Energiekrise: Habeck will sparen, die Länder saunieren
Der Staat lässt in der Krise schwitzen: Viele Saunen im Eigentum der Länder und Kommunen bleiben vorerst offen.
Foto: dpa19 Grad Raumtemperatur. Damit werden sich Beamte des rheinland-pfälzischen Finanzministeriums diesen Herbst und Winter begnügen müssen. Denn Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat per Verordnung alle Behörden zum Energiesparen verdonnert. Die Rathäuser und Landratsämter Deutschlands müsse ihre Heizungen seit dem 1. September herunterdrehen.
Doch während es die rheinland-pfälzische Finanzministerin Doris Ahnen (SPD) beim Aktenstudium im Ministerium künftig eher frösteln dürfte, heizen die Staatsbäder des Bundeslandes Rheinland-Pfalz weiterhin ihre Saunen an. Insgesamt zehn Schwitzstuben betreibt Rheinland-Pfalz über seine Tochtergesellschaften am Standort Bad Bertrich in der Eifel sowie in Bad Bergzabern unweit der Grenze zu Frankreich. Etwa 29.000 Kilowattstunden Strom und Gas verbrauchten die fünf Saunen in der Vulkaneifel Therme in Bad Bertrich allein im Monat Juli. Aufs Jahr gerechnet verheizen die Aufgüsse in der Vulkansauna (100 Grad) oder der Eifelhütte (90 Grad) also in etwa so viel Energie, wie 108 Zwei-Personen-Haushalte im Jahr Strom verbrauchen. Was die Saunaöfen in Bad Bergzabern zusätzlich verfeuern, könne man nicht ermitteln, sagt das zuständige Finanzministerium.
Und bleibt in der Krise der Saunaofen kalt? Noch nicht, heißt es vom zuständigen Ministerium in Rheinland-Pfalz. Trotz des hohen Energieverbrauchs will das Land seine Saunen derzeit noch nicht komplett erkalten lassen. Vielmehr setzt Rheinland-Pfalz als Eigentümer auf kleinere Maßnahmen, um Energie zu sparen. In den Thermen habe man die Höchsttemperaturen der Schwitzkabinen gesenkt und die Zeiten für mögliche Saunagänge zudem verkürzt, erläutert das Finanzministerium.
Noch mehr Strom als in Rheinland-Pfalz verbrauchen die öffentlichen Saunabetreiber indes einige Kilometer weiter südlich. Die Saunen der Staatsbäder des Landes Baden-Württemberg bringen ihre Thermenbesucher mit knapp 95.000 Kilowattstunden Strom pro Monat ins Schwitzen. Aufs Jahr gerechnet kommen die Saunen an so mondänen Kurorten wie Baden-Baden oder Bad Wildbad auf einen Verbrauch jenseits der 1-Million-Kilowattstunden-Grenze. Um Energie zu sparen, hätten die zuständigen Stellen ebenfalls bereits einzelne Saunen abgeschaltet, heißt es aus dem zuständigen Ministerium in Stuttgart. Aber: „Ein vollständiges Abschalten der Saunen ist derzeit nicht geplant.“
Das Land Sachsen wiederum investierte bis vor Kurzem knapp 60.000 Kilowattstunden Strom im Monat, um „in den traditionsreichen Kur- und Heilbädern Bad Elster und Bad Brambach Gästen und Patienten ein umfangreiches medizinisches Kurprogramm zur Heilung, Schmerzlinderung sowie Prävention“ zu offerieren, wie es die sächsischen Staatsbäder formulieren. Nochmal 27.000 Kilowattstunden Erdgas und Fernwärme benötigen die Staatsbäder in Sachsen zudem, um die Umgebung der Saunen zu erwärmen. Bereits im Juli haben die sächsischen Staatsbäder mehrere Saunen abgeschaltet. Außerdem überlege der Staatsbetrieb, ob man im Winter nur Innensaunen an einem Standort weiterlaufen lasse, heißt es.
Aus Berlin droht derzeit jedenfalls noch kein Ungemach für die energiehungrigen Unternehmungen der Länder und Kommunen. Das Bundeswirtschaftsministerium meint: Energiesparmaßnahmen seien angesichts der „angespannten Lage auf den Energiemärkten“ zwar notwendig, Thermen in Eigentum der öffentlichen Hand möchte das Ministerium jedoch noch nicht „über den kompletten Winter die Verdienstmöglichkeit“ entziehen.
Mancherorts ist die Saunasaison bereits vorbei
Ein bisschen heizen darf noch sein. Unter diesem Motto arbeiten ebenfalls einige Kommunen, die sich in der Bäderbranche engagieren – darunter die Gemeinde Bad Bellingen (Landkreis Lörrach). Die Kommune im Süden Baden-Württembergs betreibt über eine Tochtergesellschaft die Balinea Thermen im Ort. Die Gemeinde hat bereits zwei von fünf Saunen abgestellt, um Energie zu sparen. Doch die Therme komplett zuzusperren, das möchte die Kommune zurzeit nicht. Denn: „Eine Schließung hätte tiefgreifende wirtschaftliche Auswirkungen auf weite Bereiche der lokalen Wirtschaft“. Bad Bellingens Bürgermeister Carsten Vogelpohl prognostiziert: „Der kommende Winter wird für das Heilbad Bad Bellingen die größte finanzielle Herausforderung seiner jüngeren Geschichte bringen.“
In Niederbayern hat die Saunasaison indes bereits ihr Ende gefunden: Dort können Badegäste schon jetzt in fünf Thermen nicht mehr saunieren, an denen der Bezirk Niederbayern Anteile besitzt. Durch die Schließung könne man bis zu vier Millionen Kilowattstunden Strom einsparen, die die fünf Thermalbäder ansonsten in ihren Saunen pro Jahr verheizen würden, meint der Bezirk Niederbayern als Haupteigentümer der Thermen.
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