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US-WahlkampfDonald Trump verliert Unterstützung der Kleinstspender

Lange trugen zahllose Geringverdiener wesentlich zur Finanzierung von Trumps Wahlkampf bei. Doch ihre Spenden lassen nach. 14.10.2024 - 12:39 Uhr

Donald Trump: Kleinstspender halten jetzt ihr Geld zusammen.

Foto: imago images

Das Wahlkampf-Team von Donald Trump steht vor einem Problem: Die Zuwendungen durch Kleinstspender sind seit dem letzten Rennen um das Weiße Haus deutlich zurückgegangen. Und in der Summe sind diese ein durchaus wichtiger Faktor. Die Entwicklung ist für den republikanischen Präsidentschaftskandidaten gleich doppelt bitter. Zum einem, weil das Fundraising der Demokraten gerade wie geschmiert zu laufen scheint. Zum anderen, weil es nicht recht zum selbstgewählten Image passt, nun umso mehr auf Großspender angewiesen zu sein.

Laut einer Analyse der Nachrichtenagentur AP und der auf Wahlkampf-Finanzierung spezialisierten Organisation Open Secrets stammen weniger als ein Drittel der von Trump eingeworbenen Mittel von Anhängern, die weniger als 200 Dollar gaben. Vor vier Jahren war noch fast die Hälfte seines Budgets von „small-dollar donors“ gekommen. Die Gesamtsumme ist um 40 Prozent gesunken: Bis Juni hatte Trump 98 Millionen Dollar (90 Millionen Euro) von Kleinstspendern erhalten, in einem vergleichbaren Zeitraum vor vier Jahren waren es 165 Millionen Dollar gewesen.

Vertreter der Republikaner räumen ein, dass der Trend ihnen Sorgen bereitet. Denn er wirft auch die Frage auf, wie lange sich die Partei noch auf ihre bisherige Basis der laut Umfragen vergleichsweise alten Unterstützer verlassen kann. Viele Angehörige dieser Wählerschicht leben von einem festen Einkommen. Und angesichts steigender Kosten bleibt bei manchen von ihnen am Ende des Monats kaum noch Geld übrig, um an politische Kandidaten zu spenden.

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Doch das scheint nicht der einzige Grund für den Spendenrückgang zu sein. Viele potenzielle Unterstützer sind offenbar auch von einem aufdringlichen Stil des Fundraisings verprellt worden. „Wenn Sie heute irgendeinem republikanischen Kandidaten etwas spenden, erhalten Sie innerhalb der nächsten drei Wochen 30 bis 50 Textnachrichten von anderen Kandidaten, von denen Sie noch nie etwas gehört haben“, sagt John Hall, Fundraising-Berater der Republikaner von der Firma Apex Strategies. Viele Trump-Anhänger an der Basis gäben deswegen lieber gar nichts mehr.

Hall und seine Mitarbeiter verschickten zu Beginn des Jahres Fragebögen an republikanische Spender. Aus den Antworten ging hervor, dass viele auch dann, wenn sie um eine Streichung ihrer Daten aus einer Liste gebeten hatten, weiterhin Spendenaufrufe per SMS erhielten. Das dürfte vor allem daran liegen, dass verschiedene Wahlkampfteams und Komitees die entsprechenden Listen oft untereinander austauschen. „Spender haben das Gefühl, nicht auf Dankbarkeit zu stoßen. Sie fühlen sich ausgenutzt. Und sie wissen nicht, wie sie aus diesen Listen rauskommen“, sagt Hall. Das habe „eine abschreckende Wirkung“ für das Fundraising aller.

Gespräche der AP mit früheren Kleinstspendern bestätigen dies. „Ich habe es satt, dass sie mich um Geld bitten“, sagt Susan Brito aus dem US-Staat Florida. In den Jahren 2022 und 2023 hatte die 51-Jährige Dutzende Mini-Spenden in Höhe von insgesamt 69 Dollar überwiesen. In diesem Jahr hat sie bisher gar nicht gespendet. Sie erhalte „eine SMS nach der anderen“, betont sie.

Der 70-jährige Bill Ruggio unterstützte das Wahlkampf-Team von Trump 2022 und 2023 fast jeden Monat, insgesamt waren es 60 Dollar. Auch er hat 2024 bisher nichts überwiesen. Er habe finanziell den Gürtel enger schnallen müssen, sagt er. Aber auch er sei zutiefst frustriert, weil er eine Flut von Textnachrichten von republikanischen Kandidaten und Komitees erhalte. „Es sind so viele, dass ich die Persönlichen verpasse, weil es so viele politische sind“, beklagt er.

