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Crash-AbsicherungAnleger ködern mit der Angst vorm Untergang

Finanzdienstleister arbeiten mitunter wie Populisten: Ängste schüren und simple Lösungen wie Edelmetalle und Sachwertanlagen versprechen. Doch Gold oder ein Eigenheim helfen nur bedingt, solide Absicherung geht anders.Daniel Schönwitz 03.05.2017 - 16:35 Uhr

Crashängste: Finanzdienstleister versprechen simple Lösungen.

Foto: Illustration: Mark Conlan

Die Rettung ist 15 Kilo schwer und glänzt. Der bullige Finanzmakler, der gerade ausführlich über Terror, Kriegsgefahr und Politik der Notenbanken gesprochen hat, reckt den Silberbarren in die Höhe, überreicht ihn einem Gast in der ersten Reihe. Während das gute Stück durch die Reihen der rund 50 Zuhörer in einem Saal des Mannheimer Congress Centers wandert, fragt er bedeutungsschwer: „Und, was wäre Ihnen lieber? Bargeld oder der Barren?“

Der Auftritt auf einer Anlegermesse ist typisch für die Marketingstrategien vieler Finanzdienstleister vom wenig regulierten Grauen Kapitalmarkt, die Immobilien, Wald oder Edelmetalle verkaufen und dabei lediglich überschaubare Anlegerschutzauflagen beachten müssen. Euro-Verfall, Währungscrash, Ende des Papiergelds – auf Webseiten, in Broschüren und auf Werbe-Events überbieten sie sich in Schreckensszenarien.

Wenn Finanzexperten und -dienstleister mit düsteren Prognosen arbeiten und zugleich simple Lösungen propagieren, erinnert das jedoch frappierend an Populisten in der Politik.

Das Szenario
Der US-Finanzriese Bank of America Merrill Lynch (BoA) wollte es genauer wissen: Analyst Athanasios Vamvakidis hat den Euro-Währungsraum unter der Maßgabe genauer unter die Lupe genommen, dass die Euro-Zone auseinanderbricht und der Euro abgeschafft wird. Hintergrund sind neben den hohen Staatsschulden einzelner Peripheriestaaten vor allem das absehbare Ende der massiven Anleihekäufe durch die Europäische Zentralbank (EZB), das sogenannte OMT-Programm, und in der Folge wieder steigende Zinsen. Nur die Geldpolitik der EZB hat 2012 eine Eskalation der Staatsschuldenkrise verhindert, in dem die Kreditkosten für die Peripheriestaaten auf ein historisches Tief gedrückt wurden. Was also passiert, wenn das OMT-Programm endet?

Foto: dpa

Schatten-Wechselkurse
Die BoA-Experten erwarten, dass die EZB das OMT-Programm im kommenden Jahr reduziert und schrittweise auslaufen lässt. Dadurch würden auch die Finanzierungskosten der Staaten wieder ansteigen, obwohl es länger dauern dürfte, die Leitzinsen wieder anzuheben. Insgesamt rechnet die BoA dann mit höheren Schuldenquoten in Italien, Spanien, Portugal und Griechenland als 2012 auf den Höhepunkt der Euro-Schuldenkrise. Ohne einschneidende Reformen steigt somit das Risiko, dass die Euro-Zone auseinanderbricht. Dies vor Augen hat BoA-Analyst Vamvakidis Schattenwechselkurse für die nationalen Nachfolgewährungen gegenüber dem heutigen Euro berechnet. Diese legen Währungsunterschiede zwischen den Euro-Staaten offen, die derzeit durch die Gemeinschaftswährung verborgen sind.

Foto: dpa

Griechenland

Griechenland bleibt das Sorgenkind der Euro-Zone. Trotz spürbarer Fortschritte liegt die Überbewertung Griechenlands zusammen mit der Spaniens an der Spitze. Die griechische Drachme müsste deshalb nach heutigem Stand um 7,5 Prozent abwerten. Immerhin: Vor der Krise lag der Abwertungsbedarf eher bei 30 Prozent, insofern war die Verbesserung deutlich. Nur ein Land der Euro-Zone ist aktuell so stark überbewertet wie Griechenland.

