Neun-Euro-Ticket: Das Neun-Euro-Experiment wird scheitern

Mit dem neuen Monatsticket können Fahrgäste im Juni, Juli und August für jeweils 9 Euro bundesweit im öffentlichen Nah- und Regionalverkehr fahren.
Foto: dpaWas war das für eine coole Tour 1995. Das Schönes-Wochenende-Ticket hat mich und vier Freunde an einem Sommersamstagmorgen von Düsseldorf nach Hamburg gebracht – und nach einer durchzechten Nacht am Sonntagfrüh wieder zurück. 15 Mark für fünf Leute, also drei Mark pro Person. Regionalexpress, ein paar Umstiege – Hamburg, wir kommen. Es war zwar voll in den Zügen. Aber was soll’s. Die Reise hat sich gelohnt.
So dürfte es auch ab dem 1. Juni zugehen, wenn die Menschen für neun Euro in S- und Regiobahnen steigen. Aber das Experiment wird scheitern. Die Züge im Nahverkehr werden nicht nur voll, sondern viel zu oft zu spät kommen.
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Die gut gemeinte Idee, allen im Land das Reisen mit dem Zug schmackhaft zu machen, wird am Zustand der Deutschen Bahn zerschellen. Aus dem notorisch unterfinanzierten Netz ist ein notorisch überfinanziertes Netz geworden.
Es gibt schlicht zu viele Baustellen. Kapazitätsausbau oder Pünktlichkeit – das ist der Trade-off des Jahres für die Deutsche Bahn. Der Konzern hat sich für den Kapazitätsausbau entschieden. Mit Blick auf die Zukunft ist das richtig. Aber dieser Sommer wird hart für alle Bahnreisenden. Das Gute: Die Erwartungshaltung ist niedrig – es kann nur besser werden.
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