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US-Zölle auf Stahl und AluminiumUS-Unternehmen fürchten Zölle der EU nicht

Die EU könnte als Reaktion auf die Einfuhrzölle der USA ihrerseits hohe Abgaben auf US-Whiskey oder Harley-Davidson-Motorräder verlangen. Aber die US-Wirtschaft bleibt bei dieser Drohung ganz gelassen.Tim Rahmann 02.03.2018 - 12:41 Uhr

Setzt die Europäische Union ihre Drohung einer Reaktion um, gibt es künftig eine Strafabgabe bei der Einfuhr von Bourbon und Motorrädern made in USA.

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US-Präsident Donald Trump macht Ernst: Allen Warnungen aus dem Ausland zum Trotz hat er Einfuhrzölle auf Stahl und Aluminium beschlossen. Setzt die Europäische Union ihre Drohung einer Reaktion um, gibt es künftig eine Strafabgabe bei der Einfuhr von Bourbon und Motorrädern made in USA.

Die US-Whiskeyhersteller reagieren gelassen. Zwar seien Zölle schädlich für „die europäischen Kunden, die Gastronomie in Europa und die Produzenten in den USA“, erklärt der Lobbyverband „Destilled Spirits Council“ gegenüber der WirtschaftsWoche. Allerdings sei der Anteil von Bourbon an den Gesamtexporten nach Europa überschaubar.

Im vergangenen Jahr verkauften die US-Destillieren Hochprozentiges im Wert 789 Millionen US-Dollar in die Europäische Union. Ein Plus von 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Größter Exportschlager ist mit Abstand Whiskey – aber nicht Bourbon. Die Whiskeyvariante ist nur für 18 Prozent der Umsätze verantwortlich. Ein Grund: Jack Daniel’s, der mit Abstand meist verkaufte US-Whiskey in Europa, erfüllt zwar alle Kriterien eines Bourbon, wird aber nicht als solcher, sondern als „Tennessee Whiskey“, verkauft.

Angela Merkel (CDU), Bundeskanzlerin

Die Bundeskanzlerin hat die angekündigten Strafzölle kritisiert. „Die Bundesregierung lehnt solche Zölle ab“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin. Das Problem der weltweiten Überkapazitäten in diesen Bereichen lasse sich so nicht lösen. Man stehe hinter der EU-Kommission, die bereits Vergeltungsmaßnahmen angekündigt hat. Ein „Handelskrieg“ könne „in überhaupt niemandes Interesse sein“, betonte Seibert, auch nicht in dem der USA.

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Sebastian Kurz (ÖVP), österreichische Bundeskanzler

Der österreichische Kanzler dringt auf „harte Gegenmaßnahmen“ der Europäischen Union (EU). „Ich erwarte eine selbstbewusste Antwort der EU auf die von Trump angekündigten Maßnahmen“, erklärte Kurz nach Angaben der Nachrichtenagentur APA. Die Strafzoll-Ankündigung sei „ein absolut falsches Signal“. Kurz verwies darauf, dass sich Strafzölle negativ auf das Wirtschaftswachstum beider Partner auswirken würden und einen Handelskrieg auslösen könnten. Europa habe eine starke Wirtschaft und müsse „eine starke sowie selbstbewusste Rolle einnehmen“.

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Sigmar Gabriel (SPD), Bundesaußenminister

Der Außenminister fordert eine entschlossene Antwort der EU: „Daran sollte in Washington kein Zweifel bestehen“, sagte Gabriel. Deutsche und europäische Unternehmen betrieben kein Dumping. Er sehe die Entwicklung mit „größter Sorge“, so Gabriel. „Ein solcher weltweiter US-Rundumschlag würde gerade unsere Exporte und Arbeitsplätze mit am stärksten betreffen.“ Es seien Tausende Arbeitsplätze in Europa gefährdet. Die Begründung der USA mit nationalen Sicherheitsinteressen sei „insbesondere gegenüber EU- und Nato-Partnern überhaupt nicht nachvollziehbar“.

„Diese drohende schwere handelspolitische Auseinandersetzung zwischen den USA und Europa ist weder im Interesse Europas noch der USA“, erklärte Gabriel. Wenn zwei sich stritten, profitiere der Dritte. „Deshalb hoffe ich, dass Präsident Trump seine Ankündigung noch einmal überdenkt. Wir müssen alles dafür tun, einen internationalen Handelskonflikt zu vermeiden.“

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Jean-Claude Juncker, EU-Kommissionspräsident

„Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie unsere Industrie durch unfaire Maßnahmen getroffen wird, die Tausende europäische Arbeitsplätze gefährden.“ Der EU-Kommissionspräsident zweifelte die US-Begründung an, die Zölle dienten der nationalen Sicherheit. „Dies scheint eine unverhohlene Intervention zum Schutz der eigenen Industrie zu sein.“

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Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl

„Die USA bauen eine Zollschranke auf, mit der sie sich gegen Stahlimporte aus aller Welt abschotten. Diese Maßnahme verstößt eindeutig gegen Regeln der Welthandelsorganisation WTO“, sagte der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl. Er befürchtet, dass Exporteure den offenen EU-Markt überschwemmen könnten, um die Zölle in den USA zu vermeiden.

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Brigitte Zypries (SPD), Bundeswirtschaftsministerin

„Es ist nicht nachvollziehbar, dass europäische oder gar deutsche Stahlimporte die nationale Sicherheit der USA gefährden könnten“, erklärte die SPD-Politikerin. „Jemand, der so viel von fairem Handel spricht, wie Präsident Trump, sollte nicht zu solch unfairen Mitteln greifen.“ Zypries sagte, die flächendeckende Verhängung der Zölle würde „Verwerfungen im Welthandel“ auslösen. „Sollte Trump seinen Worten Taten folgen lassen, wird Europa entsprechend antworten.“

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Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK)

Laut dem Geschäftsführer der DIHK besteht die Gefahr, dass andere Länder folgen und das gesamte Welthandelssystem „zum Nachteil aller weiter aushöhlen“. Für Wansleben ist klar. „Die Zölle erschweren den Marktzugang in die USA und führen letztlich auch zu höheren Preisen beim US-Verbraucher“, sagte er. „Gerade die hoch-internationalisierte deutsche Wirtschaft ist auf offene Märkte und ein funktionierendes Welthandelssystem angewiesen.“

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Toyota

Der Automobilhersteller warnt vor höheren Autopreisen in den USA. Die Entscheidung werde die Autobauer, die Autozulieferbranche und die Verbraucher benachteiligen. Durch die höheren Produktionskosten würden auch die Preise steigen. 90 Prozent des benötigten Stahls und Aluminiums für in den USA produzierte Fahrzeuge kämen allerdings auch aus dem Land, ergänzte der japanische Autobauer.

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Chrystia Freeland, kanadische Außenministerin

Kanada wird „mit Maßnahmen reagieren, um seine Handelsinteressen und seine Arbeiter zu schützen“, sagte die Außenministerin. Strafzölle seien „absolut inakzeptabel“, hieß es aus Ottawa. Chrystia Freeland zufolge haben die USA beim Stahlhandel mit Kanada einen Handelsüberschuss von rund zwei Milliarden kanadischen Dollar (1,3 Milliarden Euro). „Kanada kauft mehr amerikanischen Stahl als jedes andere Land der Welt, was mehr als die Hälfte der US-Exporte ausmacht“.

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Wolfgang Eder, Chef von Voestalpine

„Die möglichen Konsequenzen auf die globalen Märkte und den Freihandel sind aufgrund der Komplexität der globalen Wirtschaftsstrukturen nicht ohne weiteres abschätzbar“, sagte der Chef des österreichischer Stahlkonzerns. „Voestalpine wird die Auswirkungen auf ihr Geschäft in den USA beziehungsweise auf ihre Beziehungen mit den USA prüfen und in der Folge eine entsprechende Vorgehensweise definieren.“

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Cecilia Malmström, EU-Handelskommissarin

"Die EU reagiert auf Trumps Ankündigungen und diskutiert Maßnahmen wie eine Einschaltung der Welthandelsorganisation WTO, Schutzmechanismen und mögliche Vergeltung."

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Dieter Kempf, BDI-Präsident

"US-Präsident Donald Trump riskiert weltweite Handelskonflikte und eine Spirale des Protektionismus, die am Ende auch amerikanische Jobs kosten werden", sagte Kempf. Der Verband unterstütze die EU dabei, angemessene Antworten zu geben. "Es gibt Wege, auf Basis der bewährten Regeln der Welthandelsorganisation WTO zu reagieren." Es gelte aber auch "einen kühlen Kopf" zu bewahren, um eine weitere Eskalation nicht zusätzlich zu befeuern.

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Brüssel hoffte bislang, mit drohenden Zöllen US-Unternehmen und -Regierung gegeneinander aufzuwiegeln. So wurden bewusst Produkte aus konservativ regierten Bundesstaaten – Bourbon aus Kentucky, Motorräder aus Wisconsin – für einen Gegenschlag auf Stahlimporte auserkoren. Das Kalkül wird nicht aufgehen, betonen Verband und Whiskeyhersteller. Zu wichtig seien die Absätze auf dem viel größeren Heimatmarkt und folglich gute Beziehungen zur dortigen Politik.

Die zahlten sich zuletzt aus: Von der US-Steuerreform profitieren die heimischen Alkoholproduzenten ebenso, wie von Lockerungen beim Alkoholverkauf an Sonntagen und Werbung rund um NFL-Spiele. „Wir sind sehr zufrieden mit dem politischen Umfeld in den USA“, sagt ein Manager einer Whiskeybrennerei in Kentucky. Etwaige Zölle aus Europa könnten die Stimmung nicht trüben. Der Wunsch der EU, einen Keil zwischen den Produzenten und der US-Regierung zu treiben, sei „utopisch“.

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