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Investmentgipfel"Ich lasse die Finger von Autos"

Fünf Topanlagestrategen sagen, wer in diesem Jahr die Kurse treibt, welche Aktien Anleger kaufen können und was sie von den Notenbanken erwarten.Hauke Reimer, Heike Schwerdtfeger 04.09.2017 - 12:00 Uhr

Investmentgipfel: Henning Gebhardt, Klaus Kaldemorgen, Manuela Thies, Frank Fischer und Jens Ehrhardt (vlnr)

Foto: Christof Mattes für WirtschaftsWoche

Über 70 Milliarden Euro legen die Fondsmanager an, die von der WirtschaftsWoche in Frankfurt zum Gipfeltreffen gebeten wurden. Ihre Anlageentscheidungen bewegen Aktienkurse, ihre Meinung hat Gewicht. Fast drei Stunden stellten sie sich den Fragen der WirtschaftsWoche und der Mitglieder des WiWo Clubs. Eine Frage beherrschte die Diskussion: Brechen die Börsen nach fast neun Jahren Anstieg bald ein? Die Milliardenmanager mögen daran noch nicht glauben, selbst für den Fall, dass die Notenbanken jetzt allmählich das üppig verteilte Geld wieder einsammeln.

Die Topanlagestrategen des Investmentgipfels
Manuela Thies verantwortet bei Allianz Global Investors 45 Milliarden Euro. Im Depot Balance sind 60 Prozent Anleihen und zu 40 Prozent Aktien, zum Teil auch Derivate, die von fallenden Kursen profitieren sollen.
Frank Fischer ist Chef des Fondsanbieters Shareholder Value Management und investiert nach dem Vorbild von Warren Buffett. Topaktien: Alphabet, Novo Nordisk, Washtec.
Henning Gebhardt wechselte im Januar von der Deutschen Bank als Chef der Vermögensverwaltung zur Privatbank Berenberg. Topaktien: Wirecard, Grenke, Norma.
Jens Ehrhardt leitet seit 1974 seine Vermögensverwaltung und ist Experte für Geldpolitik und Kapitalmärkte. Seine größten Aktienpositionen: Blackrock, Allianz, DMG Mori Seiki (Maschinenbau).
Klaus Kaldemorgen ist der wohl erfahrenste Fondsmanager der Deutschen Asset Management. In seinem Fonds mischt er Aktien, Anleihen und Derivate, um gleichmäßig Erträge zu schaffen. Topaktien: Evonik, Monsanto, Nestlé.

WirtschaftsWoche: Frau Thies, meine Herren, die Börsen sind in diesem Jahr schon gut gelaufen, jetzt machen Nordkorea und der Euro Probleme. War’s das mit dem Börsenaufschwung?
Ehrhardt: Glaube ich nicht. Politische Krisen wie die um Nordkorea sind unkalkulierbar, wirken sich aber nur kurzfristig aus – hoffentlich auch in diesem Fall. Aber, ja, die Unsicherheit nimmt zu, auch in der Frage, wie sich die Geldpolitik der Notenbanken entwickelt. Ich habe in diversen Fondsdepots etwas Aktien verkauft, schon vor Nordkorea.

Frau Thies, Sie haben 45 Milliarden Euro zu verteilen. Kaufen Sie keine Aktien mehr?
Thies: Wir haben deren Anteil zuletzt etwas reduziert. Aber unsere Fonds brauchen auch Aktien, viele Zinsanlagen sind unattraktiv. 40 Prozent der Staatsanleihen aus dem Euro-Raum rentieren unter null, und die Renditeaussichten für andere Anleihesegmente sind eher schwach.

WiWo Club mit Börsenprofis

Beim Investment-Gespräch der Börsenprofis in Frankfurt diskutierte der stellvertretende Chefredakteur der WirtschaftsWoche Hauke Reimer (ganz links) mit den Fondsmanagern (von links) Henning Gebhardt (Berenberg), Klaus Kaldemorgen (Deutsche Asset Management), Manuela Thies (Allianz Global Investors), Jens Ehrhardt (DJE Kapital), Frank Fischer (Sharholder Value Management)

Foto: Christof Mattes für WirtschaftsWoche

Börsen vor dem Härtetest?

In der Diskussionsrunde ging es um die Perspektiven an den Börsen. Stehen sie vor dem Härtetest? Und wie schützen die Profis jetzt die Vermögen ihrer Kunden? Oder überwiegen die Chancen bei Aktien? Das Gespräch lesen Sie in der WirtschaftsWoche 36/2017, die am Freitag, 1. September erscheint. Als eMagazin ist Ausgabe ab Donnerstag, 31. August, 20 Uhr online abrufbar.

Foto: Christof Mattes für WirtschaftsWoche

Wirtschaft hautnah

Hauke Reimer, stellvertretender Chefredakteur der WirtschaftsWoche und Heike Schwerdtfeger, Korrespondentin der WirtschaftsWoche in Frankfurt freuen sich über die hochkarätig besetzte Expertenrunde und die zahlreichen Zuhörer

Foto: Christof Mattes für WirtschaftsWoche

70 Clubmitglieder zu Gast

Mehr als 70 Clubmitglieder sind der Einladung ins Gebäude der WirtschaftsWoche-Redaktion in Frankfurt gefolgt, um den Anlageprofis zu lauschen und ihnen Fragen zu stellen.

Foto: Christof Mattes für WirtschaftsWoche

Manuela Thies, Allianz Global Investors

Eine der mächtigsten Fondsmanagerinnen Frankfurts: Manuela Thies, die bei Allianz Global Investors als Head of Multi Asset Active Allocation Europe für ein Vermögen von 45 Milliarden Euro verantwortlich ist, rechnet damit, das die Zentralbank in den USA die Zinsen in diesem Jahr noch einmal erhöhen wird.

Foto: Christof Mattes für WirtschaftsWoche

Jens Ehrhardt, DJE Kapital

Einer der dienstältesten Geldmanager ist Jens Ehrhardt und einer derjenigen, die bei keinem Roundtable-Gespräch der WirtschaftsWoche fehlen dürfen. Er promovierte zum Thema „Einfluss der Geldpolitik auf die Kapitalmärkte“ – ein Thema, das heute mindestens so aktuell ist wie vor 42 Jahren und ist ein China-Kenner. Das Land wurde 2016 von vielen abgeschrieben, damals war das übertrieben. Die Konjunktur läuft. Ehrhard hält es jetzt für problematisch, dass die kurzfristigen Zinsen in China nahezu das Niveau der langfristigen Zinsen haben und dies sei stets eine Belastung für die Aktienkurse. "Es kann konjunkturelle Enttäuschungen im zweiten Halbjahr aus China geben."

Foto: Christof Mattes für WirtschaftsWoche

Frank Fischer, Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen

Als Fondsmanager eines der erfolgreichsten Mischfonds in Deutschland, des Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen ist Frank Fischer bekannt. Er gab gestern bekannt, dass es von ihm einen neuen Fonds geben wird, den Frankfurter Stiftungsfonds. Andere verteufeln US-Präsident Donald Trump, Fischer hat zumindest noch die vage Hoffnung, dass er mit einer Steuerreform die in ihn gesetzten Erwartungen endlich einmal erfüllen kann und diese Überraschung auch die Börsen wieder in Schwung bringen könnte.

Foto: Christof Mattes für WirtschaftsWoche

Henning Gebhardt, Berenberg Bank

Henning Gebhardt sieht weitere Chancen für deutsche Aktien ("Der Sommer ist am Aktienmarkt eine schwierige Zeit. Wir erleben jetzt einen Rücksetzer, können uns aber auf den Herbst freuen."). Gebhardt konnte niedrige Kurse nutzen, um seinen neuen Aktienfons Berenberg Aktien Strategie Deutschland aufzubauen. Seit Januar 2017 leitet er das Wealth und Asset Management der Privatbank Berenberg, zuvor lenkte er 20 Jahre erfolgreich DWS-Fonds.

Foto: Christof Mattes für WirtschaftsWoche

Klaus Kaldemorgen, Deutsche Asset Management

Als erster Fondsmanager bei der Deutschen Bank bekam er 2011 einen Fonds, der seinen Namen trägt und seine Anlageidee verkörpert. Klaus Kaldemorgen will Anleger ruhiger durch die Märkte navigieren und Verluste konsequenter begrenzen, als er es in Aktienfonds könnte. Dividendenstarke Aktien sind für ihn durchaus auch eine Alternative zu Anleihen. "Der Telekomsektor und auch europäische Ölwerte bieten teilweise Dividendenrenditen von vier bis sieben Prozent, das ist deutlich mehr, als Anleihen abwerfen."

Foto: Christof Mattes für WirtschaftsWoche

Diskussion mit Privatanlegern

Die Gäste nutzten die Chance, den Investments-Stars live zu begegnen und beteiligten sich rege an der Diskussion.

Foto: Christof Mattes für WirtschaftsWoche

Clubmitglieder bei Frankfurter Redaktionen zu Gast

Veranstaltungsort ist der Sitz von WirtschaftsWoche und Handelsblatt in Frankfurt am Main

Foto: Christof Mattes für WirtschaftsWoche

Events, Netzwerke, exklusive Inhalte

Im WirtschaftsWoche Club treffen Sie die Menschen, von denen Sie sonst lesen. Weitere Infos zum WirtschaftsWoche Club und dazu, wie Sie Mitglied werden können, lesen Sie hier.

