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InsolvenzzahlenEs gibt keine Pleitewelle – auch wenn es sich so anfühlt

Die Insolvenzen von Allgaier, Real und Fahrrad.de sorgten für Aufsehen. Auch insgesamt gibt es wieder mehr Pleiten. Die Folge: Die Insolvenzgeld-Ausgaben haben sich mehr als verdoppelt. Wie geht es 2024 weiter?Henryk Hielscher 15.11.2023 - 10:29 Uhr

Im Oktober wurden nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes 22,4 Prozent mehr Regelinsolvenzen beantragt als im Vorjahresmonat.

Foto: dpa

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen steigt weiter: Im Oktober wurden nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes 22,4 Prozent mehr Regelinsolvenzen beantragt als im Vorjahresmonat. Bereits seit Juni sind die Zuwachsraten zweistellig, im September waren es 19,5 Prozent. Das hat auch Folgen für die Insolvenzgeldzahlungen durch die Bundesagentur für Arbeit. „Bis zum Monatsabschluss Oktober haben wir 1,07 Milliarden Euro ausgegeben, mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum“, sagte ein Sprecher der Bundesagentur für Arbeit der WirtschaftsWoche. 

Über das Insolvenzgeld werden Lohn- und Gehaltszahlungen an Beschäftigte abgedeckt, deren Firmen Insolvenz anmelden. Die Ausgaben werden über eine von den Arbeitgebern zu zahlende Umlage finanziert, die von der Bundesagentur für Arbeit verwaltet wird. Bis Ende des Jahres werden dort Ausgaben von „maximal rund 1,2 Milliarden Euro“ erwartet. Alle Ausgaben würden durch die Insolvenzgeldumlage ausgeglichen und gegebenenfalls zusätzlich durch die Insolvenzgeldrücklage finanziert, die mit 2,2 Milliarden Euro derzeit gut gefüllt sei.

Trotz des Anstiegs sieht die Bundesagentur für Arbeit im mittelfristigen Vergleich „keine außergewöhnlich hohe Zahl an Insolvenzgeldanträgen“. Das deckt sich mit der Einschätzung des Berufsverbandes der Insolvenzverwalter und Sachwalter Deutschlands (VID). 

Weit unter dem Spitzenwert von 2009

Durch eine Reihe prominenter Insolvenzfälle sei zwar „das Gefühl einer Insolvenzwelle entstanden“, sagt VID-Vorsitzender Christoph Niering. Anhand konkreter Zahlen lasse sich dies aber nicht belegen. „Im Gegenteil, noch immer liegen die Unternehmensinsolvenzen weit unter dem Spitzenwert des Jahres 2009“, so Niering. 

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Tatsächlich sind viele Betriebe unter dem Eindruck von Corona und Energiekrise in den vergangenen Jahren mit massiven staatlichen Hilfen vor der Zahlungsunfähigkeit bewahrt worden. Die Insolvenzzahlen erreichten dadurch ausgerechnet in der Krise einen Tiefstand. Der aktuelle Anstieg wird von Experten daher als Normalisierung bewertet – und ist in verschiedenen Branchen auch unterschiedlich stark ausgeprägt. 

Neben energieintensiv produzierenden Unternehmen und Einrichtungen des Gesundheitswesens trifft es nach VID-Angaben derzeit besonders Unternehmen der Bau- und Immobilienwirtschaft. Erhöhte Zinsen und deutlich zurückgehende Nachfrage werden nicht nur große Projektentwickler und Bauträger in Bedrängnis bringen, sondern schon bald auch Handwerksbetriebe treffen.

Die Bundesagentur für Arbeit geht aber auch für 2024 nicht von einer Pleitewelle aus und rechnet damit, dass sich die Insolvenzgeldausgaben „nahezu auf dem Niveau von diesem Jahr bewegen werden“. Im Haushalt 2024 seien rund 1,1 Milliarden Euro vorgesehen, wobei das Verfahren aber noch nicht endgültig abgeschlossen ist.

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