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Taylor SwiftDer „Swift-Effekt“: Wie Stars die US-Wahl beeinflussen

Kamala Harris und Donald Trump liefern sich ein knappes Rennen. Einfluss nehmen auch Prominente wie Elon Musk – und Taylor Swift. Wie wirkt sich das aus?Anabel Schröter 31.10.2024 - 07:14 Uhr

Taylor Swift erreicht ein Millionen-Publikum und unterstützt Kamala Harris im Wahlkampf.

Foto: imago images

Taylor Swift ist aktuell die erfolgreichste Künstlerin weltweit. Die Sängerin dominiert die Musik-Charts, die Entertainment-Welt und die Wirtschaft. Mit ihrer aktuellen Tour soll Swift der US-Wirtschaft einen Aufschwung verliehen haben. Laut den Expertinnen und Experten des Internationalen Währungsfonds sollen die Konsumausgaben in den USA während der Tour um rund 4,6 Milliarden Dollar gestiegen sein.

Deshalb wird Swift auch ein großer Einfluss auf den Ausgang der US-Wahl zugesprochen. Bereits 2020 unterstützte sie die Demokraten und backte für Kamala Harris und Joe Biden Kekse. Im aktuellen Wahlkampf hielt sich die Sängerin lange Zeit bedeckt. Einige Fans, die sogenannten Swifties, forderten eine Stellungnahme der Sängerin. Erst nach dem TV-Duell zwischen Kamala Harris und Donald Trump brach sie ihr Schweigen.

„Wie viele von Ihnen habe auch ich die Debatte heute Abend verfolgt. Bei den Präsidentschaftswahlen 2024 werde ich Kamala Harris und Tim Walz meine Stimme geben“, schrieb Swift auf ihrem Instagram-Account. Ihre Entscheidung begründet sie damit, dass Harris eine „besonnene, begabte Führungspersönlichkeit sei“. Zudem habe sie die Ernennung des Vize-Präsidentschaftskandidaten Tim Walz motiviert, auch dieses Mal die Demokraten zu unterstützen. Walz setzt sich für Frauen- und LGBTQ+-Rechte ein – Werte, die Swift ebenfalls vertritt.

Neben der Sängerin äußerten sich noch weitere berühmte Künstlerinnen und Künstler zur US-Wahl. So gab Popstar Beyoncé ihre Erlaubnis, dass Harris ihren Song Freedom für ihre Kampagne nutzen darf. Zudem trat sie bei einer Wahlkampfveranstaltung in Houston, Texas, zusammen mit Harris auf. Sängerin Billie Eilish und ihr Bruder Finneas positionierten sich wie Swift per Instagram-Post: „Wir stimmen für Kamala Harris und Tim Walz, weil sie für den Schutz von Abtreibungen und Verhütungsmitteln, für die Umwelt und für die Demokratie kämpfen.“

Zu den weiteren Unterstützern Harris' zählen die Sängerinnen Charlie XCX, Ariana Grande, Katy Perry, Pink, Lizzo und der Sänger Bruce Springsteen, der Rapper Eminem und Schauspieler George Clooney. „Die meisten Prominenten sind eher liberal eingestellt. Generell sollte man ihren Einfluss auf eine Wahl aber nicht überschätzen“, schränkt Johannes Thimm von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) ein.

Viele Registrierungen nach Swifts Wahlaufruf

In ihrem Posting sprach sich Swift nicht nur für die Vize-Präsidentin aus, sondern forderte auch ihre Fans dazu auf, sich für die Wahl zu registrieren. Anders als in Deutschland gibt es in den USA keine Meldeämter. Deshalb müssen sich die Bürgerinnen und Bürger vorab eigenverantwortlich registrieren, um wählen zu können.