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Spanien

Müsste Spanien zur Peseta zurückkehren, wäre laut BoA eine Abwertung der spanischen Währung um 7,5 Prozent erforderlich. Gegenüber dem Abwertungsbedarf vor der Krise von rund 14 Prozent ist das schon eine Stabilisierung. Allerdings haben sich Spaniens Staatsschulden seit 2008 nahezu verdreifacht. Dank der Geldpolitik der EZB hat sich die Zinsbelastung des Staates jedoch nur um 80 Prozent erhöht.

Foto: Fotolia

Frankreich

Bräche der Euro heute auseinander, müsste der Franc um fünf Prozent abwerten – und damit deutlich mehr als zu Vorkrisenzeiten. Damals lag die Überbewertung bei nur zwei Prozent. Insgesamt, so Studienautor Vamvakidis, sei die Überbewertung jedoch zu gering, um die Forderungen der Rechtspopulistin Marine Le Pen nach einem Frexit und einer anschließenden Abwertung des Franc zu rechtfertigen.

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Italien

Italien bleibt etwas überbewertet, so dass die italienische Lire nur um drei Prozent abwerten müsste, um einen angemessenen Wechselkurs zu erreichen. Vor der Krise betrug die Überbewertung noch 7,5 Prozent. Seit 2012 ist die Zinsbelastung des Staates deutlich gesunken.

Foto: dpa

Portugal

Auch in Portugal hat sich die wirtschaftliche Lage deutlich gebessert, so dass der Escudo nach heutigen Maßstäben nur noch leicht, nämlich um ein Prozent abwerten müsste, um im Gleichgewicht mit den übrigen Euro-Staaten zu notieren.

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Euro-Zone insgesamt

Für die hoch verschuldeten Südeuropäer wäre ein Euro-Ende riskant, denn sollten die Zinsen wieder steigen, sehen sie sich rasant steigenden Zinslasten gegenüber. Betrachtet man die Euro-Zonen-Staaten zusammen, ergibt sich nach den Berechnungen der BoA für den Euro insgesamt ein Aufwertungsbedarf von rund sechs Prozent. Das liegt vor allem an zwei Euro-Staaten.

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Irland

Die Wettbewerbsfähigkeit Irlands hat sich seit Ausbruch der Schuldenkrise substanziell verbessert. Das irische Pfund müsste daher aktuell 2,5 Prozent aufwerten. Vor Ausbruch der Krise war das irische Pfund laut BoA-Berechnungen noch um 15 Prozent überbewertet. Nur ein Land ist derzeit noch deutlich stärker unterbewertet als Irland.

Foto: Fotolia

Deutschland

Den größten Anpassungsbedarf hätte der BoA-Analyse zufolge die D-Mark. Sie müsste um stolze 15 Prozent aufwerten. Vor der Euro-Schuldenkrise hatte die Unterbewertung der deutschen Wirtschaft nur drei Prozent betragen. Allein die massive Aufwertung der D-Mark würde die Währungen der Peripheriestaaten nahezu ins Gleichgewicht bringen, so die US-Banker der BoA.

Foto: Fotolia

Dabei gibt es eine weitere Gemeinsamkeit: Die Lösungsvorschläge halten einer Überprüfung kaum stand. Anleger, die sich so vor einem Crash schützen wollen, gehen oft neue Risiken ein.

Unermüdliche Mahnungen vor dem Verfall

Nachdem unter den Schwarzsehern im Finanzbereich lange der legendäre Schweizer Investor Marc Faber („Dr. Doom“) herausragte, hat sich infolge der Euro-Krise 2009/10 eine schillernde Szene von Mahnern, Berufspessimisten und Crashpropheten entwickelt.

So warnt Thorsten Polleit, Chefökonom des Goldhändlers Degussa, unermüdlich vor dem Euro-Verfall und empfiehlt Edelmetalle. Der als „Mr. Dax“ bekannte Börsenbuchautor Dirk Müller schreibt Bücher mit Titeln wie „Showdown: Der Kampf um Europa und unser Geld“ und „Crashkurs: Weltwirtschaftskrise oder Jahrhundertchance?“. Dem BWL-Professor und Fondsmanager Max Otte hat sein schon 2006 erschienenes Buch „Der Crash kommt“ einen gehörigen Anteil seiner Bekanntheit eingebracht.

