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KenvueSoll ich meine Aktien von Johnson & Johnson umtauschen?

Aktionäre von Johnson & Johnson können ihre Anteile in Kenvue-Aktien umtauschen. Was es mit dem Deal auf sich hat – und ob er sich lohnt.Christian W. Röhl 05.08.2023 - 10:44 Uhr
Foto: imago images

Aktionäre des Healthcare-Riesen Johnson & Johnson (JNJ) haben dieser Tage Post von ihrer Bank bekommen – nämlich ein Angebot, Aktien von Johnson & Johnson in Aktien eines Unternehmens namens Kenvue zu tauschen. Das hat nichts mit dem Ehemann von Barbie zu tun, sondern ist der Kunstname für die Consumer-Health-Sparte von Johnson & Johnson mit Marken wie Nicorette (Nikotinkaugummi), Piz Buin (Sonnencreme), Listerine (Mundwasser), O.B. (Damenbinden), Dolormin (Schmerzmittel), Microlax (Verstopfung), Imodium (Durchfall) – nicht rezeptpflichtige Medikamente, persönliche Hygiene und Selbstpflege.

Das Geschäft steht gemessen an den Zahlen aus dem vergangenen Geschäftsjahr für rund 15 Milliarden Dollar Umsatz und 1,5 Milliarden Gewinn. Damit macht es rund 15 Prozent des Geschäfts von JNJ aus. Der Konzern hatte schon vor einiger Zeit angekündigt, dass diese Sparte verselbständigt werden soll.

Lange hatte man mit einem Spin-off, einer Abspaltung über die Börse gerechnet, aber nun ist es anders gekommen: Der Börsengang erfolgte zunächst in einer kleinen Tranche: Im Mai hat JNJ zunächst gut zehn Prozent von Kenvue im Rahmen eines IPOs verkauft und damit rund 4,3 Milliarden Dollar erlöst. Die Aktie kam zu 22 Dollar an die Börse und ist extrem erfolgreich gestartet – der Schlusskurs am ersten Handelstag lag bei 26,90 Dollar. Anschließend stieg sie sogar noch auf 27,50 Dollar, seitdem ging es aber bergab, auf aktuell 24,40 Dollar.

Nun will JNJ die restlichen Kenvue-Aktien unter die Leute bringen. Beim ursprünglich erwarteten Spin-off hätte jeder JNJ-Aktionär automatisch Kenvue-Aktien eingebucht bekommen. Aber JNJ hat sich für ein sogenanntes Split-off entschieden: Aktionäre können selbst entscheiden, wie viele ihrer JNJ-Aktien sie gegen Kenvue-Papiere eintauschen wollen. Das Umtauschverhältnis wird im August anhand der volumengewichteten Durchschnitte ermittelt – wobei man einen Discount von sieben Prozent auf den Kenvue-Preis geboten bekommt. Hintergrund ist, dass JNJ unbedingt erreichen will, im Rahmen des Split-offs unter 50 Prozent Anteil an Kenvue zu kommen, damit das Unternehmen wirklich eigenständig ist. Wenn das mit dem Split-off nicht funktioniert, soll es später eine Sachdividende beziehungsweise einen Spin-off geben.

Was sollten JNJ-Aktionäre jetzt tun?

Sieben Prozent Rabatt klingt gut, aber trotzdem werde ich das Umtauschangebot nicht annehmen – und zwar aus zwei Gründen. Zum einen – wobei das ausdrücklich keine Steuerberatung ist – wegen der steuerlichen Behandlung: US-Abspaltungen sind steuerlich für deutsche Privatanleger immer wieder ein Abenteuer. Es gibt zwar inzwischen Rechtsprechung, wonach auf Spin-offs bei der Einbuchung keine Steuern erhoben werden dürfen, trotzdem gab es in der Vergangenheit immer wieder Abzüge und nicht immer wurden die Bescheinigungen dann bankenseitig korrigiert; bisweilen musste man den Weg über die Einkommensteuererklärung gehen. Und hier haben wir es ja mit einem Split-Off zu tun. Ich fürchte, das Finanzamt wird den Umtausch als Verkauf und Neuanschaffung sehen – und wegen des FiFo-Prinzips müsste ich dann auch noch meine ältesten (und am meisten im Gewinn liegenden Stücke) steuerlich rausgeben. Das ist undurchsichtig, mühsam, komplex. Und das brauche ich nicht.

Podcast – Leben mit Aktien

Johnson & Johnson – lohnt der Aktientausch?

Im Podcast sprechen Horst von Buttlar und Christian W. Röhl über Konjunkturpakete, den Split bei Johnson & Johnson, das Barbie-Spektakel und was es für Mattel und Warner Bros. bedeutet – und die „Hölle der Löwen“.

von Horst von Buttlar und Christian W. Röhl

Zum anderen finde ich Kenvue nicht so wahnsinnig attraktiv. Mit den Zahlen ist das bei neu an die Börse gekommenen Unternehmen immer so eine Sache und bei Abspaltungen hat man die Vergangenheit nur „pro forma” – aber ein Umsatzwachstum von 2019 bis 2022 um 4,3 Prozent insgesamt ist eher unattraktiv. Auch beim Gewinn gab es für diese Zeitspanne kein Wachstum. Für dieses Jahr wird zwar ein kräftiges Plus in Aussicht gestellt, der Gewinn je Aktie soll von 0,77 auf 1,15 US-Dollar steigen. Aber das ist noch immer ein KGV von mehr als 20 für ein Unternehmen, das sich in dieser Struktur erstmal bewähren muss.

Für die Consumer-Abspaltung von GlaxoSmithKline (Haleon – Sensodyne, Centrum Nahrungsergänzungsmittel, Otrivin) zahle ich aktuell ein KGV von 18, Reckitt Benckiser (Air Wick, Calgon, Cillit Bang, Nurofen, Durex) bekomme ich sogar noch etwas günstiger. Mit gutem Grund, denn das Geschäft ist ziemlich wettbewerbsintensiv.

Ich bleibe also lieber JNJ-Aktionär. Nach Marktkapitalisierung ist es immer noch der größte Healthcare-Konzern der Welt (auch wenn Eli Lilly JNJ inzwischen eng folgt). 55 Prozent Pharma und 30 Prozent Medizintechnik, wobei diese Sparten vom Wachstumspotenzial her attraktiver sind als Consumer Health. Zudem ist die Aktie Dividenden-Aristokrat mit 2,6 Prozent Rendite, günstiger Bewertung (KGV 16 - 17) und ordentlicher Bilanz mit 25 Milliarden Dollar Nettoschulden bei einem EBITDA, das seit 2013 immer deutlich über 20 Milliarden Dollar lag.

Das größte Risiko für JNJ-Aktien bleiben die Klagen, insbesondere das Thema Babypuder – denn diese Risiken wurden nur für Klagen außerhalb der USA und Kanadas auf Kenvue übertragen. Immerhin in diesem Punkt ist die „Split-off“-Firma also im Vorteil, denn in Europa und Asien sind die Schadensersatzsummen lange nicht so hoch wie in den USA.

Jetzt reinhören: Im Podcast sprechen Horst von Buttlar und Christian W. Röhl über Konjunkturpakete, den Split bei Johnson & Johnson, das Barbie-Spektakel und was es für Mattel und Warner Bros. bedeutet – und die „Hölle der Löwen“.

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