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EnergiekonzernStadtwerke verkaufen Steag an spanische Investoren

Der Steinkohlekonzern Steag, Deutschlands fünftgrößter Versorger, galt als Schlangengrube, als Milliardengrab. Doch jetzt haben die kommunalen Eigner den Essener Konzern verkauft – an einen überraschenden Käufer.Florian Güßgen 25.08.2023 - 19:17 Uhr

Steag wurde verkauft: In den Kommunen dürften sie heute erstmal die Korken knallen lassen.

Foto: dpa

Wer mit Branchenexperten über die Steag spricht, hat lange nur ein Augenrollen geerntet: Der Essener Energieversorger galt als schwarzer Dinosaurier, verhaftet in der fossilen Energie, geplagt von einem Management, das sich im schwarzen Geschäft auskannte und nicht im grünen.

Wie Blei, so schien es, lag die Steag bis vor zwei Jahren auf den Etats der sechs Kommunen, der Kommunalen Beteiligungsgesellschaft (KSBG), die die Steag von Evonik gekauft hatten, dazu gehören Dortmund, Duisburg, Bochum, Essen, Oberhausen und Dinslaken.

Nur weg damit, lautete das Motto. So teuer es irgend noch geht.

Steag-Verkauf: 2,6 Milliarden Euro Transaktionsvolumen

An diesem Freitag, so scheint es, haben die Anteilseigner ihr Ziel erreicht: Die Steag, hieß es in einer Mitteilung, sei an den spanischen Infrastruktur-Investor Asterion Industrial Partners verkauft worden. Der Vertrag sei unterzeichnet und beurkundet worden, damit ist das „Signing“, der zentrale Schritt bei Übernahmeverfahren, erfolgt. Der Abschluss des Verfahrens, das so genannte „Closing“, erfolge voraussichtlich im Dezember.

Von Seiten der KSBG hieß es am Freitag, das Transaktionsvolumen betrage 2,6 Milliarden Euro. Nach Abzug der Verbindlichkeiten würde den „Konsorten“ ein erheblicher Betrag zufließen. Asterion übernehme die Steag als Ganzes. In diesem Jahr war die Steag unter einem gemeinsamen Dach in einen grünen Unternehmensteil mit dem neuen Namen „Iqony“ und einen schwarzen Unternehmensteil mit der Bezeichnung Steag Power getrennt worden.

In einer Erklärung von Asterion hieß es, das Unternehmen stehe voll hinter der Energie- und Wärmewende. Die Steag sei „optimal aufgestellt, um in Deutschland und Europa einen maßgeblichen Beitrag zur Umstellung auf saubere, wettbewerbsfähige und zuverlässige Energieträger wie Solar- und Windenergie zu leisten.“

Kretinsky kommt nicht zum Zug

Lange war zwischen den Steag-Anteilseignern um die genaue Gestaltung des Verkaufsverfahrens gerungen worden. Wird das Unternehmen als Ganzes verkauft, was vor allem die Gewerkschaft IGBCE mit ihrem einflussreichen Chef Michael Vassiliadis vorantrieb, oder ist ein Verkauf in Teilen nicht doch ertragreicher? Den Eignern ging es vor allem darum, ihre Verluste zu verringern. Aber die Lage änderte sich durch den Ausbruch des Ukrainekriegs fundamental. Plötzlich war mit den Steinkohlekraftwerken der Steag richtig Geld zu verdienen, zum Teil mussten die sogar aus der Reserve geholt werden – auf Geheiß eines grünen Wirtschafts- und Klimaministers. Plötzlich sprudelten die Einnahmen und mit jedem Tag stieg die Attraktivität der Steag auch für Investoren.

Offenbar war bis zuletzt auch der tschechische Milliardär Daniel Kretinsky mit seiner Energieholding EPH im Rennen. Ihm gehört auch der ostdeutsche Kohleverstromer LEAG, auch über einen Einstieg Kretinskys bei Thyssenkrupp wird spekuliert. Die RAG-Stiftung bestätigte vor wenigen Tagen, dass sie sich in „fortgeschrittenen Verhandlungen zur Bildung eines Konsortiums mit EPH“ befinde. Bei der Steag jedenfalls ist dieses Konsortium nun nicht zum Zug gekommen.

In den Kommunen dürften sie heute erstmal die Korken knallen lassen. Ein Alptraum scheint zu Ende. Wobei: Vor dem „Closing“ ist nichts zu Ende. Und bei der Steag weiß man erfahrungsgemäß nie.

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