1. Startseite
  2. Unternehmen
  3. IT
  4. Grok: Elon Musk stellt eigenen AI-Chatbot vor

Künstliche IntelligenzWas Elon Musk mit seinem sarkastischen Chatbot Grok vorhat

In Rekordzeit hat Elon Musk mit Grok seinen eigenen AI-Chatbot entwickeln lassen. Wahrscheinlich, um OpenAI und dessen Bündnispartner Microsoft in die Parade zu fahren.Matthias Hohensee 06.11.2023 - 11:58 Uhr aktualisiert

Elon Musks Start-up für künstliche Intelligenz X.AI wird in seine Social-Media-Plattform X integriert, aber auch als eigenständige App verfügbar sein.

Foto: imago images

Es ist genau die Art von Humor, die Elon Musk liebt. Am Wochenende gaben der Multimilliardär und das Team seines Künstliche-Intelligenz-Start-ups X.AI die Premiere ihres ersten Chatbots namens Grok bekannt.
Eines seiner Unterscheidungsmerkmale zu der inzwischen zahlreichen Konkurrenz: Grok – der Name stammt aus einem Science-Fiction Roman und soll Intuition bedeuten – „wird brenzlige Fragen beantworten, die von den meisten anderen AI-Systemen abgelehnt werden.“

Das erste Beispiel dafür lieferte Musk über seinen Kurznachrichtendienst X – vormals Twitter: Eine Anleitung, wie man Kokain zu Hause herstellt.

Erster Schritt: Einen Abschluss in Chemie und eine Lizenz von der Drogenüberwachungsbehörde DEA erlangen. Wenn beim Letzteren nicht schon die Handschellen zuschnappen, wird man immerhin in Punkt vier gewarnt, sich beim Kochen nicht selbst in die Luft zu jagen. Es ist ein Witz nach dem Stil von Musk, der für Wortspiele schon mal Gegenstände wie ein Waschbecken mit sich herumschleppt – „let that sink in“.

Muss sich jetzt also OpenAI mit ChatGPT warm anziehen? Erstmal nicht. Noch ist Grok nur ein Test, soll als Beta-Produkt einem begrenzten Personenkreis in den USA – wahrscheinlich von Musk selbst ausgewählt – bereitgestellt werden. Später, so kündigte Musk an, soll es Bestandteil der anzeigenfreien Premiumversion von X werden, für die das Unternehmen derzeit 16 Dollar pro Monat verlangt. Zum Vergleich: OpenAI verlangt für die leistungsfähigste Version seines Chatbots derzeit 20 Dollar pro Monat.

Interessant ist, dass Grok auf aktuelle Daten von X zugreifen kann. X.AI nennt das „Echtzeitwissen“. „Was gerade geschieht“ war bislang das Motto von X-Vorläufer Twitter und noch heute ist es trotz aller Kritik an den von Musk vorgenommen Veränderungen eine wichtige Quelle über aktuelle Geschehnisse in der Welt. Wenn Grok diese tatsächlich live in seine Aussagen einbeziehen kann, könnte der Chatbot sogar Googles Bard oder der ChatGPT-Version in Bing von Microsoft überlegen sein. Aber die Herausforderung wäre noch größer als bei der Konkurrenz, zwischen Tatsachen und Gerüchten oder gar Lügen zu unterscheiden.

Spannend ist auch, wie Grok dazu benutzt werden kann, um Musks Umbau von X voranzutreiben. Musk will bekanntlich die ihm gerichtlich aufgezwungene Akquise zu einer Art Universaldienst ähnlich WeChat umbauen, mit dem Nutzer nicht nur ihren Medienkonsum stillen, sondern auch noch einkaufen, bezahlen und investieren sollen. Grok könnte dabei als eine Art persönlicher Assistent zur Seite stehen.