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Solche Beschwerden gebe es recht häufig, sagt Doug Deeken, Vorsitzender der republikanischen Partei im Bezirk Wayne in Ohio. Viele Leute seien „genervt von den SMS, Postwurfsendungen und E-Mails“. Auch sein eigenes Handy quelle über von Nachrichten von beliebigen konservativen Gruppen, die um Geld bitten würden. „Das ist ärgerlich. Es ärgert mich!“

Im Jahr 2016 hatte Trump das Feld der Kleinstspender, das zuvor lange eher eine Domäne der Demokraten gewesen war, für sich erobert. Während des damaligen Wahlkampfes erhielt er auf diesem Weg laut Open Secrets 170 Millionen Dollar, etwa 52 Prozent seiner Gesamtspenden. Vier Jahre später konnte er an diesen Erfolg anknüpfen.

Fünf reiche Großspender von Donald Trump
Der 81-jährige ist Erbe der in Pittsburgh ansässigen Bankiersfamilie Mellon. Er hat dem als MAGA Inc bekannten Pro-Trump-Super-Pac seit 2022 mindestens 16,5 Millionen Dollar gespendet. Pac steht für "Political Action Comittee". Diese Organisationen sammeln Spenden ein. Bereits während der Präsidentschaftswahlen 2020 spendete Mellon mindestens 20 Millionen Dollar an einen Trump-nahen Super-Pac namens America First Action. Der Hobbypilot Mellon lebt in Wyoming, es gibt kaum Fotos von ihm. Forbes schätzt das Vermögen der Familie Mellon auf rund 14,1 Milliarden Dollar.Mellon ist auch der größte Spender, der den unabhängigen Präsidentschaftskandidaten Robert F. Kennedy Jr. unterstützt. Dessen Super-Pac American Values hat er mindestens 20 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt. Umfragen zufolge könnte Kennedy sowohl Biden als auch Trump bei der Wahl am 5. November Stimmen abnehmen.Geld hat Mellon zudem für einwanderungsfeindliche Maßnahmen gespendet - etwa an einen Fonds zum Bau einer Mauer an der Südgrenze zu Mexiko. Reuters konnte Mellon weder über einen Verleger noch über eine Familienstiftung, mit der er früher verbunden war, erreichen.
Isaac "Ike" Perlmutter, der ehemalige Vorsitzende von Marvel Entertainment, hat mit seiner Frau Laura mehr als zehn Millionen Dollar an einen neuen Trump-Super-Pac namens Right for America gespendet. Perlmutter ist regelmäßiger Gast in Trumps Mar-a-Lago-Residenz in Florida. Die Perlmutters haben der America First Action Inc. bereits 2020 mindestens 21 Millionen Dollar gespendet.Letztes Jahr entließ der Unterhaltungskonzern Walt Disney Perlmutter im Rahmen eines Sparprogramms als Vorsitzenden von Marvel Entertainment. Diese kleinere Sparte innerhalb des Unternehmens ist unter anderem für die Veröffentlichung von Comics zuständig.Der in Israel geborene Perlmutter, der laut Forbes 81 Jahre alt und rund 4,4 Milliarden Dollar schwer ist, lebt sehr zurückgezogen. Auch er lässt sich nur selten fotografieren. Seine Frau Laura, die sich ebenfalls bedeckt hält, ist Direktorin der Laura and Isaac Perlmutter Foundation. Diese konzentriert sich nach eigenen Angaben auf Gesundheitsfürsorge und Gemeinschaftsinitiativen.Der Anwalt von Isaac Perlmutter, John Turitzin, sagte am Telefon, er wolle nicht mit den Medien sprechen und legte auf.
Die ehemalige Wrestling-Unternehmerin ist eine langjährige Spenderin Trumps. Sie leitete in der Trump-Regierung die Small Business Administration. Im laufenden Wahlkampf hat sie mehr als zehn Millionen Dollar an MAGA Inc. gespendet. McMahon hat 2019 und 2020 mehr als 15 Millionen Dollar an America First Action gespendet, deren Vorsitz sie vor der Wahl 2020 innehatte.Bis 2009 leitete sie World Wrestling Entertainment (WWE) zusammen mit ihrem Ehemann Vince McMahon, der das Unternehmen in den 1980er Jahren von seinem Vater gekauft hatte. Anfang dieses Jahres trat Vince McMahon vom Wrestling-Giganten TKO und der von ihm gegründeten Tochtergesellschaft WWE zurück. Zuvor war er in einem Gerichtsverfahren der sexuellen Nötigung und des Menschenhandels beschuldigt worden. Er bestreitet die Vorwürfe. Forbes schätzt sein Nettovermögen auf rund 2,7 Milliarden Dollar.Die 75-jährige Linda McMahon kandidierte zweimal erfolglos für einen Sitz im US-Senat in Connecticut. Heute ist sie Vorsitzende des Trump-freundlichen America First Policy Institute in Washington. Dieses will nach eigenen Angaben für "freies Unternehmertum, nationale Größe, amerikanische militärische Überlegenheit ... und die Vorrangstellung amerikanischer Arbeiter, Familien und Gemeinden" eintreten. Das Institut reagierte nicht auf Bitten um eine Stellungnahme.
Der 79-jährige Hotelmagnat aus Nevada hat MAGA Inc. in diesem Wahlkampf über neun Millionen Dollar gespendet. Bigelow sagte Reuters im Januar, er habe der Pro-Trump-Gruppe insgesamt 20 Millionen Dollar zugesagt. Bigelow, der eine Faszination für Ufos und den Weltraum hegt und verschiedene Forschungsprojekte finanziert, hat bereits mit Trump in Mar-a-Lago zu Abend gegessen. Er hat eigenen Angaben zufolge eine Million Dollar an Trumps Fonds für Justiz-Angelegenheiten gespendet. 2011 schätzte Forbes den Wert von Bigelows Immobilienbesitz auf rund 700 Millionen Dollar.
Die Großspenderin der umstrittenen Scientology-Kirche hat MAGA Inc. in diesem Wahlzyklus mehr als fünf Millionen Dollar gespendet. Ihr Ex-Ehemann Robert Duggan ist ein Investor und Unternehmer, dessen Vermögen durch den Verkauf des Krebsmedikamenten-Herstellers Pharmacyclics an AbbVie im Jahr 2015 für 21 Milliarden Dollar beträchtlich gestiegen ist. Forbes schätzt sein Nettovermögen auf etwa 3,3 Milliarden Dollar.Die Duggans, die sich an der University of California in Santa Barbara kennenlernten und acht Kinder haben, ließen sich 2017 scheiden. Sie spendeten America First Action bereits 2020 jeweils mindestens vier Millionen Dollar. Patricia Duggans persönliche Website beschreibt sie als Künstlerin mit einer Leidenschaft für Glaskunst. Sie lebt in Clearwater, Florida. Sie reagierte nicht auf die Bitte um eine Stellungnahme.

