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Riedls Dax-RadarDie Kurskorrektur wird zum Trendtest für den Dax

Straffe Geldpolitik und Rezessionsgefahren drücken den Dax in der Vorweihnachtszeit unter das Niveau von 14.000 Punkten. Die Chance einer großen Bodenbildung für den Aktienmarkt besteht aber immer noch.Anton Riedl 16.12.2022 - 11:54 Uhr

Volatile Weihnachtszeit

Foto: imago images, Collage: Marcel Reyle

Die Botschaften der Notenbanken sind eine kalte Dusche für die Märkte. Zwar kommt es in Amerika und in der Eurozone wie erwartet zu einer Erhöhung der Leitzinsen um 0,5 Prozentpunkte. Doch was die Notenbanken für die nächsten Monate ankündigen, hatten die Börsen so nicht auf der Rechnung.

Der Reihe nach: Fed-Chef Jerome Powell weist mit Nachdruck darauf hin, dass die Zinserhöhungen länger dauern und höher gehen dürften als ursprünglich geplant. Und EZB-Chefin Christine Lagarde beginnt nicht nur demnächst mit dem Abbau der Notenbankbilanz, also mit dem Entzug von Liquidität für die Märkte. Sie macht auch deutlich klar, dass ein Ende der Inflationsbekämpfung vorerst kein Thema sei. Als ob das nicht schon genug wäre, fallen auch die Prognosen schlechter aus als erwartet: Die Inflation werde sich bis weit ins Jahr 2024 hinein halten und die Erholung der Wirtschaft zäh ausfallen. 

Die Reaktion an den Börsen ist deutlich: Am europäischen Anleihemarkt knicken die taktgebenden zehnjährigen Anleihen so stark ein, dass ihre Rendite in einem Zug von 1,93 Prozent auf 2,13 Prozent nach oben zieht. Diese Dynamik, die ausgeprägter ist als der moderate Anstieg der Renditen in den USA, ist auch der Grund dafür, warum der Euro derzeit so stark gegenüber dem Dollar ist. 

Schneller schlau: Rezession
Der Begriff Rezession bedeutet Rückgang und stammt aus dem Lateinischen. Es handelt sich um eine Rezession, wenn die Wirtschaft nicht wächst, sondern schrumpft – sich also in einem Abschwung beziehungsweise Rückgang befindet. Für die Bemessung der Konjunktur dient das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Offiziell tritt eine sogenannte technische Rezession ein, wenn das BIP in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen im Vergleich zu den jeweiligen Vorjahresquartalen nicht wächst, sondern zurückgeht.Die Rezession ist eine der vier Phasen, die der Konjunkturzyklus einer Volkswirtschaft durchlaufen kann. Sie folgt auf die Phase der Hochkonjunktur und kann im schlimmsten Fall in eine Depression übergehen. Auf eine Depression folgt dann früher oder später ein Aufschwung.
Eine Rezession zeichnet sich durch unterschiedliche Merkmale aus. Dazu gehören unter anderem:Rückgang der Nachfrageüberfüllte LagerAbbau von Überstunden und beginnende KurzarbeitEntlassung von Arbeitskräftenausbleibende Investitionenteilweise Stilllegung von Produktionsanlagenstagnierende oder sinkende Preise, Löhne und Zinsenfallende Börsenkurse
Zu den Ursachen einer Rezession gehören unterschiedliche Punkte, die sich nur schwerlich verallgemeinern lassen. Aktuell wirkt sich etwa der Krieg in der Ukraine erheblich auf die Konjunktur in Europa und den USA aus.
In einer Rezession halten Unternehmen und private Haushalte ihr Geld in der Regel beisammen. Zu den Folgen einer Rezession zählen steigende Arbeitslosenzahlen, außerdem arbeiten mehr Menschen in Kurzarbeit. Beides führt zu geringerer Nachfrage. Denn wenn die Bürger weniger Geld verdienen, konsumieren sie auch weniger. Dies ist wiederum schlecht für Unternehmen, die dadurch weniger verkaufen und auf ihren Lagerbeständen sitzen bleiben. Die fehlenden Einnahmen können zu weiteren Entlassungen führen, sodass die Arbeitslosigkeit weiter steigt.Auch Menschen, die auf der Suche nach einem neuen Job sind, stehen in einer Rezession vor Problemen. Denn wer sich um eine neue Stelle bewirbt, dürfte während einer Rezession Schwierigkeiten haben eine entsprechende Stelle zu finden – denn geht es Unternehmen wirtschaftlich schlechter, stoppen sie Neueinstellungen.
Durch eine steigende Inflation sinkt die Kaufkraft der Menschen. Durch eine sinkende Kaufkraft sinkt wiederum die Konsumbereitschaft der Menschen, da sie ihr Geld beisammen halten, statt es für Waren und Güter auszugeben.

