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Wahl in PolenRegierungspartei PiS verliert Mehrheit – Opposition feiert

In Polen liegt die national-konservative Partei PiS (Recht und Gerechtigkeit) von Jaroslaw Kaczynski bei der Parlamentswahl zwar vorne. Trotzdem könnte es zu einem Regierungswechsel kommen. 16.10.2023 - 11:53 Uhr aktualisiert Quelle: dpa

Oppositionsführer Donald Tusk.

Foto: dpa

In Polen könnte es nach der Parlamentswahl eine radikale Kehrtwende geben. Die regierende national-konservative Partei PiS (Recht und Gerechtigkeit) von Ministerpräsident Mateusz Morawiecki hat Prognosen zufolge keine Mehrheit mehr. Eine Schlüsselrolle kommt nun Oppositionsführer Donald Tusk zu. Der 66-jährige frühere EU-Ratspräsident könnte eine Regierung schmieden – und den Dauerstreit mit Brüssel beenden. Verbindliche Ergebnisse liegen aber noch nicht vor. Und Präsident Andrzej Duda, selbst aus dem PiS-Lager, könnte zunächst der PiS den Auftrag erteilen, eine neue Regierung zu formen.

In den jüngsten Prognosen aus der Nacht zu Montag kam die PiS auf 36,6 Prozent der Stimmen. Sie kann damit mit 198 der 460 Sitze im Parlament rechnen, hat also keine Mehrheit. Das liberal-konservative Wahlbündnis Bürgerkoalition (KO) von Tusk kommt auf 31,0 Prozent der Stimmen. Denkbar sind 248 Sitze für Oppositionsparteien, die gegen die PiS angetreten sind. Tusk könnte damit neuer Ministerpräsident werden, sollte er eine Regierung bilden können mit dem Dritten Weg, einem Bündnis der Mitte, sowie der Neuen Linken.

Tusk sagte, die Demokratie habe gewonnen, und die PiS werde aus dem Amt entfernt. „Ich war in meinem Leben noch nie so glücklich.“ Die Regierungsbildung könnte sich allerdings über Monate hinziehen. Der Dritte Weg schloss eine Koalition mit der PiS bereits aus. Die polnische Währung – der Zloty – war nach der Wahl gefragt. Er verteuerte sich am Montag um 1,3 Prozent. Die wichtigsten Aktienindizes des Landes legten um rund drei Prozent zu, vor allem Papiere von Banken waren begehrt. Die Wahl galt aus europäischer Perspektive als eine der wichtigsten seit Jahren.

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Tusk hat versprochen, das Verhältnis zur EU wieder zu verbessern. Es ist seit Jahren stark belastet durch Streit über die Justizreform, über Rechte von Homosexuellen sowie wegen Migrationsfragen. Kritiker werfen der PiS vor, seit der Amtsübernahme 2015 die Unabhängigkeit von Gerichten und Medien untergraben zu haben. Deswegen hat die EU für Polen bestimmte Mittel im Umfang von rund 110 Milliarden Euro eingefroren.

Wer bekommt den Auftrag zur Regierungsbildung?

PiS-Chef Jaroslaw Kaczynski hatte seinen Anhängern nach der Wahl zugerufen, es sei unklar, ob es für eine weitere Amtszeit reiche. „Wir müssen hoffen.“ Ministerpräsident Morawiecki erklärte seine Partei dagegen zum Sieger. Sie werde versuchen, eine stabile Regierung zu bilden, sollte sie den Auftrag dazu vom Präsidenten bekommen. Dieser hatte zuletzt signalisiert, der stärksten Partei den ersten Versuch überlassen zu wollen. Der PiS fehlen aber die Partner. Die rechtsextreme Konföderation ist mit 6,2 Prozent der Stimmen hinter den Erwartungen zurückgeblieben.



Rund 30 Millionen Wahlberechtigte waren am Sonntag aufgerufen, ein neues Parlament zu bestimmen. Wegen des Krieges im Nachbarland Ukraine und steigender Flüchtlingszahlen galt der Urnengang als Richtungswahl. Polen kommt bei der Unterstützung der Ukraine eine wichtige Rolle zu. Der Wahlkampf war geprägt vom Thema Migration und Attacken auf die EU und Deutschland.

Die PiS hat ihre Reformen immer wieder verteidigt. Sie sollen das Land und die Wirtschaft fairer machen und die letzten Überreste des Kommunismus beseitigen. Die Partei galt wegen großzügiger Sozialprogramme als erfolgreich und hat davor gewarnt, dass andere Parteien diese stoppen könnten.

Die polnischen Finanzmärkte haben am Montag mit Kursgewinnen auf Umfrageergebnisse zur Parlamentswahl reagiert. Der Aktienindex WIG20 legte am Vormittag deutlich um zuletzt 3,2 Prozent zu. Die Landeswährung Zloty stieg verglichen mit dem US-Dollar und dem Euro um jeweils mehr als ein Prozent. Auch polnische Staatsanleihen legten im Kurs zu. Im Gegenzug fiel der Risikoaufschlag zehnjähriger Papiere zu deutschen Bundesanleihen auf den tiefsten Stand seit etwa einem Jahr.

Lesen Sie auch: Polens nationale PiS-Regierung verteilt vor der Wahl Geschenke – und riskiert den Wirtschaftsstandort.

rtr, dpa
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