G20: Chinas bitterkalte Schulter

Chinas Präsident Xi Jinping
Foto: via REUTERSDie Absage von Xi Jinping für den G20-Gipfel sorgt für Aufsehen. Doch die Gründe gehen weit über den Grenzkonflikt mit Gastgeber Indien hinaus. Zweifellos belastet der anhaltende Streit im Himalaya die Beziehungen. Auch sein Verhältnis zu Indiens Premier Narendra Modi gilt als angespannt. Aber Xis Signal der Abwesenheit gilt weniger Indien – sondern vor allem dem Westen.
Gerade erst ist er aus Südafrika zurückgekehrt, wo er beim Brics-Gipfel einen diplomatischen Erfolg verbuchen konnte. Die Mitglieder Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika haben sich darauf geeinigt, ihren Club der aufstrebenden Wirtschaftsmächte des globalen Südens zu erweitern. Neu dabei sind unter anderem autokratische Staaten wie Saudi-Arabien und der Iran. Die Brics, so sieht es Xi, sollen zum Rückgrat einer neuen Weltordnung werden, in der nicht mehr der Westen die Regeln bestimmt. Die Absage des G20-Gipfels soll diese Botschaft noch verstärken.
Die chinesische Führung begeht damit aber wohl einen Fehler – und schadet der eigenen Wirtschaft. China ist (noch) nicht so stark, wie Xi glaubt. Sein Land verliert mit der Politik des leeren Stuhls im Westen an Ansehen. Dabei bräuchte es dringend mehr Dialog, nicht weniger.
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