Warnungen und Geschäftsinteressen sind dabei oft eng verwoben. Mitunter kommen noch politische Forderungen hinzu. So wie bei „Silberjunge“ Thorsten Schulte, der das „SilberBulletin“ herausgibt und vorhersagt, dass „der Euro zur italienischen Lira verkommt“.

Besonderen Anklang finden solche Botschaften am rechten Rand des politischen Spektrums. Schulte bedient diese Zielgruppe auch als politischer Autor; so hat er auf dem Onlineportal des rechten Kopp-Verlags Artikel wie „Was Berlin uns über die Flüchtlinge aus Syrien verschweigt“ oder „Merkel muss weg! Warum ich nach 26 Jahren aus der CDU austrat“ publiziert.

Aber auch seine Finanzbotschaften dürften dort den Nerv treffen. „In der neurechten Szene gibt es eine regelrechte Lust am Untergang“, sagt Christoph Giesa, Co-Autor des Buches „Gefährliche Bürger. Die neue Rechte greift nach der Mitte“. Vielfach stecke dahinter die Überzeugung, dass allein ein Crash einen Systemwechsel ermöglicht – weg von Euro, EZB und EU. Giesa spricht in diesem Zusammenhang von „politisch motivierten Anlagestrategien“, an denen viele unbeirrt festhalten – auch wenn Euro-Crash und Goldpreisexplosion schon eine Weile auf sich warten lassen.

Aufgeblähte Zahlen

So werden Investoren in die Irre geführt

Unternehmen und Staaten tricksen mit Statistiken, dass sich die Balkengrafiken biegen. Die frisierten Zahlen täuschen die Anleger. Wie Investoren Fallen erkennen und umgehen können.

von Martin Gerth

Dabei sind Ängste oder Ärger über die Politik generell keine gute Basis für die Geldanlage, weil Emotionen rationale Analysen erschweren. Je alarmistischer der Tonfall von Finanzexperten, -anbietern oder -vermittlern, desto kritischer sollten Anleger deshalb Empfehlungen hinterfragen.

Denn womöglich haben die Mahner selbst keine klare Sicht – oder wollen gezielt Emotionen und Ängste schüren, um den Absatz ihrer Produkte zu fördern. „Das ist eine typische Strategie aggressiver Finanzvermittler“, warnt Andreas Zittlau. Der Geschäftsführer der Kölner Vermögensverwaltung Privacon konstatiert ebenfalls „erhebliche Spannungen“ in der Euro-Zone, die zu „ernst zu nehmenden Risiken“ führen. „Aber niemand kann seriös prognostizieren, ob und wann es zu einem Crash kommt – und vor allem nicht, ob wir dann einen inflationären oder deflationären Schock erleben.“ Es ist also offen, ob die Preise im Ernstfall steigen oder sinken; zur Crashabsicherung einseitig auf Sachwerte wie Immobilien oder Gold zu setzen ist deshalb gefährlich. „Wenn es zu einer Deflation – also einem signifikanten Rückgang der Preise – kommt, drohen erhebliche Wertverluste“, sagt Zittlau.

Gerade bei Anbietern vom Grauen Kapitalmarkt klingt es jedoch oft, als sei Inflation das einzig realistische Szenario. So kritisierten die Marktwächter Finanzen, eine Spezialabteilung der Verbraucherzentralen, 2016 in einer Studie zur „Transparenz bei Werbung für Produkte des Grauen Kapitalmarktes“ allzu einseitige Werbebotschaften – auch im Hinblick auf „Unwägbarkeiten in Finanzwirtschaft und Geldpolitik“.

Privatanleger machen vermeidbare Fehler

Eine Studie der Wirtschaftsprofessoren Andreas Hackethal und Steffen Meyer für das Magazin „Finanztest“ hat knapp 40.000 Wertpapierdepots von Direktbankkunden im Zeitraum von 2005 bis 2015 ausgewertet.

