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Trend ResellingSo wollen Jugendliche mit Schuhen reich werden

Immer mehr junge Menschen steigen ins Geschäft mit dem Wiederverkauf begehrter Sneaker ein. Das ist allerdings nicht so einfach, wie man glauben könnte.Clara Ehrich 23.01.2024 - 10:48 Uhr

Nike Shox

Foto: dpa Picture-Alliance

Noah R. weiß, was mit Schuhen so alles möglich ist – finanziell gesehen. Es ist noch nicht lange her, da war der heute 20-Jährige, der nicht mit vollen Namen genannt werden möchte, groß im Geschäft mit dem Wiederverkauf begehrter Sneaker. Mit 18 fing er an: Im Onlineshop von Nike kaufte er Schuhe. Wenn sie am Zweitmarkt zu höheren Preisen gehandelt wurden, verkaufte er sie mit Gewinn weiter, meist über die Onlineplattform Vinted. Die Marge: ansehnlich. Etwa beim Modell Jordan 1 Low, das Nike in Zusammenarbeit mit dem Rapper Travis Scott herausgab. Kaufkosten: 160 Euro. Weiterverkaufen konnte R. den Schuh für 950 Euro. Inzwischen hat er das sogenannte Reselling zugunsten eines anderen Jobs an den Nagel gehängt. Aber gelohnt habe es sich schon, erzählt er.

Reselling liegt im Trend. Immer mehr Schülerinnen und Schüler wollen statt mit Babysitten oder Kellnern mit dem Wiederverkauf gefragter Sneaker etwas dazuverdienen. Die Vorteile: keine fixen Arbeitszeiten, kein nervender Chef. Und die Aussicht auf hohe Gewinne bei überschaubarem Aufwand.

Die Marktführer in Sachen Sneaker, allen voran Nike und Adidas, haben es geschafft, Turnschuhe zu Ikonen zu machen. Gelungen ist ihnen das vor allem durch Kollaborationen mit Stars wie Travis Scott oder Kanye West. Die Star-Sneaker sprechen ein junges Publikum an und gehören mittlerweile zu den erfolgreichsten Produkten der Sportartikelriesen. Und zu den teuersten. So kostete etwa ein angeblich auf 202 Stücke limitiertes Modell mit dem komplizierten Namen Nike SB Dunk Low Paris schon zum Start satte 10.000 Euro. Nachdem Travis Scott den Schuh als Gast bei einem Spiel der amerikanischen Profi-Basketballliga NBA getragen hatte, schoss der Preis auf manchen Reselling-Plattformen auf 40.000 Euro.

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Beim Reselling geht es im Kern darum, Schuhe zu identifizieren, die besonders beliebt sind, besonders selten, oder die aus anderen Gründen im Wert steigen könnten – und sie im Internet teurer wieder zu verkaufen. Das ist allerdings nicht so einfach, wie es klingt. Trends lassen sich schwer vorhersagen, auch das Angebot entwickelt sich mitunter anders als gedacht.

Ein gutes Beispiel für die Tücken des Reselling-Marktes sind die Nike Shox. Sie wurden ursprünglich im Jahr 2000 auf dem Markt gebracht. Bis 2017 gab es immer wieder neue Versionen des Schuhs, dann stellte Nike die Produktion ein. Rund um das Jahr 2022 wurden die Nike Shox auf einmal wieder populär und erzielten auf Reselling-Plattformen hohe Preise. Das Problem für Reseller: Der Schuh war auf einmal so beliebt, dass Nike die Produktion im Oktober 2023 wieder aufnahm, wenn auch in überschaubarem Umfang.

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Die Eintrittsbarrieren ins Reselling sind höher, als viele denken. Nicht jeder Schuh lässt sich einfach so im Laden kaufen. In den Filialen bekannter Händler wie Snipes und JD sind oft nur die gängigen Modelle zu haben. Und selbst, wenn es einen seltenen Schuh im stationären Handel gibt, ist er oft binnen Minuten ausverkauft. Manche Reseller campen deshalb vor Geschäften, nur um am nächsten Morgen den neuesten Schuh zu kaufen – und danach natürlich: weiterzuverkaufen. Wer an einen limitierten oder sonst wie besonderen Schuh herankommen will, hat bessere Chancen, bei dem Online-Sneaker-Shop StockX fündig zu werden, wo viele unterschiedliche Händler anzutreffen sind.

Das Los entscheidet

Eine weitere Möglichkeit, ins Geschäft mit dem Wiederverkauf von Turnschuhen einzusteigen, sind sogenannte Raffles, veranstaltet von Sneaker-Läden. Wer sich für so ein Event einträgt, dessen Name wandert in einen Lostopf. Die Gewinner bekommen die Möglichkeit, einen bestimmten Sneaker zu kaufen. Richtig gelesen: Als Preis gibt es nicht den Schuh selbst. Sondern die Chance, ihn zum Einzelhandelspreis zu erwerben. Und zwar in der eigenen Größe.

Die Schuhgröße des Käufers ist deshalb wichtig, weil professionelle Sneaker-Händler über das florierende Reselling-Business Bescheid wissen – und es ihnen ein Dorn im Auge ist. Viele Läden achten daher beim normalen Verkauf und bei Raffles darauf, dass Kunden die Schuhe wenigstens augenscheinlich für den Eigenbedarf kaufen. Reselling ist zwar nicht verboten. Aber es gefällt den Einzelhändlern nicht, wenn ihre Produkte im Internet für ein Vielfaches des Originalpreises gehandelt werden.

Wer sich von den Hürden zum Start nicht schrecken lässt, kann loslegen und Geld verdienen. Bloß: Zu viel sollte es nicht sein. Seit vergangenem Jahr müssen Plattformen wie Ebay und Vinted auch private Verkäufer an die Finanzbehörden melden, wenn diese bei ihnen pro Jahr mindestens 30 Verkäufe vornehmen oder mindestens 2000 Euro damit verdienen. Den meisten Jugendlichen dürfte es beim Reselling aber dann doch weniger um das ganz große Geld gehen – und mehr um den Spaß an der Jagd nach seltenen Sneakern.

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