Leben mit Aktien: Kommt jetzt die Rückkehr der Nahrungsmittelaktien?
Die Lebensmittelbranche ändert sich.
Foto: imago images, Collage: Marcel ReyleGegessen wird immer. Der Nahrungsmittelsektor wird von Anlegern häufig als „sicherer Hafen“ in Kriegen und militärischen Konflikten angesehen. Denn Unterbrechungen der Lieferketten und steigende Rohstoffpreise können zu einer erhöhten Nachfrage von Grundnahrungsmitteln führen. Das zeigt sich auch am Aktienmarkt.
Der MSCI World Consumer Stable vom Emittenten Xtrackers (ISIN IE00BM67HP23), der zum größten Teil aus Lebensmitteln- und Getränkeunternehmen besteht, gewinnt seit Anfang des Jahres fast stetig an Wert. Während der ETF im Januar noch auf 40 US-Dollar kam, verzeichnet er Ende August über 45 US-Dollar. Das ist ein Zuwachs von 12,5 Prozent.
Doch bei einigen großen Unternehmen aus der Branche rumort es ziemlich. Nachrichten aus der Branche und Übernahmegerüchte haben Nahrungsmittelaktien ins Schwanken gebracht. Darüber diskutieren WirtschaftsWoche-Chefredakteur Horst von Buttlar und Investor Christian W. Röhl im aktuellen Podcast „Leben mit Aktien“.
Inflation als Branchentreiber
Die seit Jahren stark ansteigende Inflation, insbesondere im Lebensmittelbereich, wurde in der Vergangenheit häufig von den Produzenten genutzt, um die Preise über das notwendige Maß hinaus anzuheben oder die Packungsgrößen zu reduzieren. Auch dies führt dazu, dass die Verbraucher mehr Geld für Lebensmittel ausgeben müssen, weil sie einfach weniger für ihr Geld bekommen. Die Folge: Die Nachfrage nach den Produkten der Lebensmittelhersteller steigt, zumindest bezogen auf die verkaufte Verpackungseinheit. Dies wiederum kommt indirekt den Kursen von US-Nahrungsmittelaktien zugute. Doch die Branche bekommt auch verstärkt erhöhte Preise und neue Gewohnheiten von Verbrauchern zu spüren.
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Hinzu kommen Veränderungen in der Branche. Diese erlebt einen ihrer bislang größten Deals. Der Süßwarenkonzern Mars übernimmt den Pringles-Hersteller Kellanova für fast 36 Milliarden Dollar (33 Milliarden Euro). Die Mars-Gruppe (zu der die Marken Mars, Snickers und M&Ms gehören) bietet rund 83 Dollar je Aktie. Anfang Juli war die Aktie für weniger als 60 US-Dollar zu haben. Selbst in der Spitze lag der Kurs bei nur 72 US-Dollar. Mit der Übernahme entsteht ein Konsumgüterriese: Mars ist mit einem Umsatz von rund 50 Milliarden Dollar bereits der größte Süßwarenhersteller der Welt und damit ähnlich groß wie der Softdrink-Hersteller Coca-Cola. Hinzu kommt nun Kellanova mit einem Umsatz von rund 13 Milliarden Dollar.
Der Deal setzt auch PepsiCo unter Druck – der Gigant ist nicht nur bei Softdrinks der Erzrivale von Coca-Cola, sondern macht auch 50 Prozent seines Umsatzes mit Snacks. Und derzeit läuft es nicht gut: Die Umsätze in den USA sind sowohl bei Getränken als auch bei Snacks organisch rückläufig, und der Konkurrent Kellanova wird nun durch die Macht des Mars-Konzerns gestärkt.
Auch beim Lebensmittelgiganten Nestlé gibt es Neuigkeiten. Mark Schneider, der seit 2017 CEO war, tritt Anfang September zurück. Den Chefposten übernimmt Laurent Feixe, der bisher für die Lateinamerika-Sparte zuständig war. Die Börse reagierte zunächst heftig auf den Rücktritt und gab zunächst um fünf Prozent nach. Allerdings nur kurz: Der Tagesverlust wurde schnell wieder aufgeholt. Aktuell liegt die Nestlé-Aktie rund 33 Prozent unter ihrem Höchststand. Einen solchen Rücksetzer gab es in 30 Jahren nur dreimal. Für Anleger ist das eine gute Kaufgelegenheit. Natürlich kann die Aktie zunächst weiter fallen. Aber fundamental ist es Nestlé bisher immer gelungen, einen neuen Wachstumspfad zu finden - was früher oder später auch von der Börse honoriert wurde.
Die Aktien von Nahrungsmittelherstellern sind oft relativ widerstandsfähig gegenüber konjunkturellen Schwankungen, da Nahrungsmittel zu den Grundbedürfnissen des Menschen gehören. Geopolitische Ereignisse oder wirtschaftliche Entwicklungen, die die Nachfrage nach bestimmten Produkten beeinflussen, können jedoch auch die Aktienkurse beeinflussen. Die Nahrungsmittelbranche bleibt eine Branche mit viel Zukunftspotential für Investoren – auch in neuen Sparten. So sind Riegel, Snacks und trinkfertige Shakes ein aufstrebender Markt. 2024 werden damit weltweit geschätzte 103 Milliarden Dollar umgesetzt. Bis 2030 sollen es fast 153 Milliarden Dollar sein.
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