Active Ownership: Aktivistischer Investor kauft sich bei HelloFresh ein
HelloFresh gab vorige Woche noch einen Gewinnrückgang bekannt.
Foto: PRBei dem Berliner Tech-Unternehmen HelloFresh hat sich ein neuer Aktionär beteiligt. Das Besondere dabei: Active Ownership Capital steht dafür, sich in die Betriebe einmischen zu wollen – ein aktivistischer Investor. Solche Aktionäre wollen Einfluss auf die Firma nehmen, um sie in eine ihrer Ansicht nach profitablere Richtung zu lenken. Bestenfalls steigt der Aktienkurs und die Investoren können Kursgewinne einstreichen.
Das hat sich auch Active Ownership Capital eigenen Angaben zufolge auf die Fahne geschrieben. Laut Webseite nimmt sich die Beteiligungsgesellschaft stets vor, mit Board und Management neue Strategien zu entwickeln. Der Name ist Programm. Woher das Geld kommt, das Active Ownership Capital verwaltet, ist unklar. Die Beteiligungsfirma spricht lediglich von Stiftungsvermögen und Family Offices.
Active Ownership Capital war etwa beim Pharmakonzern Stada beteiligt, hat dort 2016 die Neubesetzung des kompletten Aufsichtsrats gefordert – mit Chef Klaus Röhrig als neues Mitglied. Auch bei weiteren Unternehmen wie dem Berliner Frankiermaschinenhersteller Francotyp-Postalia sorgte der Investor in der Vergangenheit für Unruhe. Nun auch bei dem Kochboxenanbieter.
„HelloFresh befindet sich in einer herausfordernden Phase und ist mit einem schrumpfenden Kerngeschäft konfrontiert, hat aber ein attraktives Geschäftsmodell“, begründet die Firma ihren Aktienkauf. Laut einer Finanzmitteilung von Mittwochabend hat sich Active Ownership Capital über mehrere Vehikel mit rund 6,7 Prozent an HelloFresh beteiligt. Die Stimmrechte liegen mit 4,7 Prozent über der signifikanten Grenze. „Wir haben volles Vertrauen in den Gründer und CEO Dominik Richter, das Unternehmen durch diese Transformationsphase zu führen.“
Mehr aktivistische Investoren bei Tech-Werten
HelloFresh hat in der vergangenen Woche seine tiefroten Halbjahreszahlen veröffentlicht und einen Kurswechsel angekündigt. Demnach wachse das Geschäft mit den Kochboxen nicht mehr so stark wie einst geplant. Das Unternehmen wolle seinen strategischen Fokus daher auf den Markt mit Fertiggerichten legen. Noch schreibt dieses Segment herbe Verluste, der Umsatz sei in den vergangenen vier Jahren aber um fast das 20-fache gewachsen.
Neben HelloFresh haben es derzeit mehrere aktivistische Investoren auf deutsche Tech-Unternehmen abgesehen. Der US-Fonds Sachem Head hat sich im April bei Delivery Hero eingekauft, der Brillenhändler Mister Spex sieht sich seit einigen Monaten ebenfalls mit meinungsstarken Aktionären konfrontiert.
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