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Ausbau der GigafactoryGeht Tesla das Wasser in Grünheide aus?

Elon Musk will die Gigafactory in Brandenburg vergrößern. Doch die Erweiterung der Kapazitäten erntet Kritik von Umweltschützern – und Tesla könnte sich damit auch selbst Probleme bereiten. 31.07.2023 - 08:27 Uhr Quelle: dpa

Tesla will das Werk in Grünheide ausbauen und plant eine Verdoppelung der jährlichen Produktionskapazität.

Foto: dpa

Bis zu 22.500 Mitarbeiter und eine Erweiterung der Produktionsfläche von 700 mal 700 Meter plant Elon Musk für die Tesla-Gigafactory in Grünheide. Derzeit rollen dort rund 5000 Autos die Woche vom Band – das soll erst der Anfang sein. Doch die Pläne des Tesla-CEOs stoßen wieder einmal auf Kritik.

Denn nach Ansicht des regionalen Wasserverbands hat der geplante Ausbau Konsequenzen für das Grundwasser in der Region. Wenn rund eine Million Quadratmeter versiegelt und rund 963.000 Quadratmeter überbaut würden, habe das Auswirkungen auf die Bildung von neuem Grundwasser, heißt es in einer Stellungnahme des Wasserverbands Strausberg-Erkner zum geplanten Ausbau.

Außerdem sei abermals eine Absenkung des Grundwassers mit einer Entnahme von rund 61.000 Kubikmetern erforderlich. Das Vorhaben werde direkten Einfluss auf die öffentliche Trinkwasserversorgung haben. Im aktuellem DeutschlandTrend für das ARD-Morgenmagazin gaben bereits 55 Prozent der Befragten an, dass sie besorgt sind, dass es künftig einen Trinkwassermangel geben könnte. Ist diese Sorge berechtigt?

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Vor Kurzem erklärte der Hydrologe Dietrich Borchardt der WirtschaftsWoche im Interview: „Engpässe und Knappheiten müssen nach der jeweiligen Nutzung differenziert werden: Das heißt zum Beispiel, dass wir zwar eine Wasserknappheit in der Landwirtschaft, nicht aber im Trinkwasserbereich haben.“ Eine Sorge für eine Trinkwasserknappheit sieht er nicht: „Wir haben hierzulande ein robustes Rückgrat für die Trinkwasserversorgung. Zwei Drittel des deutschen Trinkwassers stammt aus tiefen Grundwasserschichten, die nur langsam auf trockene Zeiten reagieren.“

Doch für Tesla selbst könnte der Wassermangel Konsequenzen haben. „Teslas Entscheidung für Brandenburg hing vor allem mit dem Thema regenerative Energien für die Produktion zusammen. Die Wassersicherheit wurde damals noch vernachlässigt, jetzt hat das Unternehmen jedoch Probleme, an genügend Wasser zu kommen“, erläuterte der Experte. Wasser sei zwar immer nur ein Standortkriterium von vielen, jedoch ein essenzielles.

Tesla: „Grundwasserneubildung wird gestärkt“

Der US-Elektroautobauer teilt die Bedenken nicht. „Jegliche auf der genannten Fläche anfallenden Niederschläge werden am Standort versickert und tragen zur Grundwasserneubildung bei“, entgegnete Tesla nach Angaben aus den Unterlagen zum Antrag auf umweltrechtliche Genehmigung für den Ausbau.

Die mit Nadelwald bedeckte Fläche vor der Errichtung der Fabrik habe allenfalls eine geringe Neubildung von Grundwasser erlaubt. Mit der Ansiedlung der Fabrik werde das gesamte auf den versiegelten Flächen niedergehende Regenwasser versickert. „Die Grundwasserneubildung wird dadurch gestärkt.“ Der Bedarf an Frischwasser soll mit dem Ausbau nach Planung des Unternehmens zudem nicht steigen, hatte Tesla betont.

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Und auch Hydrologe Borchardt von der TU Dresden fasste noch kein abschließendes Urteil: „Jetzt wird nach einer Lösung gesucht, um Tesla diese Wassersicherheit zur Verfügung zu stellen – das bedeutet vor allem Zusatzaufwand, kann aber auch zum Innovationstreiber werden. Sollten die benötigten Mengen nicht auftreibbar sein, muss kreativ gespart werden, zum Beispiel mit Methoden zur internen Aufbereitung und Recycling von Wasser.“ Bei den Autobauern sei dies mittlerweile eine Art Benchmark geworden. Sie verglichen untereinander, wer am wenigsten Wasser bei der Produktion verbrauche.

Teil der Tesla-Fabrik liegt im Wasserschutzgebiet

Doch neben der Grundwasserproblematik gibt es weitere Kritik an Teslas Vorhaben. Denn der E-Autobauer stellt dazu Anträge in drei Teilen auf umweltrechtliche Genehmigung beim Land Brandenburg. Umwelt- und Naturschützer sehen seit dem Beginn des Baus Gefahren, weil ein Teil der Fabrik im Wasserschutzgebiet liegt.

Der Wasserverband Strausberg-Erkner (WSE), der Tesla beliefert, hofft auf den Schutz des Wassers. „Der Verband vertraut auf die fach- und sachgerechte Entscheidung des LfU als Genehmigungsbehörde im Sinne der Sicherung der Trinkwasserversorgung für die 170.000 Menschen im Verbandsgebiet“, sagte Sprecherin Sandra Ponesky.

Der US-amerikanische Autobauer will auch 81.200 Pfähle im Rahmen des Baus eines neuen Produktionsgebäudes im Norden des Geländes in den Boden einbringen. Die Nutzung von Pfählen hatte schon bei der bestehenden Fabrik für Kritik gesorgt, für den Ausbau sind noch einmal deutlich mehr Pfähle geplant.

Lesen Sie auch: Hier baut sich Tesla am Werk Grünheide seinen eigenen Zuganschluss

dpa, rtr, ans
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