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GeldanlageWie Sparer weltweit ihr Vermögen bilden

Immobilien oder Aktien? Sicher oder riskant? So bunt die Welt ist, so einheitlich sind die Regeln, wie Menschen in schwierigen Zeiten rund um den Globus ihr Geld vermehren wollen. Ein Blick auf die Konten dieser Welt.Alexander Busch, Lea Deuber, Philipp Mattheis und Julica Jungehülsing, Simone Schlindwein 11.01.2017 - 11:31 Uhr

Brasilien, Uganda, Türkei: Wie sieht Geldanlage rund um den Globus aus?

Foto: , Anna Ackermann für WirtschaftsWoche, Bradley Secker für WirtschaftsWoche

Das Verhältnis der Deutschen zu ihrem Geld ist ein eigentümliches: Man hat es gerne, findet aber alles, was nach Finanzwelt riecht, befremdlich. Gelddinge scheinen den meisten Deutschen ähnlich attraktiv wie Stubenfliegen und vergleichbar angenehme Dinge des Lebens. Vier von zehn Deutschen halten Geldanlage für ein notwendiges Übel, haben die großen deutschen Direktbanken mal in einer Studie herausgefunden. Und dementsprechend wenig mühevoll ist die durchschnittliche Geldanlage zusammengestellt: ganz viel Sparbücher, einige Tagesgeldkonten, Lebensversicherungen noch und nöcher, vielleicht ein paar Rentenfonds. Und damit fuhren die Deutschen auch eine ganze Zeit gar nicht so schlecht.

Nun aber hat sich die Welt des Geldes geändert. Kein Preis in den sogenannten Marktgesellschaften des Westens wird so heruntermanipuliert wie der Preis des Geldes, der Zins. Man will mit billigem Geld das Rad der Wirtschaft in Schwung halten. Tatsächlich ist die bürgerliche (Geld-)Welt aus den Fugen geraten. Wer spart, verliert. Negativzinsen fressen sich nicht nur durch die Reputationskonten von Notenbankern, sondern auch durch Sparbücher, Lebensversicherungen und ähnlich deutsche Geldanlagen.

Das aber stellt die Deutschen vor Fragen: Wohin mit dem Geld? Und was sind Alternativen zu Sparkonto und Co.? Dass es sie gibt, ohne Zweifel. In anderen Teilen der Welt legen die Menschen ihr Geld schließlich auch jenseits des deutschen Weges an. Aber wie? Und worauf vertrauen Menschen in schwierigen Zeiten? Geschichten aus der ganz privaten Welt des Geldes.

Platz 27: Aktien Nigeria

Euro-Investoren, die im vergangenen Jahr an der kleinen nigerianischen Börse investierten, machten ein sehr schlechtes Geschäft. Das lag gar nicht mal an den Aktien selbst, der Leitindex Nigeria All Share verlor zwar „nur“ sieben Prozent. Das lag vor allem daran, dass der bevölkerungsreichste afrikanische Staat stark von den Öleinnahmen ist. Doch am 20. Juni gab die Zentralbank die Anbindung der heimischen Währung Naira an den Dollar auf. Die darauf folgende deutliche Abwertung der Währung Naira zu vielen Währungen macht die Aktien aber zum weltweit größten Verlustbringer. Wer Anfang des Jahres theoretisch 100.000 Euro an der Börse in Nigeria investierte, hat jetzt nur noch 61.390 Euro auf dem Konto. Privatanleger können jedoch kaum in Nigeria direkt investieren, es gibt auch keine Zertifikate oder börsengehandelte Indexfonds auf den Nigeria All Share.

Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Foto: dpa

Platz 26: Ghana

Auch gezielte Investitionen an der Börse in Ghana sind für hiesige Privatanleger kaum möglich. Das ist auch gut so. Denn der Aktienindex der ebenfalls sehr kleinen Börse in Ghana, entwickelte sich sehr schlecht. Die agrarisch strukturierte  Wirtschaft des als Musterdemokratie auf dem Kontinent geltenden Landes,  schrumpft. Das Land ist stark vom Export von Rohstoffen wie Gold, Öl, Kakao und Edelhölzern abhängig. Dabei steigen zwar im vergangenen Jahr viele Rohstoffpreise, doch der Kakaopreis brach um fast ein Drittel ein. Von 100.000 in Ghana investierten Euro blieben bis Jahresende nur 77.840 Euro übrig.

Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Foto: dpa

Platz 25: Aktien Ägypten

Noch dramatischer als in Nigeria schlägt in Ägypten die Währungsentwicklung zu Buche. Dort gab die Zentralbank im November den Wechselkurs des ägyptischen Pfunds frei, das daraufhin abstürzte. Das bescherte Anlegern, die im Januar 100.000 Euro in den Leitindex EGX 30 investierten einen Verlust von 20.430 Euro, so dass nur noch 79570 Euro übrig bleiben. Das fast Tragische dabei: Die Abwertung beflügelten den Aktienmarkt. Der EGX 30 selbst gehört in Lokalwährungen gerechnet mit einem Plus von mehr als 70 Prozent zu den weltweit besten Börsen und stieg auf ein Rekordhoch nach dem anderen.

Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Foto: dpa

Platz 24: Aktien China

Der Entwicklung der chinesischen Wirtschaft verunsichert Anleger weltweit seit anderthalb Jahren. Das spiegelt sich auch der Börse wider. Der Leitindex CSI 300, der die 300 größten Aktien Festlandchinas erfasst, verlor über elf Prozent. Da gleichzeitig der Yuan zum Euro weiter abwertete, bleiben Anlegern die 100.000 Euro in den Index investiert haben, nur 85.450 Euro übrig.

Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Foto: dpa

Platz 23: Britisches Pfund

Das knappe Votum der Briten für einen Austritt aus der Europäischen Union schockte am 24. Juni Europa die ganze westliche Welt. Der britische Aktienmarkt erholte sich – wie auch andere europäische Börsen – von dem Schock zwar recht schnell. Auf Jahressicht hat der Leitindex Footsie deshalb in Pfund gerechnet über 14 Prozent zugelegt und stieg Ende Dezember sogar auf ein Allzeithoch. Doch das britische Pfund selbst steht weiter unter massivem Druck. Zum Euro hat es in diesem Jahr gut 13 Prozent verloren und damit so viel wie keine andere Hauptwährung. Aus 100.000 in Pfund investierten Euro wurden so nur noch 86.980 Euro.

Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Foto: dpa

Platz 22: Mexikanischer Peso

Dem mexikanischen Peso – dem zweitgrößten Verlierer der Hauptwährungen zum Euro – machte der Wahlsieg von Donald Trump zum US-Präsidenten zu schaffen. Kein Wunder, die USA sind Mexikos wichtigster Handelspartner, doch Trump will den Handel massiv besteuern und die Grenzen zu Mexiko dichter machen- auch wenn zuletzt vom dem im Wahlkampf propagierten Mauerbau nichts mehr zu hören war. Wer zu Jahresbeginn 100.000 Euro in mexikanischen Peso anlegt, verfügte Ende des Jahres jetzt nur noch über 89.510 Euro. Mexikos Leitindex IPC legte aber um zumindest rund sechs Prozent zu.

Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Foto: dpa

Platz 21: Sparbuch

Seit Jahren lässt sich mit dem Sparbuch nichts mehr verdienen. So war es auch 2016. Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro anlegt hat einen Gewinn von gerade mal 50 Euro – entsprechend von 0,05 Prozent gemacht. Immerhin verloren Anleger aber zumindest nominal – also ohne Berücksichtigung der Inflation – auch nichts.

Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Foto: dpa

Platz 20: Aktien Euro-Zone

Der Euro Stoxx 50 Index für die 50 wichtigsten Werte im Euro-Raum hat in diesem Jahr enttäuscht. Seine massiven Verluste von über zwölf Prozent zur Jahresmitte hat er zwar wieder aufgeholt. Dennoch wurden aus zu Jahresbeginn 100.000 in den Index investierten Euro lediglich 100.770 Euro und damit nicht sehr viel mehr als auf dem Sparbuch. Am schlechtesten in ganz Europa schnitt die portugiesische Börse ab. Das Land zittert um die letzte verbliebene solide Bonitätsnote von der kleinen Ratingagentur DBRS. Portugals Leit-Aktienindex PSI 20 verlor in diesem Jahr mehr als elf Prozent.

Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Foto: dpa

Platz 19: Deutsche Staatsanleihen

Die deutlichen Schwankungen bei Aktien und die Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) ließen Investoren weltweit zu deutschen Bundesanleihen greifen. Die Folge: Am 14. Juni fiel selbst die Rendite der viel beachteten deutschen Staatsanleihe mit zehn Jahren Laufzeit erstmals unter null Prozent. im Juli sackte sie auf bis zu minus 0,22 Prozent ab. Seither sind zwar die Kurse gerade von Bundesanleihen mit mittlerer bis längerer Laufzeit zwar wieder etwas gefallen und die Renditen im Umkehrschluss gestiegen. Dennoch: Wer direkt im Januar für 100.000 Euro deutsche Bundesanleihen in allen Laufzeiten kaufte, hat jetzt 104.070 Euro auf dem Konto.

Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Foto: dpa

Platz: 18: US-Dollar

Der US-Dollar hat seit der Wahl von Donald Trump einen wahren Höhenflug. Mit dem Wahlsieg Trumps warfen Investoren ihre Skepsis über Bord und setzen darauf, dass der als unberechenbar geltende Amerikaner mit seiner Mischung aus Steuersenkungen und Infrastrukturausgaben die US-Konjunktur kräftig ankurbeln wird. Auf Jahressicht stieg der Dollar zum Euro um 4,11 Prozent. Aus 100.000 in den Greenback investierten Euro wurden so 104.110 Euro. Außerdem steigert der Dollar-Anstieg die Erträge von allen Anlagen, die in Dollar nominiert sind.

Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Foto: dpa

Platz 17: US-Staatsanleihen

Seit dem Wahlsieg von Donald Trump sind amerikanische Staatsanleihen nicht mehr in Mode. Investoren fürchten einen Anstieg der Inflation, wenn der neue US-Präsident die Konjunktur über Infrastrukturausgaben ankurbelt, weil in den USA schon jetzt nahezu Vollbeschäftigung herrscht. Zudem hat der gestiegene Ölpreis schon seit dem Sommer die Inflationserwartungen steigen lassen. Außerdem warten Investoren auf weitere Leitzinserhöhungen der US-Notenbank Fed. US-Staatsanleihen haben ihre zeitweise deutlichen Kursgewinne deshalb mehr als komplett abgegeben. Da die US-Treasuries aber zumindest noch etwas Zinsen bringen, lag der Gesamtertrag für US-Anleger aus Zinseinnahmen und Kursverlusten 2016 bei einem knappen halben Prozent. Euro-Anlegern spielte dagegen der Anstieg des Dollars zum Euro in die Hände. Wer im Januar für 100.000 Euro US-Staatsanleihen mit allen Laufzeiten kaufte, hat jetzt 104.170 Euro.

Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Foto: dpa

Platz 16: Aktien Japan

Auch Japans Aktienindex Nikkei 225 hat sich beeindruckend vom über 18-prozentigen Verlust des ersten Halbjahres erholt. In japanischen und in japanischen Yen notierte der Index auf Jahressicht gerechnet 0,4 Prozent im Plus. Dazu trägt die Notenbank bei, die nicht nur japanische Staatsanleihen, sondern auch japanische Aktien kauft. Gleichzeitig hoffen auch die Japaner auf einen „Donald Trump light“ und setzen darauf, dass der US-Präsident weniger protektionistisch handeln wird als angedroht. Der japanische Yen verlor jedoch nach der Trump Wahl deutlich gegenüber dem Dollar und liegt auch gegenüber dem Euro seit Beginn des Jahres „nur“ noch sechs Prozent im Plus. Mitte des Jahres waren es noch fast 14 Prozent. Dennoch: Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro in den Nikkei 225 investiert hat, kann sich über einen Gewinn von 6.250 Euro freuen.

Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Foto: dpa

Platz: 15: Aktien Deutschland

Der Jahressschlussrally sei Dank. Nachdem der deutsche Leitindex Dax bis Mitte Februar um fast ein Fünftel eingebrochen war, fürchteten Anleger Schlimmes. Der Dax berappelte sich zwar wieder, schaffte es aber erst Anfang des Monats deutlich über den Schlussstand des Vorjahres. Unter dem Strich hat der Dax so im vergangenen Jahr 6,87 Prozent gewonnen. Aus 100.000 Euro wurden so 106.780 Euro. Interessant: Selbst wenn man die im Dax enthaltenden Dividenden herausrechnet kommt der Index auf ein reines Kursplus von zumindest 3,7 Prozent und schlägt somit den als reinen Kursindex berechneten Euro Stoxx 50 deutlich.

Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Foto: dpa

Platz 14: Euro-Unternehmensanleihen schwacher Bonität

Mit auf Euro lautenden Anleihen von Unternehmen, denen die Ratingagenturen nur eine schwache Bonität zubilligen konnten Anleger 2016 deutlich mehr verdienen als mit sicheren Bundesanleihen. Die Erträge aus den Kursgewinnen und den höheren Zinseinnahmen der sogenannten Junk-Bonds (Ramschanleihen) summieren sich im Schnitt auf 9,07 Prozent. Aus 100.000 investierten Euro wurden so 109.070 Euro. Anfang des Jahres gerieten wegen des schwachen Ölpreises zwar US-Junkbonds unter Druck. Das belastete auch die Euro-Papiere. Doch die Lage hat sich beruhigt – außerdem greifen im Niedrigzinsumfeld immer mehr Investoren zu Anleihen mit höheren Zinsen. Dazu kommt: Da die Europäische Zentralbank (EZB) Anleihen von Unternehmen mit guter Bonität kauft, drängt sie Anleger förmlich dazu auf andere Bonds auszuweichen.

Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Foto: dpa

Platz 13: Magere Schweine

Nicht nur Öl, Industrierohstoffe, Metalle und Agrarrohstoffe können Anlegern an Terminbörsen handeln sondern auch landwirtschaftliche Produkte. Dazu gehören auch an der Chicago Mercantile Exchange gehandelten Terminkontrakte auf Nutztiere. Besonders auffällig erholte sich dabei 2016 der im Vorjahr deutlich gefallene Preis für Magere Schweine. Da gleichzeitig der Dollar stieg, machten Investoren, die an der Chicagoer Terminbörse 100.000 Euro investierten, einen Gewinn von 11.000 Euro. Die Preise für Mastvieh und Lebendrinder fielen dagegen deutlich.

Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Foto: dpa

Platz 12: Gold

Nach einer fünfjährigen Talfahrt glänzte Gold im Jahr 2016 wieder. Das gelbe Metall war zwar in Dollar gerechnet mit einem Plus von rund acht Prozent nicht der Top-Performer unter den Rohstoffen. Aus 100.000 investierten Euro wurden aber letztlich 112.040 Euro. Bis zum Sommer war der Goldpreis in Dollar gerechnet sogar um knapp 30 Prozent geklettert. Nach den US-Wahlen schmolzen die Gewinne aber ab Die Aussichten auf eine starke US-Wirtschaft unter Trump und auf drei weitere Zinsschritte der US-Notenbank Fed im Jahr 2017 ließen den Dollar klettern und den Goldpreis fallen.

Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

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Platz 11: Aktien Schwellenländer

Die Aktien der Schwellenländer haben gemessen am Dollar-Index MSCI Emerging Markets im Jahr 2016 8,5 Prozent zugelegt. Damit erholten sie sich zumindest zum Teil von ihrem Absturz des Vorjahres – wobei die Spreizung zwischen den einzelnen Emerging Markets groß ist. Wer jedoch 100.000 Euro in den MSCI Emerging Markets oder einen entsprechenden börsengehandelten Indexfonds investiert, machte – ohne Transaktionskosten – dank Index- und Dollar-Anstieg einen Gewinn von 12.710 Euro.

Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Foto: dpa

Platz 10: Anleihen Schwellenländer

Wie die Anleihen von Unternehmen mit schwacher Bonität profitierten auch die Anleihen von Schwellenländern von der verzweifelten Suche der Investoren nach höheren Zinseinnahmen. Die zuletzt gestiegenen Kapitalmarktzinsen – sprich Anleiherenditen – in den USA belasteten zwar gerade die auf Dollar lautenden Anleihen der Schwellenländer. Dennoch: Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro in einen auf Dollar-Emerging-Market Bonds lautende Anleihen investierte, kann sich jetzt über ein auf 113.200 Euro gewachsenes Depot freuen.

Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Foto: dpa

Platz 9: Aktien USA

Auch die US-Börsen stürzten bis Februar im Sog der Angst um die Entwicklung in China und den fallenden Ölpreis ab. Sie erholten sich aber wesentlich deutlicher als ihre europäischen Pendants. Und mit der Wahl von Donald Trump starteten die US-Börsen noch einmal richtig durch – auch wenn der Dow Jones Index die Rekord-Marke von 20.000 Punkten knapp verpasste. „Die Rally ist davon getrieben, dass es endlich einen Wechsel in Washington gibt“, sagt Ted Weisberg, Chef und Gründer von Seaport Securities an der Wall Street. In Dollar gerechnet hat der Dow im vergangenen Jahr gut 13 Prozent gewonnen – in Euro gerechnet waren es 16,14 Prozent.

Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Foto: REUTERS

Platz 8: Silber

Der kleine Bruder des Goldpreises hat Gold im vergangenen Jahr deutlich geschlagen. In Dollar gerechnet stieg der Silberpreis um rund 15 Prozent, in Euro sind es sogar 18,56 Prozent. Dabei profitiert Silber davon, dass es auch als Industriemetall gilt. Und die waren 2016 wegen der insgesamt doch weltweit etwas besseren Konjunktur gefragt. Aus 100.000 in Silber angelegten Euro wurden 118.560 Euro.

Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Foto: WirtschaftsWoche

Platz 7: Zucker

Die Preise vieler Agrarrohstoffe sind 2016 ebenfalls deutlich gestiegen – am deutlichsten der für Rohrzucker – auch wenn über die Hälfte der Performance seit dem Herbst wieder abgeschmolzen ist. Wer an den Terminbörsen zu Jahresbeginn 100.000 Euro in Zucker anlegte, hat jetzt 132.950 Euro auf dem Konto. Grund für den Anstieg sind Aussichten auf eine sinkende Produktion. Ähnlich ist es bei Kaffee, Baumwolle und Kakao. Ein höheres Angebot ließ dagegen die Preise für Mais und Weizen fallen.

Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Foto: dpa

Platz 6: Aktien Russland

Die russische Börse hat schwere Turbulenzen hinter sich. Vom Absturz zu Beginn des Jahres erholten sich aber sowohl der Leitindex Micex als auch der Rubel deutlich. Hauptgründe dafür sind der steigende Ölpreis und nach der Trump-Wahl die Hoffnung auf ein besseres politisches Verhältnis zwischen den USA und Russland. In Rubel gerechnet stieg der Micex in diesem Jahr unter dem Strich um rund Prozent, die Aufwertung des Rubels gegenüber dem Euro machte aus 100.000 in Russland angelegten Euro sogar 152.950 Euro.

Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Foto: dpa

Platz 5: Öl

Der weitere Verfall des Ölpreises schockte die Anleger zu Jahresbeginn. Bis auf das Zwölfjahrestief von 27 Dollar fiel der Preis für ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Bren bis zum Februar. Er erholte sich aber deutlich, in der Hoffnung darauf, dass die Ölstaaten die Fördermengen begrenzen. Ende 2016 beschloss die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) dann tatsächlich ab 2017 weniger Öl zu fördern. Das verhalf dem Ölpreis zuletzt auf einen Stand von knapp 54 Dollar. Das machte aus 100.000 in Öl-Terminkontrakte investierten Euro am Jahresende 161.080 Euro.

Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Foto: dpa

Platz 4: Zink

Auch Zink kann hübsch verarbeitet werden, gilt aber vor allem als Industriemetall und war 2016 der Rohstoff mit dem höchsten Preisanstieg. Rund die Hälfte allen Zinks wird für Korrosionsschutz verwendet. Zusätzlich wird Zink unter anderem in Batterien oder für Gussformen verwendet. Einer der Gründe für die Hausse ist das anhaltende globale Defizit. So erwartet der Verband der Blei-und Zinkbranche, dass das Angebot auch 2017 hinter der Nachfrage zurückbleiben wird. Im vergangenen Jahr stieg der Zinkpreis in Euro gerechnet um 62,84 Prozent.

Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Foto: WirtschaftsWoche

Platz 3: Aktien Kasachstan

Gerade mal neun Werte sind im kasachischen Leitindex Kase notiert – doch die hatten es 2016 in sich. Das zentralasiatische Land ist der zweitgrößte Ölexporteur im postsowjetischen Raum und profitierte damit deutlich vom seit Mitte Februar wieder gestiegenen Ölpreis. Dabei gilt generell das die Werte an kleinen illiquiden Börsen deutlich stärker schwanken als an großen Märkten. Im vergangenen Jahr sprach das Pendel dabei für die Anleger: Wer 100.000 Euro in den Kase-Index investierte, machte einen Gewinn von 66,27 Prozent. Dabei entfiel ein mit anderen Ländern vergleichsweise geringer Teil auf die Aufwertung der Landeswährung.

Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Foto: dpa

Platz 2: Aktien Peru

Für Investoren war die Wahl ein Traum: Pablo Kuczynski, der im Sommer gewählte Präsident Perus, ein ehemaliger Wall Street Banker und gilt als liberal und wirtschaftsfreundlich. Die Börse in Peru begann schon vor Wochen vor der Wahl zu feiern. Dazu sind im Leitindex Peru General S&P/BVL viele Minenwerte notiert – und die profitierten vom Anstieg der Minenpreise. Der Index stieg im vergangenen Jahr um 59 Prozent. Die Aufwertung des Sols gegenüber dem Euro machte daraus bei einer Investition von 100.000 Euro für hiesige Investoren einen Gewinn von 67.210 Euro. Im vergangenen Jahr hatte die Börse allerdings ein Drittel verloren. Das zeigt wie riskant Einzelwetten auf Schwellenländer sind.

Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Foto: REUTERS

Platz 1: Aktien Brasilien

Der brasilianische Aktienmarkt war 2016 kaum zu bremsen. Auch er startete zwar mit den Weltbörsen schwach, startete dann aber richtig durch. Vor allem das Amtsenthebungsverfahren gegen Staatschefin Dilma Rousseff die Aktienkurse nach oben, weil dadurch die Präsidentin abgelöst wurde, die das Land in die Rezession und den größten Korruptionsskandal aller Zeiten getrieben hatte. Dass inzwischen auch gegen die Regierung und Ihren Präsidenten Michel Temer Korruptionsvorwürfe bestehen, bremste die Hausse nicht – ebenso wenig wie die Tatsache, dass das Land immer noch in der Rezession feststeckt. Sei es drum – in der Landeswährung gerechnet stieg Brasiliens Leitindex Bovespa um 39 Prozent. Noch deutlicher wertete die Landeswährung Real auf – auch wenn sie seit den US-Präsidentschaftswahlen wieder etwas verloren hat. Unter dem Strich machten Anleger, die Anfang vergangenen Jahres 100.000 Euro in Brasiliens Leitindex investierten einen Gewinn von 76.160 Euro. So viel gab es in keiner anderen Anlageklasse.

