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Air BerlinRegierung hofft auf rasche Lösung

Der Poker um die Zukunft von Air Berlin läuft. Die Regierung hofft auf eine rasche Lösung. CSU-Chef Horst Seehofer wünscht sich eine Übernahme durch die Lufthansa. 28.08.2017 - 07:16 Uhr

Air Berlin: Regierung hofft auf rasche Lösung

Foto: dpa

Die Bundesregierung setzt auf rasche Ergebnisse der Übernahmegespräche bei der insolventen Air Berlin. „Wir warten jetzt mal ab und hoffen, dass es schnell geht“, sagte Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) am Samstag in Berlin. Air Berlin verhandele mit der Lufthansa, mit Easyjet, mit Ryanair. „Ryanair will jetzt sogar die ganze Air Berlin kaufen“, sagte Zypries. Auch der Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl komme ins Spiel und wolle die ganze Air Berlin kaufen. Die Ministerin resümierte: „Es gibt jetzt genug Interessenten. Und wie das dann tatsächlich läuft, damit hat die Bundesregierung nix zu tun und ich persönlich auch nicht.“

Vor einer Woche hatte Zypries allerdings erklärt, sie würde es begrüßen, wenn die Lufthansa größere Anteile von Air Berlin übernehmen würde. Air Berlin äußerte sich am Wochenende nicht dazu, mit welchen möglichen Partnern derzeit Gespräche geführt werden - auch nicht dazu, wie nahe man dabei einer Lösung ist. Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer sprach sich für eine Übernahme durch die Lufthansa aus. „Ich bin dafür, im Rahmen des Rechts die Lufthansa zu stärken. Durch die Übernahme von Air Berlin können wir eine noch stärkere Lufthansa bekommen“, sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Sonntag).

Unterdessen kann sich auch Niki Lauda, Ex-Formel-1-Star, Luftfahrtunternehmer und Gründer der Air Berlin-Tochter Niki, eine Übernahme seiner einstigen Gesellschaft vorstellen. „Ich habe einen Brief an den Insolvenzverwalter von Air Berlin geschrieben, in dem ich mein Interesse an FlyNiki bekunde“, sagte Lauda der österreichischen „Kronen-Zeitung“. „Jetzt bin ich gespannt, was passiert, ob ich überhaupt zu den Verhandlungen eingeladen werde.“

Lufthansa:
Der deutsche Branchenprimus hat frühzeitig den Finger für große Teile Air Berlins gehoben. Schon seit dem Frühjahr - und damit weit vor der Insolvenz - gibt es Gespräche mit den Berlinern. Die Lufthansa gilt auch als Favorit der Politik, was Konkurrenten wie die irische Ryanair heftig kritisieren. Insidern zufolge bietet Lufthansa für 70 bis 90 Maschinen einen niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr sagte nun öffentlich, er rechne sich gute Chancen für eine Übernahme von bis zu 80 Maschinen aus. Priorität habe für die Lufthansa, sich die 38 Maschinen von Air Berlin zu sichern, die schon für die Lufthansa-Tochter Eurowings geleast wurden. Dazu sollten 20 bis 40 weitere Maschinen für Kurz- und Mittelstrecken kommen. "Wir glauben, durch die Entwicklung in Berlin voraussichtlich bis zu 3000 neue Mitarbeiter begrüßen zu dürfen", sagte Spohr. Für die Langstrecke habe Lufthansa nicht geboten.

Foto: REUTERS

Easyjet:
Der Billigflieger reichte nach eigenen Angaben eine Offerte für Teile des Kurzstrecken-Angebots von Air Berlin ein. Dies stehe im Einklang mit der Strategie, sich in Deutschland auf bestimmte Städte zu konzentrieren, erklärten die Briten. Wegen einer Reihe von Unsicherheiten rund um die insolvente Airline sei es aber ungewiss, ob es zu einem Deal komme. Easyjet schließt 2018 seine Basis in Hamburg und will nach früheren Angaben seinen Standort in Berlin stärken.

