Zölle auf E-Autos: Studie: Chinas Stromer-Importe werden kräftig einbrechen
Mehrerer Ökonomen zufolge wird der Import chinesischer E-Autos mit den neuen Ausgleichszöllen um 42 Prozent einbrechen.
Foto: XinHua/dpaIm September 2023 trat Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission, vor das Europaparlament und kritisierte, dass die Märkte weltweit geflutet würden mit günstigeren chinesischen E-Autos. Der Preis für diese Fahrzeuge werde durch riesige staatliche Subventionen künstlich gedrückt – und das verzerre die Märkte. Damals kündigte sie an, die EU werden den Wettbewerb für Elektroautos deshalb genau untersuchen.
Nun hat die Europäische Union (EU) Konsequenzen gezogen: Seit Donnerstag erhebt sie vorläufige Ausgleichszölle auf den Import chinesischer Stromer.
„Prinzipiell reagiert die EU zu Recht mit Ausgleichszöllen auf die verzerrenden Handelspraktiken Chinas“, sagt Gabriel Felbermayr, Ökonom beim Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo). „Gleichzeitig sollte die EU alles tun, um ein Verhandlungsergebnis zu erzielen und Eskalationsspiralen zu vermeiden.“ Dafür sei bis Anfang November Zeit. Dann würden die definitiven Zölle verhängt werden.
Allerdings werden die Ausgleichszölle nach Marke variieren. Der VW-Partner SAIC zahlt etwa mit 37,6 Prozent Ausgleichszoll am meisten. BYD kommt mit 17,4 Prozent vergleichsweise am günstigsten weg.
Nun könnte die Einfuhr der E-Autos aus China sehr deutlich zurückgehen. Ein Team um Felbermayr vom Wifo sowie vom Institut für Weltwirtschaft aus Kiel (Ifw) und dem Supply Chain Intelligence Institute Austria (Acsii) simulierte mit einem Handelsmodell die Folgen der ab nun geltenden Zölle. Heraus kam in der entsprechenden Studie, dass die Einfuhren um beinahe die Hälfte einbrechen werden, nämlich um 42 Prozent.
Dieser Rückgang wird größtenteils durch höhere Verkäufe europäischer Produzenten in der EU und teilweise durch höhere Einfuhren aus Drittländern ausgeglichen, erklärten die Ökonomen. „Die Wertschöpfung in der EU-Autoindustrie wird voraussichtlich um 0,4 Prozent steigen, während sie in China um 0,6 Prozent sinken wird“, erwartet Julian Hinz, Forschungsdirektor Handelspolitik am Ifw Kiel.
China pumpt hunderte Milliarden in die Stromer-Branche
China produziert E-Autos billiger als der Rest der Welt. Laut EU-Kommission sind sie in der Regel um ein Fünftel günstiger als die Stromer aus Europa. Weil der Staat so viel Geld in die Branche pumpt, konnte China zum weltgrößten Markt für Elektroautos aufsteigen.
Der US-Thinktank Center for Strategic and International Studies schätzt, dass China zwischen 2009 und 2023 mindestens 230 Milliarden US-Dollar in die E-Auto-Branche gesteckt hat. So hat der Autobauer BYD schon 2023 VW als bestverkaufte Marke in China verdrängt.
Die Preise für Elektroautos dürften sich dennoch langfristig kaum ändern. Die Forscher gehen davon aus, dass die Preise für Elektroautos in der EU um durchschnittlich 0,3 Prozent bis 0,9 Prozent steigen und in China sinken. Kurzfristig könnten diese Effekte aber größer sein.
Die EU ist mit den neuen Ausgleichszöllen der letzte der großen Märkte, der Handelsschranken gegen chinesische Stromer einsetzt. Die USA etwa erhoben im Mai Strafzölle in Höhe von 100 Prozent auf E-Autos aus China.
Laut den Ökonomen um Felbermayr könnte es für die EU nun vorteilhaft sein, ihre Zollpolitik auch gegenüber anderen Mitgliedern der Welthandelsorganisation (WTO) anzupassen. Denn unabhängig von den jetzt beschlossenen Ausgleichszöllen erhebt die EU Einfuhrzölle in Höhe von zehn Prozent auf Autos aus WTO-Mitgliedsländern, mit denen sie kein Freihandelsabkommen geschlossen hat. Wenn sie die auf null senkt, könnten die Preise in der EU um bis zu 0,8 Prozent zurückgehen.
Gleichzeitig würden so die Pkw-Einfuhren aus China nur um rund 20 Prozent abnehmen, während die Einfuhren aus Drittländern um gut einen Prozent steigen würden. „Der Wohlstand in der EU erhöht sich stärker als beim reinen Ausgleichszollszenario und die grüne Transformation wird günstiger dank mehr fairem Handel“, sagte Julian Hinz.
China ist wohl offen für Verhandlungen
China habe bereits reagiert, das Land erwäge derzeit Antidumpingzölle in Höhe von 50 Prozent auf Schweinefleisch aus der EU zu erheben. Das sei laut der Ökonomen zwar unangenehm für die Schweinebauern vor allem aus Dänemark, Spanien und Deutschland. Weil die Exporte aber seit einigen Jahren, auch wegen schon existierenden Einfuhrbeschränkungen, bereits deutlich gesunken sind, würde diese Maßnahme wohl nur geringe Auswirkungen auf den Wohlstand in der EU haben.
2017 gingen etwa laut des Statistischen Bundesamts fast zehn Prozent aller Fleischexporte nach China, 2022 waren es nur noch 0,1 Prozent. „Mit Gegenzöllen, ob sie nun legitim sind oder nicht, war zu rechnen“, sagt Felbermayr. „Dass China aber keine schärferen Waffen zückt, zeigt, dass es verhandlungsbereit ist.“
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