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Leben mit AktienDiese vier Baustellen muss Disney bewältigen

Die Disney-Aktie bleibt schwach – aus guten Gründen. Ob der Maus-Konzern das Comeback schafft, hängt davon ab, ob er auf vier kritischen Gebieten die Wende schafft.Jan-Lukas Schmitt 16.09.2023 - 10:55 Uhr

Eingang zu den Walt Disney Studios im Disneyland Paris

Foto: imago images

Anleger konnten es kaum schlechter treffen: Die Disney-Aktie ist mit einem Kursverlust von 30 Prozent in zwölf Monaten der zweitschwächste Wert im Dow-Jones-Index. Seit dem Covid-Boom Anfang 2021 hat die Aktie gar 60 Prozent eingebüßt. Der aktuelle Kurs liegt mit 80 Dollar auf demselben Niveau wie im Mai 2014, also vor bald zehn Jahren. Dividende gibt es auch nicht mehr – nichts kann das Kursdebakel kompensieren.

Mit Blick auf die Einnahmen scheint die desaströse Zehn-Jahres-Performance irrational. Denn die lagen im vergangenen Jahr rund zwei Drittel über denen von 2014. Dieser Wert ist aber auch das Einzige, was gewachsen ist. Die Rohmarge fiel von ehemals über 40 Prozent auf jetzt unter 30 Prozent. Der Vorsteuergewinn, der zwischen 2014 und 2019 verlässlich im zweistelligen Milliardenbereich lag, ist auf zuletzt vier Milliarden Dollar geschrumpft, das Ergebnis je Aktie von durchschnittlich 5,0 auf 1,24 Dollar eingebrochen. Und der freie Mittelzufluss, der jahrelang zwischen sechs und acht Milliarden Dollar betrug, liegt nun bei 2,8 Milliarden.

Das alles zeigt: Die Börse ist hier nicht irrational – sie zeigt eine rationale Reaktion auf eine strukturelle Krise. Die Frage ist, ob Disney diese Krise bewältigen kann. Denn der Konzern hat gleich vier Baustellen.

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Diese Probleme muss Disney lösen

Erstens: Disney macht noch immer rund ein Drittel seines Umsatzes mit klassischem Kabelfernsehen. Aber die Anzahl der US-Haushalte mit Bezahl-Kabelfernsehen ist in den vergangenen zehn Jahren um 40 Prozent gesunken – dieser Trend dürfte sich fortsetzen. Um auszugleichen, dass die Kunden stiften gehen, steigen die Preise. Das treibt wiederum noch mehr Kunden in die Kündigung.

Zweitens: Disneys Streaming-Sparte Disney+ hat zwar einen rasanten Start hingelegt und kam Ende 2022 auf 164 Millionen Abonnenten. Doch seit Disney+ die Preise angehoben hat, ist die Abonnentenzahl auf 146 Millionen gefallen. Und auch wenn das Preis-Plus den Umsatz gepusht hat: Von Profitabilität ist der Streamingdienst weit entfernt. Dazu ist der Wettbewerb brutal: Netflix, Paramount, Warner Bros sowie Apple und Amazon machen Druck.

Drittens: Die Freizeitparks und Kreuzfahrtschiffe des Konzerns sorgen zwar noch immer für sprudelnde Einnahmen. Allerdings haben die Preise dort stark angezogen, sodass nicht mehr viel Luft nach oben ist. Ein Besuch in Disneyland war immer schon eine Herausforderung für den Geldbeutel und für viele eher Luxus – ein Luxus, auf den man auch verzichten kann. Selbst die konsumfreudigen Amerikaner fühlen sich in Disneys Freizeitparks offenbar zunehmend ausgenommen. Zumal dort der Service reduziert wurde, weil man Tausende Mitarbeiter entlassen hat, um Geld zu sparen.

Damit sind wir bei Punkt vier: Disney braucht Geld. Die Nettoverschuldung liegt inzwischen bei 33 Milliarden Dollar. Ins Kontor schlug vor allem die Übernahme des Filmkatalogs von 21st Century Fox im Jahr 2019. Bei einem Gewinn vor Zinsen, Steuern und Wertberichtigungen (Ebitda) von in diesem Jahr voraussichtlich elf bis zwölf Milliarden Dollar reizt das Unternehmen die Grenze der gesunden Fremdfinanzierung allmählich aus. Zumal jährlich vier bis sechs Milliarden refinanziert werden müssen – zu einem nun erhöhten Zinsniveau. Die schmale Konzernkasse engt den Spielraum für Investitionen in die Entwicklung neuer Inhalte und ins Marketing ein. Dabei wären die dringend notwendig.

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Damit droht Disney auch seine Magie zu verlieren. Denn der Konzern lebt seit Jahrzehnten von guten Stoffen und kreativen Geistern – aber die vergrätzt man gerade eher.

Bietet die Kursschwäche Einstiegschancen?

Disney hat also beachtliche Baustellen. Zwar verdient das Unternehmen nach wie vor Geld. Doch die vermeintlich günstige Börsenbewertung täuscht: Für das kommende Jahr (das aktuelle Geschäftsjahr endet für Disney im September) gehen die Analysten im Schnitt von einem Gewinn von fünf Dollar je Aktie aus. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) läge dann bei 16. Allerdings: Die Spannweite der Schätzungen ist immens und liegt zwischen 4,50 und 7,0 Dollar – was die Unsicherheit der professionellen Beobachter offenbart. 2018/19 gab es die Disney-Aktie schonmal zum 14-fachen Gewinn – und damals stand der Konzern hinsichtlich der Ertragsqualität deutlich besser da.

Unterm Strich heißt das: Disney ist momentan ein Hoffnungswert. Es gibt keine klare, an Meilensteinen festzumachende Wende-Strategie. Anleger müssen letztlich darauf vertrauen, dass die „Magie“ am Ende ausreicht, um das Ding zu drehen. Das größte Risiko dabei ist, dass der Konzern nicht die Zeit bekommt, die er für eine echte Kehrtwende bräuchte – etwa, weil die Zinsen noch weiter steigen als gedacht.

Denkbar wäre dann, dass Disney sich filetiert, Unternehmensteile zu miesen Preisen verkaufen muss oder komplett übernommen wird. Apple und Amazon werden immer wieder als potenzielle Interessenten genannt. Eine Übernahmespekulation lohnt sich aber nicht: Denn damit Big Tech zugreift, muss der Kurs wohl erst einmal noch weiter fallen.

Mehr zur Disney-Aktie können Sie im Podcast „Leben mit Aktien“ hören. Außerdem sprechen wir über den Börsengang von ARM, welche Argumente es für Öl-Aktien gibt und darüber, was der Index-Abstieg von Krones über Governance und passives Investieren lehrt.

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