So wurde Elon Musk zum Multimilliardär
Elon Musk wurde 1971 im Südafrikanischen Pretoria als Sohn seiner kanadischen Mutter Maye Musk und seines südafrikanischen Vaters Errol Musk geboren. Bereits in seiner Kindheit entwickelte er ein großes Interesse fürs Programmieren, sodass er mit zwölf Jahren sein erstes Computerspiel entwickelte und für 500 Dollar verkaufte. Kurz vor seinem 18. Geburtstag wandert er nach Kanada aus, um der südafrikanischen Wehrpflicht zu entgehen. Nach zwei Jahren an der Queens University im kanadischen Kingston wechselt er an die University of Pennsylvania, wo er seinen Bachelor in Physik und Wirtschaft abschließt. Sein anschließendes Studium an der Stanford University in Kalifornien brach er nach nur zwei Tagen ab und widmete sich seinem ersten Start-up Zip2.
Das Internet-Medienunternehmen Zip2 wurde von Musk, seinem Bruder Kimbal und Greg Kouri gegründet. Sie entwickelten eine Online-Stadtführer-Software, die sie an Zeitungen lizenzierten. 1999 wurde es für 305 Millionen Dollar von Compaq Computer übernommen. Musk erhielt für seine Anteile 22 Millionen Dollar.
Musk startete den Online-Bezahldienst X.com, aus dem später PayPal wurde. 2002 kaufte eBay die Firma für 1,5 Milliarden Dollar. Musk kassierte für seine Anteile knapp 175 Millionen Dollar.
Mit 100 Millionen Dollar aus seinem eigenen Vermögen gründete er das Raumfahrtunternehmen SpaceX. Mehrere Fehlstarts führten dazu, dass Musk und seinem Unternehmen fast das Geld ausging. Doch nach dem erfolgreichen Start der Falcon 1 erhielt SpaceX 1,6 Milliarden Dollar für 12 Flüge von der NASA. In den folgenden Jahren arbeitete das Unternehmen an wiederverwendbaren Raketen. Im Jahr 2020 brachte SpaceX als erstes Privatunternehmen Astronauten zur ISS.
Musk beteiligt sich zuerst als Investor am Elektroautohersteller und wird später Mitgründer und CEO. Teslas erstes E-Auto war der Tesla Roadster aus dem Jahr 2008. 2012 begann Tesla dann mit der Auslieferung ihrer Model S Limousine. In den folgenden Jahren stieg Tesla zum wertvollsten Autohersteller der Welt auf. Durch den stark steigenden Kurs der Teslaaktie vervielfachte sich auch das Vermögen von Großaktionär und CEO Elon Musk.
2006: Musk kofinanzierte das Solar-Start-Up SolarCity seiner beiden Cousins. Der Anbieter für Solaranlagen wurde 2016 von Tesla übernommen. 2015: OpenAI wurde gegründet, um an künstlichen Intelligenzen zu forschen. Musk finanzierte das Projekt zusammen mit anderen Investoren. 2016: Musk gründete Neuralink, welches die Vernetzung des menschlichen Gehirns mit Maschinen vorantreibt. 2016: Das von Musk gegründete Unternehmen The Boring Company hat sich zum Ziel gesetzt, unterirdische "Hyperloop"-Tunnelsysteme zum schnellen Transport zwischen Städten wie New York und Washington zu errichten.
Im Oktober 2022 übernahm Elon Musk den Kurznachrichtendienst Twitter für knapp 44 Milliarden US-Dollar. Infolge seiner Übernahme entließ er einen großen Teil der Belegschaft und baute die in X umbenannte Plattform seitdem nach seinen Vorstellungen um. Seitdem geht es stetig bergab: Die Nutzerzahlen sanken rapide, Werbekunden brachen weg und Musk hat Milliarden an Schulden aufgeladen.(Stand: März 2024)

Und auch das ist ganz Musk-Manier: X.AI hat sein eigenes Sprachmodell namens Grok-1 nach eigenen Angaben in nur knapp vier Monaten geschaffen. Das ist Rekordzeit, auch wenn Elon Musk natürlich auf viele Talente zurückgreifen konnte, die von OpenAI und der Google-Tochter DeepMind abgeworben wurden.

Wer ist Igor Babuschkin?

Geführt wird die Entwicklung von X.AI von Igor Babuschkin. Der Experte für Künstliche Intelligenz studierte von 2010 bis 2015 Physik an der TU Dortmund. Ursprünglich auf Experimentelle Teilchenphysik spezialisiert, wandte er sich dem Maschinellen Lernen zu und heuerte bei DeepMind in London an. Für die er knapp vier Jahre arbeitete, bis Babuschkin für anderthalb Jahre zu OpenAI nach San Francisco wechselte und schließlich im April 2022 zu DeepMind zurückkehrte, mit Arbeitsort im Silicon Valley. Seit Mai 2023 arbeitet er nun für X.AI und stapelt tief – auf LinkedIn gibt er als Position „Mitglied des technischen Personals“ an. Auch das ganz nach dem Vorbild Musks, der traditionelle Titel nicht mag und sich lieber als „Techno-King“ denn als CEO bezeichnet.