Das Ergebnis zeigt, dass die Anleger weit hinter den Wertzuwächsen des Gesamtmarktes liegen. Während eine Rendite von jährlich 8,7 Prozent realistisch gewesen wäre, kommen die Anleger nur auf einen Wertzuwachs von 3,1 Prozent. Mangelnde Finanzkenntnisse müssen nicht die Ursache sein. Zu Einbußen führen meist kurzfristiges Denken, Gier und Aktionismus. Die vier gängigsten Fehler sind leicht zu beheben. Wir stellen sie vor – und entsprechende Gegenstrategien.

Das Bild zeigt die Börse von Abu Dhabi. Hier handeln Privatanleger mit größeren Beträgen als in Deutschland.

Foto: REUTERS

Fehler 1: Mangelnde Streuung - Befund

Sie ist die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Geldanlage – dennoch vernachlässigen sie viele Anleger: die Risikostreuung. Wie die Studie zeigt, streuen Anleger ihre Wertpapiere zu wenig; die Aktienkonzentration ist höher als noch vor zehn Jahren. Eines der untersuchten Depots beinhaltet heute im Schnitt zwölf Aktien.

In Santiago de Chile bedient ein Mitarbeiter der chilenischen Zentralbank eine Sicherheitstür.

Foto: REUTERS

Fehler 1: Mangelnde Streuung - Folgen

Zwischen der Streuung und dem Chance-Risiko-Verhältnis besteht laut den Autoren ein klarer Zusammenhang. Selbst die relativ breit aufgefächerten Depots reichen nicht entfernt an das Verhältnis des Weltaktienindexes MSCI World heran.

In manchen Depots befindet sich nur eine einzige Aktie. Wenn diese auch noch ein spekulativer Titel ist, unterliegt das Depot enormen Kursschwankungen.

Am 24. Oktober 1929, dem „Schwarzen Donnerstag“ kommen Menschen vor der New York Stock Exchange zusammen.

Foto: AP

Fehler 1: Mangelnde Streuung - Gegenmittel

Es ist leicht, ein breit gestreutes Depot aufzubauen: durch börsengehandelte Indexfonds (ETF). Sie beteiligen Anleger, je nach Art, an 1600 bis 2500 internationalen Aktien. Für Staatsanleihen gibt es ebenfalls ETFs.

Bestehende Depots umzubauen, ist nicht nicht ganz einfach. Anleger sollten sich von Verlustpositionen trennen. Ein Papier erst zu verkaufen, wenn es seinen einstigen Kaufpreis erreicht hat, ist irrational. Es sollten triftige Gründe für eine zu erwartende Wertsteigerung vorliegen.

Ein chinesischer Investor analysiert im August 2015 eine Kurstafel.

Foto: dpa

Fehler 2: Aktien-Picken - Befund

Der Fehler erinnert an das Muster von Sportwetten: Unerfreuliche Ergebnisse werden ausgeblendet, Erfolgserlebnisse übermäßig hochgehalten. Anleger sollten aber ausschließlich die langfristige Entwicklung des Gesamtdepots im Blick haben.

Oft suchen sie ihr Heil in einer Kombination aus Einzelaktien: Im Falle eines Missgriffs ist es eine beliebte Methode, die Position aufzustocken, um den durchschnittlichen Einstandspreis zu senken und von der erwarteten Erholung zu profitieren. Das kann jedoch auch weiteres Unheil anrichten: Das sogenannte Klumpenrisiko, eine Übergewichtung einzelner Anlagen im Depot, steigt. Private Anleger haben gegenüber Profis hier offenbar schlechtere Karten.

Das Foto vom 20. Oktober 1987 zeigt Händler in der Frankfurter Börse. Am 19. Oktober 1987 erlebte die Wall Street einen ihrer schwärzesten Tage.

Foto: dpa

Fehler 2: Aktien-Picken - Folgen

Vom Aktien-Picken betroffene Depots bringen nur 3,1 Prozent Rendite. Mit einer Indexmischung, die die durchschnittliche Vermögensaufteilung der Anleger widerspiegelt, hätten sie dagegen 8,7 Prozent erzielt.

