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ParfümerieketteDouglas-Aktie fällt bei Börsen-Start unter Ausgabepreis

Die Parfümeriekette ist in vielen Fußgängerzonen zu finden. Nun kehrt Douglas an die Börse zurück – die Aktie fällt bei Börsen-Start unter Ausgabepreis.dpa und Reuters 21.03.2024 - 10:59 Uhr aktualisiert Quelle: dpa

Ein Luftballon der Parfümeriekette Douglas.

Foto: dpa

Alles begann mit Seife: Der schottische Einwanderer John Sharp Douglas gründete im Jahr 1821 in Hamburg eine Seifenfabrik. Es war der Anfang eines Unternehmens, das heute zu den bekanntesten in Deutschland zählt. 1890 eröffnete die erste Parfümerie Douglas am Hamburger Jungfernstieg. Seit Jahrzehnten hat die Kette, die ihr Geld mit Düften und Kosmetik verdient, einen festen Platz in deutschen Fußgängerzonen.

Nun hat das Unternehmen ein neues Kapitel in seiner Historie geschrieben. Seit Donnerstag werden wieder Anteile von Douglas an der Börse gehandelt. Die Aktie mit der Wertpapierkennnummer BEAU7Y – in Anspielung auf „Beauty“ – startete am Morgen an der Frankfurter Börse. Zuvor hatten Unternehmenschef Sander van der Laan und Finanzchef Mark Langer im Frankfurter Handelssaal unter dem Jubel der Douglas-Beschäftigten die traditionelle Glocke geläutet.

Die Anleger allerdings haben die Parfümeriekette Douglas bei der Rückkehr an die Börse äußerst frostig empfangen. Der erste Kurs wurde am Donnerstag an der Frankfurter Börse mit 25,50 Euro je Aktie festgestellt und damit 50 Cent unterhalb dem Ausgabepreis von 26 Euro. In der ersten Handelsstunde rutschte der Kurs weiter ab bis auf 23,20 Euro – und das, obwohl Douglas die Titel bereits am unteren Ende der bis 30 Euro reichenden Angebotsspanne zugeteilt hatte. Unterdessen zeigten sich die Anleger am deutschen Aktienmarkt generell in Kauflaune – der Leitindex Dax markierte ein neues Rekordhoch.

