Insolvenz-Prozess: Schlecker-Kinder gehen in Revision
Anton Schlecker mit seinen Kindern Meike und Lars
Foto: dpaLars und Meike Schlecker wollen ihre Verurteilung zu Gefängnisstrafen nicht widerstandslos hinnehmen. Beide haben Revision gegen die Urteile des Landgerichts Stuttgart vom Montag eingelegt, wie ein Gerichtssprecher am Dienstag bestätigte. Zuvor hatte das „Handelsblatt“ darüber berichtet. Den beiden Kindern des einstigen Drogeriemarktunternehmers Anton Schlecker werden Untreue, Insolvenzverschleppung, Bankrott und Beihilfe zum Bankrott ihres Vaters vorgeworfen. Die Stuttgarter Richter verurteilten Lars Schlecker zu zwei Jahren und neun Monaten Haft, seine Schwester zu zwei Jahren und acht Monaten.
Anders als die zweijährige Haftstrafe für ihren Vater Anton Schlecker können die Strafen der Kinder nicht zur Bewährung ausgesetzt werden.
Anton Schleckers Anwalt ist noch dabei, das Urteil gegen den 73-Jährigen zu prüfen. Auch die Staatsanwaltschaft hat noch nicht entschieden, ob sie Revision einlegen wird. Sie hat dazu eine Woche Zeit. Die Revision geht direkt zum Bundesgerichtshof in Karlsruhe.
Anton Schlecker
„Willst du den sicheren Ruin eines Unternehmens, gib ihm 30 Jahre Erfolg.“
(Aus: Die Zeit, 17.11.2005)
Foto: dpaErwin Müller (Schlecker-Konkurrent)
„Schlecker ist ein so großer Elefant, dem kann keiner wehtun.“
(Aus: Focus, 23.11.2009)
Foto: dpaMeike Schlecker
„Es ist kein signifikantes Vermögen mehr da, das dem Unternehmen hätte helfen können.“
(bei ihrer Pressekonferenz am 30.1.2012 auf die Frage nach dem Privatvermögen der Familie Schlecker, Badische Zeitung, badische-zeitung.de)
Foto: REUTERSAnton Schlecker
„Wir brauchen keinen Strategieberater.“
(Aus: Manager Magazin, im Januar 2010)
Foto: dpaUrsula von der Leyen
„Die Kreditanstalt für Wiederaufbau beim Bund würde einen Kredit geben, wenn die Länder für diesen bürgen. Ich hoffe, dass jetzt alle Bundesländer Ihren Teil zur Lösung beisteuern, denn die Schlecker Filialen gibt es in allen Bundesländern und die von Entlassung bedrohten Mitarbeiterinnen brauchen eine neue Perspektive.“
(Aus: Welt, 24.03.2012)
Foto: APSteffen Seibert
„Es gibt Gründe für eine Transfergesellschaft, und es gibt sehr gute Gründe dagegen. Diese Entscheidung oblag aber nicht der Bundesregierung, sondern sie oblag den Ländern.“
Erklärte der Regierungssprecher nach der Ablehnung einer Transfergesellschaft für die Schleckermitarbeiter aufgrund der Gegenstimmen der FDP. (Aus: FAZ, faz.net, 30.03.2012)
Foto: dpaPhilipp Rösler (Bundeswirtschaftsminister von 2011 bis 2013)
„Jetzt gilt es für die Beschäftigten – vornehmlich Frauen, einzelne Mütter und ältere Frauen – schnellstmöglich eine Anschlussverwendung selber zu finden.“
(Aus: Handelsblatt, handelsblatt.com, März 2012)
Foto: dpaGötz Werner, Gründer der Drogeriemarkt-Kette dm
„Man wird nicht dadurch stabiler, dass man wächst. Man wird nur instabiler. Stärker wird man dadurch, dass man sich verändert.“
(Aus: Handelsblatt, 1.6.2012)
Foto: dpaDirk Roßmann
„Schleckers Expansionsstrategie war mir irgendwann auch ein Rätsel. Nur auf Masse setzen, das funktioniert nicht.“
Der Schlecker-Konkurrent über die sukzessive Ausdehnung des Konzerns. (Aus: Handelsblatt, 1.6.2012)
Foto: dpaChrista Schlecker
„Mitarbeiter sind wie Möbel: wenn sie einem lästig sind, wirft man sie einfach raus.“
Zitiert von einem ehemaligen Schleckerdirektor, (Aus: Handelsblatt, 01.06.2012).