Foto: dpa

Hans-Rudolf Wöhrl:

Der Unternehmer bietet bis zu eine halbe Milliarde Euro für Air Berlin. Seine Firma Intro will zusammen mit Investoren oder zusammen mit anderen Fluggesellschaften die insolvente Airline übernehmen. Eine erste Rate von 50 Millionen Euro wäre am Übernahmetag fällig, weitere Tranchen von bis zu 450 Millionen Euro macht Wöhrl aber vom Ergebnis abhängig. Kritiker halten sein Angebot deshalb für eine Mogelpackung. Der Unternehmer hat zudem nicht im Datenraum die aktuellen Zahlen von Air Berlin angeschaut, aber trotzdem ein Angebot abgegeben.

Foto: dpa

Condor:
Der Unternehmer Niki Lauda bietet nach eigenen Worten zusammen mit dem Reisekonzern Thomas Cook und dessen Tochter Condor für Teile von Air Berlin. Der Ex-Rennfahrer bestätigte nach Ablauf der Frist nur, dass man geboten habe. Details nannte er nicht. Zuletzt hatte er angekündigt, man werde "um die 100 Millionen" Euro bieten. Thomas Cook äußerte sich zunächst nicht.

Der ehemalige Formel-1-Weltmeister ist an der Übernahme der von ihm gegründeten Air-Berlin-Tochter Niki interessiert und an weiteren Flugzeugen. Lauda will nach früheren Angaben an einem Konsortium mit Thomas Cook und Condor 51 Prozent der Anteile halten. Angepeilt sind touristische Ziele - vor allem auf der Kurz- und Mittelstrecke.

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British Airways

British Airwaysäußert sich nicht offiziell zum Interesse an Air Berlin. Die British-Airways-Mutter IAG hat Insidern zufolge aber ein Angebot abgegeben und gehört nach Ansicht von Branchenexperten und Analysten zusammen mit der Lufthansa zu jenen Airlines in Europa, die am ehesten eine große Übernahme stemmen können.

Foto: AP

Utz Claassen

Der ehemalige Energie-Topmanager interessiert sich einem Medienbericht zufolge ebenfalls für Air Berlin. Offiziell will er sich dazu aber nicht äußern. Das "Handelsblatt" berichtete, Claassen habe ein 17-seitiges "Angebot zur Komplettübernahme und expansiven Sanierung der Air Berlin" vorgelegt. Demnach biete der Manager einen Kaufpreis von 100 Millionen Euro und wolle bis zu 600 Millionen Euro zusätzlich an Liquidität zur Verfügung stellen. Die Namen der beteiligten Investoren aus den USA, Großbritannien, Singapur und Deutschland benenne er darin nicht, so das Blatt weiter. Claassen verspreche die Übernahme der gesamten Belegschaft "unter der Voraussetzung angemessener wettbewerbsgerechter Vergütungsstrukturen".

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Link Global Logistics

Der chinesische Unternehmer Jonathan Pang von der Betreibergesellschaft des Flughafens Parchim in Mecklenburg-Vorpommern hat am Donnerstag ein verbindliches Angebot abgegeben. Dies bestätigte sein Anwalt Helmut Naujoks, ohne sich zu Details zu äußern. Einem Insider zufolge bietet Pang rund 600 Millionen Euro und will alle rund 8000 Air-Berlin-Mitarbeiter übernehmen. Unklar blieb zunächst, ob sich der Gläubigerausschuss die Offerte noch anschaut. Die eigentliche Frist für Bieter war am 15. September abgelaufen. Ein Air-Berlin-Sprecher hatte bereits damals betont, die Frist gelte für alle.

Pang würde bei einer erfolgreichen Übernahme eine Kooperation seiner Logistikfirma Link Global Logistics mit der Fluggesellschaft ausloten, hieß es zuletzt. Dazu könnten auch Air-Berlin-Flugzeuge nach Parchim verlegt werden. Pang hatte 2007 den ehemaligen Militärflughafen in Parchim gekauft, rund 160 Kilometer nordwestlich von Berlin. Das EU-Recht sieht allerdings vor, dass die Mehrheit des Eigentums und die Kontrolle der Airline von Europäern gehalten wird.