Börsengang: Fakten und Begriffe
IPO steht für „Initial Public Offering“, was so viel wie „erstmaliges öffentliches Angebot“. Im Angelsächsischen spricht man bei einem Börsengang auch von „going public“. Es geht also um den Börsengang, der Anlegern erstmals öffentlich Teile des Unternehmens in Form vom Aktien anbietet. Die Aktien sind dabei ein – meist winziger – verbriefter Anteil am Eigenkapital eines Unternehmens.
Eine Neuemission ist ein Angebot neu geschaffener Wertpapiere. Das können Aktien, Anleihen, Zertifikate oder sonstige Wertpapiere sein. Kommen etwa bei einem Börsengang neue Aktien aus einer Kapitalerhöhung auf den Markt, spricht man von einer Neuemission.
Sie legt den Zeitraum fest, innerhalb dessen ein Anleger neu emittierte Wertpapiere zeichnen kann, also sich durch schriftliche Erklärung die Übernahme eines bestimmten Betrags zusichern kann. Nur wenn die Nachfrage schwach ist, wird eine Zeichnungsfrist auch mal verlängert.
Vor Beginn der Zeichnungsfrist nennt das Unternehmen eine Preisspanne, zum Beispiel von 20 bis 25 Euro. Die Investoren teilen dann mit, wie viele Aktien sie zu übernehmen bereit sind und nennen dafür einen Preis innerhalb der Preisspanne. Kommen nicht genug Anfragen zusammen, kann das Unternehmen – der Emittent – die Preisspanne auch senken. Aus den Zeichnungsaufträgen ermittelt der Emittent dann den Ausgabepreis, zu dem es die Aktien den Investoren überlässt.
Bei vielen Börsengängen können über das genannte Emissionsvolumen hinaus in den Tagen nach der Erstnotiz an der Börse weitere Aktien ausgegeben werden. Diese Mehrzuteilung wird auch Greenshoe genannt. Sie kommt bei hoher Nachfrage nach den Wertpapier zum Einsatz. Wie groß der Greenshoe ist, muss im Börsenprospekt stehen.
Nachdem die Aktien zum Ausgabepreis an die Anleger verteilt worden sind, wird es ernst: Die Aktien werden zum ersten Mal an der Börse gehandelt. Aus Kauf- und Verkaufsangebot wird der erste Kurs im Handel ermittelt – die Aktie notiert zum ersten mal an der Börse. Die Erstnotiz erfolgt zum angekündigten Datum, der erste Handelskurs sollte über dem Ausgabepreis liegen.
Wertpapiere, die an einer Börse gehandelt werden, unterliegen bestimmten Spielregeln. An einem regulierten Markt sind diese besonders umfassend und verlangen zum Beispiel Banken, die den Handel betreuen und Berichtspflichten, wie die Veröffentlichung von Quartalsberichten nach bestimmten Vorschriften. Am unregulierten Markt sind die Vorschriften lascher und die eine Überwachung des Handels – etwa bei der Kursbestimmung - greift nicht.
Beim Börsengang kommt eine zuvor festgelegt Zahl an Aktien in den Börsenhandel. Der Wert all dieser Aktien zusammen entspricht dem Platzierungsvolumen. Dabei kann es sich um neue Aktien aus einer Kapitalerhöhung (Neuemission) oder um Aktien der bisherigen Eigentümer und vorbörslichen Investoren handeln.
Multipliziert man den Aktienkurs mit der Zahl aller frei handelbaren Aktien eines Unternehmens, erhält man den Börsenwert eines Unternehmens. Dieser entspricht der Marktkapitalisierung gleichgesetzt. Die Aktien, die nicht zum Handel an der Börse zugelassen sind, – also im Bestand des Unternehmens verbleiben – sind dabei unberücksichtigt.
Unternehmen lassen selten alle Aktien an der Börse zum freien Handel zu, sondern lediglich einen Teil. Liegt etwa der Streubesitz bei 30 Prozent, sind auch nur 30 Prozent der Eigenkapitalanteile an der Börse handelbar. Je höher der Streubesitz, umso liquider ist der Handel und umso geringer die Kursschwankungen, die sich aus Kauf- und Verkaufsorders ergeben.
In der Regel verbleibt bei einem Börsengang ein großer Teil der Aktien in Besitz von den bisherigen Eigentümern. Während der Haltefrist – auch Lock-up-Periode genannt – dürfen sie aus diesem Bestand keine Aktien verkaufen. Eine lange Haltefrist gilt als Bekenntnis zu einem Unternehmen.
Die Konsortialbanken begleiten den Börsengang und anschließenden Aktienhandel für ein Unternehmen. Das lassen sich die Banken natürlich vom Unternehmen bezahlen. Eine besondere Aufgabe fällt den Konsortialbanken zu, die sich als Designated Sponsor engagieren. Sie sorgen dafür, dass der Handel liquide bleibt, auch wenn zum Beispiel Käufer keinen Verkäufer der Papiere finden. Dann übernehmen sie den Part des Verkäufers, damit immer ein Kurs gestellt werden kann.
Darunter versteht man das Verfahren, mit dem der Preis für neu an die Börse zu bringende Aktien festgelegt wird. Da vor der Emission von neuen Aktien kein Börsenhandel mit diesen Papieren stattfindet, kann dieser Preis nicht durch Angebot und Nachfrage an der Börse bestimmt werden. Beim angelsächsischen Auktionsverfahren geben die Banken, die das Unternehmen an die Börse bringen, eine Preisspanne vor. Innerhalb dieser können Investoren ihre Gebote abgeben. Auf Grund der vorliegenden Orderlage wird der tatsächliche Emissionskurs letztlich aus dem Gebots-Durchschnitt gebildet. Früher wurde das heute kaum noch gebräuchliche Festpreisverfahren angewandt, bei dem sich die beratenden Banken und die AG schon vor Verkaufsangebot auf einen Preis einigten, den Anleger dann akzeptieren mussten.
Die Roadshow ist eine Werbetour eines Unternehmens bei möglichen Investoren. Dabei wird versucht, möglichst viele Investoren zu gewinnen, die den angestrebten Preis für die Aktien zu zahlen bereit sind. Die Roadshow ist daher wichtig, um die richtige Preisspanne auszuloten.

