Kodi, Tedi, Action & Co.: „Nur eine Handvoll Anbieter wird übrigbleiben“
„Sonderverkauf: Wenn weg, dann weg“, verkündet der Haushaltsdiscounter Kodi derzeit auf Werbeplakaten in seinen Filialen. Mit Kampfpreisen und bis zu 70 Prozent Rabatt will das Unternehmen Verbraucher davon überzeugen, Pfannen, Kerzen, Strumpfhosen und Deckenfarbe in einem der deutschlandweit 250 Kodi-Läden zu erstehen. Und tatsächlich ist der Kodi-Shop in Köln-Ehrenfeld an einem Donnerstagnachmittag kurz vor Weihnachten gut gefüllt. Das ist kaum verwunderlich: Angesichts der hohen Inflation sparen viele Haushalte. Beste Aussichten also für Billigheimer wie Kodi, Tedi & Co. Eigentlich.
Tatsächlich aber ist ihr Geschäft momentan kein Selbstläufer. Im Gegenteil: Der Wettbewerbsdruck unter den sogenannten Nonfood-Discountern steigt. Branchenschwergewichte wie Action und Woolworth sind auf Expansionskurs, zudem entern neue Angreifer die Billig-Liga, darunter etwa der polnische Pepco-Konzern und die chinesischen Onlineplayer Shein und Temu. Für kleinere Anbieter wie Kodi wird die Lage damit nicht einfacher. „Bei den Nonfood-Discountern rechnen wir mittelfristig mit einer Konsolidierungswelle“, erwartet daher auch Frank Liebold, Deutschlandchef des Kreditversicherers Atradius.
Zumal die Branche zwar einerseits vom Sparwillen der Verbraucher profitiert, sich aber andererseits selbst mit Kostensteigerungen konfrontiert sieht. So sind die Personalkosten unter anderem durch die Erhöhung des Mindestlohns gestiegen. Auch höhere Ausgaben für Energie und Mieten belasten. Denn die Unternehmen zahlen in der Regel Indexmieten. Das heißt, ihre Zahlungen sind an die Umsatzentwicklung gekoppelt – und diese war in den vergangenen Jahren ordentlich. „Da die Unternehmen aber die Kostensteigerungen nicht eins zu eins an ihre Kunden weitergeben können, geht dies zu Lasten der Profitabilität“, sagt Liebold.
Action, Pepco und Temu mischen den Markt auf
Schon jetzt seien die Margen der Nonfood-Discounter von sechs bis zehn auf nur noch zwei bis vier Prozent gesunken. Die Folge: „Die Discounter, die keine Lebensmittel verkaufen, geraten zunehmend unter Druck. Und nur die großen Marktteilnehmer mit einer entsprechenden Einkaufsmacht werden am Markt bestehen können“, so Liebold.
Über solche Größenvorteile verfügt etwa die niederländische Action-Gruppe, die neben ihrer Einkaufsmacht zudem mit ihrer ausgefeilten Logistik und Sortimentsteuerung punkten kann. Das Unternehmen betreibt in elf europäischen Ländern insgesamt mehr als 2400 Filialen. Allein in den ersten neun Monaten 2023 eröffnete Action nach eigenen Angaben 153 neue Standorte und steigerte den Umsatz um 30,5 Prozent auf 7,9 Milliarden Euro. Mehr als 500 Filialen betreibt Action mittlerweile in Deutschland und will weiter expandieren.
Ambitionierte Ziele verfolgt auch Pepco. Die polnische Kette für Kleidung und Haushaltswaren will 2000 Filialen in Deutschland eröffnen. Europaweit hat Pepco bereits rund 3000 Filialen. Hinzu kommen die chinesischen Onlinediscounter Shein und Temu, die offenbar sogar hohe Verluste in Kauf nehmen, um Marktanteile zu erobern.
Für heimische Billigheimer wie Tedi, Kodi, Thomas Philipps, Mäc Geiz oder Pfennigpfeiffer verschärft sich damit der Kampf um die Kunden. Mit gravierenden Auswirkungen: „Wir schätzen, dass am Ende vielleicht nur noch eine Handvoll Anbieter übrigbleibt“, so Liebold.
Darauf deutet auch ein Bericht der „Lebensmittel-Zeitung“ hin. Demnach soll die Kodi-Eigentümerfamilie Nölle derzeit die weiteren Perspektiven für den Nonfood-Discounter ausloten. Möglich scheint etwa eine Fusion mit Pfennigpfeiffer und Mäc Geiz. Offenbar wurden aber auch schon alternative Sanierungsschritte geprüft.
Wenig beruhigend dürfte für die Kodi-Beschäftigten auch die Meldung der „Lebensmittel-Zeitung“ sein, dass der umstrittene Berater Christian Müller an Bord geholt wurde. Er sorgte zuletzt unter anderem als Eigentümer des Schuhhändlers Reno für Schlagzeilen.
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