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Türkei – der Zauber der Sparkreise

Nach den Anschlägen auf den Atatürk-Flughafen im Juni dieses Jahres witterte Timur Erten eine Chance. Er kaufte Aktien des Flughafenbetreibers TAV, die gerade abgestürzt waren, und hoffte auf Erholung. „Anfangs lief es auch ganz gut“, sagt der 37-Jährige. „Aber dann kam ja leider der Putschversuch am 15. Juli.“ Und seitdem rückte die Türkei dem Chaos nahezu wöchentlich einen Schritt näher. Auf den Putsch folgten „Säuberungen“ der Verwaltung, darauf Terror, darauf staatliche Gegenwehr, darauf neuer Terror. Die türkische Wirtschaft leidet seitdem und mit ihr die Menschen.

Global Wealth Report

Die Europäer werden ärmer, die Japaner reicher

von Andreas Toller

Für Timur Erten jedenfalls ist seine ganz persönliche Wohlstandsabsicherung im vergangenen Jahr nicht aufgegangen. „Wieder einmal“, sagt seine Frau Ilke und verdreht liebevoll die Augen. „So läuft es meistens, wenn er Aktien kauft.“ Das Paar sitzt auf der Couch in einer Mietwohnung in einem der liberalen, säkularen Viertel Istanbuls. Vor ihnen auf dem Teppich spielt ihr vierjähriger Sohn Denis. Beide Ehepartner sind berufstätig. Ilke, 38, arbeitet in einer Werbeagentur, Timur im Kundensupport einer Möbelfirma. Jeder von ihnen verdient rund 6000 Türkische Lira im Monat, rund 1800 Euro. 600 Euro legen sie zusammen monatlich zurück. Zehn Prozent davon stecken sie in – ausschließlich türkische – Aktien. Ansonsten investieren die Ertens auf klassisch türkische Art: Sie kaufen Gold und Immobilien. Außerdem legen sie Geld in Devisen an. Zurzeit haben sie fast die Hälfte ihrer Barreserven in Dollar.

Was für Timur seine Aktien sind, sind für Ilke die Sparkreise. Einmal die Woche trifft sich Ilke dazu mit 20 Freundinnen zum Kaffee. Wie alle anderen Teilnehmerinnen zahlt Ilke 19 Mal 200 Lira ein. Jedes Mal erhält eine der Frauen die Summe. Nächste Woche ist Ilke dran. Sie bekommt dann 4000 türkische Lira, rund 1200 Euro. Ilke ist in dreien solcher Runden. Was beim ersten Mal hören irgendwie sinnbefreit wirkt, funktioniert aber wie eine Bank unter Freunden. Die Gruppe spart quasi für den Einzelnen. Außerdem entsteht so ein sozialer Zusammenhalt. Diese Sparkreise sind in der ganzen islamischen Welt verbreitet und fast immer Frauensache. Stolz sind die Ertens, dass sie keine Schulden haben.

Uganda – die Sehnsucht nach Betongold

Jeden Abend, wenn Edward Sekyewa von seinem Büro in Ugandas Hauptstadt Kampala nach Hause fährt, freut er sich auf seine Familie, die Frau, die zwei Kinder – und auf seine Baustelle. Jede Minute seiner Freizeit und jeden Schilling seines Ersparten hat der 42-Jährige in den vergangenen fünf Jahren in den Bau seines neuen Eigenheimes gesteckt. Direkt neben seinem bisherigen Haus ragt nun ein vierstöckiges Einfamilienhaus über die Mauern des Grundstücks.

Aktien

Der Absturz der „Volksaktie“ Telekom und das Platzen der New-Economy-Blase am Neuen Markt um die Jahrtausendwende haben viele Kleinanleger nachhaltig verschreckt. Zwar erhöhte sich die Zahl der Besitzer von Aktien und/oder Aktienfondsanteilen in Deutschland im vergangenen Jahr um 560.000 auf gut neun Millionen. Das ist der höchste Stand seit 2012. Dennoch sind nur 14 Prozent der über 14-Jährigen am Aktienmarkt engagiert - und damit deutlich weniger als in anderen Ländern. Nach Bundesbank-Zahlen machten Aktien zum Ende des zweiten Quartals 2016 gerade einmal ein Zehntel (540,7 Milliarden Euro) der 5401 Milliarden Euro Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland aus.

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Bargeld und Bankeinlagen

Bargeld und Einlagen bei Banken sind nach den Bundesbank-Zahlen mit gut 2128 Milliarden Euro nach wie vor der größte Posten des Geldvermögens der privaten Haushalte. Tagesgeldkonten als Parkplatz für Liquidität stehen nach wie vor hoch im Kurs, obwohl sie kaum noch Zinsen abwerfen.

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Bausparen

Die Deutschen sind eifrige Bausparer. Nach Zahlen des Verbands der Privaten Bausparkassen gab es 2015 knapp 30 Millionen Bausparverträge in Deutschland. Damit komme auf jeden zweiten Haushalt mindestens ein Vertrag. 2,7 Millionen Verträge wurden im vergangenen Jahr neu abgeschlossen. Allerdings versuchen etliche Bausparkassen Kunden loszuwerden, die noch besonders hochverzinste Altverträge haben.

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Gold

Privatleute in Deutschland besitzen mittlerweile die Rekordmenge von 8672 Tonnen des Edelmetalls - davon gut die Hälfte (4705 Tonnen) in Form von Barren und Münzen, knapp 4000 Tonnen sind Schmuck. Diese Zahlen haben Forscher der Steinbeis-Hochschule für die Reisebank zusammengetragen. Von 2014 bis 2016 wuchs der Goldschatz der Privathaushalte demnach um 477 Tonnen. Wert zum Zeitpunkt der Studie im August 2016: 375 Milliarden Euro. Drei Viertel (2014: 67 Prozent) der erwachsenen Bundesbürger besitzen der Studie zufolge Gold in Form von Schmuck, Barren, Münzen oder Wertpapieren.

