Körperliche Fitness: Sport verhilft zu mehr Erfolg im Beruf
Weniger oder gar kein Fleisch essen
Besonders häufig verzichten weibliche Manager (73 Prozent) und jüngere Führungskräfte bis 45 Jahre (65 Prozent) partiell auf Fleisch. „Der gesellschaftliche Mega-Trend, weniger Fleisch zu essen, ist ganz offensichtlich bei vielen Führungskräften angekommen. Aus medizinischer Sicht ist es aus vielfältigen Gründen richtig, Fleisch nicht im Übermaß zu essen,“ stellt Prof. Dr. Curt Diehm, Ärztlicher Direktor der Max-Grundig-Klinik im Schwarzwald, fest.
Foto: dpaVegetarisch oder vegan leben
Acht Prozent der Manager sind bekennende Vegetarier, ein Prozent verzichtet als Veganer nicht nur auf Fleisch, sondern auch auf Ei und Milchprodukte. Der Anteil der Frauen ist dabei jeweils in etwa doppelt so hoch wie die der männlichen Kollegen.
Foto: dpa Picture-AllianceVitaminpillen & Co.
Um die Leistungsfähigkeit zu steigern, nehmen 27 Prozent der befragten Führungskräfte regelmäßig Nahrungsergänzungsmittel zu sich. Professor Diehm steht diesen Mitteln kritisch gegenüber, denn diese seien in den meisten Fällen unnötig, nutzlos und gelegentlich sogar gefährlich.
Foto: dpaRegelmäßiger Sport
Neben einer ausgewogenen Ernährung sind vor allem gesunde Rituale für den Körper wichtig. Dazu gehören zum Beispiel Sport treiben und ausreichend trinken. 32 Prozente der Befragten pflegen gerne gesunde Rituale. Doch eine Mehrheit von 51 Prozent gab an, dass ihnen dafür die Zeit sowie der Wille fehlen. Lediglich 17 Prozent lehnen gesunde Rituale ab. Mit 64 Prozent der Befragten treiben fast zwei Drittel Sport.
Foto: dpaWeniger Rauchen
Auch der Anteil der Raucher ist in den Führungsetagen zurückgegangen. Nur noch jede zehnte Führungskraft raucht, zeigen vergleichbare Studien. „Die Kombination aus regelmäßigem Sport, Fleischkonsum in Maßen und dem Verzicht auf Rauchen mindert drastisch das Risiko auf zentrale Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck und Übergewicht“, erklärt Professor Diehm.
Foto: dpaSauna
Lediglich elf Prozent der befragten Führungskräfte besuchen regelmäßig eine Sauna. Dabei ist die Sauna bei weiblichen und älteren Führungskräften beliebter (jeweils 14 Prozent). „Gerade im Winter können Saunagänge die Erkältungsanfälligkeit deutlich senken und die allgemeine Widerstandskraft erhöhen“, betont Diehm.
Foto: dpa Picture-AllianceEntspannung
Entspannungstechniken wie autogenes Training, progressive Muskelrelaxation oder Meditation wenden 27 Prozent der Manager an. Für Professor Diehm sei die Zahl zu niedrig, „denn genau solche Methoden lassen sich leicht und für nur wenige Minuten in einen anstrengenden Arbeitsalltag einbauen.“
Foto: APSchlaf
Erholsamer Schlaf kommt bei Führungskräften oft zu kurz. 61 Prozent gaben nämlich an, nicht ausreichend zu schlafen. Ein kurzer Mittagsschlaf ist ein hervorragendes Mittel, um die geistige Frische wiederherzustellen. 14 Prozent halten regelmäßig einen Mittagsschlaf, weitere 31 Prozent können gelegentlich mittags schlafen – etwa am Wochenende oder auf Geschäftsreise.
Foto: CLARK/obs"Mein Fahrrad hatte einen Platten, also musste ich die letzten anderthalb Kilometer rennen." Martin Osterloh steht vor dem Move-Well-Kursraum in einem Fitnessstudio am Potsdamer Platz in Berlin. Er trägt ein grünes Muskelshirt und schwarze Shorts. Ein bisschen erinnern seine stark trainierten Arme an die Marvel-Figur Hulk, nur dass sein Gesicht zarter und natürlich nicht grün ist. Auf den Wangen blitzen ein paar Tropfen. "War ja klar, dass es auch noch regnen musste", sagt er und verschwindet in den Kursraum zu dreißig Minuten hochintensivem Intervalltraining.
Martin Osterloh ist das, was viele Menschen als Fitnessfreak bezeichnen würden. Der 35-jährige Projektmanager am Klinikum Osnabrück geht sechsmal in der Woche ins Fitnessstudio. Die Wege zur Arbeit oder zum Sport erledigt er mit dem Fahrrad. Einmal pro Woche gibt er selbst einen Kurs. Nicht des Geldes wegen, sondern "aus Leidenschaft", wie er sagt.
Auch wenn Osterloh Bürotage mit bis zu zwölf, dreizehn Arbeitsstunden hat - das Training lässt er nur in den seltensten Fällen ausfallen. "Es wirkt nach außen vielleicht wie Stress. Aber wenn ich zum Sport gehe, dann mache ich zum ersten Mal am Tag etwas für mich."
Osterloh ist kein Einzelfall. Gerade unter hochrangigen Managern und CEOs gehört Sport zum guten Ton. Virgin-Chef Richard Branson steht seit Jahren um fünf Uhr morgens auf, um sich beim Tennis, Kitesurfen oder Schwimmen den Puls hochzutreiben. Bei Ex-Metro-Chef Hans-Joachim Körber klingelt der Wecker vor vier Uhr, damit genug Zeit für Pilates oder Jogging vor der Arbeit bleibt. Ähnlich handhaben es Apple-Chef Tim Cook, Oracle-Chef Marc Hurd oder Starbucks-CEO Howard Schultz.
Alles nur Zufall oder macht Sport wirklich erfolgreich? Jain, sagt Christian Zepp, sportpsychologischer Experte der Sporthochschule Köln. Sport sei zwar kein Garant für Erfolg. Jedoch entwickele regelmäßiges Training genau jene Eigenschaften, die auch Erfolg im Job bedingen. "Sportler können sich disziplinieren. Sie sind ehrgeizig und haben oft ein höheres Selbstwertgefühl", erklärt Zepp.
Als Sportler lerne man Probleme zu lösen. Wettkampfsituationen helfen, die Psyche in den Griff zu kriegen. „Ein Athlet kann durch den regelmäßigen Stress im Wettkampf trotz hoher Erwartungen und Druck optimale Leistungen erbringen.“
Ehrgeiz, Disziplin und Durchhaltevermögen sind Eigenschaften, die auch auf Annette Winkler zutreffen. Die Smart-Chefin, die zuerst das Familienunternehmen A. Winkler Sohn GmbH & Co KG und dann den Smart vor dem Untergang rettete, gilt über Unternehmensgrenzen hinweg als echtes Energie-Bündel und als besonders ehrgeizig.
Als sie ein Kollege bei MAN vor ein paar Jahren auf eine technische Wissenslücke hinwies, machte Winkler innerhalb von neun Tagen den LKW-Führerschein: "Anstatt beleidigt zu reagieren, sollte man sich Herausforderungen stellen.“
Die Herausforderungen sucht Winkler auch privat. Früher fuhr die 57-Jährige täglich bis zu 250 Kilometer mit dem Rennrad. Seit einem schweren Unfall geht sie werktags joggen, hält sich am Wochenende mit Radfahren oder Wandern fit. „Sport verschafft mir Zeit und Raum für Reflektion, Nachdenken und neue Impulse", erklärt Winkler WirtschaftsWoche Online.
Im Job ist das Sportinteresse der gebürtigen Wiesbadenerin deutlich spürbar. Berühmt-berüchtigt sind ihre Mails vor acht Uhr. Dann ist die 57-Jährige nämlich beim Joggen. Die Bewegung in der Natur, erklärt sie selbst, gebe ihr den nötigen Abstand zum operativen Geschäft und mache sie offen für „Geistesblitze“ - die sie dann direkt weiterleitet.
Manchmal helfe ihr das Schwitzen aber auch einfach nur, um zu sich selbst zu finden. „Es kommt sehr oft vor, dass ich dann spontan genommene Weichenstellungen korrigiere oder mich eben auch mal für ein Verhalten entschuldige, das nicht meinen Vorstellungen von einem positiven Miteinander, Wertschätzung und Vorbildgeben entsprochen hat“, so Winkler. „Sport ist für mich insoweit auch ein ‚kontinuierlicher Verbesserungsprozess’ in Sachen Führung.“ Dafür stünde sie auch gern früh auf.
Winkler ist kein Einzelfall. Für Chefs und Manager in höheren Positionen bedeutet Training zeitgleich den Verzicht auf andere Dinge, meistens Schlaf. Ihre eng getakteten Tage wirken auf Außenstehende wie Käfige aus Stress. Dabei ist gerade das Zeitmanagement der Schlüssel zu Erfolg und Zufriedenheit.
„Disziplin bedeutet Freiheit“, erklärt Sportpsychologe Christian Zepp. Wer viel Sport treibe, habe ein gutes Zeitmanagement. „Einen Tag komplett durchplanen bedeutet, den Tag optimal zu strukturieren, um sich so Pausen und Freiräume zu schaffen. Und wenn ich mich an meine Struktur halte, kann ich auch nicht ausbrennen.“
Doch nicht nur mental ist Sport ein Wegbereiter für Erfolg und Zufriedenheit im Job. Sportwissenschaftlern der Universität Basel und Göteborg zufolge schützt körperliche Fitness vor Gesundheitsrisiken durch Berufsstress. Sie fanden heraus: Während gestresste Beschäftigte alarmierende Werte bei Blutdruck, Body-Maß-Index, Cholesterin und weiteren Indikatoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben, waren die gleichen Werte bei sportlichen Beschäftigten im Normbereich. Und auch eine Studie am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung der TU Dortmund zeigt: Regelmäßiger Sport hilft beim Umgang mit Stress.
11.30 Uhr: Martin Osterloh kommt aus dem Kursraum heraus. Dieses Mal ist es Schweiß, der auf seiner Stirn glänzt. Der HIIT-Kurs „Les Mills Grit“, den er gerade absolviert hat, gilt als der härteste Kurs im Studio. Dreißig Minuten Burpees, Squats und Liegestütze, das schafft selbst den gut trainierten Osterloh. „Ich muss mich erstmal in die Sauna legen und ein wenig runterkommen“, sagt er. Nachher geht es wieder in den Zug nach Osnabrück. Am Bahnhof wartet schon sein Fahrrad.