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AutokonzernAudi-Chef strebt höhere Renditen auch ohne Stellenabbau an

Der Autohersteller muss sparen – doch einen Personalabbau schloss der Konzernchef aus. Neue Technologien sollen die Erträge steigern. Doch in China schwächelt das Geschäft. So will das Unternehmen nun reagieren. 15.06.2023 - 15:58 Uhr

Der Audi-Chef möchte auf Stellenabbau verzichten.

Foto: imago images

Audi-Chef Markus Duesmann verordnet seinem Unternehmen eine Sparkur. „Ohne weitere Maßnahmen werden wir nicht zu einer höheren Umsatzrendite kommen“, sagte Duesmann der Nachrichtenagentur Reuters in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview. Dabei habe das Unternehmen über den Konzern und in der Marke eine Menge Hebel. Einen Personalabbau schloss er aus. Audi hatte 2019 den sozialverträglichen Abbau von bis zu 9500 Stellen bis 2025 angekündigt und abgeschlossen. Bis Ende 2029 gilt eine Beschäftigungsgarantie.

Audi strebt in der Markengruppe, zu der auch der Luxusautobauer Bentley, die Sportwagenschmiede Lamborghini und der Motorradhersteller Ducati gehört, derzeit eine Rendite von neun bis elf Prozent an. Angesichts der massiven Investitionen unter anderem in die Elektromobilität sei das ein hoher Anspruch, sagte Duesmann. „Aber trotzdem kann man sich natürlich immer noch mehr vorstellen.“ Insidern zufolge soll die neue Zielmarke mittelfristig zwischen 12 und 14 Prozent liegen.

„Jetzt ist die Zeit, in der wir stark in neue Technologien investieren“, sagte Duesmann. „Die Erträge daraus kommen zeitlich versetzt.“ Wie stark der Gewinn steigen solle, ließ Duesmann jedoch offen. Die Volumenmarke VW hat sich am Mittwoch vorgenommen, bis 2026 insgesamt zehn Milliarden Euro mehr Gewinn zu erwirtschaften.

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Tempo beim China-Geschäft

Audi macht bei der Entwicklung von Neuwagen Tempo und will so den Rückstand bei Elektroautos insbesondere in China wettmachen. „Wir sind dabei, unseren gesamten Entwicklungsprozess einem Review zu unterziehen“, sagte Duesmann. „Speziell was die Themen Bordnetz und Software betrifft.“ In diesen Bereichen könne man nicht mehr in den alten Zyklen arbeiten, man brauche neue und bedeutend kürzere. „Und wir schauen uns auch intensiver an, wie dies in China läuft, wo dort Entwicklungen anders gemacht werden. Ich gehe davon aus, dass wir uns über die Zeit den 30 Monaten Entwicklungszeit nähern.“

Damit reagiert Audi auch auf die rasch steigende Nachfrage nach Elektrofahrzeugen. „2030 dürfte der BEV-Anteil am Pkw-Premiummarkt bereits zwischen 60 und 70 Prozent liegen, je nach Region.“ In China könnte es sogar noch schneller gehen. „Darauf müssen wir reagieren, wenn sich ein Markt plötzlich so schnell wandelt.“

Audi fährt in China hinterher

Vor allem auf dem wichtigsten Einzelmarkt China bekommt Audi das zu spüren. „Bei den Batterie-elektrischen Fahrzeugen haben wir heute noch nicht die für die chinesischen Bedürfnisse optimalen Fahrzeuge im Markt, deshalb sind die Verkaufszahlen bisher unter unseren Ansprüchen“, räumte Duesmann ein. Von Januar bis März verkauften die Ingolstädter in der Volksrepublik gerade einmal gut 3000 Elektroautos, während chinesische Hersteller aufholen. BYD etwa verdrängte im ersten Quartal mit einem Marktanteil von elf Prozent am Gesamtmarkt, also einschließlich der nach wie vor dominierenden Verbrennerautos, die seit Jahrzehnten dort führende Marke VW vom ersten Platz.

Duesmann hat das China-Geschäft zur Chefsache erklärt. Allein seit März reiste der 53-Jährige dreimal in die Volksrepublik, weitere Besuche stehen an. Audi arbeitet in China mit den Herstellern FAW und SAIC zusammen; derzeit wird zusammen mit FAW ein Werk in Changchun für Elektroautos gebaut. Teil der China-Strategie sei es, einige elektrische Modelle dort früher zu lokalisieren als ursprünglich geplant. „Wir reagieren damit auf die enorme Dynamik im Markt“, sagte Duesmann.

Lesen Sie auch: VW, Mercedes, BMW und Co. – so geht es den deutschen Autobauern in China aktuell

Die jüngste Automesse in Shanghai hat – nach dem Corona-Stillstand der vergangenen Jahre – bei den deutschen Autobauern für großes Aufsehen gesorgt. Die Messe habe gezeigt, dass die deutschen Autobauer trotz aller Bemühungen den chinesischen Herstellern hinterherzuckelten, sagte Thomas Luk, Autoexperte und Partner der Unternehmensberatung Kearney. Die Chinesen hingegen entwickelten das Fahrzeug als Gesamtpaket, das zum Lebensstil passen müsse. Sie böten innovative Raumkonzepte und modernste digitale Funktionen mit Künstlicher Intelligenz.

Nordamerika als drittes Standbein

Zugleich wolle Audi das Nordamerika-Geschäft als drittes Standbein stärken, sagte Duesmann. „Das ist auf jeden Fall die klare Strategie.“ Der US-Markt entwickle sich derzeit sehr gut. „Das hat sich durch den Inflation Reduction Act nochmal verstärkt.“

Audi verfügt über ein Werk in Mexiko und prüft derzeit, ob weitere Produktionskapazitäten aufgebaut werden müssen, möglicherweise auch am VW-Standort in Tennessee. Eine Entscheidung falle „definitiv in diesem Jahr“, sagte Duesmann.

Verspätete Software bremst Neuwagen aus

Die Ingolstädter verfügen derzeit über eine im Vergleich zu BMW und Mercedes-Benz alte Modellflotte, neue Fahrzeuge waren in den vergangenen beiden Jahren weitgehend Fehlanzeige. Der Q6 e-tron – ein wichtiges Modell für Audi - kommt wegen Verzögerungen bei der Softwareentwicklung mit Verspätung auf den Markt. Er macht Ende des Jahres den Auftakt für die Produktoffensive, bei der bis 2025 mehr als 20 neue Autos auf den Markt kommen sollen, etwa die Hälfte davon Elektrofahrzeuge. Audi hat angekündigt, ab 2026 keine neuen Verbrenner mehr aufzulegen.

Lesen Sie auch: Der Traum vom autonomen Fahren und wie die USA und China den deutschen Autobauern davon fahren

rtr
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