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Comeback absichernKündigen will gelernt sein

Für Beschäftigte lohnt es sich beim Abschied von einem Job keine schmutzige Wäsche zu waschen – selbst, wenn es dafür gute Gründe gibt. So gelingt die harmonische Kündigung.Nina Jerzy 03.08.2023 - 14:47 Uhr

Angestellte wechseln häufiger als noch vor einigen Jahren den Job – nicht immer ist der Abschied auf Dauer.

Foto: WirtschaftsWoche

Auch Kündigen muss heutzutage gelernt sein. Denn die Menschen wechseln häufiger als noch vor einigen Jahren den Job. Umso stärker kommt es beim Abschied auf Professionalität an. „Wenn die Kündigung auf dem Schreibtisch der Vorgesetzten liegt, denken manche vielleicht: Jetzt ist ohnehin alles egal“, sagt Karriereberaterin Ragnhild Struss. Sie warnt: Das ist ein Trugschluss.

Denn einen Job stilsicher zu Ende zu bringen, ist zunehmend im Interesse von Beschäftigten. So kehren immer mehr Menschen irgendwann zu einem früheren Arbeitgeber zurück, wie Umfragen zeigen. Einige Beschäftigte erkennen sogar während der Probezeit im neuen Unternehmen, dass der alte Job doch besser war. Und selbst wer ein Comeback ausschließt, sollte es sich bei allem Frust zweimal überlegen, dem Noch-Arbeitgeber mal richtig die Meinung zu sagen – und damit verbrannte Erde zu hinterlassen. Nicht nur, um sicherzugehen, später gute Referenzen vom Ex-Arbeitgeber zu bekommen. „Grundsätzlich müssen Mitarbeitende davon ausgehen, dass im Unternehmen und auch in der Branche über Abgänge gesprochen wird“, gibt Malte Hansen zu bedenken, Präsidiumsmitglied des Bundesverbandes der Personalmanager (BPM).

Zunächst das persönliche Gespräch suchen

Der Jobwechsel, das ist der erste Schritt, sollte gut begründet werden. „Eine Kündigung vollzieht man nicht im Affekt, sondern wohlüberlegt, wenn man sich selbst bereits innerlich sortiert hat“, sagt Struss. Der zweite Schritt: möglichst zügig das Gespräch mit dem direkten Vorgesetzten suchen, im besten Fall noch ehe die schriftliche Kündigung erfolgt. „Wenn vorher die Argumente für die Entscheidung erläutert werden können, kommen Missverständnisse bestenfalls gar nicht erst auf“, erläutert die Gründerin der Hamburger Karriereberatung Struss & Claussen Personal Development.

Lesen Sie auch: Innere Kündigung zurückziehen: So lernen Sie, Ihren Job wieder zu lieben

Entscheidend für eine harmonische Trennung ist, dass eine Kündigung nicht als persönlicher Affront oder als Absage ans Unternehmen als Ganzes verstanden wird. „Formulieren Sie Ihre Argumente so, dass es bei dem Wunsch nach Neuorientierung nicht gegen den jetzigen Arbeitgeber geht, sondern um Sie selbst und Ihre Weiterentwicklung“, empfiehlt Struss. Auch Hansens Rat lautet: Lieber unterstreichen, wie man sich durch die Trennung beruflich weiterentwickeln möchte. Dies sei ein positiverer Dreh, als nur Missstände aufzuzählen. Zudem werde es der Gegenseite dadurch erleichtert, das Gesicht zu wahren.

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Loyalität verdient eine Belohnung – so machen Sie das Ihrem Chef klar

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von Anna Friedrich

Sich bei der Kündigung den künftigen Herausforderungen zuzuwenden – davon profitieren auch die Arbeitnehmer, wie Hansen betont. „Meiner Erfahrung nach hadern zu viele Mitarbeitende mit der Vergangenheit, anstatt sich so schnell wie möglich auf die berufliche Zukunft zu konzentrieren und dort ihre Energie reinzustecken“, moniert der Personalexperte vom Facilty-Management-Unternehmen ISS.

Seien Sie konstruktiv!

Einen besonders guten Eindruck macht es laut Hansen, wenn man nicht mit leeren Händen zum Kündigungsgespräch erscheint. Sein Tipp: konkrete Vorschläge mitbringen, wie die Trennung möglichst reibungslos vonstattengehen kann. „Hier geht es um inhaltliche Übergaben, Kommunikation und auch mögliche Nachfolger“, erläutert er. „Je kooperativer dies erfolgt, umso besser für beide Seiten.“

Insbesondere in Zeiten des Fachkräftemangels kann es ernsthafte Folgen für ein Unternehmen haben, wenn Leistungsträger kündigen. Die Folge können Schuldgefühle sein – ob selbst empfunden oder vom Noch-Arbeitgeber suggeriert. Solche Empfindungen können, so die Warnung von Struss, „ein Zeichen dafür sein, dass die Grenzen zwischen Beruf und Privatleben schon länger verschwommen sind.“ Es sei zwar normal, dass zwischen Kollegen persönliche Beziehungen entstehen. „Doch besonders gegenüber hierarchisch höhergestellten Personen ist eine gewisse professionelle Distanz sinnvoll – genau für solche Fälle wie eine Kündigung“, gibt sie zu bedenken. Wer darauf bereits vor einer sich abzeichnenden Trennung  achte, könne die Kündigung dann sachlich besprechen, ohne dass Emotionen „den Blick vernebeln“.

Tipps für das Kündigungsgespräch
Verwenden Sie keinesfalls Sätze wie: „Es wird schon nicht so schlimm werden!“, „Mach Dir keine Sorgen!“ oder „Das Leben geht doch weiter!“ Floskeln vermitteln dem Gekündigten nur, dass Sie mit seinen Emotionen nicht zurechtkommen. Sie wirken dadurch verunsichert. Ihre möglicherweise gute Absicht, Trost zu spenden, wird jedenfalls nicht erreicht.
Sagen Sie nicht: „Wenn ich hätte wählen können, hätte ich den Müller rausgeworfen, nicht Dich!“ oder „Was soll ich denn machen? Ich habe das ja nicht entschieden!“ So vermitteln Sie nur Hilflosigkeit und verdrehen das Geschehen auf eine fast unlautere Art und Weise: Sie zwingen den Anderen, Sie als „Opfer“ mit seinem berechtigten Schmerz zu verschonen. Außerdem müssten Sie damit rechnen, dass der betroffene Mitarbeiter seinen Gefühlen bei den Kollegen freien Lauf lässt.
Gehen Sie nicht lax oder fahrlässig mit den Gefühlen Ihrer verbliebenen Mitarbeiter um! Sparen Sie sich scheinbare Aufmunterungen wie „Ihr könnt Euch freuen, Euch betrifft es ja nicht!“Erkennen Sie stattdessen deren Emotionen an. Es ist für niemanden einfach, wenn Kollegen entlassen werden – die Gefühle bewegen sich von Hilflosigkeit, Scham und schlechtem Gewissen gegenüber den gekündigten Kollegen bis hin zu Sorge und Ärger aufgrund der neuen Mehrarbeit.
Machen Sie grundsätzlich keine Aussagen über anstehende Entlassungen. Falls aber einer Ihrer Mitarbeiter nachfragen sollte, geben Sie ihm kleine Bissen Information. So vermeiden Sie, dass die Gerüchteküche erst richtig brodelt und möglicherweise unter den Mitarbeitern ein Hauen und Stechen beginnt.
Bleiben Sie bei der Wahrheit! Geben Sie den Bleibenden keine anderen Begründungen für die Kündigung als dem Gekündigten. Wenn auch nur einer der entlassenen Kollegen über die wahren Hintergründe spricht, haben Sie Ihr Image nachhaltig geschädigt. Das Vertrauen in Sie als Vorgesetzter ist dann verloren. In so einem Fall ist es sehr schwer, eine Mannschaft wieder in die Spur zu bringen.

Loyalität sollte laut Struss auch nach der Trennung hochgehalten werden – sogar, wenn die Zusammenarbeit eher unglücklich zu Ende gegangen ist. „Selbst dann rate ich dazu, sich nicht negativ über ehemalige Arbeitgeber zu äußern“, sagt die Karriereberaterin. „Letztendlich fällt auch das auf einen selbst zurück und schadet der eigenen Reputation.“

Nach der Kündigung: Tschüss und hallo

Zu einer guten Kündigung gehört es für die Expertin auch, seinen Job ordentlich zu Ende zu bringen und dabei bis zum letzten Tag im Unternehmen sichtbar zu bleiben. Wie intensiv der Abschied von den Kollegen ausfällt, ist davon abhängig, wie eng man zusammengearbeitet hat. „Ich selbst habe in meinem vorherigen Unternehmen über 60 Kolleginnen und Kollegen angerufen und mich trotz der pandemischen Zeit persönlich von ihnen verabschiedet“, berichtet Hansen. Die Leute, mit denen er eng zusammengearbeitet hat,  habe er zu einer abendlichen Videokonferenz eingeladen, „in der viele Anekdoten ausgetauscht und viel gemeinsam gelacht wurde“.

Ein solch persönlicher Abschied hilft, später von dieser beruflichen Station zu profitieren. „Das Kollegium ist auch nach dem Abschied ein gutes Netzwerk“, gibt Hansen zu bedenken. Wer im Alumni-Netzwerk des Ex-Arbeitgebers aktiv ist, beweist Engagement. „Meist reicht es aber aus, dass man sein Xing- oder LinkedIn-Profil angibt und über diesen Kanal Kontakt hält“, findet der Personaler. Der lasse sich später gezielt vertiefen, etwa mit einem kurzen Besuch zum Team-Lunch.

Die professionelle Trennung wird immer stärker zur letzten Visitenkarte. Denn insbesondere jüngere Talente sind grundsätzlich schneller auf dem Sprung – und deshalb auch geübter im Schlussmachen mit einem beruflichen Lebensabschnittspartner. „Die heutige Generation möchte zwar schon einen sicheren Job, aber auch immer wieder neue Herausforderungen haben, um möglichst viel zu lernen“, stellt Hansen fest. Das haben auch in den Personalabteilungen die meisten verstanden. „Eine längere Betriebszugehörigkeit ist nicht das Maß aller Dinge“, unterstreicht Hansen.

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