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Flugtaxi-Start-up in der KriseWarum der Staat Lilium nicht retten sollte

Verkehrsminister Volker Wissing will das strauchelnde Flugtaxi-Unternehmen retten. Dabei waren dessen Probleme erwartbar. Und werden auch nicht wieder verschwinden. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Thomas Stölzel 08.10.2024 - 13:46 Uhr

Ein Rendering des Elektro-Flugtaxi von Lilium. Es soll fünf bis sieben Sitze haben.

Foto: -/Lilium/dpa

Ein bisschen war das seit Monaten abzusehen: Das bayrische Flugtaxi-Start-up Lilium ruft nach Staatshilfen. Und Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) will sie dem jungen Unternehmen tatsächlich geben, strebt dafür eine Zustimmung des Bundestags an.

Der sollte auf keinen Fall zustimmen. Nicht, weil das Unternehmen seit Gründung schon anderthalb Milliarden Euro Verlust erwirtschaftet hat. Und auch nicht, weil Staatshilfen eigentlich nur strategisch wichtigen Unternehmen vorbehalten sein sollten, zu denen Lilium sicher nicht zählt.

Dagegen sprechen vielmehr grundsätzliche physikalische Schwierigkeiten und internationale regulatorische Hürden. Das Start-up setzt bei seinem elektrischen Fluggerät auf rund drei Dutzend winzige Propeller. Die müssen sich extrem schnell drehen, um genug Luft zu bewegen, damit der Flieger senkrecht abheben kann. Schon dieser speziell von Lilium verfolgte Ansatz widerspricht einem wichtigen Grundsatz in der Luftfahrt: Es ist effizienter, eine große Menge Luft langsam zu bewegen als eine kleine Menge schnell. Je größer also ein Propeller ist, desto sparsamer ist er. Deshalb werden heutzutage auch gewöhnliche Flugzeugtriebwerke und Windkraftanlagen vom Durchmesser her immer größer.

Flugzeugbauer Lilium

Senkrechter Blindflug

Ein Finanzbericht gewährt Einblick ins Zahlenwerk des Elektro-Senkrechtstarters Lilium. Dort wie bei der Konkurrenz türmen sich die Verluste. Hinzu kommt ein Eingeständnis über Mängel in der Finanzkontrolle.

von Gerhard Hegmann

Ein zweiter Nachteil ist der Senkrechtstart an sich. Der kostet nicht nur riesige Mengen Strom. Er bedeutet deshalb auch außerordentlich viel Stress für die Batterien. Die müssen in kürzester Zeit riesige Mengen Energie abgeben. Das halten zumindest heutige Akkus nicht lange durch. Sie verschleißen sehr viel schneller, ähnlich wie beim regelmäßigen Schnellladen von E-Autos. Der Effekt lässt sich zwar mit sogenannten Superkondensatoren etwas abmildern. Die wiederum sind schwer und nehmen Platz weg. Es bleibt ein inhärenter Nachteil der Idee.

Kein ADAC in der Luft

Und dann ist da die Regulierung. Es gibt kaum eine Technologie, die so strengen Zulassungskriterien unterliegt wie die Luftfahrt. Wenn das Lilium-Flugtaxi versagt, kann es schließlich nicht einfach mal rechts ranfahren und den ADAC rufen. Für Flugzeugbauer ist es daher heute selbst dann eine große Hürde, wenn sie nur für kleine Neuerungen eine Zulassung wollen.

Und Lilium versucht extrem viel auf einmal, zu viel. Allein das elektrische Fliegen, Akkus so sicher zu bekommen, dass sie absolut feuerfest und weltweit zulassungsfähig für den Personenverkehr sind, ist eine enorme Herausforderung. Das auch noch in Form eines neuartigen Senkrechtstarters zu tun, senkt die Chancen auf einen kommerziellen Erfolg. Und erhöht die Wahrscheinlichkeit, zu scheitern.

Der Staat darf zwar auch mal Risiken eingehen, sogar Risikokapital geben. Aber das Geld sollte schon auch klug verteilt werden. Und nicht an ein strauchelndes Start-up, an das selbst private Risikokapitalgeber nicht mehr so sehr glauben, dass sie ausreichend Kapital nachschießen wollen.

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