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PannenserieBoeings Krise ist eine Warnung an alle Manager

Die Produktqualität nach unten drehen, um Kosten zu senken? Das steigert zwar kurzfristig Rendite und Boni, rächt sich aber langfristig. Diese Nach-mir-die-Sintflut-Strategie muss geächtet werden. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Thomas Stölzel 12.03.2024 - 13:27 Uhr

Boeing 737-MAX-Maschinen vor der Boeing-Fabrik in Renton.

Foto: REUTERS

Die Pannenserie beim US-Flugzeugbauer Boeing reißt nicht ab. Am Donnerstag verlor eine Boeing 777 von United Airlines beim Start in San Francisco ein Rad. Eine neue 737 Max ebenfalls von United kam am Wochenende in Houston von der Bahn ab, landete im Gras. Und am Montag sackte dann eine Boeing 787 Dreamliner der chilenischen Fluglinie Latam zwischen Sydney und Auckland aufgrund eines „technischen Problems“ abrupt ab, wobei 50 Passagiere und Crewmitglieder verletzt wurden.

Erst im Januar hatte der Druck in der Kabine einer Boeing 737 Max von Alaska Airlines eine versiegelte Tür wegen mangelhafter Bolzen herausgesprengt. Und 2018 starben bei Abstürzen desselben Typs 346 Menschen, worauf ein weltweites Startverbot verhängt wurde.

Obgleich bei den jüngsten Vorkommnissen noch die Frage im Raum steht, ob es sich wirklich um ein Versagen bei Boeing handelt, ist inzwischen belegt: Hinter der Pannenserie stecken zumindest teilweise langjährige Managementfehler im Konzern. Boeing hatte die Qualitätssicherung und die Produktentwicklung zugunsten der Rendite vernachlässigt.

Flugzeugbauer

Boeing schasst Max-Chef wegen herausgebrochenem Rumpfteil

Was das Unternehmen nun erlebt, sollte weit über die Branche der Flugzeugbauer hinaus ein Warnsignal an Manager sein. Denn die ziemlich einfallslose Strategie, die Produktqualität den Quartalszahlen und den eigenen Boni zu opfern, ist erschreckend weit verbreitet.

Das gilt zum Beispiel auch für Airlines, die Sitzabstände so weit reduzieren, dass sie selbst für normalgroße Menschen kaum noch zumutbar sind und damit etwa für ältere Menschen auf längeren Strecken sogar zum Gesundheitsrisiko werden können. Oder für Autobauer. So hatte der ADAC vor einer Weile bei Tests von 580 Automodellen festgestellt, dass die Qualität neuer Fahrzeuge immer weiter abnimmt, auch bei deutschen Produzenten. Umfragen unter Verbrauchern lassen auf einen ähnlichen Trend bei Lebensmitteln schließen. 

Negativbeispiel Bahn

Boeing ist nicht der einzige Konzern, der unter den Auswirkungen einer kurzfristigen Managementdenke leidet. Ein weiterer ist die Deutsche Bahn, die ihre Infrastruktur in den 2000er-Jahren vernachlässigt hatte, um sich fit für einen Börsengang zu machen. Das heutige Verspätungschaos ist die Folge.

Manager und Controller können, indem sie Stellen etwa in der Qualitätssicherung streichen, indem sie Leistungen kürzen, indem sie neue Produkte nur halbherzig aufsetzen und andere herunterwirtschaften, zwar schnell ihre Quartalszahlen aufpeppen. Nicht selten angestachelt von einfallslosen Beratern. Das mag sogar eine Weile gut gehen. Doch eine solche Strategie rächt sich irgendwann. Denn was diese Manager gern vergessen, ist die simple Tatsache: Das Produkt ist immer das wichtigste Asset eines Unternehmens.

Wer eine gute Marke ausquetscht, bis nichts mehr von ihr übrig ist, zerstört das Fundament des Unternehmens. Bei Boeing wird das gerade eindrucksvoll sichtbar. Der einst stolze, von vielen bewunderte Flugzeugbauer ist zum Sorgenkind geworden. Vielflieger versuchen, Maschinen des Herstellers zu meiden, selbst wenn das nicht immer möglich ist. In wichtigen Märkten wie China schrumpft der Marktanteil inzwischen deutlich zugunsten des Konkurrenten Airbus. Das alles wird sich über kurz oder lang auch auf die langfristige Rendite auswirken – und zwar sehr negativ. Kein Wunder also, dass die Boeing-Aktie seit Jahresanfang 25 Prozent ihres Wertes verloren hat.

Lesen Sie auch: Boeing braucht einen Max-Ersatz – aber nicht wegen des aktuellen Unfalls

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