Jeder fünfte Deutsche legt sein Geld in Fonds an. Diese werden von Fondsmanagern verwaltet, die das eingesammelte Geld in Aktien, Obligationen, Immobilien und andere Wertpapiere anlegen.

Foto: dpa

Fehler 2: Aktien-Picken - Gegenmittel

Aktien- und Renten-ETFs sind auch hier ein probates Mittel. Passionierte Zocker von einer solchen Strategie zu überzeugen, fällt manchmal schwer. Wer unbedingt eigenhändig zusammenstellen will, sollte zwingend auf eine möglichst gleichmäßige Verteilung auf die wichtigsten Branchen achten.

Die USA gelten als Nation der Aktienbesitzer.

Foto: dpa

Fehler 3: Übermäßiges Handeln - Befund

Ein typischer Anleger verändert auf Jahressicht knapp ein Viertel seines Portfolios. Die aktivsten krempeln ihr Depot zweimal im Jahr komplett um. Das bringt nichts: Die eifrigen Händler erhalten die schlechteste Rendite. Übrigens auch, wenn man die Handelskosten abzieht.

Broker stehen am 25. Oktober 1929 zu Beginn der Weltwirtschaftskrise in der New Yorker Börse. Innerhalb weniger Tage verloren Millionen Amerikaner ihr Vermögen, die Panik griff weltweit auf die Börsenplätze über.

Foto: AP

Fehler 3: Übermäßiges Handeln - Folgen

Kauf- und Verkaufskosten verringern die Rendite um annähernd ein Prozent. Dieser Wert steigt bei besonders aktiven Händlern deutlich (3,3 Prozent). Passivere kommen dagegen der Rendite des großen Index MSCI World nahe.

Händler der Investmentbank Lehman Brothers arbeiten in der New Yorker Börse am 17. Juni 2008 – drei Monate vor der Insolvenz.

Foto: dpa

Fehler 3: Übermäßiges Handeln - Gegenmittel

Wer vom Start weg auf weltweite Indexfonds setzt, hat in der Folge wenig Grund, sein Portfolio zu verändern. In schlechten Börsenzeiten muss die Verlusttoleranz allerdings strapazierfähig sein. Hektische Reaktionen machen die ausgegebene Taktik zunichte. Ein Logbuch kann helfen, die Transaktionssummen im Blick zu behalten.

Die Flamme eines Feuerzeuges beleuchtet eine Euro-Münze aus Griechenland. Wer Geduld bewahrt und sein Portfolio ausgewogen gestaltet, ist vor hohen Verlusten gefeit.

Foto: dpa

Fehler 4: Zu viel Deutschland - Befund

Die nachvollziehbare Einstellung, nur bekannte Unternehmen – also vornehmlich deutsche – ins Portfolio aufzunehmen, geht zulasten der Streuung. Während der Anteil deutscher Aktien im MSCI World drei Prozent beträgt, vertrauen in den untersuchten Depots 43 Prozent auf hiesige Aktiengesellschaften. Obwohl es leichter geworden ist, ausländische Aktien zu handeln, bleibt dieser Wert relativ konstant. Ein weiteres Problem ist die Zusammensetzung der deutschen Titel: Sie ist oft nicht repräsentativ für den Gesamtmarkt. Gängige Indizes schneiden hier besser ab.

Eine Gruppe von Menschen steht am 13. Juli 1931 vor der Darmstädter und Nationalbank (Danatbank) in Berlin. Die (im Zusammenhang mit den Turbulenzen bei Hypothekenbanken 2008 als Vergleich herangezogene) Bankenkrise von 1931 hat ihre Wurzeln in der Weltwirtschaftskrise von 1929 und dem damit verbundenen Börsencrash.

Foto: AP

Problem 4: Zu viel Deutschland - Folgen

Die Wertschwankungen steigen, das Ergebnis wird weniger berechenbar. Glück hatten die Anleger vor allem deutscher Titel vor allem dann, wenn der Markt hierzulande schlicht gut lief. Untersuchungen belegen, dass ein international ausgelegtes Portfolio ein besseres Chance-Risiko-Verhältnis verspricht.

