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SPDZerreißprobe voraus

Die SPD hat in erster Runde abgestimmt: Es wurde ein Favoritensieg – einerseits. Andererseits: Der Richtungsstreit ist nur vertagt. Das Ende der Regierung bleibt möglich.KOMMENTAR von Max Haerder 27.10.2019 - 07:50 Uhr

Die Kandidatenpaare Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken sowie Olaf Scholz und Klara Geywitz gratulieren einander zum Einzug in die Stichwahl während der Bekanntgabe des Ergebnisses des Mitgliedervotums zum Parteivorsitz der SPD.

Foto: dpa

Die Partei, die in der Vergangenheit für so einige Überraschungen gut war, hat ausgesprochen unüberraschend abgestimmt: Die Favoritenduos im Kampf um die SPD-Spitze haben sich durchgesetzt. Nicht besonders überzeugend, nicht glorreich, aber immerhin: Olaf Scholz und Klara Geywitz sowie Norbert Walter-Borjans mit Saskia Esken gehen in die Stichwahl.

Damit haben sich die größte Erfahrung und die bekanntesten Namen (Scholz und Walter-Borjans) als wahlentscheidend erwiesen.

So weit, so Routine.

Doch was nun folgen wird, ist eine innerparteiliche Zerreißprobe: Wer als Genosse die SPD auf Regierungskurs halten will, auf einem Kurs ohne Firlefanz und allzu viel linke Folklore, wird seine Stimme dem Merkelisten, Vizekanzler und Finanzminister Scholz geben.

Wer hingegen nichts sehnlicher möchte, als dass endlich alles anders wird (wenn schon nicht besser ...), macht sein Kreuz beim Steuer-CD-Robin Hood „NoWaBo“.

Wenn man die zahlreichen Stimmen für die unterlegenen Paare zur Prognose der Stichwahl lose auf die beiden verbleibenden Lager verteilt, deutet sich zudem ein heikles Szenario an: Weder Scholz/Geywitz noch Walter-Borjans/Esken werden als triumphale Sieger hervorgehen können. Zu stark ist die Partei gespalten in pragmatischen Gestaltungswillen und Oppositionssehnsucht.

Weiter-so gegen Bis-hierhin-und-nicht-weiter.

Die Polarisierung wird damit nicht aufgelöst, die Partei nicht versöhnt, der Dualismus nur zementiert. All das verheißt nichts Gutes für die große Koalition. Denn was Weiter-so bedeutet, haben die Genossen seit Anfang 2018 ja erlebt: nur noch mehr Depression.

Was Walter-Borjans und Esken dagegen anbieten können, ist kaum zu schlagen: eine Resthoffnung auf Genesung im Bad der reinen Lehre. Prosaischer ausgedrückt: Wunden lecken in der Opposition.

Mehr zum Thema: Die SPD sucht eine neue Spitze. Die erste Runde der Wahl ist beendet. Aber was will die Partei künftig sein? Doch noch mehr als eine zweite Linkspartei?

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