Foto: WirtschaftsWoche

Investorenlegende Warren Buffett sitzt auf 100 Milliarden, die er nicht ausgeben kann, weil ihm viele Unternehmen zu teuer sind.
Fischer: In Branchen, die gerade nicht beliebt sind, finden wir günstige Aktien. Bei Autos, Pharma, Generika etwa. Die Aktie des Weltmarktführers bei Diabetes ...

... Novo Nordisk ...
Fischer: ... war sehr günstig, solche Gelegenheiten nutzen wir kurzfristig.

Kaldemorgen: Ich kann Buffetts Vorsicht verstehen. Die Digitalisierung zerstört Geschäftsmodelle. In den USA kommen wegen Amazon die großen Einzelhändler unter Druck. Banken verlieren, weil ihnen Mastercard oder Visa den Zahlungsverkehr streitig machen. Und in der Vermögensverwaltung machen ihnen die Fintechs Sorgen.

Wie sehr belastet der starke Euro?
Gebhardt: Der Euro könnte durchaus noch weiter steigen, und das drückt die Stimmung. Die Aktienkorrektur der vergangenen Wochen war völlig angemessen, sie spiegelt die Stärke des Euro gegenüber dem Dollar wider. In den nächsten Monaten werden wir sehen, dass die Gewinne europäischer Konzerne darunter leiden. Bei einigen könnten die mittelfristigen Ziele in Gefahr sein. US-Unternehmen, die günstiger im Ausland verkaufen können, werden profitieren.

„Wenn es in der nächsten Zeit einen Einbruch an den Börsen gibt, dann wegen des Haushaltsstreits in den USA“, Klaus Kaldemorgen, Deutsche Asset Management.

Foto: Christof Mattes für WirtschaftsWoche

Sind US-Technologiewerte zu teuer?
Ehrhardt: Ich habe in 50 Jahren Börse gelernt, dass man möglichst lange mit dem Strom schwimmen soll. Der Technologiesektor wächst überdurchschnittlich stark, der Trend wird anhalten. Mich beunruhigt nur, dass viele Hedgefonds sehr konzentriert dort investiert haben. Die sind auch ganz schnell wieder draußen. Aber noch sind die Zinsen niedrig, und wo sollte man sonst investieren, wenn nicht in gute Aktien?

Gebhardt: Der Spätsommer ist schwierig. Die Nervosität spüren wir jetzt, insbesondere wegen der chaotischen US-Politik.

Kaldemorgen: Ich lege mich fest. Wenn es einen Börseneinbruch gibt, dann wegen des US-Haushaltsstreits. In den USA läuft die Diskussion, dass Donald Trumps Mauer zu Mexiko über den Staatshaushalt finanziert werden soll. Der Kongress will den Haushalt womöglich nicht freigeben. Dann wäre er blockiert, und die Börse leidet.

Schön für Sie, Herr Gebhardt, dann können Sie für Ihren neuen Fonds günstig kaufen.
Gebhardt: Sollte man meinen. Aber wenn Kurse fallen, finden Sie leider wenig Investoren, weil die Bereitschaft, zu investieren, sinkt. Es sollte andersrum sein, aber Zuflüsse haben Fonds, wenn der Markt gut läuft.

Fischer: Aktuell wird Donald Trump verteufelt. Ich habe die vage Hoffnung, dass er mit einer Steuerreform die Erwartungen endlich mal erfüllen kann und diese Überraschung auch den Börsen hilft.

Thies: Aber die Geldpolitik verunsichert.

Was erwarten Sie in den USA?
Thies: Die Fed wird in diesem Jahr noch einmal die Zinsen leicht anheben. Und sie wird ihren Bestand an Anleihen, die sie über Jahre gekauft hat, reduzieren – hoffentlich behutsam. Dafür hat sie konjunkturellen Rückenwind, der Arbeitsmarkt in den USA ist stark, die Inflationserwartungen sind stabil.

Und in Europa?
Thies: Erst mal kein Zinsschritt.

Und falls doch?
Ehrhardt: Wenn die Kurse fallen, wird investiert. Fonds warten auf Rückschläge, sie haben Cash.

Kaldemorgen: Vorsicht. Viele Anleger sind zu selbstbewusst und überzeugt, dass alles so weitergehen wird. Das ist eher ein Warnsignal. Wie viel Cash die Fondsmanager halten, ist auch nicht so wichtig, denn der Markt wird, zumindest in den USA, von ETFs stark beeinflusst.