Auch Gold, hier ein Barren aus der chilenischen Nationalbank, stellt eine beliebte Anlageform dar.

Foto: Reuters

Fehler 4: Zu viel Deutschland - Gegenmittel

Als Beimischung sind deutsche Aktien sehr gut geeignet. Einen Anteil von 20 Prozent halten die Studienautoren noch für akzeptabel. Wer nur ein geringes Vermögen anlegen will, dem sei eine Kombination aus MSCI World und Dax-ETF empfohlen. Fünf bis zehn Titel aus verschiedenen Branchen sollten es schon sein.

Ein junger Russe spielt mit unechten US-Dollarscheinen – ein Werbegag, mit dem eine Vermögensberatung auf der Millionärsmesse in Moskau finanzstarke Kunden locken wollte.

Studien-Quelle: Finanztest

Foto: dpa

Namentlich nennen die Verbraucherschützer in der Studie die WMH UG, einen Goldhändler aus Nürnberg. Unter der Überschrift „Gold als Inflationsschutz“ schreibt dieser mit Blick auf die Hyperinflation 1923: „Wer sich entschlossen hatte, in Gold zu investieren, verfügte außerdem über ein Tauschmittel, mit dem Lebensmittel, Kleidung oder Medikamente für die ganze Familie gekauft werden konnte. So schützte eine Geldanlage in Gold nicht nur vor dem finanziellen Verlust, sondern konnte unter Umständen sogar das Überleben sichern.“

Falsch ist das nicht. Aber wer Goldbesitz zur Überlebensfrage stilisiert und Risiken relativiert, darf sich über Kritik nicht wundern. Insbesondere rügten die Marktwächter die Aussage, „der Sparer/Anleger trägt kein Kursrisiko“. Sie sei „in Bezug auf das angebotene Produkt nicht nachvollziehbar“. Die Formulierung ist inzwischen von der Webseite verschwunden.

„Gerade Anbieter von Gold und Silber setzen beim Marketing häufig auf Untergangsszenarien“, sagt Lena Ribka von den Marktwächtern. Sie berichtet, dass auf Anlegermessen „geschickt Ängste geschürt werden, um dann die vermeintliche Rettung zu präsentieren“.

Loblied auf Sachwerte und Betongold

Auch jenseits von Gold und Silber sind Lobpreisungen auf Sachwerte bisweilen dick aufgetragen. „Sachwerte“, wirbt der Initiator des Friedrich & Weik Wertefonds (F&W) auf seiner Webseite, „können niemals wertlos werden und waren in Zeiten wirtschaftlicher Verwerfungen Papiergeld immer überlegen.“ F&W sieht nicht nur die EU, sondern auch die Markt-, die Weltwirtschaft und den Kapitalismus „in ihrer historisch schwersten und dauerhaftesten Krise“ – und propagiert unter anderem „Real Assets“ wie Wald oder Immobilien.

Aber wie wertbeständig sind Sachwerte? „Anleger haben damit immer wieder hohe Verluste erlitten“, sagt Julius Reiter, Partner der Kanzlei Baum Reiter & Collegen in Düsseldorf. Der Anlegeranwalt hat zahlreiche Investoren vertreten, die Schrottimmobilien, Schiffsbeteiligungen oder andere Sachwerte gekauft hatten: „In vielen Fällen haben Bankberater oder Finanzvermittler mit der vermeintlichen Wertbeständigkeit geworben.“ Zwei Probleme hätten sie verschwiegen oder verharmlost:

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  • Wenn Anleger zu überhöhten Preisen kaufen, wird der vermeintliche Inflationsschutz schnell zur Basis für einen ganz persönlichen Vermögensverfall. So erwiesen sich Immobilien in den neuen Bundesländern, die in den Neunzigern Tausenden Investoren als Steuersparmodell verkauft wurden, oft als nicht vermietbar und nahezu wertlos.
  • Wenn Investoren über Anlagevehikel kaufen, kann das den Sachwertcharakter konterkarieren. „Häufig beteiligen sich Anleger an komplexen Konstruktionen und sind nur indirekt beteiligt“, sagt Zittlau. „Das birgt erhebliche Risiken.“