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Immobilien

Die niedrigen Hypothekenzinsen heizen die Nachfrage nach Häusern und Wohnungen an. In den ersten neun Monaten 2016 wurden so viele Wohnungen genehmigt wie seit 1999 nicht mehr. Auch viele Investoren spekulieren auf weitere Preissteigerungen und investieren in „Betongold“. Noch sieht die Bundesbank keine gefährlichen Übertreibungen am deutschen Immobilienmarkt. Allerdings verlocken die niedrigen Zinsen auch zum Schuldenmachen. Die Bundesbank warnt vor einem Schock bei steigenden Zinsen: „Finanzierungen, die unter den aktuellen Rahmenbedingungen angemessen erscheinen, könnten sich dann als nicht nachhaltig herausstellen.“

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Lebensversicherungen

91 Millionen Lebensversicherungsverträge zählte der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) Ende vergangenen Jahres bundesweit. Damit hat rein rechnerisch jeder Bundesbürger mindestens eine Lebensversicherung - ein Altersvorsorge-Klassiker. Doch neue Verträge sind schon lange nicht mehr so attraktiv verzinst wie noch um die Jahrtausendwende.

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Sparbuch

Das gute alte Sparbuch hat seinen Reiz bei den sicherheitsorientierten Deutschen trotz aktuell mickriger Zinsen keineswegs verloren. 44 Millionen Sparkonten zählten allein die seinerzeit 413 Sparkassen bundesweit zum Jahresende 2015. Gut 603 Milliarden Euro hatten die privaten Haushalte im 2. Quartal 2016 nach jüngsten Bundesbank-Zahlen als Spareinlagen und Sparbriefe angelegt.

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Das Eigenheim ist für die meisten mittelständischen ugandischen Männer stets die erste Investition, abgesehen vom Auto. Typisch ist auch, wie Sekyewa von den Eltern ein Stück Land vererbt zu bekommen. Darauf hatte er vor zehn Jahren von seinem ersten Einkommen ein kleines Haus gebaut. Jetzt, mit drei Kindern wird es eng, und als Direktor seiner eigenen Nichtregierungsorganisation, die sich aus internationalen Geldern finanziert, kann er es sich leisten, etwas zur Seite zu legen.

Geldanlage 2017

Beim Anleger-Smalltalk mitreden

von Heike Schwerdtfeger

Sekyewa berichtet, die Ugander würden mehr oder weniger die Tradition beibehalten, ihr Geld in Stein anzulegen: zuerst ein eigenes Heim, dann weitere Häuser oder Wohnhäuser, die vermietet werden und aus deren Mieten sich in Zukunft die teuren Schulgebühren für die Kinder bezahlen lassen. Diese können pro Jahr pro Kind umgerechnet bis zu 1000 Euro betragen.

Sein Geld bei der Bank anzulegen, dies würde Sekyewa nie in den Sinn kommen, sagt er. „Nur wenige Ugander haben in Aktien oder anderen Anleihen investiert, dazu ist die Wirtschaft zu instabil und das Vertrauen in das System zu gering.“ Zudem seien die Gebühren einer guten Privatschule für ugandische Verhältnisse bereits eine solide Investition in die Zukunft, zumindest die seiner Kinder.

Brasilien – der Ruf der Märkte

Der 39-jährige Rodrigo Rebelo aus der Drei-Millionen-Einwohner-Metropole Salvador im Nordosten Brasiliens hat eine dieser typischen brasilianischen Zickzackkarrieren hingelegt, bevor er seine Berufung als Investor entdeckte: Erst studierte er Ingenieurwesen. Aber die Praktika langweilten ihn. Er wechselte zu Mathematik, begann schon bald zum Geldverdienen Nachhilfe zu geben. Inzwischen arbeitet er an zwei Privatschulen als Oberstufenlehrer für Mathe. Mit dem Gehalt als Lehrer finanzierte er das parallele Jurastudium. Inzwischen ist er Partner in einer Anwaltskanzlei. Und verheiratet. Die Familie hat zwei Jungen, sechs und knapp zwei Jahre alt. Seine Frau will noch eine Tochter, aber Rebelo zögert. Er will seine Familie und sich erst absichern. Er sagt: „Reich kann ich als Lehrer nicht werden – nur als Anwalt oder als Investor habe ich die Chance, ein Vermögen zu machen.“ Doch sein Debüt als Investor misslang, die gekauften Aktien stürzten sofort ab.

Rebelo will jetzt mehr wissen über Aktien und Anleihen. Er besucht Investorenkurse und studiert Unternehmensberichte. Seine Anwaltshonorare parkt er in Staatsanleihen. Im Hochzinsland Brasilien bekommt er real mindestens acht Prozent im Jahr dafür.

Rebelo will weiter die Familienausgaben vom Lohn als Lehrer bestreiten, aber alle Einnahmen aus der Kanzlei in die Börse und Bonds stecken. Bislang ist er auf der sicheren Seite: Er hat das Gros seiner Ersparnisse in einen Mischfonds seiner Staatsbank liegen, wo er das Geld sofort abziehen kann. Er sucht ein Grundstück, um darauf das Erdgeschoss seines Haues zu bauen. Wenn er sein bisheriges Apartment dann verkauft hat, wird er den ersten Stock seines Hauses draufsetzen. Was übrigbleibt, geht in Aktien.