Foto: dpaLars und Meike Schlecker
„Für unseren Vater und auch für unsere Mutter, die beide gemeinsam das Unternehmen aufgebaut und geführt haben, ist ihr Lebenswerk komplett zusammengebrochen. Aber auch wir Kinder liegen oft wach und grübeln. Da gibt es kein Zurück in die Normalität, denn die Firma war für uns alle Lebensinhalt – und da ist jetzt erst einmal ein großes Nichts. Was uns alle ganz besonders schmerzt, ist, das Schicksal der vielen Schlecker-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern hier in Deutschland, in der Fläche, in der Zentrale und in allen Ländern.“
Persönliches Statement vom 22.6.2012, (Aus: tagesspiegel.de)
Foto: dpaMeike und Lars Schlecker
„Was die gesamte Darstellung unserer Vermögenslage angeht, so möchten wir richtigstellen, dass wir in den vergangenen Jahren und durch die Insolvenz ebenfalls das Allermeiste verloren haben und die kursierenden Angaben merklich über der Wirklichkeit liegen. Wir werden jedoch nicht tiefer unser Vermögen in den Medien offenlegen, da dies immer noch unsere Privatsache ist.“
Persönliches Statement vom 22.6.2012, (Aus: tagesspiegel.de)
Foto: dpaLars und Meike Schlecker
„Übertragungen insbesondere in den letzten vier, aber auch in den letzten zehn Jahren, die im Sinne des Insolvenzrechtes rückübertragen werden müssen, werden selbstverständlich diskutiert und ggf. auch rückübervergütet.“
Persönliches Statement vom 22.6.2012 zu den Vorwürfen, Anton Schlecker habe vor der Insolvenz Geld an seine Kinder überwiesen, um es vor der Insolvenz zu schützen (Aus: tagesspiegel.de).
Foto: dpaGötz Werner
„Natürlich hätte das Schlecker-Aus verhindert werden können.“
Meinte der dm-Gründer im Südkurier, (Aus: suedkurier.de 11.9.2012)
Foto: dpaAnklageschrift
„Allerspätestens Ende 2009 war Anton Schlecker klar, dass ihm die Zahlungsunfähigkeit drohte. Trotzdem schuf er mehrfach Geld beiseite und entzog es damit dem Zugriff seiner Gläubiger. Herr Schlecker war angetrieben von einem „überzogenen, rücksichtslosen und sittlich anstößigen Erwerbsinteresse“.“
Staatsanwaltschaft Stuttgart, zitiert in Die Zeit vom 9.3.2017.
Foto: dpaSchlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz
„Schlecker war – wie viele andere Patriarchen in der deutschen Wirtschaft – sicherlich beratungsresistent und hat zu spät auf die Krise seines Unternehmens reagiert.“
(Aus: WirtschaftsWoche, 23.1.2017)
Foto: dpaArndt Geiwitz
„Nach meinem Dafürhalten wurde Anton Schlecker von der Insolvenz überrascht. Er war überzeugt, dass er vom Einkaufsverbund Markant wieder ein Lieferantendarlehen bekommt. Dass dieses überraschend ausblieb, war der Anfang vom Ende.“
(Aus: Stuttgarter Nachrichten, 5.3.2017)
Foto: dapdLeni Breymaier, SPD-Landesvorsitzende in Baden-Württemberg
„Er war ein Geizhals. Er hat gedacht, wenn er spart, dann kommt er zu viel.“
(Aus der TV-Sendung „Hart aber fair“ vom 6.3.2017)
Foto: dpaStaatsanwaltschaft
„Anton Schlecker wollte frei schalten und walten. Aber wer das will, muss in der Krise auch sein Vermögen zusammenhalten.“
Staatsanwalt Christoph Buchert vor Gericht am 9.3.2017.
