurde ein geschlechtsneutraler Katalog herausgebracht. Darin posieren kleine Mädchen mit Spielzeugpistolen, Fußbällen und Autos. Kleine Jungs dürfen dafür mit dem rosa Friseur-Set spielen oder Hunde, die mit Schleifchen dekoriert wurden, Gassi laufen.

Foto: dpa

Geschlechtsneutrale Vorschule in Schweden

Und noch einmal Schweden. Dort gibt es eine umstrittene geschlechtsneutrale Vorschule namens „Egalia“. In der Einrichtung sollen die Kinder sich so entwickeln, wie sie es möchten, ohne in stereotype Rollenbilder gedrängt zu werden. Die Worte „Junge“ und „Mädchen“ werden nicht in den Mund genommen, stattdessen sagen die Erzieher/innen „Freunde“. Auch bei der Auswahl der Spielsachen werden Klischees vermieden. So gibt es etwa kein einziges Märchenbuch, weil Märchen Klischees vermitteln; traditionelle Lieder wurden umgedichtet.

Foto: dpa

Unisex-Toiletten in Berlin

Der Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg nimmt sich all jenen an, die sich beim Toilettengang nicht entscheiden können, welche Tür sie nehmen sollen. Wer sich weder als Mann, noch als Frau fühlt, soll zukünftig in öffentlichen Gebäuden Unisex-Toilette nutzen können.

Foto: dpa/dpaweb

Leitfaden für geschlechtsneutralen Sprachgebrauch

Ein zuweilen grotesk anmutender Auswuchs der Gleichberechtigung ist der geschlechtsneutrale Sprachgebrauch. So hat etwa die Uni Köln (Foto) einen Leitfaden für „geschlechtersensible Sprache“ herausgebracht. Aus dem Bestreben entstehen auch irrsinnige Wortneuschöpfungen wie „Bürger_innensteig“ statt Bürgersteig. Wörter wie „Otto Normalverbraucher“ oder „Krankenschwester“ sollten ausgemustert werden, da es „im Sinne einer gendergerechten Sprache“ vermieden werden solle, „Stereotype zu reproduzieren“, heißt es im Leitfaden. Im alltäglichen Sprachgebrauch hat sich diese Wortakrobatik, Göttin sei Dank, nicht durchgesetzt.

Foto: dpa/dpaweb

Gleichberechtigung auf Spielplätzen

Berliner Bezirke prüfen, ob ihre Spielplätze geschlechtsneutral sind – das heißt, dass sie ebenso für Mädchen und Jungen geeignet sind. Dazu benötigen „nutzungsneutrale Bereiche“ und „multifunktionale Spielangebote“. Dies ergibt sich aus einem 21 Kriterien umfassenden Katalog, mit dem die Berliner Bezirke vorgehen. So haben Studien ergeben, dass Mädchen zwar gerne schaukeln und rutschen - allerdings eher Angst davor haben, wenn diese Spielgeräte im Schatten stehen. Jungen bevorzugen vor allem Bolzplätze und Tischtennisplatten. Mädchen fühlten sich aber davon bedroht, wenn diese nicht klar von anderen Spielbereichen abgegrenzt sind.

Foto: dapd

Auch Männer dürfen „Assistentinnen“ sein

Ein Jurastudent „verdiente“ sich einst locker 13.000 D-Mark, indem er sich auf eine Stelle, die für eine „Assistentin“ ausgeschrieben ist, bewarb – er erhielt nie eine Antwort. Als er erfuhr, dass der Job erwartungsgemäß an eine Frau vergeben wurde, verklagt er den Arbeitgeber: Er sei aufgrund seines Geschlechts diskriminiert worden, so die Begründung. Die Immobilienfirma habe ihre Stellenausschreibung nicht geschlechtsneutral formuliert und offensichtlich nur Frauen ansprechen wollen. Die Richter gaben ihm Recht und sprachen ihm letztendlich eine Entschädigung in Höhe von 13.000 DM zu, nachdem zuvor der Europäische Gerichtshof angerufen worden war.

Foto: dapd

Kinder sollen selbst über ihr Geschlecht entscheiden

Ein Paar in Kanada erzieht seine Kinder geschlechtsneutral, weil es nicht will, dass sie in Schubladen gesteckt werden. Niemand, außer den Eltern, Großeltern und der Hebamme weiß, welches Geschlecht das Kind namens „Storm“ hat. „Storm“ hat schon zwei Brüder mit den geschlechtsneutralen Namen „Jazz“ und „Kio“, die lange Haare haben und auch Kleider oder Rosafarbenes tragen. Sie dürften sich ihre Anziehsachen selbst aussuchen, so die Eltern. „Storm“ soll selbst bestimmen, was „es“ sein möchte und auch den Zeitpunkt, wann das Geheimnis gelüftet wird.