Foto: dpa

Allerdings müsse er erst einen Blick in die Bücher der Niki werfen. „Erst einmal will ich die gleiche Chance haben wie die Lufthansa, die das von langer Hand geplant hat“, sagte Lauda, der eine mögliche Übernahme durch die deutsche Airline schon zuvor scharf kritisiert hatte. Wie Ryanair-Chef Michael O'Leary fürchtet Lauda eine beherrschende Stellung der Lufthansa vor allem im deutschen Markt. Der irische Billigflieger hatte die Lufthansa-Pläne und die Umstände der Air-Berlin-Pleite samt staatlicher Bürgschaft über 150 Millionen Euro scharf als „abgekartetes Spiel“ kritisiert und auch Beschwerde beim Bundeskartellamt und bei der EU-Wettbewerbskommission eingelegt.

Zypries verteidigte erneut den Überbrückungskredit für Air Berlin. Falls die Bundesregierung das Unternehmen nicht durch den Kredit in die Lage versetzt hätte, weiter fliegen zu können, hätten die Flugzeuge auf dem Boden bleiben müssen und Urlauber wären nicht zurück nach Deutschland gekommen. Zudem bleibe so der Wert des Unternehmens und der Flugrechte von Air Berlin erstmal erhalten. Der Kredit ist einem Bericht der „Bild am Sonntag“ zufolge aber noch nicht unter Dach und Fach. Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums sagte am Sonntag, es laufe alles planmäßig, man sei in der „technischen Umsetzung“. Dem Blatt zufolge ist weder der Vertrag unterschrieben noch bisher Geld geflossen.

Nach dem Insolvenzantrag von Air Berlin zeichnet sich ab, dass die Fluggesellschaft von mehreren Konkurrenten übernommen wird. Ganz vorn dabei ist der deutsche Marktführer Lufthansa. Die Verhandlungen laufen seit Freitag. Zu den Akteuren gehört ein Leiter des Insolvenzverfahrens und indirekt auch die Bundesregierung. Ein Überblick.

Foto: dpa

Lufthansa
Der umsatzstärkste Luftverkehrskonzern Europas treibt die Übernahme der Air Berlin bereits seit Monaten in Gesprächen mit der Politik und dem Großaktionär Etihad voran. Ein erster Erfolg war die im Januar genehmigte Anmietung und faktische Übernahme von 38 Mittelstrecken-Maschinen, rund ein Viertel der Air-Berlin-Flotte. Lufthansa-Chef Carsten Spohr will nun mindestens ein weiteres Viertel für seine Billigflieger-Gruppe Eurowings sichern, die zusätzliche Maschinen und Slots für die Mittel- und die Langstrecke sucht. Für sein Ziel, den Billigflieger Ryanair von den größeren deutschen Flughäfen so weit es geht fernzuhalten, muss Spohr aus Wettbewerbsgründen größere Marktanteile anderer Anbieter wie der Easyjet in Kauf nehmen.

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Andere Interessenten
Außer der Lufthansa sind nach Angaben von Air Berlin noch zwei weitere Interessenten im Geschäft. Nach dpa-Informationen sind Gespräche mit Easyjet und Tuifly geplant. Der Reiseveranstalter Thomas Cook mit seiner Ferienflugtochter Condor bekundete Interesse an einer „aktiven Beteiligung an der Zukunft von Air Berlin“. Ein Teil der Thomas-Cook-Feriengäste kommt mit Air Berlin ans Ziel.

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Etihad
Der Staatskonzern aus Abu Dhabi ist seit 2012 Großaktionär von Air Berlin mit einem Anteil von 29,2 Prozent. Wenige Tage, nachdem Etihad die Unterstützung entzogen hatte, sah sich Air Berlin zur Insolvenzanmeldung gezwungen. Ein Großteil der Schulden von Air Berlin in Höhe von 1,5 Milliarden Euro dürfte am Partner hängenblieben, der mehrere Kredite gegeben hat. Etihad wehrt sich gegen den Eindruck, Air Berlin im Stich gelassen zu haben. Das Unternehmen habe im April nochmals 250 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Angesichts der „sich rapide verschlechternden Geschäftsergebnisse und Liquidität“ wollte Etihad aber nicht noch mehr Geld in Air Berlin pumpen.