Dabei zeigt der Anleihemarkt eine bemerkenswerte Spaltung der Anlegersicht: Während die Börsen in Amerika den Warnungen von Jerome Powell eher wenig Glauben schenken und im späten Verlauf 2023 unverdrossen mit Zinssenkungen rechnen, signalisiert der Schock bei den Bunds eine Neueinschätzung. In einem Zug sind Christine Lagarde und die EZB damit offensichtlich ins Lager der Inflationsbekämpfer gewechselt. 

Ob und wie lange die Notenbanken ihre nun an den Tag gelegte Konsequenz durchhalten, dürfte die entscheidende Frage der nächsten Monate sein. Die Nagelprobe dafür wird der Verlauf der Konjunktur. Sollte die Wirtschaft stärker als erwartet abkippen und die Rezession schwer werden, dürften die Notenbanken eher früher als später wieder umkippen – so jedenfalls ist das Kalkül an den Märkten, vor allem in Amerika. Blaupause dafür könnten die Erhöhungen des Jahres 2018 werden, die von der Fed dann doch aus Angst vor einem Absturz an den Märkten und der Wirtschaft zurückgenommen wurden.

Allerdings gibt es heute einen wichtigen Unterschied: Inflation war damals kein Thema – damit hatte die Notenbank reichlich Spielraum. Zudem geben die Prognosen der Institute für die Konjunktur derzeit auch eher Zeichen für eine milde Rezession und nicht für einen Absturz. 

Mutige Münchener Rück, expansive Post und neue Porsche-Aktien

Wie am europäischen Anleihemarkt kam es auch am Aktienmarkt zu einem heftigen Rückschlag. Durchweg knicken die führenden Indizes um mehrere Prozente ein. Der Dax rutscht unter seine jüngsten, kurzfristigen Tiefpunkte um 14.200 und dann auch noch unter die Marke von 14.000 Punkten. 

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von Georg Buschmann

Einen besonders deutlichen Kursrückgang gibt es bei der Deutschen Post. Über Wochen hatte sich die Aktie mühsam im Bereich der 200-Tagelinie gehalten, jetzt ist dieser Kampf erst einmal verloren. Hintergrund sind negative Analysteneinschätzungen, die vor einer deutlichen Abschwächung der Logistikkonjunktur in den nächsten Monaten warnen: angefangen beim schwächeren Onlinehandel, der durch klamme Konsumenten gebremst werde, bis hin zu sinkenden Frachtraten.

Zudem gibt es Gedankenspiele, dass die Deutsche Post den Bahnlogistiker Schenker übernehmen könnte und damit ihr Speditionsgeschäft weiter ausbauen würde. Strategisch wäre das vielversprechend, auch wenn sich dadurch die Nettoverschuldung der Post von derzeit 16 Milliarden Euro um ein gutes Stück erhöhen würde; in Zeiten steigender Zinsen ist das nicht einfach. 