Foto: dpaAnton Schlecker
„Dass dieses Unternehmen wirklich kaputtgehen könnte, war für mich völlig unvorstellbar.“
(Vor Gericht am 13.3.2017)
Foto: dpaAnton Schlecker
„Ich habe die Pleite nicht kommen sehen. Ich erinnere mich nicht an Liquiditätsprobleme, die ich für nicht überwindbar gehalten hätte.“
In einer Stellungnahme als Teil seines Bankrottprozesses am 13.3.2017. (Aus: Tagesspiegel)
Foto: dpaSchleckerfrau aus Stetten
„Es kann doch nicht sein, dass die sich hier acht Anwälte leisten können. Uns haben die immer immer nur erzählt, es sei kein Geld mehr da.“
Schleckerfrau Andrea Straub am 9.3.2017 in Die Zeit.
Foto: dpaDirk Roßmann
„Anton Schlecker war über Jahrzehnte der Verführung erlegen, sich mit seinem Erfolg zu identifizieren. Seit der Insolvenz habe ich ihn und seine Familie nicht wiedergesehen.“
(Aus: Die Zeit, 16.3.2017)
Foto: dpaDirk Roßmann
„Die sich in den letzten Jahren abzeichnende Unternehmenskrise wollte er (Schlecker) lange nicht wahrhaben und verdrängte die Realität. Der Durchschnittsumsatz einer Schlecker-Filiale betrug zuletzt nur noch einen Bruchteil von dem der beiden Marktführer dm und Rossmann. Damit verschlechterte sich die Wettbewerbsfähigkeit entscheidend.“
Dirk Roßmann über Anton Schlecker in Die Zeit, 16.3.2017.
Foto: dpaArndt Geiwitz
„Die Philosophie von Anton Schlecker war immer, durch extreme Größenvorteile Preisvorteile zu erreichen. Dieser Blickwinkel war sicherlich zu einkaufsorientiert und zu wenig kundenorientiert.“
Berichtete der Insolvenzverwalter im Bankrottprozess im Juli 2017. (Aus: Rheinische Post, 18.7.2017)
Foto: dapdSchleckerfrau
„Selbst wir wussten von Läden, die keinen Umsatz bringen – das müssen die da oben doch erst recht gewusst haben!“
Anja Reichstein, Schleckerfrau, bei Cicero Online.
Foto: dpaSchlecker-Steuerdirektor
„Seit 2004 wurde operativ mehr oder weniger kein Geld mehr verdient.“
So der ehemalige Schlecker-Steuerdirektor in einer polizeilichen Vernehmung (n-tv.de vom 4.4.2017).
Foto: dpaDie Schlecker-Kinder hatten sich selbst nach Überzeugung des Landgerichts unrechtmäßig Gewinne aus der zum Schlecker-Imperium gehörenden Logistik-Firma LDG ausgezahlt - nur Tage bevor der Konzern in die Insolvenz ging.
So war die von ihnen verursachte Schadensumme letztlich höher als die ihres Vaters. Deshalb fiel das Urteil gegen Anton Schlecker milder aus.
Das Gericht war mit dem Urteil für den Firmengründer unter der Forderung der Staatsanwaltschaft geblieben, die drei Jahre Haft verlangt hatte. Für Sohn Lars Schlecker hatte die Anklage zwei Jahre und zehn Monate und damit nur geringfügig mehr gefordert, bei Tochter Meike entsprachen die Richter der Forderung der Anklagevertreter.