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Personalumbau im FluggeschäftLufthansa will großen Teil des Personals ersetzen

Ein Personalumbau soll für frischen Wind bei der Lufthansa sorgen und das bislang konservative Fluggeschäft der Marke innovativer machen. Tausende Stellen könnten von der Umstrukturierung betroffen sein.Rüdiger Kiani-Kreß 19.04.2018 - 16:34 Uhr aktualisiert

Die Lufthansa braucht frischen Wind, glaubt Konzernchef Spohr. Bringen soll den ein Personalumbau.

Foto: REUTERS

Wer Lufthansa-Chef Carsten Spohr nach seinem Zukunftsplan für das Unternehmen fragt, hört meist: mehr Innovation, mehr Digitalisierung. Um dieses Ziel zu erreichen, hat der 50-Jährige in den vergangenen Jahren bereits ein ganzes Bündel von Maßnahmen angestoßen. Nur beim Personal blieb bislang fast alles beim Alten. Das soll sich nun ändern. 

Nach Informationen der WirtschaftsWoche will Spohr einen großen Teil des Personals austauschen. Im Fluggeschäft unter der Marke Lufthansa sollen mehrere Tausend der fast 34.000 Beschäftigten ersetzen werden. Betroffen seien 3200 Verwaltungs-Mitarbeiter bei der Kernmarke, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Statt ausschließlich auf Mitarbeiter mit traditioneller Airline-Kompetenzen sollen Branchenfremde mit Kenntnissen zu Themen wie Digitalisierung, Innovation und Markenmanagement zum Zuge kommen. 

Arbeitsdirektorin Bettina Volkens stellte ein entsprechendes Programm in der vergangenen Woche auf einer Führungskräftetagung vor. Das bestätigte ein Konzernsprecher der WirtschaftsWoche. Das Programm soll Mitarbeiter mithilfe „attraktiver Angebote“ zum Ausscheiden ermuntern, so der Sprecher. „Es handelt sich aber ausdrücklich nicht um Kündigungen, sondern um ein rein freiwilliges Programm. Details wollen wir bald mit der Belegschaft klären.“

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Das Personalprogramm soll die Lufthansa aus ihrem digitalen Dilemma befreien. Europas größte Fluglinie braucht angesichts der wachsenden Konkurrenz durch agilere Billigflieger mehr Vordenker, die ihr Geschäft schneller und effizienter machen. Aus Sicht von Lufthansa-Chef Spohr kann die Linie auf Dauer nur überleben, wenn sie einen grundlegenden Kulturwandel schafft. Derzeit geht die Neuorientierung aber nicht so schnell wie Spohr will. Vielen Mitarbeitern fallen die Veränderungen schwer, heißt es aus dem Konzern. Das gilt besonders im Kerngeschäft der Marke Lufthansa. Das arbeitet im Vergleich zur Wartungstochter und der Billigtochter Eurowings noch relativ konservativ. 

Skepsis in Gewerkschaftskreisen

Den einfachsten Weg, reichlich digital denkende Neulinge einzustellen, kann Spohr derzeit nicht gehen. Ein umfangreicher Stellenaufbau ist angesichts der Konkurrenz durch Linien mit niedrigeren Kosten wie Emirates aus Dubai kaum möglich. Und durch die normale Fluktuation von gut 1000 Angestellten pro Jahr beim Fluggeschäft werden nicht genug Stellen für Neulinge frei. 

Daher versucht es Spohr mit freiwilligen Ausstiegen. Auch wenn die Details nicht feststehen, ist klar, dass bald viele Lufthansa-Mitarbeiter Angebote zur beruflichen Veränderung erhalten werden. Teilnehmer der Veranstaltung in der vorigen Woche berichten zudem von Andeutungen des Managements, rund zwei Drittel aller Führungskräfte hätten derzeit nicht die nötige Digitalkompetenz. Diese Zahl will die Lufthansa allerdings nicht bestätigen.

Von den Gewerkschaften gibt es zu den Umbau-Plänen bislang keine Reaktion. Auf Anfrage war das Austauschprogramm zumindest bei Verdi noch nicht offiziell bekannt.

Gewerkschaftskreise stehen dem Plan skeptisch gegenüber. Nach den vielen bisherigen Veränderungen besonders beim Umbau des Europaflugverkehrs vermuten sie, dass der Personalwechsel auch die Arbeitskosten drücken soll. Die meist jüngeren Neulinge würden im Schnitt wohl weniger verdienen als altgediente Lufthanseaten.

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Die größten Fluggesellschaften Europas
Die Statistik zeigt die zehn größten Fluggesellschaften Europas nach Passagierkilometern im Jahr 2016. Passagierkilometer sind eine Maßeinheit für die Beförderungsleistung der Fluggesellschaften. Berechnet werden sie als Produkt der Anzahl an Passagieren und der zurückgelegten Entfernung. Quelle: Airline Business/StatistaStand: 2017
Fluggesellschaft: LufthansaVerkaufte Passagierkilometer: 162,17 Mrd.
Fluggesellschaft: British AirwaysVerkaufte Passagierkilometer: 142,02 Mrd.
Fluggesellschaft: Air FranceVerkaufte Passagierkilometer: 141,21 Mrd.
Fluggesellschaft: RyanairVerkaufte Passagierkilometer: 130,59 Mrd.
Fluggesellschaft: Turkish AirlinesVerkaufte Passagierkilometer: 119,37 Mrd.
Fluggesellschaft: KLMVerkaufte Passagierkilometer: 93,23 Mrd.
Fluggesellschaft: EasyjetVerkaufte Passagierkilometer: 77,62 Mrd.
Fluggesellschaft: AeroflotVerkaufte Passagierkilometer: 74,12 Mrd.
Fluggesellschaft: IberiaVerkaufte Passagierkilometer: 48,56 Mrd.
Fluggesellschaft: Air BerlinVerkaufte Passagierkilometer: 47,01 Mrd.

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