Nachhaltigkeits-Preis: Sustainable Impact Award: Das sind die Gewinner
Der Sustainable Impact Award (SIA) wurde das dritte Mal verliehen.
Foto: Marc-Steffen UngerUm Probleme sehen und lösen zu können, lohnt sich ein Wechsel der Perspektive. Im Hoch 5 kann man weit über die Dächer Münchens blicken und steht zugleich auf dem ehemaligen Betriebsgelände des Lebensmittelherstellers Pfanni, bekannt vor allem für fertig abgepackte Kartoffelknödel. Heute ist das sogenannte Werksviertel einer der spannendsten Orte der bayerischen Landeshauptstadt. Zwischen alten Schiffscontainern, Fabrikhallen und Bürotürmen wechseln sich Büros, Cafés, Kitas und Start-ups ab. Wer ein Beispiel für eine gelungene grüne Transformation sucht, ist hier richtig.
Und genau darum geht es an diesem Montagabend: Um Beispiele, wie Unternehmen nachhaltig wirtschaften können; wie sie ihr Geschäftsmodell anpassen und zu Vorreitern werden können. Zu diesem Zweck hat die WirtschaftsWoche zusammen mit Generali, Lavazza und dem Bundesverband Der Mittelstand zum dritten „Sustainable Impact Award“ (SIA) geladen. Prämiert wurden Unternehmen, die sich in herausragender Weise dem Thema Nachhaltigkeit widmen.
Bei Wein und Risotto wurden in leichter Atmosphäre schwere Themen besprochen. Denn die Zeit drängt: die Klimakrise zeigt immer häufiger ihre dramatischen Folgen, und der Druck für Wirtschaft und Gesellschaft sich anzupassen steigt. Horst von Buttlar, Chefredakteur der WirtschaftsWoche, forderte deshalb, dass „Nachhaltigkeit zur DNA jedes Unternehmens“ werden muss. Vor der Preisverleihung diskutierte er mit Gunter Erfurt, Chef des Schweizer Solarherstellers Meyer Burger, über Chancen und Risiken der Branche. Und legte gleich den Finger in die Wunde.
Horst von Buttlar, Chefredakteur der WirtschaftsWoche, im Gespräch mit Gunter Erfurt, CEO des Solarherstellers Meyer Burger.
Foto: Marc-Steffen UngerDie Uhr tickt
Denn obwohl die Solarbranche einen nie gekannten Boom erlebt – von 2021 bis 2022 ist die weltweite Produktion um rund 50 Prozent gestiegen – haben es europäische Hersteller hierzulande schwer. „Vor 12, 13 Jahren hatte Deutschland die größte Solarindustrie der Welt“, sagte Erfurt. Dann kamen die Chinesen, kopierten die europäische Technologie und subventionierten sie massiv. Ein Großteil der deutschen Solarhersteller ging pleite. Heute gebe es eine neue Chance für Europa, sagt Erfurt, aber die Zeit dränge. „Die USA rollen uns den roten Teppich aus“, sagte er, um im internationalen Wettbewerb mitzuhalten, bleibe Europa nur noch bis Ende des Jahres Zeit, um die nötigen Rahmenbedingungen für die Unternehmen zu verbessern.
Neben Warnungen gab es aber auch viele erfreuliche Erkenntnisse an diesem Abend. Und die kamen, natürlich, vor allem durch die Finalisten und Preisträger zustande. Familienunternehmen, kleine und mittelständische Betriebe, die die grüne Transformation nicht nur versprechen, sondern bereits erfolgreich umsetzen. „Drei von vier Unternehmen sagen, dass Nachhaltigkeit profitabel ist“, betonte Professorin Petra Moog, Expertin für nachhaltiges Wirtschaften. Sie verweist auf die Ergebnisse des „Sustainability Reports 2023“: durch Klimafreundlichkeit, hohe Sozialstandards und gerechte Unternehmensführung können Mittelständler oft ihre Wirtschaftskraft steigern, sich im Markt positionieren und trotz des allgemeinen Fachkräftemangels leichter neue Mitarbeiter finden.
Die Finalisten und Preisträger der SIA Awards 2023.
Foto: Marc-Steffen UngerDas sind die Gewinner
Das bestätigen auch die Preisträger der SIA Awards 2023: Durch die Beachtung von ESG-Standards (Environmental, Social, Governance) lassen sich ökonomische und ökologische Interessen verbinden. Für seinen „Impact on Earth“ wurde Gemüsebau Steiner ausgezeichnet. Das bayerische Unternehmen überzeugte die Jury durch die ressourcenschonende Produktion von regionalem Obst und Gemüse – ohne den Einsatz von Chemie. Zudem konnten durch den Bau einer Geothermieanlage auch viele private Haushalte in der Umgebung an ein Fernwärmenetz angeschlossen werden.
Der Preis in der Kategorie „Impact of Product“ ging an die Alfred Ritter GmbH, bekannt vor allem für die Schokoladenmarke „Ritter Sport“. Mit jahrelanger Arbeit hat es das Familienunternehmen geschafft, seine Kakaoproduktion klimaneutral zu machen, lokalen Bauern faire Löhne zu zahlen und eine nachhaltige Milchwirtschaft aufzubauen. Der ehrgeizige Ansatz: „Wirtschaften zum Wohle der Natur“, sagte der Geschäftsführer Alfred Ronken bei der Preisverleihung. Und: „Zu zeigen, dass auch ein Produkt, das wenig kostet, nachhaltig produziert werden kann.“
Vetter Pharma-Fertigung durfte sich bereits zum zweiten Mal über einen SIA-Award freuen: In der Kategorie „Impact of Social Engagement“ überzeugte der Ravensburger Pharmadienstleister die Jury durch die Herstellung von selbst injizierbaren Medikamenten. Dies ermöglicht die Behandlung von Krebs, Multipler Sklerose und anderen Krankheiten. Obendrein bietet Vetter Pharma den eigenen rund 6000 Mitarbeitern standardmäßig eine verbesserte Versorgung im Krankheitsfall.
Eine nachdenkliche Note steuerte ein Teilnehmer beim Essen der Desserts bei. Zwischen zwei Bissen sagte er: „Ein Preis für Unternehmen, die Vorreiter beim Thema Nachhaltigkeit sind – und das im Jahr 2023. Eigentlich müssten wir alle längst Vorreiter sein.“ Mit anderen Worten: An den prämierten Unternehmen können sich viele andere in Deutschland ein Beispiel nehmen. Am besten so schnell wie möglich.
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