China-Investments: Wer jetzt noch in China investiert, ist selber schuld

China war einmal der vielversprechendste Anlagekandidat unter den Schwellenländern. Seit mindestens zwei Jahren macht sich China aber als Anlageregion sukzessive unmöglich.
Foto: BloombergJeden Tag kommen neue Hiobsbotschaften aus dem Reich der Mitte. Die jüngste: Der angeschlagene und hoch verschuldete Immobilienriese Evergrande kann seine Schulden in den USA nicht mehr bezahlen. Immobilienkrise, Deflation, neue Sanktionen durch die US-Regierung – die Liste der Negativschlagzeilen wird immer länger. Und die Wahrscheinlichkeit, dass die chinesische Wirtschaft in eine ausgewachsene Krise rutscht, immer größer.
Kein Anleger sollte von dieser Entwicklung überrascht sein. Klar: Hinterher ist man immer schlauer. In diesem Fall hatte es aber mehr als genug Warnzeichen gegeben. Die Immobilienkrise schwelt seit mindestens zwei Jahren. Chinas Wirtschaft schwächelt seit Corona. Die USA drohten schon im vergangenen Jahr, dass an US-Börsen notierte Unternehmen ihr Listing verlieren könnten. Und der Wirtschaftskrieg zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt sollte, ebenso wie die Eskalation rund um Taiwan, nun wirklich für niemanden mehr etwas Neues sein.
Lesen Sie auch: Wie schlimm wird Chinas Wirtschaftskrise?
Ja: China war einmal der vielversprechendste Anlagekandidat unter den Schwellenländern. Anleger brannten darauf, die Restriktionen für ausländische Investoren endlich fallen zu sehen. Seit mindestens zwei Jahren macht sich China aber als Anlageregion sukzessive unmöglich.
Die Schuld dafür muss man nicht einmal bei den Amerikanern und ihren Sanktionen suchen. Zur Erinnerung: 2021 sorgte die chinesische Staatsführung mit Eingriffen im Internetsektor bei Anlegern für Panik und zeigte deutlich, wie viel ihr Anlegerschutz und -rechte wert sind: nämlich nichts.
Wer immer noch in China investiert ist, ist selbst schuld, wenn sein Depot von den neuen Hiobsbotschaften in Mitleidenschaft gezogen wird. Anleger mit großem China-Anteil im Portfolio wollen es entweder nicht anders und gehen eine riskante Wette auf die Volksrepublik ein. Oder sie haben einen Kardinalfehler begangen: Den Kopf in den Sand gesteckt. Die wenigsten Privatanleger in Deutschland dürften direkt in chinesische Wertpapiere investiert sein. In vielen Schwellenländer-ETFs hat China aber einen großen Anteil. Auch Kleinanleger, auch ETF-Käufer, auch Langfrist-Investoren sollten wissen, was sich in ihrem Depot befindet. Und handeln, wenn es nötig ist. Wer das nicht tut, kann sich hinterher auch nicht beschweren.
Lesen Sie auch: Wie Anleger überhaupt noch in China investieren können – und was die Risiken sind
Dieser Beitrag entstammt dem WiWo-Newsletter Daily Punch. Der Newsletter liefert Ihnen den täglichen Kommentar aus der WiWo-Redaktion ins Postfach. Immer auf den Punkt, immer mit Punch. Außerdem im Punch: der Überblick über die fünf wichtigsten Themen des Tages. Hier können Sie den Newsletter abonnieren.