Soziale Netzwerke: Gefälschte Rolex- und Patek-Philippe-Uhren bei Elon Musks X
In dieser Rolex-Boutique können Kunden das Original kaufen. Bei Elon Musks X wurde dagegen vor Weihnachten offenbar kräftig für die Produktfälschung geworben.
Foto: imago imagesAntisemitismus-Vorwürfe, Hamas-Propaganda, Videos von Gewalt – in den vergangenen Wochen und Monaten sind Elon Musks Kurznachrichtendienst X deshalb jede Menge Werbekunden abhanden gekommen. Auch hat der Dienst seit ein paar Tagen ein Verfahren der Europäischen Union wegen Verstoßes gegen den sogenannten Digital Services Act (DSA) am Hals.
Eine Recherche der WirtschaftsWoche zeigt nun neue Abgründe bei X auf. So tauchen bei dem Twitter-Nachfolger immer häufiger bezahlte Werbeanzeigen für gefälschte Produkte wie Schweizer Luxusuhren in den Nachrichtenverläufen auf. Von angeblich verifizierten Konten mit blauem Haken.
Beworben wird etwa ein Rolex Oyster Perpetual Cosmograph für schnäppchenhafte 240 US-Dollar statt der 14.850 Euro, die Käufer bei seriösen Händlern laut Rolex bezahlen müssten. Oder eine Patek Philippe Aquanaut, die die Kreditkarte normalerweise mit 23.844 Euro belasten würde. Auf den zweifelhaften Portalen wie „Swiss Luxury“, die bei X Anzeigen schalten, soll eine mutmaßliche Fälschung der Uhr nur 399 Euro kosten.
Während jeder, der mit solch einer Uhr am Handgelenk oder im Koffer in die EU einreist, damit rechnen muss, dass diese vom Zoll beschlagnahmt und vernichtet wird, verdient X mit der Werbung für die gefälschten Produkte offenbar noch Geld.
Die Bemühungen des Internetdienstes, solche Anzeigen zu verhindern, erscheinen denn auch eher halbherzig. Zwar gibt es eine Funktion bei X, mit der man eine illegale Werbeanzeige melden kann. Die funktionellen Hürden dabei allerdings waren bei einem Test so hoch gesetzt, dass die meisten Nutzer eher entnervt aufgeben dürften.
So muss der Nutzer, wenn er eine solche Werbeanzeige entdeckt, auf einen Button daneben klicken, worauf sich eine Eingabemaske öffnet. In dieser werden mehrere Daten zu der Anzeige abgefragt, die sich nur ermitteln lassen, indem der Nutzer die Maske wieder schließt, wobei alle eingegebenen Informationen verloren gehen. Abgefragt wird etwa ein Nutzername, der sich nicht aus der Anzeige heraus kopieren lässt, sodass dieser händisch notiert werden muss. Merken kann man sich die Namen hinter solchen offenbar betrügerischen Anzeigen eher nicht. Dazu sind sie in vielen Fällen zu kryptisch: @AlfredaK63462 oder @SaraStrokes14946.
X reagierte nicht auf eine Anfrage zu dem Sachverhalt. Rolex und Patek Philippe, die betroffenen Schweizer Luxuxuhrenhersteller, äußerten sich ebenfalls nicht.
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