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GeldpolitikChinas Zentralbank beschließt größtes Stützungspaket seit Pandemie

Chinas Wirtschaft schwächelt. Jetzt greift die Zentralbank mit Milliardenhilfen ein. 24.09.2024 - 12:35 Uhr aktualisiert Quelle: Reuters

Die Konjunkturmaßnahmen sehen auch eine Zinssenkung für bestehende Wohnbaudarlehen vor. (Archivbild)

Foto: dpa

Chinas Zentralbank will mit ihrem bislang umfassendsten Maßnahmenpaket seit der Pandemie der Wirtschaft der Volksrepublik zu neuem Schwung verhelfen. Wie Notenbankchef Pan Gongsheng am Dienstag mitteilte, soll der Reservesatz (RRR) für Banken um 0,5 Prozentpunkte gesenkt werden. Damit bekommen Geldhäuser umgerechnet rund eine Billion Yuan (knapp 130 Milliarden Euro) an zusätzlichem Spielraum für die Kreditvergabe. Die Notenbank (PBOC) stellte zudem in Aussicht, dass der Satz je nach Liquiditätslage im Jahresverlauf noch mal um 0,25 bis 0,50 Prozentpunkte gesenkt werden könnte. Darüber hinaus sollen weitere wichtige Zinssätze reduziert werden, darunter der siebentägige umgekehrte Repo-Satz um 0,2 Prozentpunkte auf 1,5 Prozent. Auch Hypothekenzinsen sollen sinken und der Aktienmarkt angekurbelt werden. Die Zentralbank nannte keinen genauen Zeitpunkt für das Inkrafttreten der Maßnahmen.

Chinas Börsen regierten prompt. Der Hang Seng Index in Hongkong zog um rund vier Prozent an, angetrieben von Kursgewinnen bei Immobilientiteln. Die Börse in Shanghai und der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzhen schossen ebenfalls kräftig nach oben.

„Viele Marktteilnehmer haben darauf gewartet, und die PBOC hat nun erneut geliefert“, kommentierte Sandro Pannagl von der LBBW das Lockerungspaket. „Dass auch der Aktienmarkt erneut in den Fokus genommen wird, zeigt die Entschlossenheit der Währungshüter, die schlechte Stimmung in der gesamten Wirtschaft adressieren zu wollen“, merkte er an. Volkswirt Gary Ng vom Bankhaus Natixis zufolge kommt der Schritt womöglich etwas zu spät. „Aber besser spät als nie“, fügte er hinzu. „China braucht ein Niedrigzinsumfeld, um das Vertrauen zu stärken.“

Konsum-Unlust

Chinas Verbraucher sparen das Land in die Krise

von Jörn Petring

Ziel der Maßnahmen ist es, die Preisentwicklung zu stabilisieren und die Erholung der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt zu fördern. China kämpft gegen deflationäre Tendenzen, also gegen eine Abwärtsspirale aus sinkenden Preisen und Konsum - sowie Inflationszurückhaltung, die der Wirtschaft schadet. Trotz einer Reihe von Stimulusmaßnahmen ist es der Regierung bislang noch nicht gelungen, das Wachstum stärker anzuschieben. Eine starke Belastung für die Wirtschaft bleibt der angeschlagene Immobiliensektor.

Zinsen auf Hypothekendarlehen sinken

Das Paket der PBOC zur Stützung des Immobilienmarkts umfasst unter anderem eine Senkung der durchschnittlichen Zinsen auf ausstehende Hypothekendarlehen um 0,50 Prozentpunkte und eine Senkung der Mindestanzahlung auf 15 Prozent für alle Wohnimmobilien. Chinas Immobilienmarkt befindet sich seit 2021 in einem herben Abschwung. Die Immobilienkrise dämpft das Verbrauchervertrauen, da in China rund 70 Prozent aller Ersparnisse der Haushalte in Immobilien geparkt sind.
Die Notenbank legte zudem zwei neue Instrumente zur Ankurbelung des Kapitalmarkts auf. Das erste – ein SWAP-Programm in Höhe von 500 Milliarden Yuan – soll Fonds, Versicherern und Brokern einen leichteren Zugang zu Finanzmitteln ermöglichen, um Aktien zu kaufen. Das zweite stellt Geschäftsbanken bis zu 300 Milliarden Yuan an günstigen Notenbank-Krediten zur Verfügung, um sie bei der Finanzierung von Aktienkäufen und -rückkäufen von Unternehmen zu unterstützen.

Das Maßnahmenpaket der Währungshüter kommt etwa eine Woche, nachdem in den USA die Federal Reserve mit einer ungewöhnlich großen Zinssenkung die Kurswende eingeleitet hat. Das ermöglichte der PBOC, ein umfassendes Lockerungspaket anzukündigen, ohne dabei die Landeswährung zu starkem Druck auszusetzen. In Japan signalisierte unterdessen die Notenbank ihre Bereitschaft zu Zinserhöhungen. Sollte sich der Inflationstrend wie erwartet beschleunigen, werde die Geldpolitik gestrafft, sagte Notenbankchef Kazuo Ueda am Dienstag in Osaka. Viele Experten erwarten, dass Japans Währungshüter nach den Zinserhöhungen vom März und Juli nachlegen werden, womöglich im Dezember.

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rtr
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