1. Startseite
  2. Unternehmen
  3. Auto
  4. Chinas Autobauer fordern offenbar Strafzölle auf europäische Autos

Streit um StrafzölleChinas Autobauer fordern offenbar Strafzölle auf europäische Autos

Angesichts bevorstehender EU-Strafzölle auf chinesische Elektroautos pochen Chinas Autobauer wohl auf Gegenmaßnahmen der heimischen Regierung. 19.06.2024 - 14:46 Uhr

Laut der „Global Times“ haben sich chinesische Hersteller wohl für zusätzliche Abgaben auf größere Fahrzeuge aus Europa ausgesprochen.

Foto: Felix Marquez/dpa

Im Zollstreit zwischen China und der EU fordern chinesische Hersteller Insidern zufolge Vergeltung und Strafzölle auf europäische Autos. Bei einem Treffen von Autobauern und Vertretern des Handelsministeriums hätten sich chinesische Hersteller für zusätzliche Abgaben auf größere Fahrzeuge ausgesprochen, berichtete die staatliche „Global Times“ am Mittwoch. Aus Branchenkreisen hieß es, dabei sei es um Autos mit einem Hubraum von mehr als 2,5 Litern gegangen.

An der Sitzung hätten Vertreter der europäischen Hersteller BMW, Mercedes-Benz, Volkswagen, Porsche, Stellantis und Renault sowie der chinesischen Konzerne SAIC, Geely , BYD und Great Wall Motor teilgenommen, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person. Mit Ausnahme von Great Wall hätten sich die chinesischen Autobauer für höhere Zölle ausgesprochen. Die europäischen Hersteller hätten das abgelehnt und für vorsichtige Maßnahmen plädiert.

Ziel des Treffens sei es gewesen, Druck auf die EU-Kommission auszuüben und gegen die europäischen Anti-Dumping-Zölle auf chinesische Autos vorzugehen, sagten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen. Die chinesische Seite habe großes Unverständnis über die Importzölle deutlich gemacht und nach einer kraftvollen Erwiderung gerufen, sagte ein Insider. Alle Teilnehmer des Treffens hätten sich darauf verständigt, dass Handelskonflikte vermieden werden müssten.

In diesen Branchen prüft die EU Chinas Wettbewerbsverhalten
Im Mai leitete die EU-Kommission eine Prüfung ein, bei der es um flachgewalzten rostfreien Stahl geht. Sie reagiert damit nach eigenen Angaben auf eine Beschwerde des europäischen Branchenverbands Eurofer. Dabei solle geprüft werden, ob mit Zinn beschichtete oder plattierte Flacherzeugnisse aus Eisen oder Stahl aus China zu übermäßig niedrigen Preisen in der EU verkauft werden. Die Untersuchung werde bis zu 14 Monate dauern, etwaige provisorische Zölle könnten in weiteren sieben bis acht Monaten verhängt werden.
Bei dieser Untersuchung geht es um den Zugang europäischer Unternehmen zum chinesischen Markt: Die EU-Kommission prüft, ob europäische Zulieferer einen fairen Zugang haben. Sollte das nicht der Fall sein, könnte sie chinesische Medizingeräte-Anbieter von öffentlichen Ausschreibungen in der EU ausschließen. Ein Ergebnis soll binnen neun Monaten vorliegen, die Frist könnte aber um weitere fünf Monate verlängert werden.
EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager kündigte eine Prüfung von Windparks in Spanien, Griechenland, Frankreich, Rumänien und Bulgarien an. Dabei geht es um die Frage, ob chinesische Windkraftanlagen-Hersteller Subventionen für die Anlagen erhalten haben, die nach Europa geliefert werden sollten. Welche Unternehmen betroffen sind, sagte sie nicht.
Eine Überprüfung von Solaranlagen-Herstellern wurde inzwischen eingestellt, nachdem sich die beiden chinesischen Unternehmen aus dem Bieterprozess um einen Solarpark in Rumänien zurückgezogen hatten. Die EU-Kommission hatte geprüft, ob die chinesischen Anbieter LONGi Green Energy und Shanghai Electric übermäßig von Subventionen profitiert hatten.
Nach einer Beschwerde des europäischen Parkett-Verbandes nimmt die EU-Kommission chinesische Holzboden-Importe unter die Lupe. Dabei geht es um mehrschichtiges Parkett. Ausgenommen sind Mosaikparkett und Bambus-Böden.

Bis zu 38 Prozent Sonderzoll geplant

Die EU-Kommission hatte Sonderzölle auf Elektroauto-Einfuhren aus China von bis zu 38,1 Prozent angekündigt. Sie begründete diesen Schritt mit Wettbewerbsverzerrungen durch hohe staatliche Subventionen in der Volksrepublik. Damit folgt die Union einem ähnlichen Schritt der USA, die ihre Zölle auf chinesische E-Fahrzeuge auf 100 Prozent vervierfacht hatten. Chinas aktueller Importzoll für Autos liegt derzeit bei 15 Prozent.

Im Zuge des Streits über Strafzölle für E-Autos hatte die Regierung in Peking vor einem neuen Handelskonflikt gewarnt. China werde alle notwendigen Schritte ergreifen, um die EU-Maßnahmen zu kontern.

2023 wurden nach Daten des europäischen Statistikamtes Autos im Wert von 19,4 Milliarden Euro aus der EU nach China exportiert. Darunter sind vor allem rentable Verbrennermodelle mit großen Motoren: Allein seit Jahresbeginn wurden nach chinesischen Einfuhrdaten Fahrzeuge mit einem Motor von mehr als 2,5 Litern Hubraum im Wert von 1,2 Milliarden Dollar aus Deutschland nach China eingeführt. Die Fahrzeugimporte aus der Volksrepublik summierten sich 2023 auf 9,7 Milliarden Euro. Für die deutschen Autobauer ist China der wichtigste Einzelmarkt mit einem Umsatzanteil von ungefähr einen Drittel.

Lesen Sie auch: Das wären die Folgen der EU-Sanktionen gegen China für Deutschland

rtr
Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick