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Investmentfonds"Liebling, ich habe den Index geschlagen"

Laut Studien gelingt es nur selten, doch dieses Jahr haben es US-Fondsmanager häufig geschafft: Ihren Vergleichsindex zu schlagen. Schön für sie! Warum deutsche Anleger ihnen trotzdem nicht ihr Geld anvertrauen sollten.Heike Schwerdtfeger 14.06.2017 - 16:10 Uhr

Ein Aktienindex ist anscheinend etwas Großartiges. Ehrfurchtsvoll blicken die Deutschen auf ihren Dax, in dem die 30 größten deutschen Aktiengesellschaften vereint sind. Die Amerikaner haben ihren Dow Jones und den S&P 500, in denen sich das Who-is-who der amerikanischen Wirtschaft versammelt.

Sorgen bereiten die Indizes allerdings allen Fondsmanagern, deren Aufgabe es ist, mit ihren Aktien, die sie angeblich mühsam auswählen und prüfen, auf Dauer besser abzuschneiden als ein Index. Mit einem Buch, dessen Titel „Liebling, ich habe den Index geschlagen“ wie der Stoßseufzer eines Fondsmanagers klingt, hat es der Paar- und Single-Berater Christian Thiel sogar in die Bestsellerlisten geschafft. Es ist nicht bekannt, ob er zuvor manchen Fondsmanager therapieren musste, der eben dieses Ziel, den Index zu schlagen, nicht erreichen konnte und deshalb Bonusverzicht oder schlimmere Strafen erdulden musste.

Aber zumindest in den USA haben die Manager in diesem Jahr ein gutes Händchen für die Aktienauswahl bewiesen. Von den hierzulande angebotenen 509 Aktienfonds, die sich auf große US-Standardwerte konzentrieren und dabei keine besonderen Einschränkungen haben, konnten immerhin rund 350 den S&P 500 Index schlagen.

Rentenfonds

Jäger der verlorenen Prozente

Anleiheportfolios brachten dank steigender Kurse über Jahrzehnte gute Renditen. Mit der Zinswende ist das vorbei – außer bei exotischen Papieren. Mit welchen Rentenfonds Anleger noch eine Chance auf Rendite haben.

von Heike Schwerdtfeger

Die Erfolgsstory hat aber einen Haken. Der S&P 500 hat in Euro gerechnet in diesem Jahr nur 0,8 Prozent zugelegt. Das ist ein schwaches Ergebnis, denn an europäischen Aktienmärkten konnte ein Anleger um die 15 Prozent verdienen. Aber in diesem Jahr hat der Dollar hiesigen Anlegern das Ergebnis verhagelt, denn der Greenback hat gegenüber dem Euro seit Jahresbeginn acht Prozent an Wert eingebüßt und damit manchem Anleger aus dem Euro-Land das Ergebnis verhagelt.

Besser als der Index waren dann mitunter die Aktienfonds, bei denen die Dollar-Risiken speziell für die Euroland-Anleger abgesichert wurden. Besser waren aber auch diejenigen, die sich gegen Technologieaktien entschieden hatten, die zuletzt hohe Kursverluste hatten. Alles in allem haben die Fondsmanager aber meist auch keine Wunder vollbracht. Mit einem Plus von zwei Prozent haben sie vielleicht ein gutes Festgeld übertroffen. Nicht schlecht in diesen Zeiten, aber eben auch nicht wirklich meisterhaft.

Das Basis-Portfolio

Die Stiftung Warentest hat die besten Tipps für faule Anleger zusammengestellt. Die einfachste Variante besteht dabei aus zwei Fonds: zum einen ein Aktien-ETF auf den Weltaktienindex und zum anderen ein Renten-ETF auf einen Euro-Staatsanleihenindex.

Foto: dpa

Schwellenländer

Eine andere Möglichkeit, das Portfolio für Faule anzureichern ist, ihm einen ETF auf Schwellenländer-Aktien oder Rohstoffe beizumischen.

Foto: AP

Langfristig denken

Beim Anlegen für Faule geht es um langfristigen Vermögensaufbau. Geld, das nicht kurzfristig gebraucht wird, kann dort angelegt werden. Außerdem können sich Anleger auch mit einem Sparplan ein Faulen-Portfolio aufbauen.

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Sicherheit kostet

Auch das Mischverhältnis beeinflusst die Kosten. Wer sich für eine Sicherheitsvariante mit mehr Rentenfonds entscheidet, zahlt mehr als derjenige, der eine ausgewogene Mischung wählt.

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Gut Ding will Weile haben

Faule Anleger sollten mit einer Anlagedauer von mindestens sieben Jahren planen – besser sind zehn. Mit den Aktienfonds investiert man in volatile Märkte und kann zwischendurch deutlich ins Minus geraten. Bei Anlagen über längere Zeit bieten Aktienfonds allerdings bessere Renditechancen als sicherere Geldanlagen.

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Die Mischung macht's

Ein wichtiger Faktor beim Anlegen für Faule ist die Mischung der Fonds. Grundsätzlich sollten langfristig orientierte Anleger eine 50-50-Mischung wählen und zur Hälfte in Aktienfonds, zur Hälfte in Rentenfonds investieren. Besonders vorsichtige Anleger können auch 75 Prozent ihres anzulegenden Vermögens in den Rentenfonds stecken. Wer mehr riskieren will, sollte stärker auf Aktienfonds setzen.

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Variationen

Das Portfolio für Faule kann leicht variiert werden, indem man statt eines Aktien-ETF auf den Weltaktienindex einen ETF auf einen europäischen Index wählt.

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Notgroschen

Faule Anleger sollten darauf achten, einen Teil des Geldes kurzfristig zur Verfügung zu haben, um für unvorhergesehene Ausgaben gewappnet zu sein. Wie hoch dieser Notgroschen sein sollte, hängt von der Lebensführung der Anleger ab. Empfohlen wird aber ein Notfalltopf in Höhe von zwei bis drei Monatsgehältern oder -renten.

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Minimalbetrag

Wie hoch der Minimalbetrag beim Anlegen für Faule ist, hängt in der Regel davon ab, wie teuer die Bank ist und welche Art des ETF-Portfolios gewählt wurde. Günstig wird es etwa ab 10.000 Euro.

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Achtung, Gebühren

Faule Anleger sollten ein Auge auf Bankgebühren haben. Die Faustregel ist: Je kleiner der Anteil eines Fonds, desto stärker schlagen die Gebühren der Bank zu Buche. Besonders gilt das bei den Umschichtungen.

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Kontrolle ist wichtig

Auch wenn der Anleger faul ist – er sollte sein Depot ungefähr einmal im Jahr kontrollieren. Tatsächlich aktiv werden und umschichten muss man aber nur, wenn die Fonds um mehr als 20 Prozent von ihrer anfänglichen Gewichtung abweichen.

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Wer als Fondsmanager einen Index schlagen will, hat es in bestimmten Zeiten schwer. Etwa dann, wenn es eine Börsenrally gibt, die alle Aktien nach oben spült. In solchen Zeiten wird kaum differenziert zwischen teuren, günstigen, zukunftsfähigen, margenschwachen oder abgehalfterten Unternehmen. In den vergangenen Jahren liefen Technologieaktien extrem gut. im S&P 500 hat Apple einen Anteil von 3,6 Prozent und ist damit der schwerste Brocken im Index. Gefolgt von Microsoft mit 2,6 Prozent, Amazon mit 1,8, Facebook mit 1,7 Prozent. Dann erst kommt Johnson&Johnson mit 1,7 Prozent.

Ein Manager, der bei den hochgejazzten Technologieaktien vorsichtig war, fiel in der Vergangenheit hinter den Index zurück, konnte aber mitunter in diesem Jahr wieder Boden gutmachen. Innerhalb einer Woche haben Apple, Microsoft, Amazon und Facebook zwischen sechs und acht Prozent eingebüßt, während etwa die Aktie von  Konsumgüterhersteller Johnson&Johnson weiter gestiegen ist.

Verkehrte (Finanz)welt

Riskanter ETF-Boom

Wer einen US-Aktienfonds hält, ist bestenfalls noch leicht im Plus, hat jahrelang gut verdient auch an den früheren Währungsgewinnen des Dollar und kann jetzt mal überlegen, ob er seine US-Positionen etwas reduziert. In globalen Aktienfonds ist der US-Markt zudem ebenfalls gut vertreten, in dem maßgeblichen MSCI Welt-Index haben US-Aktien einen Anteil von gut 55 Prozent. Fondsmanager, die hier etwas zurückhaltender waren, konnten mitunter ebenfalls Vorteile gegenüber dem Index ausspielen. Aber das gute Abschneiden der Fondsmanager bei US-Aktien allein, sollte für Anleger jetzt kein Grund sein, sich ihnen anzuvertrauen.

Noch immer gelten die Technologieaktien an der Wall-Street, die im Index Nasdaq versammelt sind, zu den Investments, die Fondsmanager für überteuert halten. 84 Prozent der Teilnehmer einer monatlichen Vermögensverwalter-Umfrage von  Bank of America Merrill Lynch halten den US-Aktienmarkt für den weltweit teuersten. Die Experten mögen derzeit eher europäische Aktien sowie Aktien aus Schwellenländern. Und auch für diese Märkte gibt es immer Fondsmanager, die ihre Indizes schlagen. Wöchentlich finden Sie die Anlageempfehlungen aus der WirtschaftsWoche unter wiwo.de.

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