Ziemlich stabil hält sich die Aktie der Münchener Rück. Der bayerische Versicherer hebt für 2023 seine Gewinnprognose auf vier Milliarden Euro an. Schon in den vergangenen Monaten war die Aktie einer der besten Performer im Dax. Zum ersten Mal seit 2001 hat die Aktie das Niveau um 300 Euro wieder übertroffen. Bewertung und Dividende der Münchener Rück sind gut. Allerdings ist es angesichts des schwankungsreichen Geschäfts der Rückversicherungen mutig, jetzt schon eine solche Prognose zu wagen. Sicherlich dürften die in den nächsten Wochen anstehenden Erneuerungsrunden positiv für die Münchener ausfallen; vor allem dürfte dabei die Inflation eingerechnet werden. Doch wie immer können große Schäden aus Naturkatastrophen die Zahlen massiv beeinträchtigen.

Die Aktie der Münchener Rück ist eine gute Langfristanlage; allerdings hat es sich in den vergangenen Jahrzehnten in der Regel gelohnt, für einen Einstieg schwache Phasen abzupassen. Und eine solche besteht bei Notierungen um 300 Euro eben nicht. 

Neu im Dax wird am 19. Dezember der Autobauer Porsche AG notieren. Mit einem Wertgewinn von rund 20 Milliarden Euro seit dem Börsengang Ende September ist Porsche jetzt schon eine Erfolgsgeschichte für den deutschen Kapitalmarkt. Dass gleichzeitig die im Dax notierten Anteile der Porsche Holding (PAH) derzeit so schwach sind, hat vor allem zwei Gründe: Zum einen die hohe Verschuldung durch die Käufe der Porsche-AG-Anteile; zum anderen die Tatsache, dass diejenigen, die auf Porsche setzen, lieber gleich den Autobauer Porsche AG kaufen und nicht die indirekte Holding. Und wenn der Wert des Autobauers an der Börse durch die AG wiedergegeben wird, dann spiegelt er sich eben nicht noch einmal in der Holding wider.

Allerdings, mittelfristig dürfte die Holding ihre Verschuldung dank reichlicher Dividendeneinnahmen abbauen. Zudem könnte vor allem eine Stabilisierung der VW-Aktie, der größte Wert der Holding, wieder für höhere Kurse sorgen. Die jüngste allgemeine Marktunsicherheit ist dafür zunächst allerdings ein schwieriges Umfeld. 

Fazit für den Dax: Die herbe Enttäuschung nach den Statements der Notenbanken beschleunigt die vor kurzem begonnene Korrekturphase am deutschen Aktienmarkt. Der Kursbereich zwischen 14.300 bis 14.600 Punkte im Dax war die Distributionsphase, mit der die seit Ende September anhaltende Rally beendet wurde. Die positiven Signale, die der Dax in den vergangenen Wochen gegeben hat, sind deshalb aber nicht vom Tisch. Im Gegenteil: Nach acht Wochen starker Kletterpartie kann eine nachfolgende Konsolidierung eine wichtige Bestätigung für den Markt werden. 

Dazu allerdings darf die Korrekturbewegung nicht zu heftig ausfallen. Optimal wäre es, wenn der Dax dabei nicht mehr als etwa die Hälfte oder maximal zwei Drittel seiner zuletzt erreichten Kursgewinne wieder hergibt. Insgesamt ergäbe dies eine mögliche Auffangzone zwischen 13.300 bis 13.000 Punkten. Bei 13.565 verläuft derzeit die 200-Tagelinie, um 13.400 sind wichtige mittelfristige Unterstützungen.

Grob gesagt bedeutet das: Solange der Dax bei seiner Korrektur in den nächsten Wochen also im Bereich über der 13.000er-Marke bleibt, ist das positive Szenario weiter intakt. Eine moderate Rezession, wie sie derzeit von der Mehrheit der Wirtschaftsinstitute angenommen wird – und auch die Inflationsbekämpfung, die sich aktuell nun auch die EZB auf ihre Fahnen geschrieben hat – würden dazu passen. 

Lesen Sie auch: Das Comeback der Anleihen: Schenken Sie Zinsen!

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