Dennoch versprühte Deutsche-Börse-Vorstand Thomas Book zuversicht. „Douglas steht in voller Blüte“, sagte er. Der Börsengang sei der Beginn einer neuen Wachstumsgeschichte. Die intern „Projekt Tulpe“ genannte Rückkehr an den Aktienmarkt markiere „den Beginn einer neuen Phase in der Douglas-Geschichte“, sagte Douglas-Chef Sander van der Laan vor dem Läuten der Börsen-Glocke. Der Parfümeriekette fließen mit dem Börsengang brutto 850 Millionen Euro zu, die zum Schuldenabbau verwendet werden.

Douglas war 2013 nach der gemeinsamen Übernahme durch den Finanzinvestor Advent und der Eigentümerfamilie Kreke von der Börse genommen worden. 2015 ging die Mehrheit für knapp drei Milliarden Euro an die Private-Equity-Gesellschaft CVC. „Wir sind zurück“, rief Aufsichtsratschef Henning Kreke nun auf dem Frankfurter Parkett.

Nach dem Börsengang sind 31,8 Prozent an Douglas in den Händen neuer Aktionäre. CVC lässt seinen Anteil von 84 auf 54,4 Prozent verwässern, die Familie von Aufsichtsratschef Kreke reduziert ihren Anteil von 16 auf 10,2 Prozent. CVC und die Familie Kreke verkaufen bei der Emission keine Aktien, sondern schießen noch 300 Millionen Euro zu, so dass Douglas seinen Schuldenberg um 1,3 Milliarden Euro abbauen kann.

Die Kette, die in der Corona-Krise Federn lassen musste, hatte sich zuletzt im operativen Geschäft Schwung für den Sprung an die Börse geholt. Douglas hatte im ersten Quartal 2023/24 mit dem für Einzelhändler besonders wichtigen Weihnachtsgeschäft den Umsatz um acht Prozent auf rund 1,56 Milliarden Euro gesteigert. Operativen Ertrag und Gewinn schraubte sie ebenfalls die Höhe. Vorstandschef van der Laan sieht Douglas mit seinen Filialen und Online-Shops auf Wachstumskurs – bis 2026 will er den Jahresumsatz auf fünf Milliarden Euro steigern. 2022/23 waren es noch 4,1 Milliarden. Douglas betreibt Online-Shops und rund 1850 Filialen. Die Kette ist in 27 Ländern Europas aktiv und beschäftigt etwa 18.000 Menschen. Van der Laan setzt auf eine enge Verschränkung der Vertriebskanäle über Filialen und Internet hinweg.

Börsenkandidaten stehen in den Startlöchern

Der Börsengang der Düsseldorfer könnte auch Signalwirkung für andere Unternehmen haben. „Große Transaktionen, hinter denen Finanzinvestoren stehen, sind ein Zeichen, dass die IPO-Märkte aufnahmefähig sind“, sagte etwa Markus Meier von der Bank of America. In Deutschland hält sich die Zahl der Anwärter für einen Börsengang indes noch in Grenzen, und das, obwohl der deutsche Leitindex Dax derzeit von einem Rekord zum nächsten eilt. In den Startlöchern sitzen der Tankkarten-Anbieter DKV Mobility – ebenfalls aus dem Portfolio von CVC – und der Fernbus-Betreiber Flix. CVC strebt selbst noch im Frühjahr an die Börse, allerdings in Amsterdam. Auch die Oldenburgische Landesbank, die drei Finanzinvestoren gehört, hält sich für börsenreif.

Beim Pharmakonzern Stada könnte der Börsengang ein Ausweg sein, wenn sich das Unternehmen für den nächsten Finanzinvestor als zu teuer erweist. Die Eigentümer Bain und Cinven treiben wie in der Branche üblich beide Optionen parallel voran. Der Wissenschaftsverlag Springer Nature erwägt laut Insidern, im Herbst einen neuen Anlauf zu nehmen.

In der Schweiz wagt zudem Galderma einen milliardenschweren Börsengang. Der Hautpflegekonzern gibt seine Aktien zu je 53 Franken aus. Der Zuteilungspreis liegt damit – anders als bei Douglas – am oberen Ende der Preisspanne.

Lesen Sie auch: Die ehrgeizigen Wachstumspläne des Düsseldorfer Beauty-Händlers

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