Das sind Fonds, die sich automatisch an einem Index ausrichten.
Kaldemorgen: Und die halten kein Cash, sondern verkaufen automatisch, wenn Anleger Geld abziehen.

Also soll ich doch Anleihen kaufen? Von Tesla oder der Türkei bekomme ich über fünf Prozent.
Ehrhardt: Bessere Zinsen gibt es nur bei höheren Risiken. Anleger müssen schlechte Bonitäten akzeptieren, sehr lange Laufzeiten wählen oder auf wilde Währungen setzen. Das sind alles keine Ruhekissen.

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Warum Continental die Konkurrenz abhängt

von Sebastian Kirsch

Kaldemorgen: Vorsichtige sollten nicht auf Zinspapiere verzichten. Aber ich schaue auch auf Aktien, die anleiheähnlichen Charakter haben. Unternehmen, die kaum wachsen und Investoren über die Dividende locken. Telekomkonzerne oder auch europäische Ölwerte mit vier bis sieben Prozent Dividendenrendite sind interessant. Wenn die Zinsen niedrig bleiben, sind auch noch Kurssteigerungen möglich.

Gebhardt: Dummerweise kaufen Sie da genau Kandidaten mit Wachstumsproblemen.

Vor zehn Jahren haben alle wegen der Dividende die angeblich sicheren Versorger E.On oder RWE gekauft.
Fischer: Deren Niedergang hatte politische Gründe, die Energiewende der Kanzlerin.

10. Platz: Aktien

Der comdirect Spar- und Anlageindex ist im September den sechsten Monat in Folge gesunken. Er erreichte mit 93,8 Punkten den niedrigsten Stand seit Dezember 2015. Die Deutschen sparen also immer weniger. 40 Prozent legten im September gar nichts oder weniger als 50 Euro zurück. Im Schnitt sparte jeder Deutsche 105,62 Euro.

Aktien sind als Geldanlage bei den Deutschen nicht sehr beliebt. Mit einem Anteil von 14 Prozent reicht es nur für den zehnten Platz des Rankings.

(Quelle: comdirect)

Foto: dpa

9. Platz: Festgeld

Schon etwas beliebter als die Aktien ist das Festgeld. Immerhin 19 Prozent der Geldanlagen fallen in diesen Bereich.

Dass insgesamt wenig angelegt wird, hängt unter anderem mit der andauernden Niedrigzinsphase zusammen. Da noch nicht klar ist ob, und falls ja, wann die Europäische Zentralbank die Zinsen wieder hebt, wird Anlegern empfohlen, ihr Geld in Produkten mit höheren Renditechancen (und gleichzeitig aber auch höherem Risiko) als den aktuell sehr schlecht verzinsten klassischen Sparprodukten anzulegen.

Foto: dpa

8. Platz: Fonds

Fonds befinden sich mit dem Festgeld gleichauf. Sie liegen ebenfalls bei 19 Prozent. Im Gegensatz zum August konnten sie um drei Prozent zulegen und sich so einen Platz nach oben schieben.

Im Norden und im Osten Deutschlands wurde im September vergleichsweise besonders wenig gespart. Im Norden sparte man durchschnittlich 94,37 Euro und im Osten 91,96 Euro pro Person. Im Süden legte der Durchschnittsparer mit 121,26 Euro deutlich mehr zurück.

Foto: gms

7. Platz: Altersvorsorge

Die Altersvorsorge wird in Deutschland zu einem immer wichtigeren Thema. Immerhin 26 Prozent der Ersparnisse werden hierzulande in diesem Bereich angelegt, was der Anlageform zu einem siebten Platz in diesem Ranking verhilft.

Absolut gesehen planen die Deutschen gemäß der Studie aber zukünftig weniger zurück zu legen. Nur 11 Prozent der 1.600 Befragten gaben an, dass sie ihre Sparrate erhöhen möchten. 13 Prozent wollen ihr Verhalten nicht ändern und 13 Prozent sagten, dass sie in Zukunft weniger sparen möchten.

Foto: dpa

6. Platz: Lebensversicherung

Die Lebensversicherung schafft es in diesem Ranking auf den sechsten Platz. Mit 29 Prozent ist sie aber auch weit vom Spitzenplatz der beliebtesten Geldanlage für die Ersparnisse entfernt.

Dass die Sparquote insgesamt zurück gegangen ist, liegt vor allem an dem hohen Anteil der Menschen, die so gut wie nichts sparen. Insgesamt legten 40 Prozent der Deutschen weniger als als 50 Euro zurück.

