Elon Musk und Deutschland: Elon Musks Äußerungen zeigen, womit deutsche Unternehmen künftig rechnen müssen

Elon Musk mit dem künftigen US-Präsidenten Donald Trump.
Foto: via REUTERSEs ist nicht ungewöhnlich, dass Elon Musk sich auf seinem Haus-Netzwerk „X“ an den Deutschen abarbeitet. Mal tituliert er Kanzler Olaf Scholz, mal Wirtschafts- und Klimaminister Robert Habeck als „Narren“, am Sonntag reagierte er auf Ex-Kanzlerin Angela Merkel: Die hatte sich im „Spiegel“ besorgt geäußert über die Machtfülle, die sich Musk allein mit seinem Satellitennetzwerk Starlink aufgebaut habe. „Who ist this Angela Merkin person?“, fragte Musk.
Das alles sind in Posts geronnene Posen eines rastlosen „Disrupter-in-Chief“ („Economist“), der unbesiegbar scheint, jetzt, da er offenbar sogar die Kür des US-Präsidenten mit beeinflusst hat. Musk hat jetzt das Ohr des künftigen Präsidenten. Und nicht nur das. Er hat Herrschaftswissen, aus Mar-a-Lago, aus Neu-Versailles. Und entsprechend ausgerüstet hebt und senkt Musk bisweilen im Minutentakt den Daumen. Den trumpschen Absolutismus verwebt der Welt-CEO Musk dabei mit spätbarocker Eitelkeit. Auch Amazon-Gründer Jeff Bezos, eigentlich auf Augenhöhe, hat er so gerade provoziert.
Attacke vor allem auf Konkurrent LinkedIn
An Politikern mag Musks Hohn und Kritik vorerst noch abprallen. Aber wenn Musk sich deutsche Unternehmen und deutsche CEOs vornimmt, dann ver-x-facht er schon jetzt unternehmerische Risiken. Das zeigt Musks Angriff auf RWE-CEO Markus Krebber vom Wochenende. Genau genommen hat sich Trumps Bürokratie-Buster allerdings nicht mit RWE oder gar Krebbers „Growing-Green“-Strategie befasst. Er hat auch nicht RWEs US-Engagement bei den Erneuerbaren im Allgemeinen oder gar die Offshore-Pläne im Besonderen attackiert. Genau genommen warf Musk Krebber nur vor, dass dieser sich auf dem Business-Netzwerk LinkedIn geäußert hat. „I instantly lose respect for anyone who posts on LinkedIn“, schrieb Musk. Das sei „unbearably cringe.“ Schauerlich.
Dennoch zeigt der Post, dass Elon Musk künftig kein Scheu haben wird, seine Nähe zu Donald Trump zu Gunsten seiner geschäftlichen Interessen zu nutzen. Das kann mal sein, dass er „X“, gegenüber LinkedIn pusht. Im nächsten Moment kann das allerdings auch sein, dass er für die Interessen Teslas lobbyiert, für sein Raumfahrtunternehmen SpaceX, für die Satelliten von Starlink – oder auch für jedes Thema, was aus seiner Sicht Disruption und mal ein ehrliches Wort verdient. Ausgerechnet RWE ist hier besonders anfällig. Das US-Geschäft hat Krebber in den vergangenen Jahren massiv ausgeweitet. Und die Ausbaupläne für das Offshore-Geschäft, das Trump prinzipiell ablehnt, sind nun ohnehin akut bedroht. RWE hat auch deshalb zuletzt bereits Investitionen umgeschichtet und ein Aktienrückkaufprogramm gestartet.
Musks Äußerungen zeigen, dass deutsche Unternehmen jenseits der Standard-Drohungen mit Zöllen künftig auch mit ständig neuen Querschüssen aus Mar-a-Lago oder Washington werden rechnen müssen. Es gilt vielleicht nicht: Memento Mori – vergiss‘ nicht, dass Du sterblich bist, aber sicher: Memento Musk.
Mehr Aufmerksamkeit für Krebbers Forderung
Dabei hat der Musk-Post für Krebber auch einen Vorteil. Er erhöht die Aufmerksamkeit für seinen LinkedIn-Post. Darin schlägt der RWE-Chef Alarm, mit einer deutschen und einer englischen Version. Am 6. November 2024, einem denkwürdigen Mittwoch, musste Deutschland nämlich nicht nur den Trump-Sieg und das Ampel-Aus verarbeiten. Gleichzeitig herrschte auch Dunkelflaute, die Strompreise schossen am Abend auf über 800 Euro pro Megawattstunde. „Diese sehr hohen Preise sind eine absolut sichere Indikation für den Zustand der Versorgungssicherheit in Deutschland“, schreibt Krebber. „Sie sind Ergebnis des zu knappen Angebots.“
Nein, der RWE-Chef warnt nicht vor einem Blackout. Aber er warnt davor, dass das Stromsystem für die aktuellen Herausforderungen nicht gewappnet ist. Politisch macht der RWE-Chef so Druck, um lange ausstehende Entscheidungen über neue Gaskraftwerke als Backup zu erzwingen. „Wir sehen schon heute ganz klar, was passiert, wenn man Leistung abschaltet und den Erneuerbaren kein Backup zur Seite stellt“, schreibt er.
Die Reste der Ampel versuchen derzeit, das so genannte Kraftwerkssicherheitsgesetz, das de facto seit Jahren hängt, noch irgendwie durch den Bundestag zu kriegen. Die Chancen stehen eher schlecht, dass das gelingt. Deshalb hat Krebber Recht, wenn er den Fokus darauf lenkt, was geschieht, wenn man nicht handelt. Während RWE hier für mehr Gaskraftwerke kämpft, dringen Energie-Start-ups wie 1Komma5-Grad oder Enpal auf maximale und schnelle Flexibilisierung bei der Einspeisung und beim Stromverbrauch, auf Effizienzgewinne. Die Dritten fordern eine Renaissance der Atomkraft in Deutschland.
Aber was auch immer die Lösung sein mag. Die Ironie der Musk-Posts vom vergangenen Wochenende ist, dass in der deutschen Energiepolitik etwas mehr Muskscher Umsetzungswille gar nicht schlecht wäre.
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