Das Wochenende verbringt Rebelo am liebsten auf einer Farm. Sein Hobby: Team Penning. Mit zwei anderen Reitern muss er so schnell wie möglich drei Rinder aus einer Herde aussondern. Auch bei seinem Hobby macht er eine Gewinn-Verlust-Rechnung: „Der Gewinn ist der Stressabbau.“

Dividendenarie

Erstmals in der deutschen Wirtschaftsgeschichte werden die 30 größten börsennotierten Gesellschaften ihren Aktionären mehr als 30 Milliarden Euro an Dividende überweisen. Zwar geben die meisten Konzerne erst Anfang 2017 mit Vorlage der Jahresgeschäftszahlen die Höhe ihrer Dividende bekannt, aber die Neunmonatsbilanzen, die firmeneigene Dividendenpolitik und Aussagen der Vorstände, die das Handelsblatt ausgewertet hat, lassen schon jetzt belastbare Prognosen zu. Demnach dürften 22 der 30 Firmen ihre Ausschüttungen erhöhen. Gegenüber 2016 steigen die Dividenden um sechs Prozent auf knapp 31 Milliarden Euro. Ausgezahlt wird übrigens immer am Tag nach der Hauptversammlung. Einige Konzerne ragen positiv heraus, andere negativ.

Mehr dazu lesen Sie auch in dieser ausführlichen Handelsblatt-Analyse.

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Daimler
Jahr für Jahr steigen die Umsätze und Gewinne, 2016 dürfte der Daimler-Chef Dieter Zetsche mit rund 8,8 Milliarden Euro schon wieder einen Rekordgewinn einfahren. Niemand verdient in Deutschland mehr. Im Gleichklang steigen auch die Dividenden. Mit rund 3,5 Milliarden Euro schütten die Stuttgarter so viel Geld aus, wie kein anderes deutsches Unternehmen. Mit der Einjahresdividende ließe sich die halbe Lufthansa kaufen. Pro Aktie gibt es im Frühjahr vermutlich 3,35 Euro – zehn Cent mehr als in diesem Jahr.

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Fresenius

Die läuft und läuft und läuft: Die Aktie, aber auch die Dividende. Fresenius ist ein Dauerbrenner: Seit 24 Jahren erhöht der Gesundheitskonzern jedes Jahr seine Ausschüttung. Daran dürfte sich nichts ändern, weil die Geschäfte glänzend laufen. Damals kostete eine Aktie knapp einen Euro. Jetzt sind es 65,50 Euro. Aus damals rund 2000 DM (1000 Euro) wurden also 65.500 Euro. Nicht nur der Dividende wegen hat sich der Einsatz also gelohnt.

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Pro Sieben Sat 1

Wer heute die Aktien von Pro Sieben Sat 1 kauft, fährt damit eine Dividendenrendite von 5,8 Prozent ein. Das ist Spitze im Dax. Voraussetzung dafür ist, dass der Medienkonzern im kommenden Frühjahr 1,95 Euro pro Aktie ausschüttet. Doch das erscheint wahrscheinlich. Denn der Vorstand verspricht, zwischen 80 und 90 Prozent des bereinigten Konzernergebnisses an seine Aktionäre weiterzureichen.

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Munich Re

Der Rückversicherer hat seit 1969 seine Dividende nie mehr gesenkt. Damit sehen sich Chef Nikolaus von Bomhard und Munich Re seinen Aktionären so sehr verpflichtet wie kein anderer Dax-Konzern. Seit vielen Jahren fahren Aktionäre mit der Aktie eine Dividendenrendite von mehr als drei Prozent ein. Aktuell sind es sogar 4,9 Prozent.

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Deutsche Telekom

Bei der Deutschen Telekom können Aktionäre wählen, ob sie eine Dividende oder stattdessen neue Aktien im gleichen Wert haben wollen. Im vergangenen Jahr haben sich 41 Prozent der Aktionäre für neue Aktien entschieden. Noch etwas ist besonders bei der T-Aktie: Die Dividende gibt es steuerfrei, wenn die Telekom-Aktien vor 2009 gekauft wurden. Ansonsten erhalten Aktionäre einen Steueraufschub. Das bedeutet: Der Einstandskurs wird jährlich um die Höhe der ausgezahlten Dividenden vermindert. Beim Verkauf fällt der Kursgewinn entsprechend höher aus – und die Steuer muss indirekt dann doch bezahlt werden. Dasselbe Prinzip gilt übrigens auch für die Aktie der Deutschen Post.

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Eli Lilly

Nicht jeder kennt es, und die Firma notiert auch nicht im Dax, sondern im amerikanischen Dow Jones: Eli Lilly – ein Vorbild für viele Dividenden-Traditionalisten. Das 1876 in Indianapolis von dem Offizier Eli Lilly gegründete Unternehmen zählt mit 38.000 Mitarbeitern in 125 Ländern zu den größten Pharmakonzernen der Welt. Die Aktie notiert im amerikanischen S&P 500. Ob Krieg oder Rezession, seit 1885 hat Eli Lilly immer Dividenden bezahlt.

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Philip Morris

An der Wall Street sind übrigens noch andere Dividenden-Traditionalisten beheimatet. Der Tabakkonzern Philip Morris überweist seinen Anlegern seit mehr als 80 Jahren Dividende. Es geht aber noch länger.

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Exxon Mobil

Der Ölriese Exxon-Mobil zahlt seinen Aktionären sogar schon seit 125 Jahren eine Dividende. Dagegen sieht es aktuell bei den deutschen Banken mau aus.

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Commerzbank

Deutschlands zweitgrößte Bank überwies ihren Aktionären im vergangenen Frühjahr eine Minidividende von 20 Cents je Aktie. 2017 wird es nichts geben. Vorstandschef Martin Zielke steht mit seinem Institut aber noch immer besser da als Deutschlands größte Bank.

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Deutsche Bank

Vorstandschef John Cryan hat frühzeitig keinen Hehl daraus gemacht, dass es nach 2016 auch 2017 eine Nullrunde geben wird. Zu groß sind die Baustellen der Bank in aller Welt – vor allem in den USA. Dort soll das Geldhaus 14 Milliarden Dollar zahlen. Es geht um Hypothekengeschäfte aus Zeiten des Immobilienbooms vor der Finanzkrise. Es wäre die höchste Strafe, die in den USA jemals gegen eine ausländische Bank verhängt wurde.

