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  4. Crowdinvesting: Aktuelle grüne Investmentprojekte sind 2022 im Trend und versprechen Rendite. Über Vorteile, Nachteile und Risiken.

CrowdinvestingGrüne Rendite – oder das Geld ist weg

Spezielle Plattformen bringen ethisch orientierte Anleger und Initiatoren nachhaltiger Projekte zusammen. Grüne Schwarminvestments wirken attraktiv – doch sie bergen hohe Risiken.Julia Groth 12.04.2022 - 11:24 Uhr
Foto: imago images

„Klimafreundlich Rendite erzielen“ – wer will das nicht? Die Good Taste! – Green Investments GmbH hatte einen klugen Verkaufsslogan gewählt. Auf der noch jungen Crowdinvesting-Plattform Ecozins wollte das Unternehmen Anlegergeld einsammeln, um eine Plantage zu kaufen. Darauf wachsen laut der immer noch abrufbaren Projektbeschreibung „sortengeschützte Kiri-Bäume vom Typ Kiri Maximus, die bereits über zwei Jahre alt sind und schon tolle Wachstumsergebnisse aufzeigen“. Die Bäume mit der „unvergleichlichen Ökobilanz“ sollten, wenn sie mit zirka zehn Jahren ausgewachsen sind, gefällt und an die holzverarbeitende Industrie verkauft werden.

Für Anleger sollte bei dem Baum-Deal einiges herausspringen: Eine Verzinsung ihres Kapitals von mindestens fünf Prozent pro Jahr, je nach Erfolg des Projekts sogar bis zu sieben Prozent. Allein: Aus dem Geschäft wurde nichts. Das Projekt blieb hinter der Fundingschwelle von 100.000 Euro zurück, der Initiator musste das bis dahin eingesammelte Geld zurückzahlen.

Dieses Ergebnis war für Anleger womöglich nicht das schlechteste. Denn das nachhaltige Baum-Investment ging mit einem hohen Verlustrisiko einher: Wäre das Projekt schiefgegangen, hätten Crowd-Anleger erst nach allen anderen Gläubigern ihr Geld zurückbekommen – wenn dann noch etwas übrig gewesen wäre.

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Schwarminvestments sind ein kleiner, aber wachsender Markt. Anleger und Projektinitiatoren finden dabei über spezielle Plattformen, die als Mittler dienen, zusammen. Nach Zahlen des Infoportals Crowdinvesting.de wurden in Deutschland im Jahr 2015 Crowdinvesting-Projekte mit einem Volumen von insgesamt 68,1 Millionen Euro finanziert. Im Jahr 2020 waren es 327,8 Millionen Euro. Zahlen für das vergangene Jahr liegen noch nicht vor. Eine Marktanalyse von Statista prognostiziert dem Sektor weiteres Wachstum im laufenden Jahr und darüber hinaus.

Immobilienprojekte haben den größten Anteil an Schwarminvestments. Doch immer mehr Plattformen und Projektinitiatoren sprechen statt Immobilieninvestoren Anleger an, die ökologisch oder sozial korrekt investieren wollen. Die sollen mit ihrem Geld Ladesäulen finanzieren, Second-Hand-Modehändlern unter die Arme greifen oder in die Produktion besonders leichter E-Bikes investieren. Die in Aussicht gestellte Rendite: meist fünf, sechs oder sieben Prozent pro Jahr.

Grüne Crowdinvestments passen gut in die aktuelle Zeit. Immer mehr Anlegerinnen und Anleger wollen mit gutem Gewissen investieren, und bei den vielen unterschiedlichen Crowd-Projekten ist für jeden etwas dabei. Die Mindestanlagesumme liegt meist im niedrigen vierstelligen Bereich, manchmal sogar deutlich darunter. So können sich auch Kleinanleger den Einstieg leisten.

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Die Risiken von Schwarminvestments sind allerdings enorm. Der größte Haken ist die Rechtsform, in der sie getätigt werden. In Juristendeutsch klingen Crowd-Investments deutlich weniger sexy: Es handelt sich dabei in der Regel um Nachrangdarlehen mit qualifiziertem Rangrücktritt oder partiarische Nachrangdarlehen. Die Produkte werden dem wenig regulierten grauen Kapitalmarkt zugerechnet. „Vielen Anlegern ist nicht klar, dass sie damit ein Totalverlustrisiko eingehen“, sagt Brigitte Mayer von der Verbraucherzentrale Hessen. Denn wie das Wort Nachrangdarlehen andeutet: Besitzer dieser Schuldscheine werden im Pleitefall nachrangig bedient, meist nach allen anderen Gläubigern.

Schadenssummen: Die Masse macht's

Große Skandale wurden bei Crowdinvestments bislang zwar nur wenige bekannt. Einer der größten waren ein Betrugsfall und weitere Probleme beim Hamburger Vorzeige-Fintech Exporo, das Geld von Immobilienanlegern einsammelt. Projektpleiten seien aber gar nicht so selten, sagt Mayer. „Davon hört man in der Öffentlichkeit nicht viel, auch wenn der Gesamtschaden groß sein kann. Denn der Schaden für die einzelnen Anleger ist meist relativ klein.“ Der Grund: Qua Gesetz dürfen Anleger nicht mehr als 10.000 Euro in einzelne Crowdinvesting-Projekte stecken. Der Gesetzgeber will Kleinanleger mit dieser Obergrenze schützen. Doch je nach Vermögenslage können auch Verluste im vierstelligen Bereich empfindlich schmerzen.

Wer trotz der Risiken im Schwarm investieren will, sollte sich dabei an etablierte Plattformen halten, die Projekte prüfen, ehe sie die Initiatoren zum Geldsammeln autorisieren. Der Fall Exporo zeigt zwar, dass solche Vorsichtsmaßnahmen keinen Schutz vor Betrug oder überhöhten Renditeversprechen garantieren. Exporo war und ist eines der größten deutschen Crowdinvesting-Fintechs. Mehr als die Rahmenbedingungen gründlich zu überprüfen, können Anleger aber kaum tun. Der Rest ist Glück.

Zu den ältesten Crowdinvesting-Plattformen im Öko-Bereich gehört Bettervest, gegründet 2012. Unternehmen können sich über das Portal Kapital für Projekte aus dem Bereich der erneuerbaren Energien besorgen. Momentan läuft etwa das Funding für den Bau von Solaranlagen für Unternehmen in Kenia.

Auch Projekte über Bettervest gingen allerdings schon schief. So meldete im Jahr 2014 eine Druckerei Insolvenz an, die sich unter anderem über diese Plattform Geld von Anlegern geliehen hatte, um sich eine Solaranlage aufs Dach zu setzen. Anleger hatten zwischen 50 und 12.500 Euro investiert – und mussten ihr Geld größtenteils abschreiben.

Weitere etablierte Plattformen mit einem Fokus auf nachhaltigen Projekten sind etwa Green Rocket, LeihDeinerUmweltGeld und Wiwin. Ebenso wie Bettervest versprechen auch sie, Projekte sorgfältig zu prüfen – können aber keine Garantie abgeben, dass ein erfolgreich finanziertes Projekt auch langfristig Rendite erwirtschaftet.

Insgesamt gibt das Portal Crowdinvesting.de an, dass nach aktuellem Stand knapp drei Prozent der von deutschen Anlegern schwarmfinanzierten Projekte ausgefallen sind oder auszufallen drohen. Je nach Segment und Plattform kann die Ausfallquote aber auch deutlich höher liegen. Anleger, die die in Aussicht gestellten Renditen diverser grüner Investments vergleichen, sollten auch solche Risikokennzahlen im Blick haben.

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