Foto: dpa

5. Platz: Bausparvertrag

Im Mittelfeld dieses Rankings findet sich der Bausparvertrag. Die Deutschen legen 30 Prozent ihrer Ersparnisse in dieser Form an. Somit ist der Bausparvertrag deutlich beliebter als die Aktien, Fonds und das Festgeld. Auch zu den nächsten Plätzen fehlt nicht viel.

Foto: dpa

4. Platz: Bargeld

Nur ein Prozent vor dem Bausparvertrag liegt das Bargeld. Es bewahren also 31 Prozent der Deutschen ihre Ersparnisse als Bargeld auf. Die Vorstellung, dass viele Deutsche ihr Geld in einem Sparstrumpf „anlegen“ ist also weiterhin zutreffend.

Foto: dpa

3. Platz: Tagesgeld

Auf das Treppchen dieser Einordnung hat es das Tagesgeld geschafft. 34 Prozent reichten, um sich vor den anderen Geldanlagemöglichkeiten zu platzieren. Der Abstand zu den ersten beiden Plätzen ist allerdings groß.

Der Anteil des Einkommens, den Deutsche insgesamt sparten, betrug im September knapp 7 Prozent.

Foto: dpa

2. Platz: Sparbuch

Großer Beliebtheit erfreut sich immer noch das Sparbuch. Mit 51 Prozent wurde es ganz knapp Zweiter. Trotz geringer Rendite ist es also eine der häufigsten Anlageformen in Deutschland. Im Gegensatz zum Vormonat hat es allerdings zwei Prozent eingebüßt.

Foto: dpa

1. Platz: Girokonto

An der Spitze thront auch im September das Girokonto. Wie auch im Vormonat nahm es die Spitzenposition ein. 55 Prozent deutscher Ersparnisse liegen auf Girokonten. Allerdings hat auch das Girokonto – wie das Sparbuch – im Vergleich zum August ein paar Prozent verloren.

Foto: dpa

Und jetzt droht der Autoindustrie die politische Wende. Finger weg von Autoaktien?
Fischer: Warren Buffett sagt immer, denk darüber nach, wie die Firma in zehn Jahren dastehen wird. Ich habe keine Ahnung, wie die Autoindustrie dann aussehen wird.

Gebhardt: Noch wissen wir nicht genau, wie die Politik reagieren wird und was das die Branche kosten wird. Zyklisch spricht vieles gegen sie, denn ihre Margen sind auf dem Gipfel. Es besteht die Gefahr, dass die Autoindustrie, wie zuletzt die Banken, stark reguliert wird. In den Kursen steckt aber schon viel Unsicherheit. Auch bei den Zulieferern, von denen einige interessant sind.

„Wir betreten unerforschtes Terrain. Die Zentralbanken müssen den Rückwärtsgang ganz sachte einlegen“, Manuela Thies, Allianz Global Investors.

Foto: Christof Mattes für WirtschaftsWoche

Kaldemorgen: Ich lasse die Finger von Autos. Alle Digitalisierungsmodelle werden der Autoindustrie schaden. Unsere Einstellung zur Mobilität wird sich ändern. Uber etwa ist ein gefährlicher Konkurrent.

Ehrhardt: Ist der Verbrennungsmotor wirklich erledigt? Bei den Stromversorgern entwickelt sich Uniper, die Kohle- und Atomtochter von E.On, erstaunlich gut. Vielleicht ist der ganze Batterieboom viel zu teuer und die Versorgung mit Strom zu unsicher.

Fischer: Sie müssen Goldsuchern im Boom Spitzhacken verkaufen. Wenn ich nicht weiß, welcher Rohstoff gebraucht wird, ist das der defensivere Weg. Man kann jetzt Aktien von Lithiumanbietern oder von Panasonic als Batteriehersteller zu halbwegs vernünftigen Bewertungen kaufen.

Kaldemorgen: Amazon-Chef Jeff Bezos sagte mal, Unternehmen sollen nicht darauf schauen, was sich ändert, sondern darauf, was bleibt. Amazon hat verstanden, dass Kunden einkaufen wollen, aber bequemer. So bleibt auch der Wunsch nach Mobilität. Wir müssen Dienstleister suchen, die Kunden bei ihren Wünschen abholen.

Wo finde ich die?
Ehrhardt: Schauen Sie nach China. Das Wachstum der Technologiedienstleister ist phänomenal. Die entwickeln sich noch besser als die US-Konkurrenten.

... also Suchmaschine Baidu und nicht nur Alphabet, Verkaufsplattform Alibaba statt Amazon und Tencent statt Facebook?
Ehrhardt: Zum Beispiel.

