1. Startseite
  2. Politik
  3. Ausland
  4. BRICS-Gipfel: Der Westen sollte nüchtern auf das Treffen schauen

Gipfel in SüdafrikaÜberschätzt das Brics-Bündnis nicht!

Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika wollen eine Alternative zu einer westlich geführten Welt aufzeigen. Ihre Gemeinsamkeiten sind jedoch zu gering, als dass dies gelingen wird. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Silke Wettach 22.08.2023 - 18:17 Uhr
Foto: AP

Erinnern Sie sich noch an den 24. Juni 2022? An dem Tag fand der 14. Gipfel der Brics-Staaten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika statt. Wahrgenommen hat das damals kaum jemand. Ganz anders dieses Jahr: Der 15. Gipfel des Bündnisses in Südafrika wird zu einem Ereignis hochgeschrieben, das die bisherige Weltordnung aus den Angeln zu heben droht.

Um es vorwegzunehmen: Nichts dergleichen wird passieren. Der Gipfel wird viele Bilder produzieren, denn anders als im Vorjahr kommt das politische Führungspersonal persönlich zusammen. Eine Ausnahme bildet Russlands Präsident Wladimir Putin, der sich per Video zuschalten lässt, aus Angst, Südafrika könnte einen Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshof vollstrecken. Der Haftbefehl gegen Putin war es auch, der dem diesjährigen Gipfel zunächst mehr Aufmerksamkeit verschafft hat.

Zugegeben, die fünf Staaten, die in Südafrika debattieren, haben durch ihre Wirtschaftskraft Gewicht: Gemeinsam stellen sie ein gutes Viertel der Weltwirtschaft. Gleichzeitig gehen der westlichen Weltordnung die Freunde aus. Die Sanktionen des Westens gegen Russland werden von Ländern wie Brasilien und Indien nicht mitgetragen, China unterstützt Russland gar in seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine. Die Welthandelsorganisation WTO, einst Fundament für den globalen Austausch von Waren und Dienstleistungen, ist nur noch ein Schatten ihrer selbst – auch weil die USA sie ramponiert hat.

Brics-Gipfel in Südafrika

„China sieht sich als Führer der Brics-Staaten“

von Sonja Álvarez

Ein schlagkräftiges Bündnis mit eigenen Visionen stellen die Brics allerdings nicht dar. Dazu ist die Schnittmenge ihrer Interessen zu gering. Die gemeinsame Abneigung gegen die westliche Weltordnung reicht nicht aus, um einen Gegenentwurf zu schaffen. Jeder, der weiß, wie schwierig die Kompromissfindung in der Europäischen Union ist, ahnt, wie gering die konkreten Ergebnisse jenseits von symbolischen Gesten dieses Gipfels in Südafrika sein werden.

Der Westen sollte nüchtern auf dieses Treffen schauen und sich strategische Partner suchen. Berlin und Brüssel haben seit Russlands Angriff auf die Ukraine vermehrt den Kontakt nach Brasilien und Indien gesucht. Das ist richtig und verlangt Ausdauer. Von einem Gipfel im Sommerloch sollte sich niemand ablenken lassen.

Dieser Beitrag entstammt dem WiWo-Newsletter Daily Punch. Der Newsletter liefert Ihnen den täglichen Kommentar aus der WiWo-Redaktion ins Postfach. Immer auf den Punkt, immer mit Punch. Außerdem im Punch: der Überblick über die fünf wichtigsten Themen des Tages. Hier können Sie den Newsletter abonnieren.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick