Nachgeforscht: Wie ungerecht ist Wohlstand wirklich verteilt?
Wie ist der Wohlstand verteilt?
Foto: Sebastian Kahnert/dpaDie Wohlstandsverteilung steht im Zentrum vieler Demokratiedebatten. In den USA ist der Geldreichtum Einzelner besonders groß: Neun der zehn reichsten Menschen kommen aus Amerika. Die Ökonomen Holger Stichnoth und Lukas Riedel vom Forschungsinstitut ZEW haben jetzt Daten von mehr als drei Millionen US-Bürgern ausgewertet.
Ergebnis: Das Ausmaß der Ungleichheit wird überschätzt – auch von namhaften Forschern.
Stichnoth: „In einem berühmten Artikel der Ungleichheitsforschung aus dem Jahr 2018 haben Thomas Piketty, Emmanuel Saez und Gabriel Zucman ermittelt, dass das durchschnittliche Einkommen der reichsten zehn Prozent in den USA gut zehnmal so hoch ist wie das der unteren 50 Prozent. Piketty und Kollegen nehmen an, dass Menschen mit niedrigem Einkommen weniger von Staatsausgaben profitieren. Wir haben das anhand des Bildungssektors überprüft. Wir schauten uns an, wer zu welcher Schule geht, und kombinierten die Daten mit den jährlichen Ausgaben pro Schüler der verschiedenen Schulformen.“
Das Ergebnis: „Die Ausgaben sind über alle Einkommensgruppen in etwa gleich. Überträgt man diese Erkenntnis auf alle Staatsausgaben, fällt die Ungleichheit nach Steuern und Transfers schwächer aus als in der Piketty-Studie: Der Anteil am Volkseinkommen der unteren 50 Prozent steigt um fünf Punkte. Allerdings: Auch nach unserer Methode sind die einkommensstärksten 10 Prozent siebenmal so reich wie die unteren 50 Prozent.“
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