Ist Chinas Konjunktur gesund?
Thies: Sie hat positiv überrascht, fast sieben Prozent Wachstum. Mit der globalen Dynamik wirkt sich das erfreulich auf Asien aus.

Kaldemorgen: Mein Enthusiasmus für China hält sich in Grenzen. Die Hälfte des Markts sind Finanz-, Öl- und Immobilienaktien. Da gibt es in Europa deutlich attraktivere.

Santander, BNP Paribas oder die Ölwerte Eni und Royal Dutch aus Ihrem Fonds?
Kaldemorgen: Der Gedanke liegt nahe. Chinesische Unternehmen, die sich weltweit behaupten, sind einen Blick wert. Aber China nur zu wählen, weil da so viele Menschen leben, ist kein gutes Anlagekonzept. Zumal es politische Risiken gibt.

Katharina Sachse

Was den perfekten Anleger ausmacht

Ist Indien das neue China?
Fischer: Wir haben einen Kollegen für ein Jahr nach Indien geschickt, damit er vor Ort für uns Aktien recherchiert. Viele sind teuer.

Gebhardt: Ich habe dort schon vor 20 Jahren Aktien für Fonds gekauft und würde immer lieber in Indien als in China investieren, weil dort die Bevölkerung jung ist. Premierminister Narendra Modis Reformen sind richtig. Allerdings ist die Infrastruktur extrem schlecht, und es gibt viele faule Bankkredite.

Privatanleger machen vermeidbare Fehler

Eine Studie der Wirtschaftsprofessoren Andreas Hackethal und Steffen Meyer für das Magazin „Finanztest“ hat knapp 40.000 Wertpapierdepots von Direktbankkunden im Zeitraum von 2005 bis 2015 ausgewertet.

Das Ergebnis zeigt, dass die Anleger weit hinter den Wertzuwächsen des Gesamtmarktes liegen. Während eine Rendite von jährlich 8,7 Prozent realistisch gewesen wäre, kommen die Anleger nur auf einen Wertzuwachs von 3,1 Prozent. Mangelnde Finanzkenntnisse müssen nicht die Ursache sein. Zu Einbußen führen meist kurzfristiges Denken, Gier und Aktionismus. Die vier gängigsten Fehler sind leicht zu beheben. Wir stellen sie vor – und entsprechende Gegenstrategien.

Das Bild zeigt die Börse von Abu Dhabi. Hier handeln Privatanleger mit größeren Beträgen als in Deutschland.

Foto: REUTERS

Fehler 1: Mangelnde Streuung - Befund

Sie ist die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Geldanlage – dennoch vernachlässigen sie viele Anleger: die Risikostreuung. Wie die Studie zeigt, streuen Anleger ihre Wertpapiere zu wenig; die Aktienkonzentration ist höher als noch vor zehn Jahren. Eines der untersuchten Depots beinhaltet heute im Schnitt zwölf Aktien.

In Santiago de Chile bedient ein Mitarbeiter der chilenischen Zentralbank eine Sicherheitstür.

Foto: REUTERS

Fehler 1: Mangelnde Streuung - Folgen

Zwischen der Streuung und dem Chance-Risiko-Verhältnis besteht laut den Autoren ein klarer Zusammenhang. Selbst die relativ breit aufgefächerten Depots reichen nicht entfernt an das Verhältnis des Weltaktienindexes MSCI World heran.

In manchen Depots befindet sich nur eine einzige Aktie. Wenn diese auch noch ein spekulativer Titel ist, unterliegt das Depot enormen Kursschwankungen.

Am 24. Oktober 1929, dem „Schwarzen Donnerstag“ kommen Menschen vor der New York Stock Exchange zusammen.

Foto: AP

Fehler 1: Mangelnde Streuung - Gegenmittel

Es ist leicht, ein breit gestreutes Depot aufzubauen: durch börsengehandelte Indexfonds (ETF). Sie beteiligen Anleger, je nach Art, an 1600 bis 2500 internationalen Aktien. Für Staatsanleihen gibt es ebenfalls ETFs.

Bestehende Depots umzubauen, ist nicht nicht ganz einfach. Anleger sollten sich von Verlustpositionen trennen. Ein Papier erst zu verkaufen, wenn es seinen einstigen Kaufpreis erreicht hat, ist irrational. Es sollten triftige Gründe für eine zu erwartende Wertsteigerung vorliegen.

Ein chinesischer Investor analysiert im August 2015 eine Kurstafel.

Foto: dpa

Fehler 2: Aktien-Picken - Befund

Der Fehler erinnert an das Muster von Sportwetten: Unerfreuliche Ergebnisse werden ausgeblendet, Erfolgserlebnisse übermäßig hochgehalten. Anleger sollten aber ausschließlich die langfristige Entwicklung des Gesamtdepots im Blick haben.