Und hier lässt sich der sogenannte Swift-Effekt erkennen: Laut „CNN“ verzeichnete die gemeinnützige überparteiliche Wahlorganisation Vote.org 52.222 Personen, die sich nach Swifts Post für die Wahl angemeldet hatten. Weitere 144.000 Menschen hätten zudem ihre Registrierung bestätigt. Auch in den sieben Swing States, also den Bundesstaaten, in denen sowohl Harris als auch Trump Chancen auf einen Sieg haben, registrierten sich tausende US-Bürgerinnen und Bürger für die Wahl.
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Zudem berichtet das Unterhaltungsbranchenportal Variety, dass die Registrierungsseite Vote.gov nach Swifts Post erheblich mehr Besucherinnen und Besucher verzeichnete. Mehr als 400.000 Menschen kamen wohl direkt von dem Posting der Sängerin auf die Seite. In der Woche zuvor verzeichnete die Seite etwa 30.000 Aufrufe pro Tag.

Auf den ersten Blick sind das erstaunliche Zahlen, sie sagen aber nichts über die tatsächliche Stimmenabgabe bei der Wahl aus. „Wir nicht wissen, wie groß der Einfluss von Swift tatsächlich ist. Wir wissen auch nicht im Einzelnen, wen ihre Fans wählen oder ob sie überhaupt wählen gehen“, ordnet Johannes Thimm ein.

Tausende Stimmen können entscheidend sein

Allerdings erreicht die Sängerin eine Zielgruppe, die sehr jung ist und teilweise zum ersten Mal wählen geht. „Jede Wählergruppe ist wichtig. Aber bei den jungen Leuten ist es so, dass viele zum ersten Mal wählen und sich oft noch nicht so lange mit Politik beschäftigen. Deshalb sind sie in ihren Ansichten noch nicht so gefestigt“, erläutert SWP-Experte Thimm.

In den Umfragen vor der Wahl leisteten sich Kamala Harris und Donald Trump ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Je nach Umfrage führte mal Harris, mal Trump. Bei einem solch knappen Rennen können bereits wenige tausend Stimmen einen Unterschied machen.

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Entscheidend dafür sind die Wählerstimmen in den sogenannten Swing States. Also in den Bundesstaaten in den vorab aufgrund der Wahlhistorie und aktueller Stimmungsbilder keine politische Mehrheit ausgemacht werden kann. Dort können die jungen Menschen, die sich noch nicht entschieden haben, den Unterschied machen. Bereits 2020 machte der Anteil der Jungwählerstimmen rund 17 Prozent aus. Und in den kommenden Jahren wird ihr Anteil weiter wachsen.

Jung und weiblich wählt oft demokratisch

Doch wo auf dem politischen Spektrum stehen die jungen Wähler? Befragungen nach der Wahl 2020 zeigten, dass 60 Prozent aller jungen Wähler für Biden stimmten und nur 36 Prozent für Trump. Auch die Mehrheit der Wähler zwischen 30 und 44 Jahren stimmte für Biden, mit 52 Prozent fiel ihre Mehrheit jedoch geringer aus. Bei den Wählern ab 65 Jahren schnitt Trump am besten ab, 62 Prozent dieser Altersgruppe gaben ihm ihre Stimme.

400.000
Menschen
besuchten nach Swifts Posting die Registrierungsseite vote.gov

Zudem fand das Center for American Women and Politics (CAWP) an der Rutgers University in New Jersey heraus, dass sich seit 1980 mehr Frauen als Männer an den Präsidentschaftswahlen beteiligten. Seit 1996 stimmte die Mehrheit der Frauen zudem für den demokratischen Kandidaten.

Die Swifties fallen historisch betrachtet oft schon in das Wählerbild der Demokraten. „Wahlergebnisse sind immer multikausal. Es kommt letztendlich darauf an, was man für den entscheidenden Faktor hält. Bei einer Wahl, bei der es so wenige unentschiedene Wählergruppen gibt, kann der Einfluss von Swift – aufgrund ihrer Popularität – jedoch durchaus entscheidend sein“, erklärt Thimm.

Prominente Unterstützung für Trump

Allerdings gibt es auch auf der Seite von Donald Trump einige prominente Unterstützer. So sprachen sich unter anderem der Rapper Kanye West, die Rapperin M.I.A und Rapper Kid Rock für den Ex-Präsidenten aus. Der wohl bekannteste Unterstützer ist Tech-Milliardär Elon Musk. Musk stellt sich nicht nur mit Worten hinter Trump, sondern spendete auch mehrere Millionen Dollar für dessen Kampagne. Musk hofft darauf, bei einem Wahlsieg Trumps ins Kabinett zu gelangen.

US-Wahl 2024

Die Vorstadt-Schlacht

von Julian Heißler

Zudem gab es einen gemeinsamen Wahlkampf-Auftritt in Butler, Pennsylvania. Mitte Oktober kündigte der Tech-Milliardär an, bis zur Wahl täglich eine Million Dollar an einen registrierten Wähler in den Swing States zu vergeben. Die Aktion richtet sich an registrierte Wählerinnen und Wähler, die eine Petition unterzeichnen. Darin geht es um „die freie Meinungsäußerung und das Recht, Waffen zu tragen“ und wurde von Musks Organisation „America PAC“ ins Leben gerufen. Das US-Justizministerium warnte davor, dass diese Aktion gegen das Wahlrecht verstoßen könnte.

Dennoch spricht SWP-Experte Thimm ihm einen großen Einfluss zu: „Elon Musk hat eine enorme Reichweite auf X – er kann auch Menschen erreichen, die ihm nicht folgen. Er könnte über soziale Medien mehr Einfluss auf potenzielle Wähler haben als Swift.“ Allerdings sei es fraglich, ob Musk so unentschlossene Menschen erreichen und überzeugen könne. „Das Besondere an Swift ist, dass sie junge Menschen erreicht, die zum ersten Mal wählen gehen“, unterstreicht Thimm.

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Für die Künstlerinnen und Künstler können politische Statements durchaus ein Risiko darstellen. „Es gab Versuche, Taylor Swift präventiv zu diskreditieren. Die Verschwörungstheorien gingen so weit, dass den Demokraten vorgeworfen wurde, die NFL manipuliert zu haben, damit Swifts Partner, der Football-Spieler Travis Kelce, mit seinem Team die Meisterschaft gewinnt“, berichtet Thimm.

Statements als Karriererisiko

Dass politische Statements weitreichende Auswirkungen auf die Karriere haben können, zeigt das Beispiel der Country-Band The Chicks – früher bekannt als Dixie Chicks. Kurz bevor 2003 der Irak-Krieg ausbrach, sagte Bandmitglied Natalie Maines bei einem Konzert in London, sie schäme sich dafür, dass der damalige Präsident George W. Bush aus ihrem Heimatstaat Texas komme.

„Die konservative Fanbasis hat das nicht honoriert und deren Karriere hat über Jahre darunter gelitten“, erzählt Thimm. Es gab Boykott-Aufrufe, Fan-Aufstände und auch Radiostationen nahmen Abstand. Kurz darauf ruderte die Band zurück und entschuldigte sich für die Aussage. Doch die Äußerungen hallten noch lange nach.

Elon Musk macht gemeinsam mit Donald Trump Wahlkampf.

Foto: AP

Swifts Management und ihre Familie rieten ihr lange davon ab, Stellung zu beziehen. Ein Statement zur Wahl 2016 blieb aus. Erst bei der Senatswahl 2018 in ihrer Heimat Tennessee sprach sie sich für die Demokraten aus. Die Wahl in dem republikanisch geprägten Staat konnte sie nicht umdrehen, allerdings registrierten sich viele neue Wählerinnen und Wähler. In den US-Medien wurde viel über ihr politisches Statement diskutiert – gecancelt wurde sie nicht. Allerdings verlor sie einen Fan: Donald Trump schmollte nach ihrem damaligen Statement: „Ich mag ihre Musik ab jetzt 25 Prozent weniger.“

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