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Umstrittenes Embargo„Russisches Öl dürfte vermehrt nach Indien und China wandern“

Die EU steht kurz vor einem Ölembargo gegen Russland. Was bedeutet das für den Ölpreis in den kommenden Monaten?Bert Losse 02.05.2022 - 11:13 Uhr

Hochfackel an der Shell Rheinland Raffinerie

Foto: imago images

Ulrich Leuchtmann ist Chef-Rohstoffanalyst der Commerzbank in Frankfurt.

WirtschaftsWoche: Herr Leuchtmann, die EU steht kurz vor einem Ölembargo gegen Russland. Würde der Importstopp den Ölpreis weiter hochtreiben?
Ulrich Leuchtmann: Ja, aber nur kurzfristig. Ich glaube, der Markt wird zunächst überschießen, sich dann aber relativ schnell wieder beruhigen.

Warum?
Öl lässt sich substituieren. Der Ölmarkt ist global und flexibel, er kann sich bei einem Ölembargo des Westens neu auspendeln. Da sich große Ölverbraucher wie Indien und China an einem Ölboykott wohl nicht beteiligen, dürften vermehrt russische Ölexporte dorthin wandern – und zwar mit einem massiven Preisabschlag. Dadurch werden bei den bisherigen Lieferanten Indiens und Chinas natürlich Lieferkapazitäten für den Westen frei. Das alles dauert seine Zeit, weil Lieferverträge oft längerfristig laufen, Lieferwege neu justiert werden müssen und man mehr Tankerkapazitäten braucht. Aber alles in allem ist ein Ölembargo gegen Russland – anders als beim Gas – für Deutschland logistisch und ökonomisch besser verkraftbar als ein Stopp der Gasimporte.

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Am 5. Mai findet die nächste Sitzung der Opec statt. Wird das Kartell unter dem hohen Druck des Westens seine Fördermengen stärker als geplant anheben?
Da bin ich skeptisch. Die Opec stellt sich gerade stur. Ich finde das überraschend, denn so hohe Ölpreise wie gerade können nicht im Sinne Saudi-Arabiens sein, das in der Opec den Ton angibt. Je höher der Preis, umso schneller kommt der Ausstieg aus fossilen Energien. Ökonomisch ist der Verzicht auf höhere Fördermengen für die Ölstaaten ein Eigentor.

Konkret: Wo sehen Sie den Ölpreis in den kommenden Monaten?
Es gab zuletzt stabilisierende Faktoren, etwa die Freigabe von strategischen Reserven durch die USA und die Internationale Energieagentur. Der Ölpreis dürfte wegen der steigenden Zinsen und der abflauenden Weltkonjunktur spätestens in der zweiten Jahreshälfte wieder unter 100 Dollar fallen. Zum Jahresende sehe ich ihn bei etwa 90 Dollar. Wenn es in großen Wirtschaftsräumen wie den USA und Europa zu einer Rezession kommt, ist auch ein Niveau deutlich darunter vorstellbar.

Nicht nur der Energiemarkt ist angespannt, auch bei anderen Rohstoffen fahren die Preise gerade Achterbahn. Liegt das nur am Ukraine-Krieg?
Nicht nur. Der Markt ist wegen der coronabedingten Lieferkettenprobleme ohnehin angespannt. Und jetzt kommen noch Konjunktursorgen und Zinserhöhungen der Notenbanken hinzu. Aber klar, auch Krieg spielt eine große Rolle für die Unruhe an den Rohstoffmärkten. Die höchsten Preisausschläge der vergangenen Monate sehen wir bei Kohle und Nickel – also bei zwei Rohstoffen, für die Russland ein wichtiger Lieferant ist. Der Preis für Nickel, das man unter anderem im Fahrzeugbau und in der Batterieproduktion braucht, hat sich gegenüber dem Vorjahr nahezu verdoppelt.

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Anders als Kohle ist Nickel aber nicht vom Westen sanktioniert. Wieso steigt der Preis trotzdem?
Wir erleben in der Wirtschaft gerade das Phänomen der Selbstsanktionierung: Obwohl sie es rechtlich dürften, wollen viele Unternehmen nicht mehr bei Russland einkaufen. Beim Öl ist es ähnlich.

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