Oft suchen sie ihr Heil in einer Kombination aus Einzelaktien: Im Falle eines Missgriffs ist es eine beliebte Methode, die Position aufzustocken, um den durchschnittlichen Einstandspreis zu senken und von der erwarteten Erholung zu profitieren. Das kann jedoch auch weiteres Unheil anrichten: Das sogenannte Klumpenrisiko, eine Übergewichtung einzelner Anlagen im Depot, steigt. Private Anleger haben gegenüber Profis hier offenbar schlechtere Karten.

Das Foto vom 20. Oktober 1987 zeigt Händler in der Frankfurter Börse. Am 19. Oktober 1987 erlebte die Wall Street einen ihrer schwärzesten Tage.

Foto: dpa

Fehler 2: Aktien-Picken - Folgen

Vom Aktien-Picken betroffene Depots bringen nur 3,1 Prozent Rendite. Mit einer Indexmischung, die die durchschnittliche Vermögensaufteilung der Anleger widerspiegelt, hätten sie dagegen 8,7 Prozent erzielt.

Jeder fünfte Deutsche legt sein Geld in Fonds an. Diese werden von Fondsmanagern verwaltet, die das eingesammelte Geld in Aktien, Obligationen, Immobilien und andere Wertpapiere anlegen.

Foto: dpa

Fehler 2: Aktien-Picken - Gegenmittel

Aktien- und Renten-ETFs sind auch hier ein probates Mittel. Passionierte Zocker von einer solchen Strategie zu überzeugen, fällt manchmal schwer. Wer unbedingt eigenhändig zusammenstellen will, sollte zwingend auf eine möglichst gleichmäßige Verteilung auf die wichtigsten Branchen achten.

Die USA gelten als Nation der Aktienbesitzer.

Foto: dpa

Fehler 3: Übermäßiges Handeln - Befund

Ein typischer Anleger verändert auf Jahressicht knapp ein Viertel seines Portfolios. Die aktivsten krempeln ihr Depot zweimal im Jahr komplett um. Das bringt nichts: Die eifrigen Händler erhalten die schlechteste Rendite. Übrigens auch, wenn man die Handelskosten abzieht.

Broker stehen am 25. Oktober 1929 zu Beginn der Weltwirtschaftskrise in der New Yorker Börse. Innerhalb weniger Tage verloren Millionen Amerikaner ihr Vermögen, die Panik griff weltweit auf die Börsenplätze über.

Foto: AP

Fehler 3: Übermäßiges Handeln - Folgen

Kauf- und Verkaufskosten verringern die Rendite um annähernd ein Prozent. Dieser Wert steigt bei besonders aktiven Händlern deutlich (3,3 Prozent). Passivere kommen dagegen der Rendite des großen Index MSCI World nahe.

Händler der Investmentbank Lehman Brothers arbeiten in der New Yorker Börse am 17. Juni 2008 – drei Monate vor der Insolvenz.

Foto: dpa

Fehler 3: Übermäßiges Handeln - Gegenmittel

Wer vom Start weg auf weltweite Indexfonds setzt, hat in der Folge wenig Grund, sein Portfolio zu verändern. In schlechten Börsenzeiten muss die Verlusttoleranz allerdings strapazierfähig sein. Hektische Reaktionen machen die ausgegebene Taktik zunichte. Ein Logbuch kann helfen, die Transaktionssummen im Blick zu behalten.

Die Flamme eines Feuerzeuges beleuchtet eine Euro-Münze aus Griechenland. Wer Geduld bewahrt und sein Portfolio ausgewogen gestaltet, ist vor hohen Verlusten gefeit.

Foto: dpa

Fehler 4: Zu viel Deutschland - Befund

Die nachvollziehbare Einstellung, nur bekannte Unternehmen – also vornehmlich deutsche – ins Portfolio aufzunehmen, geht zulasten der Streuung. Während der Anteil deutscher Aktien im MSCI World drei Prozent beträgt, vertrauen in den untersuchten Depots 43 Prozent auf hiesige Aktiengesellschaften. Obwohl es leichter geworden ist, ausländische Aktien zu handeln, bleibt dieser Wert relativ konstant. Ein weiteres Problem ist die Zusammensetzung der deutschen Titel: Sie ist oft nicht repräsentativ für den Gesamtmarkt. Gängige Indizes schneiden hier besser ab.

Eine Gruppe von Menschen steht am 13. Juli 1931 vor der Darmstädter und Nationalbank (Danatbank) in Berlin. Die (im Zusammenhang mit den Turbulenzen bei Hypothekenbanken 2008 als Vergleich herangezogene) Bankenkrise von 1931 hat ihre Wurzeln in der Weltwirtschaftskrise von 1929 und dem damit verbundenen Börsencrash.

Foto: AP

Problem 4: Zu viel Deutschland - Folgen

Die Wertschwankungen steigen, das Ergebnis wird weniger berechenbar. Glück hatten die Anleger vor allem deutscher Titel vor allem dann, wenn der Markt hierzulande schlicht gut lief. Untersuchungen belegen, dass ein international ausgelegtes Portfolio ein besseres Chance-Risiko-Verhältnis verspricht.

Auch Gold, hier ein Barren aus der chilenischen Nationalbank, stellt eine beliebte Anlageform dar.

Foto: Reuters

Fehler 4: Zu viel Deutschland - Gegenmittel

Als Beimischung sind deutsche Aktien sehr gut geeignet. Einen Anteil von 20 Prozent halten die Studienautoren noch für akzeptabel. Wer nur ein geringes Vermögen anlegen will, dem sei eine Kombination aus MSCI World und Dax-ETF empfohlen. Fünf bis zehn Titel aus verschiedenen Branchen sollten es schon sein.

Ein junger Russe spielt mit unechten US-Dollarscheinen – ein Werbegag, mit dem eine Vermögensberatung auf der Millionärsmesse in Moskau finanzstarke Kunden locken wollte.

Studien-Quelle: Finanztest

Foto: dpa

Kommt uns bekannt vor. Was halten Sie von europäischen Banken?
Gebhardt: Sie erholen sich, stehen aber durch Digitalisierung und alte IT-Infrastruktur vor Herausforderungen. Der Chef der UniCredit hat gesagt, dass er vieles angestoßen habe, aber er brauche 30 Jahre, bis seine IT-Landschaft aufgeräumt sei. Das kostet. Es gibt Topbanken in Skandinavien.

Svenska Handelsbanken?
Fischer: Die sind aber auch schon teuer. Es hilft aber, dass es dort bescheidenere Manager gibt.

Kaldemorgen: Europäische Banken haben ihre Kapitaldecke verbessert, steigende Zinsen könnten weiter helfen. Aber wie ich Herrn Draghi kenne, lässt er sich noch eine Weile bitten.

Hat die EZB Europa vorangebracht?
Thies: Der Aufschwung im Euro-Raum wird von vielen Ländern getragen. Jetzt sind Reformen nötig, um die schwache Produktivität anzugehen. Die sehr lockere Geldpolitik ist kein Allheilmittel.

Die Zentralbanken haben neun Jahre mit immer neuem Geld die Kurse getrieben. Wird es an der Börse genauso heftig runtergehen, wenn sie Liquidität abschöpfen?
Thies: Das ist unerforschtes Terrain. Sie müssen den Rückwärtsgang sacht einlegen, um das Vertrauen der Anleger zu bewahren.

Gebhardt: Es war doch nicht nur das billige Geld. Die letzten zwei Jahre sind die Kurse aufgrund von Gewinnsteigerungen gestiegen. Und das kann noch so weitergehen.

Kaldemorgen: Einspruch. In den letzten fünf Jahren sind Kurse stärker gestiegen als Gewinne, also sind Aktien jetzt teurer. Wir haben, vor allem in den USA, Gewinnmargen am historisch oberen Ende. Die werden sinken, die goldenen Zeiten sind vorbei.

Und für Gold beginnen sie jetzt?

Ehrhardt: Gold finde ich gut, ein kleiner Depotanteil ist vernünftig. Bitcoin steigt, da müsste man auf Gold setzen. Beides ist ja angeblich begrenzt. Aktien sind gestiegen, Rohstoffe, Immobilien. Ich glaube nicht an eine Bankenkrise, aber Gold wird steigen.

Und Bitcoins?
Fischer: Falls sie sich durchsetzen, werden sie wegreguliert. Die Politik will die Hoheit behalten. Sie könnten das bessere Geld sein, weil sie knapp sind. Aber die aktuelle Preisentwicklung wirkt wie eine Blase.

Kaldemorgen: Kein Staat kann es sich bieten lassen, dass man Gesetze mithilfe von Cyberwährungen umgeht. Und es gibt ein technologisches Risiko, weil Standards von einer kleinen Clique gesetzt werden. Ich bezweifle, dass man Bitcoins begrenzen kann. Da gibt es dann irgendeinen Algorithmus, mit dessen Hilfe plötzlich mehr Bitcoins geschaffen werden. Ich neige zu Werten, die ich anfassen kann. Da ist mir Gold lieber.

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