Laut Shannon Burns, einem führenden Aktivisten der Republikaner in Ohio, liegt ein Problem in diesem Jahr darin, dass Menschen, die sich etwa in Listen zum Erhalt von E-Mails von Trump eingetragen hätten, plötzlich auch von allen möglichen anderen Republikanern Nachrichten erhielten. Das führe zu Verwirrung – auch dahingehend, wo eine Spende am Ende tatsächlich landen werde.

Kurzzeitig ging die Zahl der Kleinstspenden für Trump auch in diesem Wahlkampf hoch – etwa in den Tagen nach einem Gerichtsurteil gegen ihn im Mai oder nach dem versuchten Attentat im Juli. Aber der generelle Trend zeigt deutlich nach unten. Inwiefern sich dies bei der Wahl im November bemerkbar machen wird, bleibt derweil abzuwarten.

Der 78-jährige Stephen Buckhalter hat ebenfalls das Spenden eingestellt, nachdem er 2022 und 2023 noch 120 Dollar an Trump überwiesen hatte. „Die Lebenshaltungskosten haben ein Niveau erreicht, dass am Ende des Monats nicht mehr viel übrig ist“, sagt er. Auf die Frage, ob seine Entscheidung, dem republikanischen Kandidaten nichts mehr zu spenden, auch bedeute, dass er diesen nicht mehr unterstütze, reagiert er eindeutig. Das bedeute es „auf keinen Fall“, sagt er.

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AP
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