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Ryanair
Der Passagier-Europameister Ryanair hat bereits mehr als 300 Flugzeuge und bekommt grob gesagt jedes Jahr 50 neue hinzu, für die in ganz Europa Punkt-zu-Punkt-Strecken gesucht werden. Derzeit gilt das größte Interesse der Iren Deutschland und Italien, wo mit Alitalia und Air Berlin jeweils eine verkehrsreiche Airline in die Insolvenz gegangen ist. Deren Verbindungen würde Ryanair-Chef Michael O'Leary liebend gern übernehmen, die Flugzeuge und teils teuren Crews eher nicht. In Italien gehört Ryanair zum Bieterkreis für das Alitalia-Erbe, in Deutschland fühlen sich die Iren durch den Lufthansa-Deal ausgebootet und haben kartellrechtliche Schritte angekündigt. In der politischen Auseinandersetzung macht ihnen ihr schlechtes Sozial-Image als Arbeitgeber zu schaffen.

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Insolvenzexperten
Gleich zwei Top-Sanierungsexperten des Landes sind in die Rettungsbemühungen involviert. Der Düsseldorfer Jurist Frank Kebekus (rechts) sitzt als Generalbevollmächtigter an der Seite von Air-Berlin-Vorstandschef Thomas Winkelmann im Cockpit. Sein Credo: So viel „business as usual“ hinbekommen. Das Duo Kebekus/Winkelmann leitet die Verkaufsverhandlungen.

Der zweite Insolvenzexperte, Lucas Flöther, überwacht als vorläufiger Sachwalter im Auftrag der Gläubiger alle Vorgänge. Beide Rechtsanwälte kennen einander seit Jahren vom Gravenbrucher Kreis. In diesem Verband sind die 30 führenden Insolvenzverwalter organisiert.

Kebekus war zuletzt unter anderem als Insolvenzverwalter beim Modekonzern Steilmann gefragt. Flöther wurde bereits zwei Mal mit der Rettung des Fahrradherstellers Mifa betraut und beschäftigte sich mit der Pleite des Leipziger Internetunternehmens Unister.

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Bundesregierung
Die Bundesregierung hat es durch schnelles Handeln ermöglicht, dass über die Zukunft Air Berlins in halbwegs geordneten Bahnen geredet werden kann. Ohne den Brückenkredit von 150 Millionen Euro hätte die Fluggesellschaft sofort den Betrieb einstellen müssen, Zehntausende Passagiere wären an ausländischen Flughäfen gestrandet. Nun hält es Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) für dringend geboten, dass Lufthansa wesentliche Teile der insolventen Airline übernimmt. Allerdings sitzt die Regierung nach eigenen Angaben nicht mit am Verhandlungstisch.

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Die Wettbewerbsbehörden
Das Bundeskartellamt und vor allem die EU-Kartellwächter werden überprüfen müssen, ob durch die Übernahme von Air Berlin nicht eine beherrschende Stellung in Teilbereichen des Luftverkehrsmarktes besteht. Das könnte auf einigen europäischen Strecken so sein, wenn sie Lufthansa zufallen. Ryanair hat bereits bei beiden Behörden Beschwerde eingelegt. Die Insolvenz sei künstlich herbeigeführt worden, es gebe ein „Komplott“ von deutscher Regierung, Lufthansa und Air Berlin gegen die Konkurrenz.

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Der CDU-Wirtschaftsrat schloss sich unterdessen einer Forderung von Zypries an und forderte die Regierung angesichts der Air-Berlin-Pleite auf, die umstrittene Ticketsteuer zur Stabilisierung des Luftverkehrsstandorts abzuschaffen. „Die Politik hat mit Luftverkehrssteuer selbst die Rahmenbedingungen für die Branche deutlich verschlechtert, die sie einseitig mehr belastet als fast alle ihre europäischen Mitbewerber“, sagte der Generalsekretär des Verbandes, Wolfgang Steiger, der Deutschen Presse-Agentur.

Das Finanzministerium hatte den Vorschlag der Wirtschaftsministerin allerdings bisher nicht unterstützt, es bestehe nicht die Absicht, die Steuer zu streichen. Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) begrüßte den Vorstoß von Zypries.

dpa
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