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Landtagswahl 2024Und wenn die AfD stärkste Kraft wird: Nur keine Panik!

Die möglichen Erfolge der Rechtsextremen in Thüringen und Sachsen sind beängstigend. Dennoch gilt es, zuversichtlich zu bleiben. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Benedikt Becker 30.08.2024 - 17:43 Uhr

Die Umfragen sagen Alice Weidels AfD bei den anstehenden Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen sehr starke Ergebnisse voraus.

Foto: REUTERS

Manchmal ist so ein Blick in die politische Glaskugel ja ziemlich leicht. Also, aufgepasst und festhalten bitte: Sonntagabend wird heftig, keine Frage. Wenn um 18 Uhr die ersten Prognosen für die Wahlen in Sachsen und Thüringen kommen, wenn der blaue Balken steigt und steigt, wenn die AfD in beiden Bundesländern stärkste Kraft wird, ja, dann kann das überzeugte Demokraten nicht kalt lassen. Im Gegenteil. Das frustriert, es besorgt, es macht Angst.

Die AfD fräst an den Fundamenten unserer liberalen Demokratie. Der Verfassungsschutz stuft sie in Sachsen und Thüringen als zweifelsfrei rechtsextrem ein. Die Partei propagiert völkische und rassistische Positionen, bedient Verschwörungsmythen und Wissenschaftsfeindlichkeit. Sie verachtet die freie Presse – und eine Gesellschaft der Vielfalt, deren Wohlstand auf Zuwanderung angewiesen ist.

Das alles ist nicht neu, das ist hinlänglich belegt. Wenn nun zunehmend mehr Menschen so einer Partei ihre Stimme geben, gar fast jeder dritte in zwei Bundesländern – dann kann einem schonmal kurz die Muffe sausen. Das ist an sich auch gar nicht verkehrt. Ein kurzer Schock weckt auf, schärft die Erkenntnis, frei nach Angela Merkel: Die Lage ist ernst, nehmen Sie sie auch ernst!

Nur verzagen sollte man nicht.

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Ja, klar, der Anteil derjenigen AfD-Wähler wächst, die inzwischen eine enge Bindung zur Partei aufgebaut haben. Und es ist auch kein beruhigender Gedanke, dass in den alten Bundesländern teilweise in absoluten Zahlen zuletzt sogar noch mehr Menschen rechtsextrem gewählt haben. Und ja, klar, viele davon tun das nicht einfach nur aus Wut, Frust, Protest, sondern aus Überzeugung. Aber, nein, die Mehrheit der Deutschen denkt nicht so. Die Mehrheit bleibt stabil.

Es ist noch nicht lange her, da waren mehr als eine Million Menschen auf der Straße, trotz Kälte, Regen, Schnee. Für Toleranz und Miteinander. Gegen die Rechtsextremen. Auf Marktplätzen in Ost und West formierten sich breite Bündnisse, schritten Seit‘ an Seit‘, von CDU bis Linkspartei. Bürgerinnen und Bürger, die noch nie demonstrieren waren, bemalten Schilder und Laken. Kein Platz für Nazis!

Das war nur ein bisschen Protest, ja, nur ein paar Wochen lang, klar. Und doch so wichtig. Man kann das als Selbstvergewisserung einer gesättigten Mittelschicht verspotten. Oder man akzeptiert, dass es zum Wesen einer Demokratie gehört, sich ab und an gegenseitig zu versichern, für jene Werte und Normen einzustehen, die Freiheit garantieren und Wohlstand ermöglichen. Und dass das sogar eine bestärkende Erfahrung sein kann.

Die Leisen müssen lauter werden

Nicht verzagen heißt, sich daran immer wieder zu erinnern. Gerade jetzt, an diesem Sonntagabend. Alles echt nicht schön, aber hey, Kopf hoch. Durchhalten. Weitermachen. Denn wie es ist, so wird es fürs erste bleiben. Die autoritäre Rechte hat Geld, Strukturen, Medienkanäle. Sie verschwindet nicht mal eben so. Damit umgehen zu lernen, wird nun zu einer entscheidenden Demokratentugend. Sich nicht verrückt machen zu lassen, und trotzdem wachsam zu bleiben.

Die Leisen müssen lauter werden – das war die Botschaft des Frühjahrs, der Aufschrei der Wehrhaften. Dieser Satz gilt weiterhin. Große Demos bleiben wichtig, Unternehmer-Kampagnen für mehr Vielfalt auch. Aber sie werden nie mehr sein als das Grundrauschen des Dagegenhaltens. Was wirklich zählt, ist auf dem Sportplatz, in der Familie, im Freundeskreis, im Betrieb und in der Kirchengemeinde. Widerspruch wirkt da am meisten, wo Menschen einander etwas bedeuten.   

Das ist mühsam, das bleibt mühsam – und niemand weiß, wie erfolgreich diese Strategie sein wird. Aber Resignieren ist keine Option. Zuversichtlich bleiben, klingt in diesem Fall so: Hilft ja alles nicht nix. 

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