Wie leistungsfähig ist Grok? Die genaue Zahl der Datenpunkte, mit denen das Sprachmodell trainiert wurde, gibt das Unternehmen nicht an. Nur dass sein Vorläufer 33 Milliarden Parameter umfasste. Zum Vergleich: Die freie Version von ChatGPT – Version 3.5 – wird mit 175 Milliarden Parametern angegeben.

Tesla Quartalszahlen

Darum bleibt Elon Musk bei seiner Preisschlacht

von Matthias Hohensee

In einem von X.AI veröffentlichten Test wird behauptet, alle Modelle in vergleichbaren Klassen so wie GPT 3.5, Inflection.AI und Metas LLaMA bei der Genauigkeit der Aussagen übertroffen zu haben. X.AI zog dafür mathematische Aufgaben, wie sie in den Jahrgangsstufen 5 bis 10 in der Schule gestellt werden, sowie Multiple-Choice-Fragen heran und ließ Grok zudem Codes in der Programmiersprache Python schreiben.

Besser waren nur GPT-4, Claude 2 von Anthropic sowie Palm 2 von Google, die mit wesentlich mehr Datenpunkten operieren, allerdings dafür auch weit mehr Rechenleistung verbrauchen.

Außerdem ließ man Grok-1 die Aufgaben der diesjährigen Mathe-Abi Prüfung von Ungarn lösen. Hier konnte das X.AI-Modell auch Claude 2 schlagen, unterlag allerdings GPT-4. Was das im alltäglichen Gebrauch für die Leistungsfähigkeit von Grok bedeutet, muss sich erst noch zeigen.

Lesen Sie auch: KI — „Die Chinesen probieren liebend gerne aus“

Trotzdem – dass X.AI solch ein leistungsfähiges Sprachmodell in nur vier Monaten auf die Beine stellen kann, ist bemerkenswert. Zwar ist nicht bekannt, welche finanziellen Ressourcen Musk dafür locker gemacht hat. Aber es wirft die Frage auf, wie wichtig der bloße Besitz von eigenen großen Sprachmodellen ist.

Laut der US-Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg versucht OpenAI gerade, frisches Kapital einzuwerben und soll dafür eine Unternehmensbewertung von 86 Milliarden Dollar aufrufen. Open.AI wirbt damit, in diesem Jahr mit Nutzungs- und Abogebühren bereits rund eine Milliarde Dollar umzusetzen. Gut möglich, dass Musk mit dem überraschend bekanntgegebenen Beta-Test von X.AI der Konkurrenz von Open.AI beim Werben um Investoren in die Parade fahren will. Ihn ärgert es noch heute, dass OpenAI, dass Musk 2015 selbst mit aus der Taufe hob und angeblich mit 100 Millionen Dollar unterstützte, zu einem profitorientierten Unternehmen umgewandelt wurde. Dass auch noch – so Musk – von Allianzpartner Microsoft dominiert werde, dem mächtigsten Softwareunternehmen der Welt. Schließlich war OpenAI einst als offene Alternative zu großen Tech-Konzernen gedacht, zum Start vor allem als Bastion gegenüber Google.

Musk hat einen großen Vorteil gegenüber dem Wettbewerb, ausgenommen Meta. X.AI hat mit X Zugriff auf eine eigene Datenquelle. Sein Vorläufer Twitter hat Musk 43 Milliarden Dollar gekostet. Inzwischen wird es von X selbst nur noch mit 19 Milliarden Dollar bewertet. Falls sich das selbst proklamierte „Echtzeit-Wissen“ tatsächlich als wettbewerbsentscheidend bei Künstlicher Intelligenz erweist, dürfte der Wert von X steigen.

Zwar wird Musk die Daten von X nicht exklusiv verwenden dürfen, wenn Regulierer den allgemeinen Zugriff auf wichtige Datenquellen verordnen, damit keine Monopole entstehen. Aber es wäre eine zusätzliche Einnahmequelle von X. Und wie man Musk kennt, wird er ausreizen, wie umfassend und vor allem schnell dieser Zugriff sein muss.

Lesen Sie auch: Wie KI zwei deutschen Gründern zum Blitzerfolg verholfen hat

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick