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Neue Technik gegen MückensticheMit Blitz und Donner gegen Stechmücken

Ob mit Elektronik oder per Chemie – der Kampf gegen Mücken und ihre Stiche ist ein Geschäft, in das immer mehr Unternehmen drängen. Mit welchen technischen Neuerungen sie Jagd auf die Plagegeister machen.Thomas Stölzel 02.08.2019 - 18:37 Uhr

Zahlreiche Innovationen beschäftigen sich mit der Vermeidung und Behandlung von Mückenstichen

Foto: imago images

Ihr Summen raubt einem den Schlaf – und haben sie ihr Opfer erst einmal aufgespürt, anhand der ausgeatmeten Luft beispielsweise oder am Körpergeruch, gibt es kaum ein Entkommen. Mit ihren Stechborsten durchsägen sie die Haut bis zur nächsten Ader, mit einem Rüssel pumpen sie Speichel in die Wunde, damit das Blut des Opfers nicht gerinnt. Dann saugen sie es ab. Und wenig später beginnt der Stich zu jucken.

Mücken sind eine Plage, Mücken sind Überträger von Krankheiten - und sie sind ein Geschäft für große Konzerne und kleine Start-ups.

Ein Start-up, das mit den summenden Plagegeistern Geld verdient, ist Heat_it. Das Unternehmen aus der Nähe von Mannheim hat ein winziges Gerät entwickelt, mit dem sich der Juckreiz und die Schwellung nach einem Mückenstich lindern lassen. Ans Smartphone und dessen Akku angeschlossen, hält man das Gerät einfach auf die juckende Stelle. Die abgegebene Wärme sorgt dafür, dass weniger Histamine ausgeschüttet werden, die für den Juckreiz sorgen. Zugleich führt der kurze Schmerz dazu, dass das Gehirn den Juckreiz kaum noch wahrnimmt. Und die Hitze soll das Eiweißgift aus dem Speichel der Mücke zersetzen.

Ähnliche Geräte, bei denen der Benutzer allerdings regelmäßig die Batterie aufladen muss und die deutlich klobiger daher kommen, sind schon seit einer Weile im Handel, bei den gängigen Drogerieketten etwa gibt es sie.

In Deutschland können Mücken zwar lästig sein, sogar betriebswirtschaftliche Probleme bereiten, wie Gastronomen am bayerischen Ammersee dieses Jahr erleben müssen. Dort mussten Anwohner und Touristen nach 15 Uhr aus dem Freien flüchten, weil die Mücken regelrecht über sie her fielen. Aber zumindest übertragen sie hierzulande nur selten schwerwiegende Krankheiten. Anders als in den Malariagebieten dieser Welt.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat vor zwei Jahren erstmals seit Jahrzehnten ein neues Anti-Mücken-Produkt empfohlen, etwa zu Anwendung in Zentralafrika und Südostasien. Ein mit dem Wirkstoff Chlorfenapyr getränktes Moskitonetz des Ludwigshafener Konzerns BASF.

Alte Ideen, verbesserte Anwendung

Das Unternehmen hatte dieses zusammen mit der Londoner Hygiene- und Tropenmedizinhochschule und dem Innovative Vector Control Consortium, einer Organisation zur Bekämpfung von Malaria, entwickelt. Der Wirkstoff ist nicht neu, er wird seit Jahren in der Landwirtschaft als Insektizid eingesetzt. Nun aber haben die Wissenschaftler ihn so verändert, dass er auch auf den Netzen einsetzbar ist.

Der Wirkstoff stört die Fähigkeit der Insekten, Energie zu erzeugen. Dadurch stirbt es, wenn es sich auf das Netz gesetzt hat. Es gilt zudem als unwahrscheinlicher, dass die Insekten resistent gegen das Mittel werden. Basierend auf dem Wirkstoff hat BASF inzwischen auch ein Spray entwickelt, das sich auf Wände und Decken aufbringen lässt.

Etwas weniger martialisch gegen Mücken wirkt ein Mittel, das der Kölner Chemiekonzern Lanxess im Programm hat. Lanxess stellt weltweit exklusiv den Wirkstoff Icaridin her, der heute in den meisten Mückensprays steckt, beispielsweise in Autan, das vom US-Hersteller SC Johnson vertrieben wird.

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Icaridin macht Menschen für die Mücke praktisch unriechbar, indem das Mittel deren Geruchsrezeptoren verwirrt. So findet das Tier sein Opfer deutlich schwerer, das Risiko eines Mückenstiches sinkt. Allerdings orientieren sich Mücken auch mit den Augen. Da helfen die Mittel wenig.

Analysten von Zion Market Research erwarten trotzdem, dass der weltweite Markt von Mitteln, die einem Mücken vom Leib halten, bis 2022 auf rund fünf Milliarden Dollar wachsen wird. Ausbrüche wie der des Zika-Virus in Südamerika würden die Entwicklung treiben, erwarten sie.

Und auch Elektronik soll die Insekten verjagen, so der Plan des Zürcher Start-ups Nopixglobal. Sein Armband Nopixgo sendet elektromagnetische Impulse aus, die für den Menschen unbedenklich sind und ein Unwetter mit Blitz und Donner simulieren. Das mögen Mücken gar nicht. Selbst an Gewässern verjage das Armband, das etwa 90 Euro kostet, stechfreudige Tiere, berichtet ein Hobbyangler auf Youtube, der es ausführlich getestet hat.

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