Foto: dpa

Angst vor Frauen?

Die Gleichstellungsdebatte führt aber nicht nur zu gesellschaftlich und politischen skurrilen Auswüchsen. Auch einzelne Personen verkündeten eine durchaus seltsam anmutende Änderung ihres Verhaltens. So etwa der Fraktionsvorsitzende der FDP in Schleswig-Holstein, Wolfgang Kubicki, der hier Parteikollegin Cornelia Pieper nach ihrer Wahl zur neuen FDP-Landesvorsitzenden in Sachsen-Anhalt charmant gratuliert. Nach der Sexismus-Debatte um Rainer Brüderle und Stern-Journalistin Laura Himmerlreich kündigte er an, keine Journalistinnen mehr Wahlkampfbegleitung in seinem Auto mitnehmen zu wollen. So wolle er vermeiden, dass eine lockere Bemerkung gegen ihn verwendet werde.

Noch skurriler waren die zur Brüderle-Debatte aufgetauchten Ratschläge, dass Männer besser nicht mehr alleine mit hübschen jungen Frauen im Fahrstuhl fahren sollten. Man(n) kann ja nie wissen...

Foto: dpa

Der * ist ein gut gemeintes, aber untaugliches Symbol, das Texte unlesbar macht. Bei „Fahrer*innen“ liest jedes Gehirn „Fahrerinnen“. Und warum sollte von allen 60 Gendern nun ausgerechnet die eine Wahrnehmung auf der Frau liegen?

Dann können wir genauso mit dem generischen Maskulinum „Fahrer“ weitermachen, der schließt offiziell alle Geschlechter ein, tendiert in seiner Wahrnehmung durch die Menschen nach Untersuchungen zwar eher zum Mann, aber eben nur „eher“ Richtung Mann und nicht eindeutig Richtung Frau wie bei „innen“, ist außerdem immerhin kürzer, lesbar und ist bereits gelernt.

Wem nun der Puls hochgeht, der muss jetzt einmal bitte auf neutral schalten. Geben Sie folgendem Gedanken eine Chance: Der * ist ein unaussprechbares Symbol für 58 Gender. Einfach per Definition. Warum definieren wir nicht an einer anderen Stelle um?

Wir definieren: „Die Fahrer“ ist gender-neutraler Plural. Er war bis 2017 maskuliner Plural, der lange Zeit generisch auch für die weibliche Fassung stand. Dann kam das -innen, um den Frauen genüge zu tun. Aber weil das schon nicht ordentlich lesbar war und der * als noch unbelegtes Symbol auf der Tastatur noch mehr Gedankenchaos verursacht hat, haben wir alles zurückgeschnitten und den Männern ihr grammatikalisches Geschlecht einfach weggenommen. Für alle 60 Gender.

„Liebe Fahrer, liebe Studenten, liebe Kollegen“ meint dann ausdrücklich Männer, Frauen, Transvestiten, Butches, Transgender und alle anderen.

Nehmt den Männern ihre exklusive knackig-kurze Endung. Sprechbare Bezeichnungen für alle! Die Männer hätten dann keinen eigenen Plural mehr, die Frauen wären ihr unlesbares „/-innen (-innen) Innen“ los und die 58 anderen ihr *. Wie im Englischen. Oder fällt Ihnen es etwas Praktikableres ein, was Chancen hat, von einem Großteil derer, die Deutsch schreiben, lesen und sprechen, in Herz und Hirn aufgenommen zu werden? Und ich meine jetzt nicht nur die Abgeordneten von Linken, Grünen und SPD auf Twitter. Sondern alle.

Wer als Teil einer kleinen, feinen, außergewöhnlichen Minderheit gemeinsam mit anderen 58 kleinen, feinen, außergewöhnlichen Minderheiten ganz unprätentiöser Teil einer bunten Gesellschaft sein möchte und können soll, der darf nicht mit unaussprechbaren Sonderzeichen abgespeist und sprachlich an den Rand gedrängt werden.

Und statt „Meine Damen und Herren“ künftig „Hallo Leute“. Warum eigentlich nicht?

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