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Australien – alles fürs Alter

Immobilien sind für Australier weit mehr als Dächer über ihren Köpfen. Sie sind Anlagen und Altersversorgung, Statussymbol und ständiges Gesprächsthema. In wohlhabenden Großstadtkreisen kaufen Eltern neuerdings Wohnungen für ihre Vorschulkinder. „Besser früh als nie“, so das Argument. Ganz so einfach hatte es Fran Jones, 38-jährige Produktdesignerin und Mutter von drei Kindern, nicht. In Canberra, wo sie mit vier Geschwistern aufwuchs, kauften die meisten ihrer Freunde mit 21 ihr erstes Apartment. „Im Vergleich dazu war ich spät dran“, sagt Fran, die erst vor zehn Jahren in Melbourne zuschlug. Ihr Drei-Zimmer-Haus kostete sie 300.000 australische Dollar (damals 180.000 Euro). 15.000 zahlte sie an, den Rest finanzierte sie, der feste Job genügte der Bank als Sicherheit.

Studie

Geldvermögen der Deutschen wächst trotz Minizinsen weiter

Auch mit geringem Guthaben zu kaufen ist trotz steigender Hauspreise fast eine Selbstverständlichkeit. Niedrige Zinsen – im August senkte die Notenbank den Leitzins auf ein Rekordtief von 1,5 Prozent – machen derlei Schulden attraktiv. Mittlerweile haben Fran und ihr Gatte für 600.000 australische Dollar ein Haus in einem anderen Vorort gekauft.

Frans Gatte Cameron hat sich als Gutachter selbstständig gemacht, Fran ihre eigene Designfirma. Ein kleiner Anbau im Garten fungiert als Familien-Office, gut 200.000 Dollar hoffen sie dieses Jahr zu verdienen. „Wir überlegen manchmal, in eine weitere Immobilie zu investieren, einfach, damit wir den Fokus nicht verlieren und nicht alles ausgeben“, lacht Fran. Auf Pension oder Regierungszahlungen mögen sie sich im Alter jedenfalls nicht verlassen. „Wir wollen von Investments leben“, sagen beide mit Blick auf die etwa 300.000 Dollar in ihren Pensionskassen, die sie jetzt als Freiberufler selbst aufstocken.

Nicht zuletzt brauchen die Kinder Geld: Außer Klavier- und Schwimmunterricht zahlen die Jones für Heidi und Antons Kindergarten insgesamt 300 Dollar für drei Tage. Auf eine private Schule will das Paar dagegen verzichten – sie würde mit insgesamt 450.000 Dollar Gebühren zu Buche schlagen. Jones finden das verrückt. „Da stecken wir vielleicht lieber hier und da Geld in Tutoren oder Reisen, auf denen lernen die Kinder ja auch was“, sagt die Designerin.

China – Rendite durch Bildung

Pan Jin blickt kurz in das Zimmer ihrer Tochter. Die 13-Jährige sitzt gebeugt an ihrem Schreibtisch. Eine kleine Lampe leuchtet auf ihr Aufgabenheft. „Sie muss noch einige Stunden arbeiten“, sagt Pan und schließt vorsichtig die Tür. Um später Chancen auf einen guten Job zu haben, muss die 13-Jährige bis spät in die Nacht Hausaufgaben machen. Damit sie morgens erholt in der Schule ankommt, haben die Eltern sich ein Auto gekauft. Dazu kommt am Wochenende Nachhilfeunterricht in fast allen Fächern.

Für 60 Minuten zahlen die Eltern über eine Onlineplattform rund 14 Euro. Soll es Privatunterricht sein, fällt deutlich mehr pro Stunde an. So oder so bedeutet der ständige Nachhilfeunterricht viel Geld für die kleine Familie. Pan Jin ist zwar Lehrerin für Mathematik an einer der besten Mittelschulen der Stadt, pro Monat bleiben ihr aber umgerechnet dennoch nur 675 Euro.

Das Durchschnittsgehalt in Shanghai liegt bei knapp 970 Euro. Ihr Ehemann arbeitet als Programmierer. Zusammen kommen sie auf umgerechnet 2700 Euro. Größter Kostenpunkt der Familie: das Abbezahlen der Wohnung. Die Drei-Zimmer-Wohnung, die sie bereits vor sieben Jahren gekauft haben, als die Immobilienpreise in Shanghai noch nicht astronomisch hoch waren. Nur 270.000 Euro haben sie bezahlt. Heute ist die Wohnung das Sechsfache wert. Mittlerweile gehört der Familie noch eine zweite Wohnung einige Stockwerke darüber. Dort wohnen heute die Großeltern, später soll die Tochter einziehen. Immobilien gelten in China immer noch als beste Altersvorsorge. Die gigantischen Summen für diese Käufe bekommen die meisten Chinesen nicht von einer Bank geliehen, sondern über ein undurchsichtiges Netz von Schattenbanken und privaten Krediten.

Wie die meisten chinesischen Familien haben Pan und ihr Ehemann nur ein Kind. Bis vergangenes Jahr war ein zweites Kind nur unter bestimmten Bedingungen möglich. Aber selbst ohne die Gesetze aus Peking hätte sich die Familie gegen ein Geschwisterchen entschieden. Die Ausbildung sei schlicht zu teuer, so Pan. Und neben der Ausbildung will sich die Familie auch etwas leisten können. Sie leben sparsam und kochen meist zu Hause. Aber jedes Jahr fliegt sie dafür einmal ins Ausland. Europa, die USA und Australien. Viel Geld zum Sparen bleibt so nicht.

Das tragen sie aber komplett zur Bank. Eine Weile haben sie das Geld an der Börse investiert, wie viele ihrer Freunde. „Wir verstehen allerdings nicht viel davon“, sagt Pan. Als dann die Kurse im vergangenen Sommer in den Keller stürzten, hörten sie ganz damit auf. Auf dem Küchentisch liegen Bilder, die ihre Tochter gemalt hat. An der Wand hängt eine Nachzeichnung von Van Goghs Sternennacht. „Sie will Malerin werden“, sagt Pan, vielleicht in der Animationsbranche. Da mache man richtig Geld, hat Pan gehört.

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