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Eindrucksvoller Beleg sind geschlossene Schiffsfonds, die bis zur Finanzkrise zu den beliebtesten Geldanlagen des Grauen Kapitalmarktes gehörten – allein im Boomjahr 2007 flossen laut Ratingagentur Feri fast 3,6 Milliarden Euro von Anlegern in die Vehikel. Investoren wurden jedoch nur Anteilseigner einer Kommanditgesellschaft, die das Schiff kauft – und dafür meist auch hohe Kredite einsetzte. Das ist vielen Anlegern zum Verhängnis geworden. Denn als die Schiffsmieten (Charterraten) nach der Finanzkrise einbrachen, reichten die Einnahmen nicht mal, um die Zinsen zu zahlen; Hunderte Fonds sind inzwischen pleite.

Ähnlich kann es bei Immobilienfonds laufen. Beispiel Deutsche Börse: Als das Unternehmen 2010 nach Eschborn zog, stand die Zentrale plötzlich leer. Ein neuer Mieter war lange nicht aufzutreiben. Ein Desaster für 2600 Anleger des geschlossenen Fonds CFB 130, denen das Gebäude gehörte. Da der Fonds die Zinsen nicht mehr zahlen konnte, wurde das Betongold plötzlich zum Verlustbringer; am Ende konnten die Investoren froh sein, dass sie die Ausschüttungen behalten durften, die sie während der zehnjährigen Vermietung erhalten hatten.

Wenn Fonds hohe Kredite aufnehmen, ist Vorsicht geboten. Auch die Verwaltungskosten seien wegen komplexer Strukturen oft sehr hoch, warnt Zittlau. Wer Sachwerte als Crashabsicherung kaufen will, sollte zudem darauf achten, dass er direkten Zugriff hat. Was bringt es im Ernstfall, mit Hunderten Anlegern an einer Gesellschaft beteiligt zu sein, der ein Schiff oder eine Immobilie gehört?

Auch bei Wäldern oder Äckern in Mittel- und Südamerika, die am Graumarkt angeboten werden, könnte der Zugriff schwierig sein, warnt Verbraucherschützerin Ribka. „Die Anbieter werben zwar oft mit einer Grundbuchbesicherung, aber für uns ist nicht nachvollziehbar, ob dies deutschen Standards entspricht.“ Oft seien Firmen zwischengeschaltet und komplexe Verträge zu prüfen.

Besser liquides Vermögen aufbauen

Der wichtigste Baustein bei der Crashabsicherung ist laut Zittlau eine selbst genutzte Immobilie – vor allem, wenn sie schuldenfrei ist. „Sonst steigt, wenn es zu einer Deflation kommt, die reale Zinslast.“ Das sei bei hoher Fremdfinanzierung gefährlich.

Vom Impuls, mit weiterem Geld eine vermietete Wohnung zu kaufen, um der Inflation ein Schnippchen zu schlagen, rät Zittlau ab. „Stattdessen sollten Anleger zunächst liquides Vermögen aufbauen.“ So könne man sich mit ausgewählten Aktien vor Inflation schützen; und Anleihen seien für ein Deflationsszenario unverzichtbar.

Hinzu kommt, dass vermietete Immobilien womöglich nur bedingt vor Inflation schützen. Schließlich könnte der Staat gerade in Krisenzeiten mit steigenden Preisen die Mietpreisbremse verschärfen, um Mieter zu entlasten. Vermieter könnten Preissteigerungen dann nicht mehr weitergeben.

Und Gold? In physischer Form hilft es, um sich für Turbulenzen zu wappnen; Zittlau hält bis zu zehn Prozent des frei verfügbaren Vermögens in Barren oder Münzen für sinnvoll – als wertstabilen Depotanker, nicht, um nach einem Megacrash einkaufen zu können: „Wer einen totalen Zusammenbruch des Wirtschafts- und Währungssystems erwartet, sollte sich lieber mit Whisky, Zigaretten oder Konserven eindecken.“

Die müssen nicht eingeschmolzen werden, um Kleidung und Medikamente kaufen zu können – und haben sich als Tauschmittel in Krisen bewährt. Wennschon, dennschon.

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